Die bisherige Großwetterlage mit einem Hochdrucksystem über Skandinavien und einem Tiefdrucksystem über dem östlichen Europa bleibt noch bis kommenden Donnerstag weitgehend erhalten. So sind neben starker Bewölkung auch immer wieder sonnige Lücken zu beobachten, welche am Mittwoch und Donnerstag auch zahlreicher werden können. Sonst ist immer wieder mit - zumeist leichten - Regenschauern zu rechnen und betrachtet man die Niederschlagssummen bis einschließlich Donnerstag, so ist mit 10-15 l/m² über dem Nordosten und an der Ostseeküste mit bis 30 l/m² der meiste Niederschlag zu erwarten, während nach Süden und Westen mit 0,5-5 l/m² deutlich weniger an Niederschlag möglich ist (Details s. Wettervorhersage Oktober 2016).

In den gestrigen Simulationen der Wettermodelle hat sich das Hochdrucksystem über Skandinavien nach Westen in Richtung Grönland/Island verlagern können, was über Mitteleuropa ein meridionales Strömungsmuster von Nord nach Süd zur Folge gehabt hätte. Schnee bis auf mittlere Lagen hinab wäre demnach nicht auszuschließen gewesen, doch zeigten die Kontrollläufe nach den nun zu kalten Tagen eine langsame Normalisierung des Temperaturtrends vom 15./21. Oktober und unterstützten somit nur bedingt eine deutlich zu kalte Wetterperiode im zweiten Oktober-Drittel.

Nun sind solche Hochdrucksysteme über Skandinavien im Herbst und auch Winter keine "Eintagsfliegen" und können sich über mehrere Tage oder auch Wochen behaupten. So ein Hochdrucksystem über Skandinavien blockiert die atlantische Frontalzone, so dass das normale West-Ost Zirkulationsmuster gestört wird. Je länger sich das Hochdrucksystem halten kann, desto nachhaltiger ist auch die Störung und in Folge daraus können die unterschiedlichsten Wettervarianten entstehen, so dass die Simulationen der Wettermodelle stark schwankend (unsicher) ausfallen können.

Ein einfaches Beispiel: verlagert sich das Hoch nach Westen, so kann auf seiner Rückseite ein Tiefdrucksystem nach Süden abtropfen und bei kalten Temperaturwerten für eine erhöhte Schauerneigung sorgen. Verlagert sich das Hoch hingegen nach Osten, so kann mit den herannahenden Tiefdrucksystemen vom Atlantik zwischen beiden Systemen eine südliche Vorderseitenströmung entstehen, welche warme Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz führen kann.

Betrachtet man die heutigen Simulationen des amerikanischen und auch europäischen Wettermodells, so versucht das Skandinavienhoch im Zeitraum vom 13./15. Oktober nach Westen in Richtung Island und Grönland auszuweichen, wird jedoch von einem kräftigen Tiefdrucksystem zwischen Grönland, England, Frankreich und Spanien daran gehindert. Stattdessen stärkt das Hochdrucksystem seine Position zum 16./18. Oktober zwischen Skandinavien und Deutschland und verlagert dabei seine Hochdruckachse von Nordwest nach Südost, so dass im Verbund mit den Tiefdrucksystemen auf dem Atlantik die Zirkulationsstruktur für Deutschland, Österreich und der Schweiz aus südöstlichen, teils auch südlichen Richtungen kommen kann. Mit anderen Worten ist von den kalten Temperaturen, wie sie gestern berechnet wurden, heute zunächst einmal nichts mehr zu sehen. Das ist aber - wie beschrieben - mit einer gewissen Skepsis zu betrachten und muss sich in den kommenden Stunden und Tagen erst noch festigen.

Die Kontrollsimulationen bleiben ihrem Trend der letzten Tage treu und berechnen im Zeitraum vom 13./23. Oktober ein ansteigendes Temperaturniveau auf Jahreszeit-typische Werte. Das Temperatursektrum liegt am 16. Oktober zwischen +5/+20 Grad (Mittelwert: +13/+14 Grad über dem Westen, Süden und Norden und +12 Grad über dem Osten) und am 23. Oktober zwischen +4/+20 Grad (Mittelwert: +11/+13 Grad). Die Niederschlagsneigung ist insgesamt als schwach, allenfalls noch als mäßig zu bezeichnen. Mit anderen Worten ist im zweiten Oktober-Drittel - zum heutigen Stand - nicht mit all zu viel Niederschlag und normalen Temperaturwerten zu rechnen.

Schaut man etwas genauer auf die Kontrollläufe, so erkennt man im Zeitraum vom 14./23. Oktober ein breites Entwicklungsspektrum der sog. Höhentemperaturen in knapp 1.500 Meter Höhe. So liegt die Differenz durchgängig bei 15 bis 18 Grad. Zum Vergleich: eine Wettervorhersage benötigt eine Differenz zwischen 2/4 Grad und eine Wetterprognose zwischen 2/6 Grad. Allein diese Tatsache zeigt, dass in der Wetterentwicklung im zweiten Oktober-Drittel noch einiges an Entwicklungen möglich ist, wenngleich ein sich normalisierender Temperaturtrend sich heute als die wahrscheinlichere Variante herausstellt.

Wann kommt der Winter? Der Polarwirbel selbst hat aktuell noch keine klare Struktur, baut sich aber im Zeitraum 14./24. Oktober so langsam auf. Entscheidend ob ein Kaltluftausbruch über Mitteleuropa stattfinden kann wird letztlich sein, wie sich das Hochdrucksystem positionieren wird. Betrachtet man den sog. NAO-Index, welcher ein Indiz auf die Westwärtsverlagerung sein kann, so wird dieser heute im Zeitraum vom 14./23. Oktober mit einer höheren Wahrscheinlichkeit negativ simuliert. Negativ bedeutet, dass sich hoher Luftdruck über Island und tiefer Luftdruck über den Azoren ausbilden kann, was eine kältere Temperaturphase ab der zweiten Oktoberhälfte nicht ausschließt und eher unterstützt.

Deutlicher zeigt sich das anhand der Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+12) / normal (+13/+19) / zu warm (>+20), welche am 18. Oktober bei 65/25/10 und am 23. Oktober bei 45/40/15 liegen. Betrachtet man die Varianten, welche deutlich zu kalt (<+7 Grad) ausfallen, so liegt die Wahrscheinlichkeit in diesem Zeitraum bei rund 20 Prozent.

Das Langfristmodell reagiert auf den aktuellen Wettertrend und berechnet die Abweichung der Temperaturen gegenüber dem langjährigen Temperaturmittel mit -2/+0,5 Grad im normalen bis zu kalten Bereich. Dagegen steigt das Temperaturniveau gegenüber den letzten Simulationen im November wieder an, so dass die Abweichung zwischen +0,5/+2 Grad im leicht zu warmen bis zu warmen Bereich liegen kann. Für den Winter von Dezember 2016 bis Februar 2017 zeigt sich im Mittel eine Abweichung von +0,5/+2 Grad im leicht zu warmen bis zu warmen Bereich, wobei der Dezember und der Januar maßgeblich für einen wärmeren Verlauf beitragen, während es im Februar mit einer Abweichung von -0,5/+1 Grad auch kühler werden kann.

Auf die Frage, wann der Winter kommt, lässt sich die Antwort heute wie folgt formulieren: eine nasskalte Wetterperiode mit einer Schneefallwahrscheinlichkeit bis in mittlere Lagen hinab ist in der zweiten Oktoberhälfte ist nicht auszuschließen, mit Winter hat das aber weniger was zu tun. Winterfans sollten sich noch etwas in Geduld üben.

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