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Ein supermilder oder kalter Winter - was berechnen die Langfristmodelle?

  • M. Hoffmann
Wie startet der Winter in seine Saison 2021/22? © M. Bloch
Wie startet der Winter in seine Saison 2021/22? © M. Bloch

In welche Richtung kippt das Wetter Ende November und Anfang Dezember? Was spricht für eine winterliche, was für eine nasskalte oder sogar warme Wetterlage und was berechnen die Langfristmodelle für den Winter?

Meridional oder Zonal?

Wer bei und regelmäßig zu Gast ist, der weiß, dass die meridionale Großwetterlage seit 19 Monaten in einer mehr oder minder dominierenden Rolle das Wetter über Deutschland beherrscht. Die sonst vorherrschende Westwetterlage hat es schon lange nicht mehr gegeben und die atlantische Frontalzone ist ein Schatten ihrer selbst. Im Grunde geht es in den kommenden Tagen darum, ob sich die Westwetterlage wird durchsetzen, oder das meridionale Muster sich erhalten kann. Je nachdem, wären die wesentlichen Bausteine im Winter schon gesetzt.

Die Randfaktoren

Anhand bestimmter Randfaktoren lassen sich Ablaufmuster beim Wetter vorhersagen, die weitreichende Folgen haben können. Einer davon ist der AO-Index, der vereinfacht ausgedrückt, den Zustand des Polarwirbels widerspiegelt. Der AO-Index wird ab Mitte November mit einem negativen Trend simuliert. Das allein ist aber noch kein schlüssiger Parameter. Um herauszufinden, ob es sich um eine meridionale oder zonale Grundströmung handelt, lohnt sich der Blick auf den NAO-Index und der wird ab der Monatsmitte positiv bewertet.

Das spricht für ein Islandtief und ein Azorenhoch, was zwischen den beiden Wettersystemen die Zonalisierung in Gang setzen kann. Schaut man sich zudem noch die Druckanomalien an, so ergibt sich ein Gesamtbild.

Der Mittelwert und die Druckanomalien sind eindeutig und lassen im Trend eine westlich dominierte Grundströmung zu, bei der sich über Mitteleuropa eine Hochdruckzone ausbilden kann. Deutlich positiver NAO-Index bei negativem AO-Index
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe (li.) und den Druckanomalien (re.): Der Mittelwert und die Druckanomalien sind eindeutig und lassen im Trend eine westlich dominierte Grundströmung zu, bei der sich über Mitteleuropa eine Hochdruckzone ausbilden kann. Deutlich positiver NAO-Index bei negativem AO-Index
© climatereanalyzer.org

Der Zustand des Polarwirbels

Das Hoch, bzw. die Hochdruckzone ist innerhalb des Polarwirbels gut ausgeprägt und dämpft dessen Entwicklung, was sich besonders gut in den Druckanomalien abbildet. Was sich aber auch zeigt, ist die Tiefdruckdynamik über Island, bei gleichzeitig fehlender Tiefdruckaktivität über der Barents- und Karasee. Das riecht regelrecht nach einer auflaufenden atlantische Frontalzone und somit wäre in der Theorie mit einer südwestlichen Grundströmung eine milde bis ungewöhnlich warme letzte Novemberdekade möglich.

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Ein weiterer Randfaktor sind die Windgeschwindigkeiten in Stratosphärenhöhe und die erreichen Mitte November mit +198 km/h einen vorläufigen Höchstwert. Normal wären Mitte November +90 km/h. Je stärker der Wind, desto stabiler der Polarwirbel. Ein negatives Vorzeichen hätte in Stratosphärenhöhe eine Windumkehr zur Folge, was in den unteren Luftschichten den Polarwirbel nach und nach in sich zusammenbrechen lässt. Davon ist dieser - für den Moment - weit entfernt und die Windgeschwindigkeiten wirken sich 7 bis 14 Tage zeitversetzt auf die unteren Schichten des Polarwirbels aus. Anders formuliert ist eher mit einer Stabilisierung, als mit einer Schwächung des Polarwirbels zu rechnen. Ein kräftiger Polarwirbel hat über Europa häufiger eine Westwetterlage (Zonalisierung) zur Folge.

Betrachtet man also die Randfaktoren, so ergibt sich das Bild einer zonalen Grundströmung, die sowohl stramm aus westlichen, aber auch aus nordwestlichen oder südwestlichen Richtung kommen kann.

Keine Störung des Stratosphärenwirbels erkennbar
Keine Störung des Stratosphärenwirbels erkennbar
© www.meteociel.fr

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Was die Vorhersage-Modelle simulieren

Das eine muss mit dem anderen nicht zwingend zusammenhängen, da sich die Parameter stets verschieben und so können die Wetterprognosen der Vorhersage-Modelle entweder Trendsetter, oder auch Blender sein. Insbesondere sind hier die Vorhersagen des amerikanischen Wettermodells zu erwähnen, die mit meridionalen Wetterlagen erfahrungsgemäß so ihre Probleme haben, während die Europäer das besser im Griff haben.

