Wetter Winter 2016/2017 - Wettertrend vom 6. Februar
Im Verlauf der Woche stellt sich etwa östlich der Linie Bremen - Dresden Dauerfrost ein, welcher sich bis zum kommenden Wochenende wieder über den äußersten Nordosten zurückziehen kann. So kommt es dort zu zeitweiligen, meist leichten und unergiebigen Niederschlägen, welche örtlich zur Ausbildung einer Schneedecke von 0,1-4 cm führen kann. Westlich der Linie bleibt es hingegen unbeständig und mit Werten von +1/+7 Grad die meiste Zeit über nasskalt. Die Schneefallgrenze schwankt meist zwischen 500-800 Meter und kann in den Nächten auch darunter liegen. Viel an Niederschlag ist aber auch über dem Süden und Westen nicht zu erwarten (Details s. Wetter Februar 2017).

Hochdrucksystem über Skandinavien sorgt für "Winter light"

Das Hochdrucksystem über Skandinavien sorgt in den kommenden Tagen mit einer östlichen, teils südöstlichen Grundströmung für das weder "Fisch noch Fleisch" Wetter. Betrachtet man gesamt Deutschland, so ist es kein richtiger Winter, aber auch nicht wirklich mild, eben typisch für eine Grenzwetterlage, wenngleich diese sehr schwach ausgeprägt ist. Dabei liegt der "Vollwinter" gar nicht so weit weg und zwei Umstände sorgen im wesentlichen für die knifflige Lage zwischen den Fronten. Das Hochdrucksystem kommt aufgrund der Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik nicht sonderlich weiter nach Westen voran, gleichzeitig aber wird die Frontalzone auf ihrem Weg nach Osten blockiert und weicht zunächst nach Süden aus. Dadurch dreht sich die Hochdruckachse auf Nordwest-Südost, was den Kaltluftzustrom aus Nordost blockiert. Klassische Patt-Situation und das direkt über Deutschland.

Das europäische Wettermodells mit einer deutlichen Milderung im zweiten Februar-Drittel

Das europäische Wettermodell hatte gestern Abend eine Variante berechnet, bei der das Hochdrucksystem im Zeitraum vom 10./15. Februar von den Azoren bis über Mitteleuropa "gezogen" wird und sich langsam von oben herab mit milden Luftmassen auffüllen kann. Diese Variante wird auch heute noch so berechnet, was die Temperaturen in ca. 1.500 Meter bis zum 15. Februar auf +4/+8 Grad ansteigen lassen könnte. Da das Umfeld gradientenschwach ist, ist eine klassische Inversionswetterlage nicht auszuschließen. Allerdings ist der Sonnenstand im Februar schon relativ hoch, so dass nach Nebelauflösung auch in tieferen Lagen die Temperaturen deutlich in den positiven Bereich ansteigen können. Bleibt es hingegen beim Dauernebel, so liegen die Tageswerte meist nur knapp über 0 Grad.

Amerikanisches Wettermodell bleibt relativ kalt

Anders die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells, welches das Hochdrucksystem im gesamten zweiten Februar-Drittel über Skandinavien simuliert. Gleichzeitig positioniert sich über dem südwestlichen Europa ein gradientenschwaches Tiefdrucksystem, während das Azorenhoch sich nach Norden in Richtung Grönland aufwölben kann. Zeitweise gelingt auch der "Brückenschlag" zum Azorenhoch, was das Hochdrucksystem insgesamt weiter nach Westen in Richtung Island ausweiten lassen kann. In Folge dessen kann der Zustrom gemäßigt kalter Luftmassen im Zeitraum vom 10./17. Februar weitgehend aufrecht erhalten werden. Welche Temperaturen wären demnach zu erwarten? Simuliert werden bspw. am 14. Februar Tageshöchstwerte zwischen -5/0 Grad, wobei über dem äußersten Westen und Südwesten auch leichte Plusgrade möglich wären. Erst im Zeitraum darüber hinaus verlagert sich das Tiefdrucksystem mehr über die Mittelmeerregion und beeinflusst vom 17./21. zunächst Süddeutschland und später auch Norddeutschland mit mildern Luftmassen.

