Wir klären auf: Was ist dran am Mythos des Weihnachtstauwetters?

  • M. Hoffmann
Mythos Weihnachtstauwetter - Kein Schnee an Weihnachten? © Martin Bloch
Mythos Weihnachtstauwetter - Kein Schnee an Weihnachten? © Martin Bloch

Das berühmte und berüchtigte Weihnachtstauwetter macht weiße Weihnachten nahezu unmöglich - so der Mythos. Doch was ist dran - gibt es das Weihnachtstauwetter wirklich?

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Tauen kann der Schnee zu Weihnachten nur, wenn er schon liegt. In Zeiten der Klimaerhitzung werden Schneefallereignisse bis auf tiefere Lagen herab weniger wahrscheinlich. So hat sich die durchschnittliche Temperatur im Dezember in den letzten 30 Jahren um +1,0 Grad erwärmen können.

Schneefallgrenze verlagert sich nach oben

Ein Temperaturanstieg von +1 Grad klingt nach nicht viel, doch bedeutet das eine um 100 bis 150 Meter nach oben verschobene Schneefallgrenze. War es früher schon den Flachlandwinter nicht gut bestellt, wird das jetzt und in Zukunft nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Wir haben auf der folgenden Seite einmal eine Übersicht nach Bundesländern erstellt, wie sich die Anzahl der Schneetage in den letzten 30 Jahren verändert hat.

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Weihnachtstauwetter - die Bedingungen

Tja, wie wertet man so etwas aus? Worauf es ankommt, ist eine vorhandene und eine nicht vorhandene Schneedecke, die sich im Zeitraum vom 10. bis 22. Dezember hat ausbilden können. Schwindet nun die Schneedecke zwischen dem 24. und 26. Dezember, so kann man von einem Weihnachtstauwetter ausgehen.

Gilt es noch zu definieren, was eine Schneedecke ist. Wir haben die Bezugsgröße von 4 cm im Flächenmittel genommen, was eine Schneedecke bis auf mittlere und tiefere Lagen wahrscheinlich macht.

Wie oft traf in den letzten 100 Jahren die Wettersingularität des Weihnachtstauwetters ein?
Zeitraum Weihnachtstauwetter zutreffend Weihnachtswetter nicht zutreffend Kein Schnee in der Vorweihnachtszeit
1921 - 2020 16 34 50

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Weihnachtstauwetter ist ein Mythos!

In 50 Prozent der Fälle gab es in der Vorweihnachtszeit keine Schneedecke und somit kann es auch kein Tauwetter gegeben haben. Bleiben die restlichen 50 Prozent und da zeigt sich etwas Erstaunliches, womit wir so auch nicht gerechnet hätten. Lag in der Vorweihnachtszeit Schnee, so hat sich über die Weihnachtsfeiertage der Schnee zu 68 Prozent erhalten können und ist in 32 Prozent der Fälle den Gully hinab geflossen. Anders formuliert hat das Weihnachtstauwetter eine Relevanz von 32 Prozent. Das ist zwar signifikant auffällig, doch lässt sich dadurch keine absolute Regel ableiten.

Spielt der Klimawandel eine Rolle?

Oh ja, das sieht man sehr schon in der nachfolgenden Grafik. Betrachtet man den Zeitraum von 1921 bis 1970, so gab es an 13 Jahren kein Schnee in der Vorweihnachtszeit. Anders formuliert gab es in diesem Zeitraum in 74 Prozent der Fälle eine weiße Vorweihnachtszeit und in 54 Prozent eine weiße Weihnacht.

Im Zeitraum von 1971 bis 2020 gab es in 39 Jahren keine weiße Vorweihnachtszeit. Die weiße Vorweihnachtszeit reduzierte sich von 74 auf 22 Prozent! In 12 Prozent der Fälle gab es dann noch weiße Weihnachten.

Hat der Klimawandel einen Einfluss auf weiße Weihnachten?
Zeitraum Schnee in der Vorweihnachtszeit Weiße Weihnachten
1921 - 1970 74 Prozent 54 Prozent
1971 - 2020 22 Prozent 12 Prozent
Mythos Weihnachtstauwetter
Mythos Weihnachtstauwetter

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Auf den Punkt gebracht: Weihnachtstauwetter ist ein Mythos

So ist es. Gab es vor dem Klimawandel noch häufiger Schnee in der Vorweihnachtszeit, so hat dieser sich dieser in der Regel auch über Weihnachten behaupten können. In Zeiten des Klimawandels werden weiße Weihnachten zunehmend unwahrscheinlicher - hauptsächlich im Flachland. Insofern gibt es nichts mehr - oder nur wenig - zu tauen und im direkten Vergleich zeigt sich für das Weihnachtstauwetter eine nur geringe Relevanz.

Wirklich ein Mythos?

Ja, jetzt könnte man noch auf die Idee des Temperaturanstieges zur Weihnachtszeit kommen. Machen wir. Untersucht wurden die Jahre von 1921 bis 2020 mit einem Temperaturanstieg, der vor und über Weihnachten +5 Grad und mehr betragen hat.

Das war in 30 Jahren der Fall. Anders formuliert gab es in 30 Prozent der Fälle einen Temperaturanstieg, der dem Weihnachtstauwetter zugeschrieben werden kann. Das deckt sich mit der obenstehenden Wahrscheinlichkeit des Tauwetters. Anders formuliert ist auch aus dieser Sicht heraus das Weihnachtstauwetter ein Mythos.

Auf der nachfolgenden Seite klären wir, wie die Chancen auf weiße Weihnachten 2021 stehen.

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Das Wetter-Jahr 2021 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2021 +0,6 +1,1 -0,3 78 l/m² - zu nass
Februar 2021 +1,8 +1,4 +0,3 48 l/m² - leicht zu trocken
März 2021 +4,8 +1,3 +0,2 46 l/m² - zu trocken
April 2021 +6,1 -1,3 -2,9 33 l/m² - zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2020 +3,0 +2,2 +1,2 57 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2021 +9,83 +0,85 -0,25 743 l/m² - normal
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

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