Wetteranalyse: Polarwirbel kollabiert - wie ein Major-Warming das Wetter auf den Kopf stellen kann
Schneefall zieht aktuell von Süden auf und wird in den kommenden 36 Stunden vielerorts für winterliche Wetter- und Straßenverhältnisse sorgen können. Im weiteren Verlauf der Woche stellt sich über Deutschland eine Grenzwetterlage ein, bei der sich der Winter über einigen Landesteilen weiter festigen und intensivieren kann. Und während der Winter noch überlegt, wie weit er über Deutschland nach Süden vordringen will, werden mit einer plötzlichen Stratosphärenerwärmung die ganz großen Stellschrauben gedreht, welche den bisherigen Verlauf des Winters auf den Kopf stellen können. In unserer Wetteranalyse gehen wir der Frage nach, wie wahrscheinlich eine hochwinterliche Wetterlage im Februar ist und welche Rolle das Major-Warming dabei spielt.
Eine spannende Wetterentwicklung steht in den kommenden 36 Stunden bevor. Ein kleinräumiges Tiefdrucksystem dreht sich über Deutschland ein und verlagert seinen Kern von Sonntagmittag bis Montagabend von Bayern nach Mecklenburg-Vorpommern (nein, kein Vb-Tief). Durch den eng begrenzten Radius können sich in den Details noch Veränderungen ergeben - insbesondere entlang der westlich gelegenen Grenzregionen, wo neben Schneefall auch Schneeregen, Eisregen und gefrierender Regen eine Rolle spielen kann (Warnlagenbericht || Schneeprognose). Voraussichtlich aber entspannt sich mit ansteigenden Temperaturen die Lage am Montag südlich der Linie von Frankfurt a. M. und Nürnberg, während weiter nach Norden die Temperaturen mit -2 bis +1 Grad um den Gefrierpunkt schwanken.
Aufbau einer Grenzwetterlage - Schnee über dem Nordosten, Tauwetter über dem Westen
Die atlantische Frontalzone schiebt sich unter einem Blockadehoch über den nördlichen Breiten nach Osten, wird jedoch vom Hoch nahezu an Ort und Stelle gehalten. Es entsteht eine Pattsituation, bei der sich Deutschland, Österreich und die Schweiz zwischen den Fronten befinden. Das Hoch führt aus nordöstlichen bis östlichen Richtungen kalte Festlandsluft über den Osten und Norden von Deutschland, was die Temperaturen bis zum 30. Januar nördlich einer Linie Bremen und Dresden mit -2 bis +2 Grad um den Gefrierpunkt herum schwanken lässt. Weiter nach Süden setzt sich die Milderung mit Temperaturen von +1 bis +6 Grad durch und kann über Teilen von Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg die Temperaturen auf bis +12 Grad ansteigen lassen. Zeitweiliger Niederschlag geht verbreitet in Regen über, kann jedoch nach Osten auch als Schnee, Schneeregen, Eisregen oder gefrierender Regen niedergehen. Eine turbulente Wetterwoche der Gegensätze steht bevor.

Wintermotor stottert: Der Moment, wenn der Polarwirbel kollabiert
In der Stratosphäre läuft im Winter ein Motor, der lange Zeit keine Aufmerksamkeit bekommt - erst wenn der Motor stottert - dann richten sich alle Blicke auf die oberen Schichten, die normalerweise nicht wetterwirksam sind. Solange der Stratosphärenwirbel schnell und rund läuft, stabilisiert er auch die unteren Schichten und führt so zu einer stabilen Gesamtstruktur des Polarwirbels. Die Westdrift ist ein folgender Taktgeber der Großwetterlagen - wie eine Rinne, welche Tiefdruckgebiete über den Atlantik schiebt und über Europa auflaufen lässt. Doch manchmal beginnt dieser Motor zu stottern. Nicht, weil es in der Stratosphäre einfach nur warm
wird, sondern weil die Dynamik kippt: Die zonal gemittelten Westwinde brechen ein, die Strömung stellt sich um. Das ist der Augenblick, in dem ein Major-Warming die Bühne betritt und die winterlichen Spielregeln neu verteilt.