Hochdruckdominanz bleibt erhalten - trockener Wettercharakter geht weiter

Wenngleich beide Wettermodelle eine unterschiedliche Temperaturentwicklung berechnen, so ist doch eine deutliche Hochdruckdominanz im zweiten Februar-Drittel über Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erkennen. Betrachtet man die Kontrollläufe, so bestätigt sich der trockene Wettercharakter im Zeitraum vom 10./20. Februar mehrheitlich. Die atlantische Frontalzone ist also zunächst einmal ohne Durchschlagskraft und schafft es - mal abgesehen von kurzen Ausnahmen - seit Dezember nicht bis nach Mitteleuropa vorzudringen. So verwundert es nicht, dass die Niederschlagsbilanz des Winters 2016/17 bisweilen deutlich zu trocken ist.

Welche Chancen hat der Winter? Alles bleibt offen!

Je nachdem, wie man Winter definieren möchte, Schnee ist Aufgrund der Hochdruckdominanz wohl eher Mangelware, aber hinsichtlich der Temperaturen zeigt sich ein sehr großes Entwicklungsspektrum. So liegt das Temperaturspektrum der Temperaturen in ca. 1.500 Meter Höhe bspw. am 15. Februar im Bereich von -15/+7 Grad, was einer Differenz von bis 21 Grad gleichkommt. Zum Vergleich: für eine halbwegs gesicherte Wettervorhersage wäre eine Differenz von 2-4 Grad und für eine Wetterprognose von 2-6 Grad wünschenswert. Das zeigt, welcher Spielraum hinsichtlich der Temperaturwerte im zweiten Februar-Drittel noch gegeben ist. Der Mittelwert schwankt über dem Norden und Osten meist um den Jahreszeit-typischen Wert und liegt über dem Süden und Westen von Deutschland mit +2/+4 Grad auch darüber. Schaut man sich die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-2) / normal (-1/+4) / zu warm (>+5), so liegen diese am 16. Februar bei 25/55/20 und am 20. Februar bei 15/35/50. Auch hier zeigt sich in den letzten Tagen eine größeres Entwicklungsspektrum, der Trend geht jedoch zum letzten Februar-Drittel vermehrt in den für die Jahreszeit zu milden Bereich.

Überraschungen vom Polarwirbel bleiben nicht auszuschließen

Beide Wettermodelle berücksichtigen bis zum 15. Februar durchaus die Möglichkeit der Ausdehnung des Azorenhochs in Richtung Island/Grönland, allerdings kippt das aufkeilende Hochdrucksystem nach den Berechnungen des europäischen Wettermodells nach Osten in Richtung Mitteleuropa weg, während das amerikanische Wettermodell Varianten eines Blockadehochs auf dem Atlantik aufrecht erhält. Somit bleiben die Wahrscheinlichkeiten für ein meridional ausgerichtetes Strömungsmuster vom 15./20. Februar erhalten und sollte sich das Hochdrucksystem tatsächlich bis nach Grönland ausweiten können, so ergeben sich über Mitteleuropa ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten für den Winter. Interessant zeigen sich die Berechnungen der zonalen Winde entlang des 65. Breitengrades in Stratosphärenhöhe, welche zum 10. Februar nach einem "normalen" Maximum von +120 km/h bis zum 20. Februar auf ein Minimum von -50 km/h absinken können. Das liegt Jahreszeitbedingt noch durchaus im weitgehenden "Normbereich", zeigt aber das langsame Ende des winterlichen Polarwirbels. Mit anderen Worten kann die Neigung zu Polarwirbelsplits in der zweiten Februar-Hälfte durchaus zunehmen und für weitere Überraschungen sorgen. Die nächste Aktualisierung erfolgt heute Abend gegen 20:45 Uhr an dieser Stelle mit einem kurzen Update der Winterprognose.

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