Update der Sommerprognose 2022: trockener Frühling, trockener Sommer?

  • M. Hoffmann
Wie wird der Sommer 2022?

Wie verhält sich ein Sommer nach einem trockenen und nach einem extrem trockenen Frühling? Lassen sich statistische Ableitungen herstellen und was berechnen die Langfristmodelle für einen Sommertrend?

Langfristprognose Sommer. Der Frühling war bislang mit einer Sollerfüllung von 41,5 Prozent erheblich zu trocken. In der Temperaturbilanz zeigte sich der Frühling mit einer Abweichung gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 mit +0,9 Grad zu warm (91/20: -0,3 Grad). Insbesondere der Mangel an Regen sorgt bei uns für eine Vielzahl an Rückmeldungen und Fragen, ob denn in diesem Jahr ein erneuter Dürresommer bevorstehen kann. Wir schauen heute einmal auf aktuelle Wetterentwicklung und die Langfristprognosen, mit einem besonderen Fokus auf den Regen.

Keine stabile Wetterentwicklung

Nach einem extrem trockenen März besserte sich die Niederschlagssituation im April etwas, doch konnten die Defizite aus dem März nicht ausgeglichen werden. Und im Mai ist bislang erst 8,5 Prozent des Niederschlagssolls erfüllt worden. Schaut man sich die aktuelle Wetterprognose an, so lässt sich eine niederschlagsreiche Westwetterlage im Verlauf der zweiten Mai-Dekade und mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bis Ende Mai ausschließen. Stattdessen dominiert ein Hochdrucksystem die Großwetterlage, was Niederschläge grundsätzlich nicht ausschließt, doch großartige Niederschlagsmengen sind nicht zu erwarten. Mit andern Worten ist ein leicht bis deutlich zu trockener Mai wahrscheinlicher, als ein deutlich zu nasser.

Keine stabile Großwetterlage
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Keine stabile Großwetterlage © www.meteociel.fr

Wann kommt Regen?

Viele der Anfragen beinhalten die Frage: Wann kommt der Sommer? Die Mehrheit der Fragen aber lautet: Wann kommt Regen?. Man sieht, dass es das Wetter niemanden recht machen kann. Eine Gruppe wird zwangsläufig enttäuscht.

Die Niederschlagsprognose beider Vorhersage-Modelle berechnen eine bis zum 19. Mai nur geringe Niederschlagsausbeute, was das Niederschlagsdefizit aus der ersten Mai-Dekade nicht abbauen kann. Zwar verhalten sich die Niederschlagsfelder - je nach Modell - unterschiedlich, doch eine Übereinstimmung zeigt sich in der nur geringen Niederschlagsmenge.

Der Mai erheblich zu trocken?

In der ersten Mai-Dekade wird eine Regensumme von bis 8 l/m² zu erwarten sein. Kumuliert man die Werte aus der zweiten Dekade hinzu, so werden bis 18 l/m² möglich sein. Zieht man die Niederschlagsprognose der Kontrollläufe hinzu, so setzt sich die niederschlagsarme Witterung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bis zum 24. Mai fort. Erst darüber hinaus zeigen sich nennenswerte Niederschlagssignale.

Der Sollwert im Mai beträgt 71 l/m² und nimmt man an, dass bis zum 24. Mai Regensummen von bis 20 l/m² zusammengekommen sind, bestätigt sich die Wahrscheinlichkeit eines deutlich zu trockenen Wetters im Mai. Doch Vorsicht: es handelt sich hierbei um eine These. Es gab auch schon Jahre, bei dem der Mai trocken begann und am Ende mit Dauerregen den Sollwert noch übererfüllte.

Dass der Mai erheblich zu trocken ausfallen kann, wird aber auch von den Langfristmodellen gestützt. Besonders herausragend ist die Langfristprognose des CFSv2-Modells, welche den Mai extrem zu trocken simuliert. Insbesondere der Süden, der sogar das Ende der Skala erreicht.

Die NASA sieht das in ihrer Langfristprognose nicht ganz so kritisch - am Ende aber steht dennoch ein zu trockener Mai.

