Wetter Herbst und Winter 2021/2022: Frühherbst oder Spätsommer?

Der Spätsommer oder doch der frühe Herbst?
Der Spätsommer oder doch der frühe Herbst?

Die Großwetterlage stellt sich mithilfe eines Störimpulses im Verlauf der kommenden Woche um und zwei extremere Varianten können sich daraus entwickeln, die zwischen einem herbstlichen und einem spätsommerlichen Charakter liegen können.

Schaut man sich die aktuellen Temperaturen vom August an, so hat er eine durchschnittliche Temperatur von +17,2 Grad und ist im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 um +0,7 Grad zu warm. Und so fällt der August im Vergleich zu den Vorjahren aus der Rolle und wird von vielen als herbstlich empfunden (2018: +3,5 Grad; 2019: +2,5 Grad; 2020: +3,4 Grad). In der Niederschlagsentwicklung konnte der August sein Soll bislang zu 60 Prozent erfüllen und ist somit leicht zu trocken. Das ist ein Zwischenfazit und die letzten Tage werden die Entscheidung bringen, ob der letzte Sommermonat deutlich zu warm, oder doch noch normal ausfallen kann.

Herbst oder Spätsommer?

In der Wetterprognose September 2021 haben wir erläutert, welche Wetterentwicklungen möglich und welche wahrscheinlich sind.

Was man über den meteorologischen Herbstanfang sagen kann ist, dass eine windige und nasse Westwetterlage die geringsten Aussichten auf Erfolg hat. Der Rest ist weniger klar definiert und die Wetterentwicklung zeigt sich zum Start in den Herbst äußerst komplex.

Der Störimpuls zieht zur Wochenmitte nach Osten ab und von Westen rückt ein Hoch nach
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Der Störimpuls zieht zur Wochenmitte nach Osten ab und von Westen rückt ein Hoch nach
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Wettervorhersage nach dem europäischen Wettermodell: warm und unbeständig

Der Störimpuls vom Sonntag zieht nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells nach Osten ab und von Westen rückt ein Hochdrucksystem nach. Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen so in eine nördliche Anströmung der Luftmassen, was die Temperaturen bis Mittwoch auf +16 bis +20 Grad und mit Sonnenschein auf bis +23 Grad zurechtstutzen kann. Wobei diese Werte dem vieljährigen Mittelwert entsprechen.

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Spätsommerhoch

Ab der zweiten Wochenhälfte rückt das Hoch von Westen nach und legt über Mitteleuropa. Die nördliche Grundströmung reißt ab und mit einer zunehmenden Sonnenscheindauer erreichen die Temperaturen spätsommerliche +18 bis +24 Grad und mit einer entsprechenden Sonnenscheindauer sind im September +27 Grad möglich.

Schaut man sich die dazugehörige Wetterkarte genauer an, so sieht man das wacklige und wenig stabile Konstrukt. Über dem Westen wartet bereits das nächste Tiefdrucksystem, während sich der Störimpuls am östlichen Hochdruckgradienten positioniert. Stabilisieren sich die zwei Tiefdrucksysteme nun, so stabilisiert sich auch das Hoch und rasch kann sich aus dieser Konstellation heraus eine Omegawetterlage bilden. Sollte das geschehen, so wären weite Teile vom Herbstwetter davon betroffen.

Warum? Hochdrucksysteme fühlen sich im September und Oktober über Europa ausgesprochen wohl und haben diese sich erst einmal etabliert, verweilen diese über einen längeren Zeitraum. Bei einem trockenen Wettercharakter wären Temperaturen von +18 bis +24 Grad und mit viel Sonnenschein bis +26 Grad möglich. In einer extremeren Variante rückt das Tief westlich von Europa noch etwas näher an Deutschland heran und führt aus südwestlichen Richtungen sehr warme Luftmassen nach Norden, sodass - in der Theorie - Werte von bis +30 Grad möglich sind.

Keine stabile, aber für September warme Wetterentwicklung
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: keine stabile, aber für September warme Wetterentwicklung
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Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Wettersturz in den Herbst

Es geht auch anders und so bestätigt sich der Wettertrend der letzten Tage, dass sich die Großwetterlage zwischen zwei extremeren Varianten wird entscheiden können - wenn man so will: Hop oder Top.

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Ein Hoch kann sich nicht durchsetzen

Der Störimpuls macht so weiter, wie es seinem Naturell entspricht - er stört. In diesem speziellen Fall intensiviert sich der Störimpuls ab der Wochenmitte über dem östlichen Europa und blockiert das Hoch über Westeuropa. Zeitgleich zieht vom europäischen Nordmeer aus ein weiteres Tiefdrucksystem nach Osten und stößt in die Lücke vor. Bedingt durch diesen Vorgang bleibt dem Hoch der Zugang in Richtung Europa endgültig verweht.

Kurz warm, dann herbstlich frisch

Da werden nicht nur gewaltige Umwälzungen, sondern auch extreme Luftströmungen in Gang gesetzt. So dreht der Wind über Süddeutschland, Österreich und der Schweiz bis zum Start in den September auf südöstliche Richtungen und führt zu spätsommerlichen Temperaturen von +20 bis +25 Grad. Das Tief über dem Norden rückt weiter vor und sorgt mit einem stürmischen Wind für einen Temperaturrückgang auf +13 bis +16 Grad, der bis zum 4. September auch den Süden von Deutschland erreicht. In den Nächten kann es auf bis +5 bis +10 Grad abkühlen. Zeitweilige Niederschläge komplettieren das herbstliche Empfinden.

