Märzwinter - ein Mythos?

  • C. Bertram
Wie realistisch ist der Märzwinter in Zeiten der Klimaerhitzung noch?

Wie steht es um den Märzwinter in Zeiten des Klimawandels? Wie wahrscheinlich ist Schneefall und wie hoch ist die Chancen auf eine geschlossene Schneedecke - auch über tieferen Lagen? Ist der Märzwinter in Zeiten der Klimaerhitzung zum Mythos geworden? Wir sind diesen Fragen einmal nachgegangen.

Märzwinter - so bezeichnet man eine winterliche Wetterlage, die meist noch von einer hochwinterlichen Wetterlage vom Februar entstammt und sich bis in den März hinein behaupten kann. Erst ab der zweiten März-Dekade erwärmen sich die Luftmassen spürbar, wenngleich sich der Schnee und das Eis auf den Seen bis in die letzte März-Dekade hinein halten kann.

Arctic-Outbreak im März

Eine andere Variante sind Kaltluftausbrüche, die ihren Ursprung überwiegend in einem instabilen Polarwirbel oder eines Polarwirbelsplits haben. Diese können zwar recht knackig kalt und intensiv daherkommen, doch handelt es sich mehrheitlich nur um eine vorübergehende Erscheinung von wenigen Tagen. Häufiger macht sich das in Form von einer nasskalten Wetterlage bemerkbar, bei der Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer bis auf tiefere Lagen möglich sind. Eigentlich ist so ein Ereignis nicht dem Märzwinter zuzuschreiben. Wenn, dann muss der Arctic Outbreak schon ein Volltreffer sein.

Die Wahrscheinlichkeiten von einem Märzwinter in Zeiten der Klimaerhitzung

Gerade im März stellt sich doch die Frage - ist der Märzwinter noch real oder ist er zur Legende aus längst vergangenen Zeiten geworden? Wir haben die letzten 60 Jahre einmal genauer untersucht und folgendes feststellen können.

Der Märzwinter von 1961 und 1990

Gleich zu Beginn des Messzeitraumes gab es eine ganze Reihe von Märzwintern mit reichlich Schnee. Wir haben diese einmal mit den Parametern Temperaturabweichung vom Mittelwert, Schneetage und Vegetationsbeginn gegenübergestellt.

Der Märzwinter von 1961 und 1990
Jahr Temperatur Temperatur­abweichung (61/90) Schnee-Tage Vegetations-Beginn
1962 +0,28 Grad -3,25 Grad 11 Tage 12. April
1963 +2,45 Grad -1,08 Grad 9 Tage 14. April
1964 +0,64 Grad -2,9 Grad 4 Tage 14. April
1965 +2,33 Grad -1,21 Grad 13 Tage 8. April
1969 +0,91 Grad -2,6 Grad 10 Tage 16. April
1970 +1,17 Grad -2,3 Grad 18 Tage 20. April
1971 +0,97 Grad -2,53 Grad 10 Tage 4. April
1976 +1,36 Grad -2,14 Grad 4 Tage 6. April
1984 +2,01 Grad -1,48 Grad 6 Tage 14. April
1987 -0,43 Grad -3,91 Grad 15 Tage 15. April

Richtige Märzwinter

Was auffällt, sind die teils kräftigen und lang anhaltenden Kaltphasen mit einer hohen Anzahl an Schneetagen - also das, was einen Märzwinter ausmacht. Besonders hervorzuheben ist der März 1987, da hatte der Winter schon ordentlich vorgelegt und vielleicht ist dem einen oder andern noch die Kältewelle im Januar im Gedächtnis, als es vom 11. bis 15. Januar am Tage nicht wärmer als -15 Grad wurde und in der Nacht der Tiefstwert mit rund -30 Grad erreicht wurde. Auffällig ist zudem, dass die Märzwinter in der Vergangenheit meist eine Vorgeschichte hatte.

Der Märzwinter von 1991 und 2020

Wie hat sich der Winter im März in den letzten 30 Jahren gewandelt? Gibt es den Märzwinter überhaupt noch?

Der Märzwinter von 1991 und 2020
Jahr Temperatur Temperatur­abweichung (61/90) Schnee-Tage Vegetations-Beginn
1996 +1,03 Grad -2,5 Grad 6 Tage 18. April
2006 +1,55 Grad -1,95 Grad 15 Tage 13. April
2013 +0,14 Grad -3,36 Grad 14 Tage 17. April
2018 +2,38 Grad -1,11 Grad 5 Tage 2. April

Deutliche Abnahme an winterlichen Ereignissen

Das Ergebnis ist eindeutig. Im Zeitraum von 1961 bis 1990 gab es den Winter im März 10 Mal, was rund 33 Prozent entspricht. In den letzten 30 Jahren gab es den Märzwinter viermal, was in etwa 13 Prozent entspricht.

Es gibt ihn noch, den Märzwinter

Ganz von der Hand zu weisen, ist der Märzwinter - auch in Zeiten der Klimaerhitzung nicht - doch hat dessen Wahrscheinlichkeit deutlich abgenommen und die Anzahl hat sich mehr als halbiert.

Woran man das noch ausmachen kann, ist anhand der Kältesumme. Die Kältesumme ist nichts anderes, als die Aufsummierung der negativen Temperaturwerte. Von 1961 und 1990 lag diese bei 15,6 Grad und von 1991 und 2020 bei 9,0 Grad. Das zeigt, wie selten der Märzwinter in den letzten 30 Jahre geworden ist. Noch deutlicher wird das anhand des Vegetationsbeginns. Von 1961 und 1990 lag dieser um den 2. April und hat sich im Zeitraum von 1991 und 2020 um rund 11 Tage auf den 22. März vorverlegt. Anders ausgedrückt hat die Natur in den letzten 30 Jahren, um 11 Tage früher damit begonnen auszutreiben.

Und in diesem Jahr? Da hat der Märzwinter, bzw. Spätwinter mit der Vorgeschichte und der aktuellen Sturmwetterlage mehr als schlechte Karten. Mehr dazu: Wettertrend Winter: Was ist vom Spätwinter noch zu erwarten? Weitere Daten und Fakten zum Wetter März und aktuelle Wetterprognosen zum März 2022.

 


Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,57 +2,6 +1,3 398 l/m² - extrem zu trocken

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