Wetter April 2021 Wettertrend vom 09.03.2021 - Zwischen Spätwinter und Aprilwetter

Typisches Aprilwetter?
Typisches Aprilwetter?

Ab der Wochenmitte sorgt ein Sturm für ein über Deutschland turbulentes Wetter. Verbreitet ist mit unwetterartigen Starkwindereignissen zu rechnen. Handelt es sich hierbei um einen nachhaltigen Durchbruch der atlantische Frontalzone oder nur um eine vorübergehende Erscheinung und wie entwickelt sich die Großwetterlage bis in den April?

Stürmisches Wetter. Ab Mittwoch beeinflusst ein Sturmtief das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Schwerpunkt über Deutschland fegt das Sturmtief in zwei Wellen über das Land hinweg. Die Erste kommt zum Donnerstag, die Zweite zum Samstag/Sonntag.

Wetterwarnung

Unwetter: Kräftiger Sturm

Verbreitet ist mit stürmischen Windböen zu rechnen. Über exponierten Lagen und den Küstenregionen von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ist mit schwerem Sturm zu rechnen. Örtlich sind orkanartige Windböen mit einem erheblichen Schadpotential nicht auszuschließen. Der Wind treibt Wolken- und Niederschlagsfelder unterschiedlichster Intensität über Deutschland hinweg. Die Temperaturen steigen zum Beginn des Sturms auf +10 bis +15 Grad an und sinken zum Sonntag auf +4 bis +8 Grad und örtlich bis +2 Grad ab. Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer sind nicht auszuschließen. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter März 2021.

Unwetterartige Starkwindereignisse sind bis zum Wochenende über Deutschland zu erwarten
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Unwetterartige Starkwindereignisse sind bis zum Wochenende über Deutschland zu erwarten
© www.meteociel.fr

Der Sturm über Deutschland

Die erste Sturmwelle hat ihren Schwerpunkt am Donnerstag über dem Norden und Nordwesten. Am Freitag und Samstag schwächt sich der Wind vorübergehend ab, gewinnt aber ab Samstagnachmittag an Intensität und dehnt das Sturmfeld weiter nach Süden aus.

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Eine ganze Reihe an Stürmen

Es handelt sich bei dem kommenden Sturm um eine lang gezogene Gradientenstruktur und an diesen Gradienten entstehen die Starkwindereignisse. Zum aktuellen Stand werden keine Randtiefentwicklungen berechnet, dass kann sich in den kommenden Stunden aber noch ändern. Sollten Randtiefentwicklungen auftreten, so erhöht sich das Schadpotential ungemein. Mehr dazu in der Windprognose.

Zum Montag schwächt sich der Wind allmählich ab und das Wetter über Deutschland wird wieder ruhiger. Der Wind aber dreht auf nordwestliche Richtungen und führt mit Werten von +1 bis +6 Grad nasskalte Luftmassen nach Deutschland. Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer bleiben ein Thema - vor allem ab den mittleren Lagen.

Sturmtiefserie über Deutschland
Windprognose des europäischen Wettermodells: Sturmtiefserie über Deutschland (Do., Fr., Sa., So.)
© windy.com

Keine Westwetterlage: Das Hoch keilt nach Norden auf

Nach dem Sturm berechnen die Vorhersage-Modelle in ihren Wetterprognosen einheitlich das sich das Hoch nach Norden aufstellt und somit die Zonalisierung verhindert. Mehr dazu in der Wetter Frühling und Sommer 2021.

Meridionale Grundströmung - Frühlingshaft milder Start in den April?

Bedingt durch das Hoch meridionalisiert die Grundströmung und je nach Position kann es zu ungewöhnlich warmen (Süd-Nord) oder kalten (Nord-Süd) Strömung kommen.

Interessanter ist die weitere Wetterentwicklung in den letzten 24 Stunden geworden. Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells bevorzugte stets eine Hochdruckposition über Mitteleuropa. Solche Hochdrucksysteme sind im Frühjahr häufig robust und von lang anhaltender Dauer und ein frühlingshaft mildes Wetter wäre bis in den April hinein möglich gewesen. Umgangssprachlich werden solche Hochdrucksysteme als Betonhoch betitelt. Das aktuelle Hoch war/ist z.B. so ein Betonhoch und beeinflusste das Wetter über Deutschland seit Mitte Februar. Die Erhaltungsneigung könnte nun dafür sorgen, dass das Sturmtief eine nur vorübergehende Erscheinung ist und sich nachfolgend das Hoch wieder über Deutschland durchsetzen kann.

