Die Auswirkungen der sogenannten plötzlichen Stratosphärenerwärmung auf den Polarwirbel sind auch heute noch immer nicht klar abzuschätzen. Doch in den letzten Stunden hat sich in den Berechnungen der Wettermodelle ein zunehmend einheitlicher Wettertrendtrend abgezeichnet. So simulieren beide Wettermodelle die Verlagerung eines Hochdrucksystem über den skandinavischen Raum, was eine Nordost- bis Ostwetterlage bis Ende Februar wahrscheinlicher als deutlich zu milde Varianten macht.
Schaut man sich aber die Kontrollläufe an, so ist eine winterliche bis hochwinterliche Wetterentwicklung bis Ende Februar keineswegs gesichert. Denn die Hochdruckposition wird darüber entscheiden, ob die Temperaturen winterlich kalt oder auch vorfrühlingshaft ausfallen werden. Welche Auswirkungen kann aber solch ein Major Warming in Stratosphärenhöhe auf das Wetter im März haben?

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Wie wahrscheinlich ist ein März Winter?

Ist das Major-Warming in Stratosphärenhöhe entsprechend kräftig ausgeprägt, so drehen sich die sonst üblichen von West nach Ost verlaufenden zonalen Winde entlang des 65. Breitengrades in rund 30 km Höhe auf Ost nach West um. Allein schon diese Tatsache hat eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein Hochdrucksystem im Bereich zwischen Grönland, Island, Skandinavien bis hin zum kontinentalen Bereich übers Sibirien zur Folge.
Da sich Hochdrucksysteme aber im Uhrzeigersinn drehen, ist gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, als dass Deutschland, die Schweiz und Österreich am südlichen Gradienten des Hochdrucksystem in eine östliche Grundströmung geraten können. Sollte sich das Hochdrucksystem jetzt noch etwas weiter nach Westen verlagern, so können aus nördlichen Richtungen direkt die kalten Luftmassen arktischen Ursprungs bis nach Deutschland geführt werden (Arctic Outbreak). Verlagert sich das Hochdrucksystem etwas weiter nach Osten, so ist auch die Anströmung milderer Luftmassen aus südlichen Richtungen nicht auszuschließen.

Ein März-Winter 2018 bleibt nicht auszuschließen
Ein März-Winter 2018 bleibt nicht auszuschließen

Zum aktuellen Stand berechnet das amerikanische Wettermodell die Verlagerung des Hochdruckkomplexes über den Bereich zwischen dem nördlichen Kanada und Grönland. Gleichzeitig befindet sich über dem westlichen Russland und dem östlichen Europa ein Tiefdruckgebiet. Im Verbund der beiden beeindruckenden Wettersysteme kann sich Anfang März eine nördlich orientierte Grundströmung einstellen. Zumindest nach dieser Variante wäre ein März-Winter also nicht unmöglich.
Wie kalt könnte es denn werden? Rein aus der Simulation heraus wären bspw. am 4. März Tageshöchstwerte zwischen -3 und +4 Grad zu erwarten. In den Nächten sinkt das Temperaturspektrum auf -10 bis -1 Grad ab. Das ist aber nur eine Momentaufnahme welche sich in den kommenden Stunden noch mehrfach verändern kann. Es zeigt aber, was Anfang März bei solch einer Konstellation an Temperaturen möglich sein kann und schließt die mögliche Entwicklung eines März-Winters nicht aus.

Vollständig gestörtes Zirkulationsmuster

Insbesondere die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells hinsichtlich der Möglichkeit eines März-Winters sind äußerst beeindruckend. Schaut man sich die Simulation des Polarwirbels genauer an, so stellt man fest, das sich am 25. Februar das Hochdrucksystem von Sibirien bis nach Skandinavien reichend mehr und mehr nach Westen in Richtung Grönland und Anfang März auch über das nördliche Kanada ausdehnen kann.
Der aktive Teil des Polarwirbels über dem nördlichen Kanada wird vollständig abgebaut und verlagert sich im weiteren Verlauf über den sibirischen Raum. So kann sich der Polarwirbel binnen kürzester Zeit komplett umschichten und führt über Mitteleuropa zu einer völlig anderen Konstellation der Wettersysteme. Beeindruckend sind die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells in der nachfolgenden Animation, welche noch einmal deutlich machen, wie schnell sich das Wetter bei einem Major-Warming in Stratosphärenhöhe verändern kann.

Polarwirbelberechnung Februar

Der Kaltluftwirbel über Kanada wird nach den Berechnungen des amerikanischen Wettermodells vollständig abgebaut - vollständig gestörtes Zirkulationsmuster © www.meteociel.fr

Wie gesichert sind denn diese Wetterprognosen für den März?

Aufgrund der unsicheren Simulationen der Wettermodelle der letzten Tage ist auch heute noch eine gesunde Portion an Skepsis hinsichtlich eines Märzwinters angebracht. Entscheidend darüber, ob es anfangen März hochwinterlich kalt werden kann, liegt einzig allein in der Hochdruckposition. Aber auch in einer für Winterfreunde optimalen Variante - bei der sich das Hochdrucksystem von Grönland über Skandinavien erstrecken kann - sind auch sogenannte Grenzwetterlagen nicht auszuschließen, welche kalte Luftmassen aus dem Norden von warmen über dem Süden trennen. Die Details der kommenden Wetterentwicklung bleiben noch abzuwarten, sind aber auf jeden Fall spannend.

Wetter März 2018: Wettervorhersage Langfristmodell

Die Wahrscheinlichkeiten dass die erste März-Dekade gegenüber seinem langjährigen Mittelwert zu kalt ausfallen kann, ist zum heutigen Stand etwas höher zu bewerten. Ob es darüber hinaus aber kalt bleiben kann und der März 2018 insgesamt zu kalt ausfallen wird, dass bleibt noch abzuwarten.

Das Langfristmodell berechnet in seiner aktuellen Wetterprognose für Deutschland eine Abweichung der Temperaturen gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +0,5 bis -1 Grad im normalen bis leicht zu kalten Temperaturbereich. In der Niederschlagsentwicklung zeigen sich kaum Auffälligkeiten gegenüber dem langjährigen Sollwert und können im Trend etwas zu trocken ausfallen.

Schaut man sich die Berechnungen für Europa an, so zeigt sich über dem nördlichen Europa eine Temperaturabweichung von +0,5 bis -2 Grad im normalen bis zu kalten Bereich. Aber auch über dem Süden von Europa ist mit einer Abweichung von -0,5 bis +0,5 Grad größtenteils typisches Märzwetter zu erwarten. In der Niederschlagsprognose wird der Norden von Europa zu trocken und der Süden etwas zu nass simuliert. So stützt das Langfristmodells die Entwicklung eines Hochdrucksystems über dem nördlichen Europa. Anders formuliert müssten sich demnach all jene - welche auf einen vorzeitigen Frühling warten - noch etwas in Geduld üben.

Die nächste Aktualisierung erfolgt heute Abend gegen 20:00 Uhr in einem Update der Winterprognose.

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