Wetter: Major-Warming in der Stratosphäre - Zusammenbruch oder Displacement des Polarwirbels?

| M. Hoffmann
Tiefstes Winterwetter? © Martin Bloch

Ein Major-Warming wird die Entwicklung des Polarwirbels bis Ende Januar auf den Kopf stellen. Doch ob das eine unmittelbar winterliche Wetterentwicklung über Deutschland zur Folge haben wird, bleibt abzuwarten - spannende Zeiten stehen Freunden des Winterwetters bevor.

Wie in den letzten Tagen des Öfteren beschrieben, findet in Stratosphärenhöhe aktuell ein sog. Major-Warming statt, das zum 25. Januar einen ersten und Ende Januar einen zweiten Höhepunkt erreicht.

Das Besondere an einem Major-Warming ist, dass binnen kurzer Zeit die Temperaturen von rund -84 Grad auf bis +16 Grad ansteigen und so für eine plötzliche Erwärmung der Stratosphäre sorgen können. Immerhin beträgt der Temperatursprung bis zu 100 Grad und das bleibt nicht ohne Folgen.

Die drei Phasen eines Major-Warmings in Stratosphärenhöhe
Die drei Phasen eines Major-Warmings in Stratosphärenhöhe © www.meteociel.fr

Der Zusammenbuch des Stratosphärenwirbels

Da der Winter schon recht weit fortgeschritten ist und der Stratosphärenwirbel einen ordentlichen Dämpfer verpasst bekommt, kann unter Umständen damit gerechnet werden, dass dieser sich davon nicht mehr erholen wird. Die obere Struktur des Polarwirbels zersetzt sich in viele kleinteilige Cluster und hat von oben herab eine negative Beschleunigung auf die unteren Schichten des Polarwirbels zur Folge.

Keine Konsistenz mehr in den Berechnungen der Vorhersage-Modelle

Bedingt durch den Umstand, dass das Major-Warming am zentralen Punkt des Nordpols stattfindet, können kleinste Veränderung in Richtung der Polarfront gravierende Auswirkungen haben. Anders ausgedrückt ist den Vorhersage-Modellen im Zeitraum vom 26. bis 31. Januar nicht so recht zu trauen und man wird eine gewisse Sprunghaftigkeit feststellen können.

Als Beispiel dieser Sprunghaftigkeit dient die Vorhersage der Amerikaner im Verlauf des Tages. Heute Morgen wurde ein Trog bevorzugt, der heute Nachmittag erneut berechnet wurde - mit Ansatz zu einer Tripol-Clusterung des Polarwirbels. Das hätte über Deutschland den Vollwinter bis auf das Flachland herab zur Folge.

Ein Arctic Outbreak über Deutschland mit Ansatz zu einem Polarwirbelsplit
Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Morgen und heute Nachmittag: Ein Arctic Outbreak über Deutschland mit Ansatz zu einem Polarwirbelsplit © www.meteociel.fr

Displacement des Polarwirbels

Heute Abend wurde diese Variante komplett aus dem Programm genommen. Stattdessen stellt sich bis Ende Januar eine nasskalte und windige Nordwestwetterlage ein, die den Winter auf Lagen oberhalb etwa 700 bis 900 Meter beschränkt.

Das Interessante aber ist der weitere Ablauf bis in den Februar hinein und bildet exakt eine Variante ab, die für ein Major-Warming absolut typisch ist - das Displacement des Polarwirbels (Verschiebung). Der Polarwirbel bliebt intakt, wird aber nachfolgend in seinem Wirkungskreis stark eingeschränkt agieren können.

Die Position ist entscheidend

Die Wetterprognose der Amerikaner von heute Abend zeigt für Freunde des Winterwetters eine ernüchternde Variante, was sich visuell auf den nachfolgenden Wetterkarten deutlicher zeigt.

Der linke Teil des Polarwirbels wird östlich von den Aleuten und Europa von hohem Luftdruck dominiert. Der rechte Teile wird von Kanada bis über das europäische Nordmeer vom Wirbel beherrscht. Da sich Tiefdrucksysteme gegen und Hochdrucksystem im Uhrzeigersinn drehen und Deutschland, die Schweiz und Österreich sich zwischen den Fronten befinden, sorgt eine südliche Grundströmung für Temperaturen, die für die Jahreszeit zu warm sind. Man kann aber auch gut erkennen, dass dem Polarwirbel das Displacement gar nicht passt. Das aber ist nur eine Momentaufnahme.

Ein Displacement des Polarwirbel als Folge eines Major-Warmings in Stratosphärenhöhe
Wetterprognose der Amerikaner von heute Abend: Ein Displacement des Polarwirbels als Folge eines Major-Warmings in Stratosphärenhöhe © www.meteociel.fr

Störung des Polarwirbels - was möglich ist

Die Kontrollläufe zeigen, was sonst noch möglich ist, allen voran das Displacement, das für den Moment eine plausible Entwicklungsoption für den Polarwirbel ist. Das muss aber nicht immer mit einer milden oder warmen Variante enden. Daneben gibt es noch den Polarwirbelsplit und - das hängt noch von der Intensität des Major-Warmings ab - ein völliger Zusammenbruch des Polarwirbels. Wir haben diese Varianten einmal gegenübergestellt.

Die möglichen Auswirkungen eines Major-Warmings auf den Polarwirbel in den unteren Luftschichten
Major-Warming in Stratosphärenhöhe © www.meteociel.fr

⁣Das, was wahrscheinlich ist

Bis zum 25. Januar gilt eine nasskalte Wetterentwicklung über dem Flachland mit winterlichem Potential ab Lagen oberhalb etwa 500 bis 700 Meter als sehr wahrscheinlich.

Nachfolgend gilt eine nasskalte Witterung mit winterlichen Wettererscheinungen bis auf das Flachland herab als eine herausragende Option. Oberhalb etwa 200 bis 400 Meter kann es winterlich werden. Auf andere Art formuliert stützen die Kontrollläufe - auch heute Abend - die Trogvariante im Zeitraum vom 26. bis 30. Januar.

Aber alles, was nach dem 30. Januar geschieht, bleibt im höchsten Maße spekulativ und kann sich bereits in den nächsten 24 Stunden gleich in mehrfacher Hinsicht ändern. Abwarten ist angesagt, auch wenn eine nasskalte Variante nach wie vor ein Favorit bleibt. Warum? Schauen Sie sich den Mittelwert aller Kontrollläufe an. Die Zentralisierung des Polarwirbels über Kanada spricht Bände, das aber hatten wir weiter oben mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eines Major-Warmings bereits erläutert.

Eine nasskalte Wetterentwicklung ist nach wie vor der Favorit - bemerkenswert ist die Zentralisierung des Polarwirbels im Bereich Kanada und dem europäischen Nordmeer
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Eine nasskalte Wetterentwicklung ist nach wie vor der Favorit - bemerkenswert ist die Zentralisierung des Polarwirbels im Bereich Kanada und dem europäischen Nordmeer © www.meteociel.fr

Nachtrag: Wetterprognose des europäischen Wettermodells

Die Europäer bleiben ihrer nasskalten Nordwestwetterlage zunächst einmal treu - der Winter würde sich in dem Fall mit viel Getöse bis auf die höheren mittleren Lagen zurückziehen.

Eine nasskalte Nordwestwetterlage
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Eine nasskalte Nordwestwetterlage © www.meteociel.fr

© Bild - Martin Bloch

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2022 +6,4 +2,4 +1,6 49,6 l/m² - zu trocken
Dezember 2022 +1,8 +0,98 -0,02 64,8 l/m² - etwas zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,56 +2,3 +1,23 672 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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