Warm und trocken

Das Wetter im April leidet besonders unter der Klimaerhitzung und ist von der Erwärmung mit einer Differenz von +1,6 Grad im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 am stärksten Betroffen. Zu verdanken war das in der jüngsten Vergangenheit solchen Hochdrucksystemen. Mehr Daten und Fakten: Wetter April. Sollte sich nun so ein Betonhoch über Deutschland durchsetzen können, so wären Tageswerte von +14 bis +18 Grad und örtlich bis +20 Grad zu erwarten. Auch wäre das Wetter Ostern davon betroffen (Ostersonntag: 4. April; Ostermontag: 5. April).

Ein frühlinghaft warmer und trockener Start in den April
Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von gestern: ein frühlingshaft warmer und trockener Start in den April
©
www.meteociel.fr

Spätwinter mit typischem Aprilwetter?

Wenn sich die Hochdruckposition aber nur wenig verändert und sich etwas mehr auf den Atlantik verlagert, dann spielt der Spätwinter eine Rolle und der Frühling wird vorerst auf das Abstellgleis gestellt. Die spätwinterliche Variante wurde in den letzten Tagen immer wieder einmal berechnet, war jedoch in ihrer Eintreffwahrscheinlichkeit als rückständig zu bewerten.

Arctic Outbreak mit winterlichen Wettererscheinungen

Heute nun aber die übereinstimmenden Wetterprognosen des europäischen und amerikanischen Wettermodells, was aufhorchen lässt. Das Hoch keilt zum 16. März nach Norden auf und positioniert sich zwischen den Azoren und Island als Blockadehoch auf dem Atlantik. Die atlantische Frontalzone hat somit keine Chance das Wetter über Deutschland zu beeinflussen.

Stattdessen werden mithilfe eines Tiefs über der Barentssee und später östlichem Europa kalte Luftmassen arktischen Ursprungs nach Süden geführt. Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen nach der Wettervorhersage in den Einflussbereich des Arctic Outbreaks. Ein Volltreffer für den Spätwinter.

Die Konsequenzen bis April

Sollte sich die Wetterentwicklung exakt so abspielen können, so wären ab dem 18. März Tageswerte von -2 bis +4 Grad möglich und ab den mittleren Lagen - oberhalb etwa 400 bis 600 Meter - wäre mit einem spätwinterlichen Wettercharakter zu rechnen. Da Niederschlag in Form von Schnee eine Rolle spielt, wäre zudem auch die Ausbreitung einer Schneedecke zu diskutieren.

Das Hoch ist ein Störimpuls

Das Hoch beeinflusst nicht nur die atlantische Frontalzone, sondern auch die Grundströmung innerhalb des Polarwirbels. Das kann so weit gehen, dass es zu einem Polarwirbelsplit kommt und die gestörte Zirkulation das Wetter bis in den April beeinflussen kann. In diesem Fall wäre mit typischem Aprilwetter zu rechnen, was sich häufig in Form von Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer im Wechsel mit sonnigen Abschnitten zeigt.

Arctic Outbreak mit nachfolgend gestörter Zirkulation
Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Arctic Outbreak (li.) mit nachfolgend gestörter Zirkulation (re.)
© www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Was bis April möglich ist

Nach dem Sturm wird das Hoch kommen. Das ist zwischenzeitlich sehr wahrscheinlich. Von entscheidender Bedeutung aber wird sein, wo sich das Hoch positionieren wird.

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Zwischen Frühling und launischem Aprilwetter

Von der Hochdruckposition hängt auch die spätwinterliche Wetterentwicklung ab. Diese Variante zeichnet sich durch eine Hochdruckblockade auf dem Atlantik aus, die sich zudem noch bis nach Island ausdehnen kann. In diesem Fall müsste der sog. NAO-Index (Verhältnis von Islandtief zu Azorenhoch) negativ bewertet werden. Zum aktuellen Stand aber wird eine Mehrheit der Berechnungen positiv gerechnet.

Für einen Polarwirbelsplit müsste der AO-Index (vereinfacht Zustand des Polarwirbels) stark negativ gerechnet werden. Zum aktuellen Stand wird dieser deutlich positiv bewertet. Rein von den Randfaktoren hat der Spätwinter - über Deutschland - weiterhin schlechte Karten. Noch deutlicher zeigt sich das in den Kontrollläufen, die eine spätwinterliche Wetterlage nicht stützen - gleiches im Übrigen für den Frühling. Favorisiert wird stattdessen eine bis in den April hinein reichende normale Wetterentwicklung. Normal bedeutet in diesem Fall eine nasskalte Nordwestwetterlage, bei der Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer eine Rolle spielen können.

Sowohl die Wettervorhersage des amerikanischen, als auch europäischen Wettermodells bilden jeweils mit Abstand die kältesten Varianten in den Kontrollläufen ab. Spätwinter ist möglich, wahrscheinlich aber nicht.

