Wetter Weihnachten 2021: Sorgt ein Polarwirbelsplit mit Arctic Outbreak für weiße Weihnachten?

Schnee an Weihnachten?

Ein Hoch verlagert sich in der Vorweihnachtszeit von Europa auf den Atlantik und sorgt über Weihnachten für eine spannende Wetterentwicklung.

Etwas Schnee geht bis zum 3. Advent bis auf tiefere Lagen nieder, doch zur Ausbildung einer Schneedecke wird es erst oberhalb etwa 400 bis 600 Meter reichen und dann auch nur südlich einer Linie von Köln und Dresden. Zwischen 1 und 5 cm und über Staulagen können bis zu 10 cm zusammenkommen (Schneeprognose). Weiter nach Norden lockert die Bewölkung auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Die Temperaturen erreichen +0 bis +5 Grad und oberhalb etwa 500 bis 700 Meter stellt sich Dauerfrost ein.

Spürbar milder

Zum Start in die neue Woche setzt sich über Deutschland hoher Luftdruck durch. Die Schaueraktivität lässt nach und bei einem Mix aus Wolken, Nebel und Hochnebel nimmt die Sonnenscheindauer weiter zu. Die Temperaturen steigen weiter an und erreichen zur Wochenmitte +5 bis +10 Grad und über dem Westen örtlich bis +12 Grad. Weitere Informationen in der aktuellen Wetterprognose Dezember 2021

Die atlantische Frontalzone wird reaktiviert und führt im Zusammenspiel mit einem Hoch milde Luftmassen nach Deutschland
Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Die atlantische Frontalzone wird reaktiviert und führt im Zusammenspiel mit einem Hoch milde Luftmassen nach Deutschland
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Erst die atlantische Frontalzone

Der Aufbau der kommenden Großwetterlage zeigt zugleich, warum es so mild werden kann. Die atlantische Frontalzone wird reaktiviert und zentralisiert sich bis zum 15. Dezember zwischen Island, England und Skandinavien. Ein Hoch zieht sich weiter nach Süden zurück und entsendet einen Hochdruckkeil nach Deutschland. Zwischen den beiden Wettersystemen kann sich so eine warme Südwestwetterlage einstellen.

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Dann ein Hoch

Wer jetzt denkt, dass sich die atlantische Frontalzone mit einer Zonalisierung (Westwetterlage) durchsetzen und so für ein windiges und nasses Weihnachtswetter sorgen kann, der irrt. Denn das Hoch, auch wenn es auf der obenstehenden Wetterkarte noch so passiv wirkt, wölbt sich im Zeitraum vom 15. bis 18. Dezember zwischen Frankreich, England und Deutschland nach Norden auf und schiebt die atlantische Frontalzone weit nach Norden und damit weg von Mitteleuropa. Sowohl die Wetterprognose der Europäer, als auch die der Amerikaner berechnen bis zum 18. Dezember diese Wetterentwicklung einheitlich.

Das Hoch füllt sich von oben herab mit warmen Luftmassen auf und sorgt selbst über Lagen von 1.400 Meter für Temperaturen von +2 bis +5 Grad. Für tiefere Lagen hat das - je nach Sonnenscheindauer - Temperaturen von +4 bis +8 Grad und örtlich bis +12 Grad zur Folge. Das ist allesamt nicht winterlich und das Thema weiße Weihnachten scheint in weite Ferne zu rücken.

Die milde Hochdruckblase wird sowohl vom europäischen (li.), als auch vom amerikanischen Wettermodell simuliert (re.)
Die milde Hochdruckblase wird sowohl vom europäischen (li.), als auch vom amerikanischen Wettermodell simuliert (re.)
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Omegahoch?

Die Entwicklung eines Omegahochs (Ω) könnte man angesichts des obenstehenden Vergleichs annehmen, doch reicht die Stütze der Tiefdrucksysteme links und rechts vom Hoch nicht aus und das Konstrukt wird nicht die Stabilität erlangen, was sonst im Sommer zu erwarten ist. Dennoch wird das Hoch kurz vor Weihnachten für eine turbulente Wetterentwicklung sorgen können.

