Iden zahlreichen E-Mails, welche uns in den letzten Tagen erreichten, wurde immer wieder die Frage gestellt, ob die aktuell zu warme Wetterentwicklung noch mit "rechten Dingen" zugeht. Das zu beurteilen fällt schwer, da man erst nach eintreffenden Ereignissen ein Urteil darüber fällen kann, ob das normal ist oder nicht. Der Deutsche Wetterdienst hat hierzu einen Nachweis über die möglichen Veränderungen des Klimawandels geführt, welche - ohne zu sehr ins Detail zu gehen - eine mögliche Erklärung bieten.
Zitat:
Eine grundsätzliche Erkenntnis ist: Durch den globalen Klimawandel verlagern sich die Hauptwindsysteme der Erde und mit ihnen die Hoch- und Tiefdruckgebiete tendenziell zu den Polen, seit Mitte des 20. Jahrhunderts um etwa 180 Kilometer polwärts. Dieser Trend gilt für die Südhalbkugel wie für die Nordhalbkugel. Für unsere mittleren Breiten heißt das: Die vorherrschende Westwindzone verlagert sich nordwärts. Damit sind im Winterhalbjahr bereits eine Zunahme der milden Wetterlagen und zugleich eine Abnahme kalter Strömungen verbunden. Die Häufigkeit der Westwinde über Mitteleuropa hat schon zugenommen. Sie könnte künftig um rund ein Sechstel weiter wachsen. Natürlich kann es weiterhin auch zu sehr kalten Wetterlagen im Winter kommen, aber die Wahrscheinlichkeit dafür wird vermutlich geringer.
Quelle: DWD
. Fakt ist jedoch bereits heute, dass es in 2014 eine außergewöhnliche Ansammlung von viel zu warmen Monaten gegeben hat und der November mit seinem aktuellen Überschuss von rund +4,5 Grad sich voraussichtlich nahtlos einreihen wird. Wie wird sich das Wetter im letzten November-Drittel entwickeln? Auch heute wird in den Simulationen der Wettermodelle eine Verfrachtung der Kaltluft bis über die Karasee simuliert. Insofern werden die Simulationen in den kommenden Tagen noch die eine oder andere "Sprunghaftigkeit" an den Tag legen, da dieses Szenario nicht nur kalte Luftmassen von West nach Ost bewegt, sondern auch dazugehörige Zirkulationsstrukturen, welche in ihrem breiten Spektrum schwer zu erfassen sind. Am deutlichsten spiegeln das die Kontrollläufe wieder, welche ab dem 20. November ein ungewöhnlich breites Spektrum in der Kurz- bis Mittelfristprognose aufweisen. Das ist vereinfacht ausgedrückt ein Indiz für eine äußerst unsichere Wetterentwicklung. Dabei favorisieren beide Wettermodelle ein Hochdruckkonstrukt über Mitteleuropa, welche sich mal bei England, mal über Skandinavien befindet. Und dessen letztlich noch unbekannte Position sorgt im Wesentlichen für die Unsicherheiten. Liegt es im Westen (England/Atlantik), so sind nasskalte Varianten am wahrscheinlichsten, liegt es über Mitteleuropa, so ist mit neblig-trüben Wetter mit Inversionswetterlagen zu rechnen, liegt es im Osten, so verbleibt Deutschland auf der warmen und wechselhaften Vorderseite und letztlich bleibt noch die nördliche Position über Skandinavien, bei der die Tiefdrucksysteme nach Süden ausweichen müssen und Deutschland zunehmend in eine kühlere Ostströmungskomponente gelangt. In Summe sind all diese Varianten zunächst noch wenig winterlich, was die Kontrollläufe mit einem Mittelwert von rund +5 Grad mehrheitlich bis zum 25. November bestätigen. Allerdings bestätigt sich auch heute der Trend von normalisierenden Temperaturverhältnissen im Verlauf des letzten November-Drittels. Betrachtet man das Temperaturspektrum der Kontrollläufe, so sind auch winterliche Optionen im Zeitraum zwischen dem 25./30. November durchaus vorhanden. So liegt das mögliche Spektrum bspw. am 28. November zwischen -3/+10 Grad bei einem Mittelwert von +3/+5 Grad. Der Trend zu nasskalten Verhältnissen zum Ende des Monats wird zunehmend wahrscheinlicher. Heute Abend erfolgt gegen 20:30 Uhr eine Aktualisierung dieser Wetterprognose.
Update:
Bis zum 23. November bevorzugten im Tagesverlauf die Wettermodelle weiterhin leicht wechselhafte und überwiegend milde Varianten. So liegt das Spektrum mit seinem Mittelwert im Zeitraum zwischen dem 20./23. November etwa um +3/+6 Grad höher als der langjährige Mittelwert. Spannend wird nach den Simulationen aber der Zeitraum zwischen dem 23./27. November, da hier unterschiedlichste Szenarien in den Zirkulationsmustern gezeigt werden. Dabei gibt es sowohl Varianten in Richtung winterliche Verhältnisse, als auch weiterhin milde Varianten. Im Mittel gleichen sie sich in einem nasskaltes Szenario an, was zum aktuellen Stand im Zeitraum zwischen dem 25./30. November auch am wahrscheinlichsten ist (Normalisierungstendenz). Das Spektrum der Temperaturen liegt bspw. am 25. November zwischen -4/+11 Grad (Mittelwert: +4/+6 Grad) und am 29. November zwischen -11/+9 Grad (Mittelwert: +2/+4 Grad). Wer unsere Prognosen des Öfteren verfolgt, erkennt in den letzten Tagen den zunehmenden Trend zum Monatsende in Richtung nasskalte Verhältnisse, teils sind auch schon winterliche Optionen nicht mehr gänzlich auszuschließen. Woran liegt das, bzw. was wären das für Wetterlagen? Entscheidend ist hierbei die Position eines Hochdrucksystems, welches mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zeitraum zwischen dem 19./21. über dem skandinavischen Raum entsteht. Die möglichen Varianten wurden bereits weiter oben beschrieben, wobei für die kühleren Varianten eine Hochdruckverlagerung nach Westen begünstigt wirken kann. Somit lässt sich eine Frage der vielen E-Mails der vergangene Tage in der Tendenz beantworten: Wann kommt der erste Schnee? Mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Monatsende. Um aber möglichen Missverständnissen gleich vorzubeugen - das ist noch nicht mit einem "Wintereinbruch" gleichzusetzen.

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