Eine spätwinterliche Wetterentwicklung ist nicht zu erkennen, dafür eine Jahreszeit-typische Nordwestwetterlage, die über Deutschland zu typischem Aprilwetter führen kann
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Eine spätwinterliche Wetterentwicklung ist nicht zu erkennen, dafür eine Jahreszeit-typische Nordwestwetterlage, die über Deutschland zu typischem Aprilwetter führen kann
© www.meteociel.fr

Nachlassende Niederschlagstätigkeit

Die Niederschlagsprognose wird von den Kontrollläufen im Zeitraum vom 11. bis 16. März als gemäßigt hoch bewertet. Nachfolgend sinkt die Niederschlagstätigkeit ab und bewegt sich in einem schwach erhöhten Umfeld. Der Rückschluss auf eine hochdruckdominierte Wetterlage ist zulässig.

Wie viel Regen ist zu erwarten?

Konzentrieren wir uns auf den Bereich vom 10. bis 19. März. Niederschlagssummen von 15 bis 30 l/m² sind möglich und örtlich sind bis 40 l/m² zu erwarten. Das ist für den Zeitraum ordentlich, doch zeigt sich in der Niederschlagsprognose auch ein Trend ab, der über den östlichen Bundesländern mit 5 bis 15 l/m² deutlich weniger Niederschlag bringen kann, während über den Staulagen über dem Westen und Südwesten bis 60 l/m² zusammenkommen können.

Die seit Mitte Februar anhaltende Trockenheit wird vorerst keine Rolle mehr spielen
Niederschlagsprognose des europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Wettermodells: Die seit Mitte Februar anhaltende Trockenheit wird vorerst keine Rolle mehr spielen
© windy.com

Wie wird das Wetter im April 2021? Ein Blick auf die Langfristprognosen

Das CFSv2 Modell berechnet das Wetter im April mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 deutlich zu warm. Im Vergleich zur - wärmeren Periode - von 1991 und 2020 liegt die Abweichung bei -0,6 bis +1,4 Grad. In der Niederschlagsbewertung zeigen sich gegenüber den vieljährigen Sollwert kaum Abweichungen und ist im Wettertrend leicht zu trocken zu bewerten.

Wettertrend April nach dem Langfristmodell der NASA

Die Abweichung liegt mit +1 bis +2 Grad gegenüber 1961 und 1990 im deutlich zu warmen und im Vergleich zu wärmeren Periode von 1991 und 2020 mit -0,6 und +0,4 Grad im weitgehend normalen Bereich. Die Niederschlagsprognose fällt im Trend etwas zu nass aus.

Wetterprognose April nach dem europäischen Wettermodell

Die Wetterprognose der Europäer bildet die kälteste Entwicklung für den April ab. Die Abweichung liegt gegenüber 1961 und 1990 zwischen +0,5 und +1,5 Grad und nach dem - wärmeren - Mittelwert von 1991 und 2020 mit -1,1 und +0,1 Grad im leicht zu kühlen bis normalen Bereich.

Normales Aprilwetter? Warum nicht - Auf den Bezug kommt es an!

Es kommt auf die Betrachtung und den Vergleich an. Nimmt man den neuen Klimamittelwert, so hat das Wetter im April 2021 eine hohe Wahrscheinlichkeit normal auszufallen. Das Gesamtbild schärft sich aber erst, wenn man den vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 hinzuzieht. In den letzten 20 Jahren waren die Aprilmonate in 80 Prozent der Fälle zu warm und 20 Prozent normal. Keiner der Aprilmonate war zu kalt. Man braucht also kein Prophet oder ein Wetterexperte zu sein, wenn man sagt, dass der April 2021 mit einer hohen Wahrscheinlichkeit gegenüber dem Klimamittelwert von 1961 und 1990 zu warm ausfallen wird.

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Das Wetter-Jahr 2021 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2021 +0,6 +1,1 -0,3 78 l/m² - zu nass
Februar 2021 +1,8 +1,4 +0,3 48 l/m² - leicht zu trocken
März 2021 +4,8 +1,3 +0,2 46 l/m² - zu trocken
April 2021 +6,1 -1,3 -2,9 33 l/m² - zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2020 +10,2 +1,2 +0,8 79 l/m² - zu nass
November 2020 +6,0 +2,0 +1,1 18,7 l/m² - zu trocken
Dezember 2020 +3,0 +2,2 +1,2 57 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2021 +10,38 +0,87 -0,28 647 l/m² - normal
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

Wetterfakten April

Statistische Wetterwerte für April

  • Anfang April oftmals Hochdruckeinfluss
  • Sehr häufig typisches Aprilwetter zwischen dem 6./13. April
  • Verhaltene Hochdruckphasen zwischen 14./21. April
  • Anschließend wechselhaftes Wetter
  • Erst zum 26. April zaghafte Wetterbesserung

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