Zum Sonntag und Montag setzt sich von Nordwesten her ein Tiefdrucksystem mit teils kräftigen Schauern und Gewittern durch, bevor sich zum Dienstag und Mittwoch wieder hoher Luftdruck mit vermehrten Sonnenschein und wärmeren Temperaturen durchsetzen kann (s. Wetter September).

Darüber hinaus simuliert das amerikanische Wettermodell im Zeitraum vom 7./15. September den Verbleib eines Hochdrucksystems im Bereich zwischen Deutschland und Skandinavien und bestätigt damit die Simulationen der letzten Tage. Mit anderen Worten zeigt sich nach einer kurzen Störung zum Sonntag und Montag der Fortbestand der hochdruckdominierten Wetterlage.

Das europäische Wettermodell bestätigt die warme und weitgehend trockene Hochdruckwetterlage im Zeitraum vom 6./12. September.

Die Frage, die sich also stellt: wie gesichert ist denn diese in Aussicht gestellte Hochdruckdominanz? Die Kontrollläufe sind da zwischenzeitlich sehr deutlich geworden und berechnen im Zeitraum vom 5./11. September kaum Niederschläge und mit einem Mittelwert von +25/+27 Grad ein außergewöhnlich warmes Temperaturniveau für September, welches etwa um 3/7 Grad über dem Jahreszeit-typischen Wert liegen kann. Erst im Zeitraum nach dem 11./12. September zeigen sich vermehrt Störeinflüsse der atlantischen Frontalzone, jedoch sinkt das Temperaturniveau nur langsam in den neutralen Bereich und liegt zum 17. September noch knapp darüber.

Wir wurden in den letzten Tagen gefragt, ob sich die nun immer wieder von neuem strukturierende Hochdruckphase seit dem letzten August-Drittel etwas mit dem Ausgleichsverhalten und der Erhaltungsneigung zu tun hat. Kurz zur Erklärung: der Sommer war bis in den Juli hinein geprägt von einem steten Wetterwechsel - mal kühl, mal warm - ein beständiges Sommerhoch war nicht dabei und entsprach seit Mai 2016 dem Verhalten der Erhaltungsneigung. Was ist die Erhaltungsneigung? Vereinfacht ausgedrückt: eine sich stabilisierendes Zirkulationsmuster, welches über Wochen hinweg für die mehr oder minder gleiche Großwetterlage sorgt. Da sich das Wetter aber stets verändert ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich das Zirkulationsmuster verändern mag und möglicherweise für ein Ausgleichsverhalten sorgen kann. Was ist ein Ausgleichsverhalten? Ebenfalls stark vereinfacht: war es zuvor zu nass und zu kalt, so folgt eine zu warme und trockene Periode und umgekehrt. Eine generelle Umstellung des Zirkulationsmuster hin zu einem Ausgleichsverhalten ist nicht immer leicht zu bestimmen - blickt man nun aber auf die vergangenen Tage zurück und schaut anschließend in die Zukunft, so erneuert sich das Hochdrucksystem stetig und man kann von einem Ausgleichsverhalten sprechen, welches nun auch in die Erhaltungsneigung übergehen kann. Mit anderen Worten: es würde nicht überraschen, wenn der September und auch der Oktober weitgehend hochdruckdominiert wären.

Unterstützung erhält diese These vom Langfristmodell, welches den September und auch Oktober weitgehend normal, im Trend jedoch mit einer negativen Niederschlagsbilanz simuliert (zu trocken). In der Temperaturprognose des Langfristmodells zeigt sich ein zu warmer September und ein normaler bis leicht zu warmer Oktober.

Zweite These: wenn der September und Oktober von einer Erhaltungsneigung mit hohem Luftdruck geprägt wäre, kommt es im Winter wiederum zum Ausgleichsverhalten und wenn ja, wie würde das Ausgleichsverhalten aussehen? Aus zu warm zu trocken wird zu kühl und zu nass - dass passt aber nicht zum Winter, denn Niederschlag im Winter bedeutet häufig eine Westwindzirkulation, welche im Sommer für kühle Temperaturen verantwortlich wäre, jedoch im Winter eher für milde Temperaturen sorgen kann. Und auch hier zeigt sich eine weitgehende Unterstützung des Langfristmodells. Liegt der November vom Temperaturniveau noch im weitgehend normalen Bereich, so beträgt die Abweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert im Dezember +1/+2 Grad, im Januar +0,5/+1 Grad und im Februar +1/+3 Grad. In der Niederschlagserwartung wird der Winter normal, mit der Tendenz leicht zu nass auszufallen bewertet.

Folgt also ein vierter zu milder Winter in Folge? Möglich ist grundsätzlich alles - der größte Unsicherheitsfaktor ist aber ein Phänomen Namens La Niña, welches auf Mitteleuropa zwar wenig bis gar keine Auswirkungen hat, aber global betrachtet die Wetterküche erheblich beeinflussen kann. Und wer das Wetter kennt, weiß, dass kleinste Veränderungen große Auswirkungen haben können. Wie sahen die Winter nach einem La Niña in Deutschland aus? Stärkere La Niña Ereignisse gab es 1975/1976, 1988/1989, 1998/1999 zu beobachten. Die Winter von 1975/1976 waren zu warm, 1988/1989 deutlich zu warm, ebenso wie der Winter 1998/1999.

Wie wahrscheinlich ist das La Niña Phänomen? War die Wahrscheinlichkeit in den letzten Monaten nach dem ENSO-Bericht noch als hoch eingestuft worden, so liegt diese nun bei einer Wahrscheinlichkeit von 55-60 Prozent:
La Niña is slightly favored to develop during August-October (ASO)2016, with about a 55-60% chance of La Niña during the fall and winter 2016-17
. Und was spricht gegen einen zu warmen/milden Winter 2016/17? Gegen einen zu milden Winter spricht die Statistik und auch die schwache Sonnenaktivität.

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