Wettertrend Weihnachten 2021: Wie stehen die Chancen auf weiße Weihnachten?

Weiße Weihanchten 2021 mit viel Schnee, Eis und Frost? © Martin Bloch

Die aktuelle Wetterlage ist anders als in den Jahren zuvor und brachte über den südlichen Regionen schon den ersten Schnee der Saison. Wie sieht die Wetterentwicklung in der Vorweihnachtszeit aus und wie stehen die Chancen auf weiße Weihnachten 2021?

Pünktlich mit dem Start in den Dezember hat über den mittleren Lagen ordentlich Tauwetter gegeben und unterhalb etwa 700 Meter hat sich der Schnee rasch verflüchtigt. Doch war das Schneefallereignis Ende November ein tolles Schauspiel und nicht nur der frühe Schnee macht Hoffnung, auch die Wetterlage lässt den Spielraum für den Winter offen. Was aber muss passieren, damit weiße Weihnachten möglich sind?

Es muss viel passieren und alles muss passen

Weiße Weihnachten sind selten, das ist allgemein bekannt, denn in den letzten 100 Jahren gab es in der Vorweihnachtszeit gerade einmal in 50 Prozent der Fälle eine Schneedecke zu bestaunen. In Zeiten der Klimaerhitzung hat sich das auf 22 Prozent reduziert und in gerade einmal 12 Prozent gab es noch Schnee zum Fest. Das letzte Mal war das flächendeckend 2010 der Fall. Es bedarf also einer ganz besonderen Wetterlage, die für einen Wintereinbruch bis auf tiefere Lagen sorgen kann.

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Meridionale oder gestörte Zirkulation

Beide Varianten können zwar zu einer supermilden Wetterlage führen, sie können aber auch dem Winter den Weg nach Europa bereiten. Eindrucksvoll zeigten das die Berechnungen der Amerikaner der letzten Tage, bei der sich eine gewaltige Hochdruckzone von den Azoren über Skandinavien bis nach China hat ausdehnen können. Deutschland, Österreich und die Schweiz lagen am südlichen Gradienten der Hochdruckzone und somit in einer östlichen Grundströmung.

Winter und Hochwinter

Die Ostwetterlage hätte einen steten Temperaturrückgang mit zeitweiligen Schneefällen zur Folge. Der Kontinent kühlt aus und dank des Hochdrucksystems wird die atlantische Frontalzone frühzeitig blockiert. Ein Zonalisierung hätte so keine Chance und durch die stete Auskühlung würde es der atlantische Frontalzone zunehmend schwerer fallen, über Europa Fuß zu fassen. Da braucht es zwei bis drei Tiefdrucksysteme, bis so ein Hochdruckbollwerk abgebaut wird. Und sollte sich so eine Wetterlage in der zweiten Dezemberdekade einstellen können, so darf man sich berechtigte Hoffnungen auf weiße Weihnachten machen.

Nordwetterlage

Seit rund 20 Monaten dominiert eine meridionale Wetterlage die Grundströmung. Entweder mit einer warmen Süd-Nord-, oder einer kühlen Nord-Süd-Strömung. Nun kann man auf die Idee kommen, dass im 21. Monat die Westwetterlage weiterhin ausbleiben und die meridionale Grundströmung in die Verlängerung gehen kann. Dass das nicht unmöglich ist, zeigt sich anhand der Regenerierung des Troges vom vergangenen Wochenende, das in den kommenden Tagen wieder die Schneeflocken bis auf die tieferen Lagen tanzen lassen kann und ab den mittleren Lagen eine winterliche Entwicklung nicht ausschließt (Wetter Dezember 2021 und Winter 2021/2022).

Wir haben einmal die Varianten gegenübergestellt, die schon frühzeitig die Weichen für Schnee an Weihnachten stellen könnten.

Links der Erhalt der Trogwetterlage, in der Mitte die gestörte Zirkulation in Form einer Ostwetterlage und rechts das Skandinavientief mit einer Einwinterung ab den mittleren Lagen
Wetterprognose einzelner Kontrollläufe: Links der Erhalt der Trogwetterlage, in der Mitte die gestörte Zirkulation in Form einer Ostwetterlage und rechts das Skandinavientief mit einer Einwinterung ab den mittleren Lagen
© www.meteociel.fr

Ungewöhnlich warm

Doch wie bereits weiter oben erwähnt, kommt es bei diesen speziellen Varianten stark auf die Details an und verschiebt sich das nur ein wenig, so kann aus einer potentiellen Winterwetterlage rasch eine Grundströmung entstehen, die dem Frühling deutlich näher als dem Winter ist. Das wäre nicht das erste Mal, dass so etwas passiert.

Wie so ein Wandel in die warme Richtung aussehen kann? Ganz einfach. Das Hoch verlagert sich nach Süden und anstatt die atlantische Frontalzone vollständig blockiert wird, läuft diese voll auf das Hoch auf und führt aus südwestlichen Richtungen milde Luftmassen nach Deutschland. Sollte sich die Hochdruckzone noch weiter nach Süden zurückziehen, so rückt die Westwetterlage in den Fokus der Möglichkeiten. Die Wetterprognose der Amerikaner berechnet heute Abend die warme Südwestwetterlage. Können am 8. Dezember +4 bis +8 Grad erreicht werden, so sind es am 12. Dezember bis +12 Grad und am 16. Dezember können bis +14 Grad möglich sein. Und ganz ehrlich - ein Wintereinbruch hätte es bis Weihnachten unglaublich schwer, da viel Energie vonnöten ist, um die warmen Luftmassen zu egalisieren. Das bedarf einer ganz besonderen Wetterlage. Möglich ist vieles, doch wahrscheinlicher ist in diesem Fall eine grüne Weihnacht.