Die Wetterlage kippt

Die Europäer berechnen den strukturellen Wandel der Großwetterlage mit dem 19. und 20. Dezember etwas früher. Das Hoch weicht - wie in den letzten Tagen bereits berechnet - nach Westen aus und positioniert sich zwischen Spanien, England und Island als Blockadehoch. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen noch weitgehend im Einflussbereich des Hochdrucksystems, gelangen aber auf den östlichen Gradienten und da sich Hochdrucksysteme im Uhrzeigersinn drehen, werden aus nördlichen Richtungen mit +4 bis +8 Grad und über dem Süden bis +2 Grad etwas kühlere Luftmassen nach Deutschland geführt.

Kurz vor Weihnachten eine interessante Wetterentwicklung - Das Hoch weicht nach Westen aus und positioniert sich als Blockadehoch
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Kurz vor Weihnachten eine interessante Wetterentwicklung - Das Hoch weicht nach Westen aus und positioniert sich als Blockadehoch
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Sorgt ein Polarwirbelsplit für Schnee, Eis und Frost zu Weihnachten?

Man kann anhand der obenstehenden Wetterkarte auf die Idee kommen, dass sich Hoch auf dem Atlantik noch etwas weiter in den Polarwirbel hinein ausdehnen könnte und dann - ja dann hätte man den Spezialfall und man könnte über weiße Weihnachten philosophieren.

Polarwirbelsplit mit Arctic Outbreak über Europa

Wie das in einem extremen Fall funktionieren kann, zeigt die aktuelle Wettervorhersage der Amerikaner. Das Hoch verlagert sich etwas später nach Westen und zentralisiert sich in der Vorweihnachtszeit zwischen Island, England und Portugal. Gleichzeitig schiebt sich auf der gegenüberliegenden Seite von den Aleuten her ein weiters Hochdrucksystem in den Polarwirbel hinein vor und sucht den Kontakt zum Hoch über dem Atlantik.

Die Verbindung der beiden Hochdrucksysteme wird zum 24. Dezember (Heiligabend) simuliert. Der Polarwirbelsplit wird zu Weihnachten vollzogen und Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen über die Feiertage in einen sog. Arctic Outbreak. Der Zustrom arktischer Luftmassen gelingt aber nur, wenn die Position des Polarwirbels exakt so verläuft, wie es die Amerikaner heute simulieren. Denn mithilfe der Hochdruckachse wird die eine Hälfte des Polarwirbels zwischen der Barentssee und Karasee gezwungen, nach Süden - in Richtung der Mittelmeerregion - auszutrogen und ist das erst einmal vollzogen, so entsteht über dem warmen Mittelmeer ein weiteres Tiefdrucksystem, was fortan als Ansaugmotor für die arktischen Kaltluftmassen dient. Das kann über Weihnachten als Wintereinbruch gewertet werden, wie er im Buche steht und weiße Weihnachten sind bis auf tiefere Lagen sind nach dieser speziellen Wettervorhersage in Betracht zu ziehen.

Welche Temperaturen wären zu erwarten?

Simuliert werden über Weihnachten vom amerikanischen Wettermodell folgende Werte:

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells
Tag Temperatur Wetter
23. Dezember +4 bis
+8 Grad
Leichter Niederschlag
24. Dezember - Heiligabend +4 bis
+8 Grad
Kräftiger Niederschlag
25. Dezember - Erster Weihnachtsfeiertag -6 bis
-1 Grad
Kräftiger Schneefall
26. Dezember - Zweiter Weihnachtsfeiertag -8 bis
+0 Grad
Schneefall
Links die Berechnung der Europäer, bei der sich das Hoch nach Westen verlagert und recht die der Amerikaner, bei der sich das Hoch als Blockadehoch auf dem Atlantik positionieren kann
Links die Berechnung der Europäer, bei der sich das Hoch nach Westen verlagert und recht die der Amerikaner, bei der sich das Hoch als Blockadehoch auf dem Atlantik positionieren kann
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Polarwirbelsplit

