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Wettertrend: Wie wird der Winter 2022/2023 - Ein Blick auf die Langfristmodelle

| M. Hoffmann
Wie wird der Winter über Deutschland? © Martin Bloch

Der Winter streckt im November schon einmal seine Fühler nach Deutschland aus und wird über manchen Regionen für winterliche Wetterverhältnisse sorgen können. Ist das eine nur vorübergehende Erscheinung, oder steckt mehr dahinter und wie reagieren die Langfristmodelle hierauf?

Nachhaltiger Wintereinbruch?

Zwar können über der Nordhälfte von Deutschland in den kommenden Tagen ein paar Schneeflocken beim Niedergang beobachtet werden und mancherorts für die Ausbildung einer Schneedecke sorgen (Schneeprognose), doch im weiteren Verlauf wird es von Westen bereits wieder milder und die Temperaturen streben über dem Westen in Richtung der +10 Grad-Marke. Länger kann sich die Kälte über den östlichen Landesteilen behaupten.

Noch viele Möglichkeiten für das Wetter im Dezember

Bereits heute Nachmittag haben wir die möglichen und wahrscheinlichen Wetterentwicklungen bis Dezember durchgespielt und feststellen müssen, dass sich am Ende wohl eine zunehmend milder werdende Großwetterlage wird durchsetzen können. Daran hat sich im Laufe des Tages nichts verändert. Betrachtet man rein den Mittelwert aller Kontrollläufe, so liegt der im Zeitraum vom 24. November bis 3. Dezember in einem Bereich, der gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 um +1 bis +3 Grad zu warm ausfallen kann (91/20: +0 bis +2 Grad).

Schaut man sich die dazugehörige Großwetterlage an, so zeigt sich ein Hochdruckblock über dem Osten und eine auf dem Atlantik deutlich erhöhte Tiefdruckaktivität. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen zwischen den Fronten und da sich Tiefdrucksysteme gegen und Hochdrucksysteme im Uhrzeigersinn drehen, werden verhältnismäßig warme Luftmassen aus südwestlichen Richtungen nach Mitteleuropa geführt. Das Temperaturspektrum erstreckt sich zwischen +5 bis +10 Grad. Das ist eine Wetterentwicklung, die schon seit einigen Tagen so berechnet wird und neben den ganzen Unsicherheiten sich als eine wahrscheinliche Entwicklung hervorhebt.

Eine südwestlich gelagerte Grundströmung wird zunehmend wahrscheinlicher
Die Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Eine südwestlich gelagerte Grundströmung wird zunehmend wahrscheinlicher © www.meteociel.fr

Die Winterprognose 2022/23 der Langfristmodelle

Folgen die Langfristmodelle einem Wintertrend, der zu warm ausfallen wird? Wie immer an dieser Stelle der Hinweis, dass Langfristprognosen einen Trend der Temperaturen und Niederschläge abbilden und keineswegs als Detailprognosen zu verstehen sind.

Wirft man noch einen schnellen Blick auf den November, so ist dieser im Vergleich zum Mittelwert von 1961 und 1990 aktuell um +4,5 Grad zu warm (91/20: +3,7 Grad). Der Rekord stammt mit einer Abweichung von +3,5 Grad aus dem November 2015. Damit ist auch klar, dass sich das gesamte Jahr 2022 auf Rekordkurs befindet.

Langfristwetter nach dem Deutschen Wetterdienst

Das Jahreszeitenmodell des Deutschen Wetterdienstes (DWD) berechnet den Winter von Dezember bis einschließlich Februar mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 zu warm (91/20: -0,2 bis +0,8 Grad). Die Niederschlagsprognose wird leicht und über Baden-Württemberg und Bayern mäßig trocken berechnet.

Wettertrend nach dem Langfristmodell der NASA

Das Langfristmodell der NASA berechnet den Winter gegenüber 1961 und 1990 in Summe um +1,0 bis +2,0 Grad zu warm. Im Vergleich zum wärmeren Mittelwert von 1991 und 2020 liegt die Differenz bei -0,2 bis +0,8 Grad im weitgehend normalen Bereich. Die Niederschlagsprognose ist - insbesondere über dem Süden - als etwas zu trocken einzustufen.

In Einzelbetrachtung der Monate ist der Dezember noch der kälteste der drei Wintermonate, während der Februar erheblich zu warm ausfallen kann. Geht es nach diesem Langfristmodell, so sind die Chancen auf Schnee im Dezember noch am höchsten (Weiße Weihnachten?).

Wetterprognose Winter nach dem CFSv2 Modell

Der Winter 2022/23 wird mit einer Abweichung von +1,5 bis +2,5 Grad erheblich zu warm simuliert (91/20: +0,3 bis +1,3 Grad). Aber auch hier zeigt sich, dass der Dezember weniger warm, als der Februar simuliert wird.

Die Niederschlagsleistung ist im Dezember über dem Süden etwas zu trocken und im Januar und Februar als zu nass zu bewerten. Insbesondere der Februar wird deutlich zu nass simuliert.

Der Winter nach dem europäischen Langfristmodell

Der Winter wird sowohl im Dezember, als auch im Januar und Februar mit einer Abweichung von +1,0 bis +2,0 Grad zu warm berechnet (91/20: -0,2 bis +0,8 Grad). Die Niederschlagsbilanz ist im Dezember 2022 und Januar 2023 tendenziell zu trocken und im Februar 2023 neutral bis etwas zu nass zu bewerten.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 1961 und 1990 und in Klammern der wärmere Mittelwert (1991-2020)
Monat Tem­peratur Nieder­schlag Auffälligkeit
September 2022 +0,1 Grad
(-0,4 Grad)
zu nass -
Oktober 2022 +3,53 Grad
(+3,13 Grad)
deutlich zu trocken Rekordwarm
November 2022 +2,2 bis +3,2 Grad
(+1,4 bis +2,4 Grad)
Trend: extrem trocken Extrem hohe Temperaturanomalie über Skandinavien, extrem trocken über Mittel- und Südeuropa
Dezember 2022 +1,0 bis +2,0 Grad
(+0,0 bis +1,0 Grad)
Trend: normal bis leicht zu trocken Westen von Norwegen zu nass, West- und Südeuropa deutlich trocken
Januar 2023 +1,5 bis +2,5 Grad
(+0,1 bis +1,1 Grad)
Trend: normal bis etwas zu nass Ganz Europa und Russland zu warm (Woher soll der Hochwinter kommen?)
Februar 2023 +2,0 bis +3,0 Grad
(+0,9 bis +1,9 Grad)
Trend: zu nass England und Norwegen, Frankreich und Deutschland zu nass, Spanien und Portugal, sowie die östliche Mittelmeerregion deutlich zu trocken
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst und Winter 2022/2023
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst und Winter 2022/2023

Auf den Punkt gebracht

Ein früher Wintereinbruch war selten ein Garant für einen kalten und schneereichen Winter. Zudem zeigt sich der Winter in Zeiten der Klimaerhitzung zunehmend nasskalt und weniger winterlich. Doch Ausnahmen bestätigen die Regen und auch in Zeiten der Klimaerhitzung wird es noch Winter geben können, die ihrem Namen auch gerecht werden können. Zum aktuellen Stand aber deutet nur wenig auf einen zu kalten oder normalen Winter hin. Schaun mer mal.

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

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