Aber auch die Europäer berechnen ein deutliches Niederschlagsdefizit, das im Schwerpunkt die westlichen und südlichen Regionen belastet.

Links die Regenprognose der Europäer und rechts die der Amerikaner: Großartige Regensummen sind vorerst nicht zu erwarten
Links die Regenprognose der Europäer und rechts die der Amerikaner bis zum 19. Mai: Großartige Regensummen sind vorerst nicht zu erwarten © windy.com

Trockenheit auch im Sommer?

Der Mai ist tendenziell zu trocken getriggert, was auch an der Entwicklung der Großwetterlage liegen mag. Solange die Zonalisierung ausbleibt, ist auch nicht mit den gewünschten Regenmengen zu rechnen. Wie man es aber dreht und wendet: Der Frühling wird deutlich zu trocken ausfallen!

Trockener Frühling, trockener Sommer?

Was sagt das über den Sommer? Wir haben uns einmal die letzten 30 Jahre genauer angeschaut - wie war der Sommer nach einem deutlich zu trockenen Frühling?

Die erste Auffälligkeit: Die Frühlingsmonate im Zeitraum von 1992 bis 2013 waren abwechselnd zu nass und zu trocken. Im Zeitraum von 2014 bis 2022 war der Frühling immer zu trocken. Lässt man den nassen Frühling von 2013 einmal weg, so reicht die Anzahl der trockenen Frühjahre bis 2009 zurück. Die erste Erkenntnis - die Frühjahre von 2009 bis 2022 waren deutlich zu trocken und konnten den Sollwert nur zu 83 Prozent erfüllen. Betrachtet man die letzten 30 Jahre, so war der Frühling gegenüber dem vieljährigen Sollwert um 7 Prozent zu trocken.

Die zweite Auffälligkeit: Die Sommer waren bis 2018 in schöner Regelmäßigkeit mal zu nass, mal zu trocken, wobei die deutlich zu trockenen Sommer aus 2003 und 2013 besonders hervorstechen. Demgegenüber steht ein zu nasser Sommer aus 2002, 2007, 2011 und 2017. Alles im Lot - doch das änderte sich mit 2018. Drei trockene und heiße Sommer in Folge sorgten für ein erhebliches Niederschlagsdefizit, das über die Herbst- und Wintermonate fortgeführt wurde und binnen kürzester Zeit zu einem erheblichen Schadpotential in der Natur und Vegetation führte. Die zweite Erkenntnis: In den letzten 10 Jahren waren 33 Prozent der Sommer erheblich zu trocken, 33 Prozent zu nass und 34 Prozent nahezu ausgeglichen.

Beim Niederschlag: Kein Zusammenhang zwischen Frühling und Sommer

Die dritte Auffälligkeit: in 33 Prozent der Fälle folgte einem trockenen Frühling ein trockener Sommer nach. Betrachtet man die extrem trockenen Frühjahre, so waren im Nachgang 55 Prozent der Sommer zu trocken und 45 Prozent zu nass. Auch wenn sich das Wetter nicht an die Statistik hält, so zeigt sich doch sehr deutlich, dass einem trockenen Frühling nicht zwingend ein ebenso trockener Sommer nachfolgen muss. Diese Korrelation lässt sich nicht ableiten!

Trockener Frühling, trockener Sommer?
Frühling Sommer nass Sommer trocken Häufig­keit
nass 50 % 50 % 12 (40 %)
trocken 55 % 45 % 18 (60 %)

Zusammenfassung der statistischen Auswertung

Grundsätzlich sind das erst einmal gute Nachrichten, für alle, die nach einem trockenen Frühling auch einen trockenen Sommer befürchten. Diese Gesetzmäßigkeit gibt es nicht. Im Umkehrschluss aber ist auch kein zu nasser oder normaler Sommer garantiert. Das Wetter hält sich nicht an Muster und Statistiken!

Wettertrend nach den Langfristmodellen

Langfristprognosen bzgl. Temperatur, Niederschlag und Großwetterlagen sind im Detail nicht möglich. Die Langfristmodelle aber liefern Indikatoren hinsichtlich der Temperaturambivalenz (zu warm, zu kalt) und des Niederschlages (zu nass oder zu trocken).