Das Hoch über dem Atlantik kann sich nicht durchsetzen und so kippt die Großwetterlage Anfang September in die herbstliche Richtung
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Das Hoch über dem Atlantik kann sich nicht durchsetzen und so kippt die Großwetterlage Anfang September in die herbstliche Richtung
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Auf den Punkt gebracht: Spätsommer oder Frühherbst?

Nein, einfach ist die Konstellation nicht und bereits in der sogenannten Mittelfrist gehen die Wettermodelle mit ihren Prognosen weit auseinander. Entscheidend ist, wie weit das Hoch nach Durchzug des Störimpulses nach Osten vorankommen kann. Das ist - unter Umständen - auch schon ein Richtungsentscheid für den gesamten Verlauf des Herbstes.

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Schaut man sich die Kontrollläufe an, so handelt es sich bei der herbstlichen Prognose des amerikanischen Wettermodells um einen - mit Abstand - kalten Ausreißer, der so in den kommenden Stunden keinen Bestand haben wird. Nichtsdestotrotz gib es einige Kontrollläufe, die einer herbstlichen Witterung sehr nahekommen.

Im Gegenzug gibt es auch eine ganze Reihe von zu warmen Entwicklungen. Es bestätigt sich somit auch in den Kontrollläufen, dass es entweder in die herbstliche, oder in die spätsommerliche Richtung gehen wird (Hop oder Top). Mehrheitlich berechnen die Kontrollläufe mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad zu warmen Start in den September, der über dem Norden und Westen mit einer Differenz von +0 bis +1 Grad nur mäßig warm ausfallen kann.

Um das Resümee der letzten Tage nochmals zu bemühen: beständig unbeständig. Zwar ergibt sich mit dem Hoch die Möglichkeit einer Stabilisierung der Wetterlage, doch die Vorgeschichte des Sommers lässt nicht unbedingt den Rückschluss auf ein stabiles Spätsommerhoch zu. Wahrscheinlicher ist eine Fortsetzung des gewohnten und abwechslungsreichen Musters.

Vorerst keine stabile Wetterentwicklung
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: vorerst keine stabile Wetterentwicklung
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Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur-Spektrum Temperatur-Mittelwert
26. August +13 bis
+22 Grad
+17 bis
+19 Grad
30. August +15 bis
+28 Grad
+19 bis
+21 Grad
4. September +12 bis
+25 Grad
+18 bis
+20 Grad
Diagramm Temperaturen September 2021
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2021 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Langfristprognose Herbst und Winter 2021/2022

Das Wetter im September, Oktober und November soll nach der Wetterprognose des Langfristmodells mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 zu warm ausfallen können. Nach dem - wärmeren - Mittelwert von 1991 und 2020 liegt die Abweichung bei +0,5 bis +1,5 Grad.

Die Niederschlagsprognose fällt insbesondere für den September und Oktober deutlich zu trocken aus, während der November nur leicht zu trocken berechnet wird. Möchte man das interpretieren, geht die Langfristprognose von einem stabilen Hochdruckblock über Mitteleuropa und Skandinavien aus.

Für den Winter 2021/22 wird eine Abweichung +1 bis +2 Grad und im Trend bis +3 Grad simuliert (91/20: -0,2 bis +0,8 Grad; +1,8 Grad). Besonders der Dezember und der Januar stechen als deutlich zu warm hervor.

Die Niederschlagsprognose ist durchwachen und im Trend etwas zu nass, was im Winter den Rückschluss auf eine Zonalisierung (Westwetterlage) zulässt.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 1961 und 1990 und in Klammern der wärmere Mittelwert (1991-2020)
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2021 +0,5 bis +1,5 Grad
(+0,0 bis +1,0 Grad)
Trend: zu trocken
Oktober 2021 +0,5 bis +1,5 Grad
(+0,1 bis +1,1 Grad)
Trend: deutlich zu trocken
November 2021 +0,5 bis +1,5 Grad
(-0,4 bis +0,6 Grad)
Trend: zu trocken
Dezember 2021 +1,0 bis +2,0 Grad
(+0,0 bis +1,0 Grad)
Trend: etwas zu nass
Januar 2022 +1,0 bis +3,0 Grad
(-0,4 bis +1,6 Grad)
Trend: etwas zu nass
Februar 2022 +0,5 bis +1,5 Grad
(-0,6 bis +0,4 Grad)
Trend: normal
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2021/2022  vom 20.08.2021
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst / Winter 2021/2022 vom 20.08.2021

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Das Wetter-Jahr 2021 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2021 +0,6 +1,1 -0,3 78 l/m² - zu nass
Februar 2021 +1,8 +1,4 +0,3 48 l/m² - leicht zu trocken
März 2021 +4,8 +1,3 +0,2 46 l/m² - zu trocken
April 2021 +6,1 -1,3 -2,9 33 l/m² - zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2020 +10,2 +1,2 +0,8 79 l/m² - zu nass
November 2020 +6,0 +2,0 +1,1 18,7 l/m² - zu trocken
Dezember 2020 +3,0 +2,2 +1,2 57 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2021 +10,38 +0,87 -0,28 647 l/m² - normal
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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