Geht es jedenfalls nach den Amerikanern, so erfolgt heute Abend eine Abkehr von der warmen Südwestwetterlage, die heute Morgen und auch heute Nachmittag simuliert wurde. Doch ganz vom Tisch ist die Wärme dennoch nicht, da sich zwischen dem 15. und 20. November die Hochdruckzone über Mitteleuropa behaupten und die Temperaturen auf +10 bis +15 Grad ansteigen lassen kann. Nachfolgend kippt das Muster in einer meridionale Struktur und ein Trog setzt sich über Europa ab. Mit einer nördlichen bis nordwestlichen Grundströmung kommt es zu einem Temperatursturz, bei dem sich die Werte mit +4 bis +8 Grad und ab dem 24. November mit +2 bis +6 Grad endgültig im nasskalten Bereich festsetzen können. Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer sind bis auf tiefere Lagen herab möglich und über den höheren Lagen muss mit winterlichen Wetterverhältnissen gerechnet werden.

Geht es nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells, so bleibt die Entwicklung komplett offen und hängt davon ab, die nah das Azorenhoch an Europa heranrücken kann. Eine tiefwinterliche Wetterlage ist - für den Moment - ebenso wenig zu erkennen, wie eine warme Südwestwetterlage.

Auf den Punkt gebracht ist und bleibt ein nasskalter Witterungstrend für die letzte Novemberdekade der Stille und heimliche Favorit. Ob die Grundströmung weiterhin meridional verlaufen, oder sich zunehmend zonalisieren kann, bleibt in den kommenden Tagen abzuwarten.

Nasskalt meridional oder eine hochdruckdominierte Entwicklung
Wetterprognose des amerikanischen (li.) und des europäischen Wettermodells (re.): Nasskalt meridional oder eine hochdruckdominierte Entwicklung
© www.meteociel.fr

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Wie wird der Winter 2021/2022: Der Wettertrend der Langfristmodelle

Wie steht es um den Winter in den Langfristprognosen - Hat sich etwas grundsätzlich verändert oder bleiben die Langfristmodelle ihren Berechnungen der letzten Wochen treu?

Winterwetter nach den CFSv2 Modell

Der Dezember hat nach dem CFSv2 Modell eine leichte Korrektur erfahren und soll mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad gegenüber dem Klimamittelwert von 1961 und 1990 zu warm ausfallen (91/20: +0,0 bis +1,0 Grad). Der Trend von einer Abweichung von bis +3 Grad bleibt über dem Alpenraum bestehen.

Aber auch der Januar hat mit einer Abweichung von +1,0 bis +2,0 Grad (91/20: -0,4 bis +0,6 Grad) eine kleine Korrektur erfahren. Weiterhin deutlich zu warm wird mit einer Differenz von +1 bis +3 Grad der Februar simuliert (91/20: -0,1 bis +1,9 Grad). In Summe soll das Wetter im Winter 2021/22 um +1,5 bis +2,5 Grad deutlich zu warm ausfallen können (91/20: +0,3 bis +1,2 Grad). Die Niederschlagsprognose ist als leicht durchwachsen zu bewerten, wobei der Januar gegenüber seinem Sollwert etwas zu nass ausfallen kann.

Wintertrend der NASA

Die NASA berechnet einen nur leicht zu milden Winter, der am Ende im Vergleich zu 1961 und 1990 um +0,5 bis +1,5 Grad zu warm ausfallen kann (91/20: -0,7 bis +0,2 Grad). Besonders der Dezember zeigt sich mit einer Differenz von -0,5 bis +1,0 Grad als der vielversprechendste Wintermonat. In der Niederschlagsprognose lassen sich keine Auffälligkeiten gegenüber dem Sollwert ausmachen. Unter dem Strich ein zu milder Winter mit einer ausgeglichenen Niederschlagsprognose.

Das europäische Wettermodell hat ebenfalls eine Korrektur vorgenommen, dieses Mal jedoch in die milde Richtung. Der Dezember wird mit einer Differenz von +0,5 bis +2,0 Grad zu mild und der Januar und Februar mit einer Differenz von +1 bis +3 Grad deutlich zu warm berechnet. Am Ende kommt so ein um +0,75 bis +2,5 Grad zu warmer Winter dabei heraus (91/20: -0,5 bis +1,3 Grad).

In der Niederschlagsprognose zeigen sich keine sonderlichen Abweichungen.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 1961 und 1990. In Klammer der Mittelwert von 1991 und 2020
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2021 +1,8 Grad (+1,3 Grad) Trend: erheblich zu trocken
Oktober 2021 +0,6 Grad
(+0,2 Grad)
zu trocken
November 2021 +1,0 bis +2,0 Grad
(+0,1 bis +1,1 Grad)
Trend: normal bis etwas zu trocken
Dezember 2021 +1,0 bis +2,0 Grad
(+0,0 bis +1,0 Grad)
Trend: normal bis etwas zu trocken
Januar 2022 +1,0 bis +2,0 Grad
(-0,4 bis +0,6 Grad)
Trend: normal bis etwas zu nass
Februar 2022 +1,0 bis +3,0 Grad
(-0,1 bis +1,9 Grad)
Trend: normal bis etwas zu trocken
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2021/2022  vom 10.11.2021
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2021/2022 vom 10.11.2021

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Das Wetter-Jahr 2021 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2021 +0,6 +1,1 -0,3 78 l/m² - zu nass
Februar 2021 +1,8 +1,4 +0,3 48 l/m² - leicht zu trocken
März 2021 +4,8 +1,3 +0,2 46 l/m² - zu trocken
April 2021 +6,1 -1,3 -2,9 33 l/m² - zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2020 +3,0 +2,2 +1,2 57 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2021 +9,83 +0,85 -0,25 743 l/m² - normal
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

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