Das Wetter im Juni 2022

Das Wetter im Juni 2022 soll nach dem CFSv2-Modell mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad und im Trend von bis +3 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 deutlich zu warm ausfallen können (91:20: +0,0 bis +2,0 Grad). Die Niederschlagsbilanz hat sich in den letzten Wochen von durchwachsen auf zu trocken geändert.

Die NASA berechnet das Wetter im Juni 2022 mit einer Differenz von -0,5 bis +1 Grad normal bis leicht zu warm (91/20: -1,5 bis +0,0 Grad). Die Niederschlagsprognose ist gegenüber dem vieljährigen Sollwert etwas zu nass.

Nach dem Wettertrend der Europäer ist mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad und im Trend von bis +3 ein zu warmes Juniwetter zu erwarten. In der Regenbilanz zeichnet sich im Schwerpunkt über Süddeutschland ein Niederschlagsdefizit ab (zu trocken).

Das Wetter im Juli 2022

Wenig überraschend ist der Wettertrend des CFSv2 Modells für den Juli 2022, der im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 mit einer Temperaturdifferenz von +1 bis +2 Grad und übe dem Süden und Osten mit bis +3 Grad zu warm ausfallen soll (91/20: -0,4 bis +1,6 Grad). In der Regenprognose zeichnet sich eine nur leicht negative Entwicklung ab (etwas zu trocken).

Die NASA berechnet den Juli 2022 ebenfalls deutlich zu warm, mit einer leicht positiven Niederschlagsbilanz.

Die Europäer simulieren den Juli mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad und im Trend von bis +3 Grad deutlich zu warm. Die Niederschlagsbilanz fällt etwas deutlich zu trocken aus.

Das Wetter im August 2022

Kommen wir zum letzten Sommermonat, dem August, der nach dem CFSv2 Modell mit einer Differenz von +1,5 bis +3,0 Grad gegenüber 1961 und 1990 deutlich zu warm berechnet wird (91/20: +0,1 bis +1,6 Grad). Eine leicht positive Niederschlagsbilanz lässt zudem den Rückschluss zu, dass der Sommer im August allmählich in eine unbeständige und gewitterträchtige Richtung kippen kann (Unwetter).

Die NASA berechnet den August 2022 mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad zu warm (91/20: -0,4 bis +0,6 Grad). Die Niederschlagsbilanz fällt etwas zu nass aus.

Die Europäer simulieren mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad und im Trend bis +3 Grad einen deutlich zu warmen August (91/20: -0,4 bis +1,6 Grad). Die Niederschlagsprognose fällt durchwachsen und im Trend leicht zu trocken aus.

Abweichungen der Temperaturen im Frühling und Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert 1961 und 1990
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
März 2022 +1,6 Grad Extrem zu trocken
April 2022 +0,4 Grad Etwas zu trocken
Mai 2022 +1,0 bis +2,0 Grad Trend: erheblich zu trocken
Juni 2022 +1,0 bis +3,0 Grad Trend: zu trocken
Juli 2022 +1 bis +3 Grad Trend: zu trocken
August 2022 +1 bis +3,0 Grad Trend: etwas zu trocken
Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2022
Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2022

Auf den Punkt gebracht: Zu warm und zu trocken

Der Wettertrend für den Frühling und Sommer hat sich gegenüber den letzten Wochen kaum verändert. Nach einem deutlich zu trockenen Frühling nimmt die Unbeständigkeit im Verlauf des Sommers zu, doch das ändert wohl nichts daran, dass das Sommerwetter am Ende zu warm und zu trocken ausfallen wird.

Noch ein Fakt zum Schluss: Sollte der Sommer 2022 am Ende - und danach sieht es derzeit aus - zu warm ausfallen, so wäre das nach dem Klimamittelwert von 1961 und 1990 der 26. zu warme Sommer in Folge (Abweichung >= 0). In den letzten 30 Jahren ist der Sommer um +1,3 Grad wärmer geworden.

 


Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +5,0 +2,4 +1,1 208,7 l/m² - zu trocken
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

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