So ein Polarwirbelsplit konnte man in den letzten Tagen immer wieder in den Prognosen der Vorhersagemodelle finden und ja, möglich ist diese Variante, doch sei an dieser Stelle erwähnt, dass diese sehr speziell ist und optimal verläuft. Das ist beim Wetter über Deutschland jedoch seltener der Fall. Meist rauschen die Kaltluftvorstöße polaren Ursprungs östlich an Deutschland vorbei. Man wird sehen, was daraus wird - die Spannung wird beim Wetter jedenfalls bis Weihnachten aufrechterhalten.

Schaut man sich den Mittelwert aller Kontrollläufe an, so ist das Thema von Schnee an Weihnachten ebenfalls zu diskutieren. Bis zum 20. Dezember hält sich die milde Luftmasse über Deutschland und kann für Temperaturen von +4 bis +8 Grad sorgen - damit stimmt die Wetterprognose der Vorhersagemodelle mit den Kontrollläufen überein, was die Milderung in diesem Zeitraum wahrscheinlich macht.

Im Zeitraum vom 20. bis 25. Dezember sinkt das Temperaturspektrum in der Höhe von 1.400 Meter auf -2 bis -4 Grad ab und sorgt über dem Norden und Westen an Weihnachten für Tageswerte von +2 bis +6 Grad. Über dem Osten und Süden pendeln sich die Werte auf -1 bis +2 Grad ein und ab den mittleren Lagen ist mit Dauerfrost zu rechnen. Im Vergleich zu den Kontrollläufen berechnen die Amerikaner mit Abstand die kälteste Variante und wie bereits weiter oben erwähnt, sollte man solch extremen Entwicklungen immer skeptisch gegenüberstehen. Grundsätzlich aber spielt der Mittelwert aller Kontrollläufe mit und simuliert zu Weihnachten das Hoch weiter westlich von Europa.

Kaum Niederschlag

Das Tauwetter ist hochdruckdominiert und so ist im Zeitraum vom 12. bis 23. Dezember kaum mit Niederschlag zu rechnen. Erst über die Weihnachtsfeiertage zeigen sich die ersten Niederschlagssignale.

Das Hoch verlagert sich bis Weihnachten von Europa auf den Atlantik - somit sind theoretische Ansätze einer weißen Weihnacht zu diskutieren
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Das Hoch verlagert sich bis Weihnachten von Europa auf den Atlantik - somit sind theoretische Ansätze einer weißen Weihnacht zu diskutieren
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Die Weihnachtsprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur Wetter
24. Dezember - Heiligabend +0 bis
+3 Grad
Leichter Niederschlag
25. Dezember - Erster Weihnachtsfeiertag -1 bis
+3 Grad
Leichter Niederschlag
26. Dezember - Zweiter Weihnachtsfeiertag -2 bis
+2 Grad
Leichter Niederschlag

Auf den Punkt gebracht: Schnee zu den Weihnachtsfeiertagen?

Zwar handelt es sich mit den Amerikanern um einen extremen Ausreißer, der so nicht eintreten und möglicherweise bereits in den kommenden Stunden wieder relativiert wird, es zeigt aber sehr eindrucksvoll, was für eine Wetterlage aus so einem Hoch entstehen kann. Und diverse Ansätze von einem Polarwirbelsplit über Weihnachten waren in den letzten Tagen zu sehen. Um es auf den Punkt zu bringen, ist über tieferen Lagen eine nasskalte Witterung mit optionalem Winterwetter ab den mittleren Lagen an Weihnachten 2021 eine für den Moment wahrscheinliche Wetterentwicklung.

Was sich im Tagesverlauf für Änderungen ergeben haben, erläutern wir heute Abend in einer Aktualisierung der Wetterprognose Winter 2021/2022 gegen 20:15 Uhr.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,3 +2,4 +1,2 355 l/m² - extrem zu trocken
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