Links die warme Südwestwetterlage, in der Mitte das zur Inversion neigende Betonhoch und rechts die Zonalisierung
Wetterprognose einzelner Kontrollläufe: Links die warme Südwestwetterlage, in der Mitte das zur Inversion neigende Betonhoch und rechts die Zonalisierung
© www.meteociel.fr

Was wahrscheinlich ist

Der zweite Versuch des Winters sich bis über das Flachland durchzusetzen, scheitert am 6. Dezember ebenso kläglich, wie Ende November. Mehr wie eine nasskalte Witterung mit winterlichen Ambitionen ab den mittleren Lagen wird nicht drin sein. Zudem lässt sich den Kontrollläufen in den letzten Tagen ein klarer Trend einer Milderung ausmachen, auch wenn es immer wieder winterliche bis hochwinterliche Berechnungen gibt. Das ist sozusagen der Hoffnungsschimmer der Freunde des Winterwetters, doch der Wettertrend spricht einfach eine andere Sprache.

Der Mittelwert aller Kontrollläufe ist in den letzten 12 Stunden noch ein ganzes Stück milder geworden und lässt den zweiten Vorstoß des Winters zum kommenden Wochenende komplett infrage stellen. Bereits zum 7. Dezember werden in der Höhe von 1.400 Meter Höhe Temperaturen von +0 Grad berechnet und dieser Trend setzt sich bis zum 17. Dezember fort. Temperaturen um den Gefrierpunkt in 1.400 Meter Höhe haben über tieferen Lagen ein Temperaturspektrum von +6 bis +12 Grad zur Folge. Zudem werden ab dem 7. Dezember kaum mehr Niederschlagssignale berechnet, was auf eine Hochdruckzone hindeutet und im Einklang mit den ansteigenden Temperaturen auf die Südwestwetterlage hindeutet.

Warum das so ist? Ganz einfach, der Polarwirbel kommt in Schwung und baut über Kanada, Grönland und Island sein Zentrum auf. Da sich Tiefdrucksysteme nun einmal gegen den Uhrzeigersinn drehen, werden aus südwestlichen Richtungen milde Luftmassen in Richtung Europa geführt. Deutlicher wird das im Mittelwert aller Kontrollläufe und in den Druckanomalien.

Die Südwestwetterlage nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe (li.) und im Ansatz nach den Druckanomalien (re.)
Links die Druckanomalien, rechts die winterlichen Aussichten des amerikanischen Wettermodells
© www.meteociel.fr | www.climatereanalyzer.org

Die Randfaktoren

Auch diese sind aus Sicht der Winterfreunde ernüchternd. Der NAO- und auch AO-Index, werden deutlich positiv berechnet. Das spricht zum einen für einen guten Zustand des Polarwirbels, als auch für ein Tief über Island. Schaut man sich den Mittelwert der Kontrollläufe in der oben stehenden Wetterkarte noch einmal genauer an, so kann ein Displacement (Verschiebung) des Polarwirbels noch die Kehrtwende bringen - das ist dann aber auch der letzte Hoffnungsschimmer auf den Winter.

Der Polarwirbel in Stratosphärenhöhe erfreut sich einer hohen Stabilität und wir hatten bereits zum Beginn der letzten Novemberdekade beschrieben, dass dieser gute Zustand in den höheren Luftschichten in der ersten Dezemberdekade zur Geltung kommen kann. Warum der zeitliche Versatz? Es braucht i.d.R. 7 bis 14 Tage, bis sich die Entwicklungen in den höheren Luftschichten nach unten durchsetzen. Einen intakten Stratosphärenwirbel erkennt man an einem störungsfreien Ablauf, bei der ein Minor- oder Major-Warming keine Rolle spielt und die Windgeschwindigkeiten positiv besetzt sind. Zum aktuellen Stand betragen die Windgeschwindigkeiten +150 km/h und steigen zu Weihnachten mit bis +180 km/h noch weiter an. Normal sind an Weihnachten rund 130 km/h. Man sieht, dass da einiges los ist und eine nachhaltige Störung des Polarwirbels von oben herab nicht so schnell zu erwarten ist.

Stabiler Zustand des Stratosphärenwirbels
Stabiler Zustand des Stratosphärenwirbels
© www.meteociel.fr

Der ganz weite Blick in die Zukunft - die Wetterprognose Weihnachten 2021 nach den Kontrollläufen

Schaut man sich das - mögliche - Temperaturspektrum über die Weihnachtsfeiertage nach dem heutigen Stand an, so liegen die Werte über dem Westen und Norden zwischen +3 bis +5 Grad und über dem Osten und Süden zwischen +1 bis +3 Grad. Diese Prognosen entstammen dem direkten Modelloutput und zeigt, was mit den heutigen Daten für ein Wetter an Weihnachten möglich wäre. Das ist mit einer hohen Ungenauigkeit behaftet und wird sich noch mehrfach ändern können.

Die Weihnachtsprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur Wetter
24. Dezember / Heiligabend +1 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag
Erster Weihnachts­feiertag +1 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag
Zweiter Weihnachts­feiertag +2 bis
+4 Grad
Leichter Niederschlag

Auf den Punkt gebracht: Weiße Weihnachten unmöglich?

Nein, das ist es nicht. Der Trend zeigt eine Milderung an, die bis Mitte Dezember zu ungewöhnlich hohen Temperaturen führen können. Sollte es so kommen, bleiben noch zehn Tage für einen Wetterwechsel. Soweit der Stand.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,57 +2,6 +1,3 398 l/m² - extrem zu trocken
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