Der Störimpuls von unten: Wellen, die den Wirbel aus der Form bringen
Doch in dieser Wintersaison ist es anders. Ein QBO-Ost - eine Hintergrundmodulation - greift seit November und schwächt den Polarwirbel. Der Auslöser kommt dabei nicht aus der Stratosphäre selbst, sondern aus der Troposphäre: planetare Rossby-Wellen, angetrieben durch Gebirge, Temperaturgegensätze und blockierende Wetterlagen. Sie steigen auf wie ein unsichtbarer Rammbock
. Treffen sie den Wirbel, wird Impuls deponiert, die Westdrift wird negativ beschleunigt - gebremst, bis sie kippt. Der Wirbel verliert seine Stabilität, wird mäandrierend, eiert, wird elliptisch. Und während über dem Pol Luft absinkt und sich adiabatisch erwärmt, steigt die Temperatur oben in der Stratosphäre sprunghaft an. Eindrucksvoll - aber nur eine Begleiterscheinung. Der Kern ist die Windumkehr: West wird Ost. Ab diesem Moment ist es ein Major-Warming.
Split oder Displacement: Zwei Wege, ein Chaos - und eine aufgehobene Kopplungssperre
Ab diesem Moment entscheidet sich, wie der Gesamtwirbel reagiert. Beim Displacement wird der Wirbel als Ganzes aus dem Polbereich gedrückt - verlagert, verschoben aber noch als ein Cluster
. Beim Split reißt er in zwei Cluster auseinander. Beide Zustände sind mehr als Geometrie: Sie verändern, wie Stratosphäre und Troposphäre miteinander kommunizieren. Oft wirkt zunächst eine Kopplungssperre wie ein Puffer. Doch gelingt das Downwelling, dann sinkt das gestörte Signal nach unten - Top-Down. Nach etwa 7 bis 14 Tagen, manchmal erst nach rund 3 Wochen, erreicht die negative Beschleunigung die unteren Schichten. Und dann kann das Wetter kippen, als hätte jemand den Hebel umgelegt.

Die Auswirkungen auf das Wetter über Deutschland: Von winterlichen Ausnahmezuständen und einer frühlingshaften Höhenluft
Mit dem aufgebrochenen Wirbel steigt die Wahrscheinlichkeit für Blocking in hohen Breiten und eine gestörte Westdrift. Plötzlich öffnen sich neue Möglichkeiten: Kaltluft aus Nordost oder Nord kann nach Mitteleuropa durchgreifen - eisiger Frost, Starkschneefall, Grenzwetterlagen. Besonders der Polarwirbelsplit gilt statistisch als winterlicher, weil Kaltluftreservoirs neu verteilt werden. Ein Displacement (Verschiebung) wirkt oft langlebiger, aber nicht zwingend eisig: Es kann auch trocken, ruhig und unter Hochdruck schon frühlingshaft warm werden. Denn ein geschwächter Wirbel bedeutet nicht automatisch Winter - er bedeutet Variabilität.
Der mäandrierende Polarwirbel
Es gibt aber neben einem Polarwirbelsplit und einem Displacement eine dritte Variante - ein in sich kollabierender Polarwirbel, welcher vollständig mäandriert und keine Muster mehr aufweist. Das kann unter bestimmten Voraussetzungen zu einem verfrühten Final-Warming führen, bei dem sich der Polarwirbel von diesem Einschlag
nicht mehr erholen und so das Wetter bis weit in den Frühling hinein beeinflussen kann.
Winterliche Ausnahmezustände sind möglich, frühlingshafte und trockene Ausreißer aber ebenso. Das ist der Reiz und die Faszination, die von diesem Phänomen ausgehen. Alles ist möglich, nichts ist sicher. Und genau deshalb neigen die Vorhersage-Modelle bis zum tatsächlichen Eintreten des Major-Warmings zu einer hohen Sprunghaftigkeit - und das von Lauf zu Lauf, bis die Realdaten in die Berechnungen einfließen und der neue Takt gefunden ist.
Nachfolgend einmal eine Übersicht der drei möglichen Zustände aus ausgesuchten Kontrollläufen.
Zusammenfassung Major-Warming - die plötzliche Stratosphärenerwärmung und die Auswirkungen auf das Wetter über Deutschland
- Minor-Warming (Vorstufe) bereits aktiviert
- Struktureller Aufbau des Warmings zum 29. Januar
- Start des Warmings 1. Februar
- Vorläufiger Höhepunkt zwischen dem 7. und 9. Februar
- Auswirkung auf die unteren Schichten zwischen dem 8. und 22. Februar
- Vorhersage-Modelle neigen in der Modellierung zu einer hohen Sprunghaftigkeit, bis die Realdaten des eingetretenen Warmings zur Verfügung stehen
- Auswirkungen auf den Polarwirbel sind ein Split, ein Displacement (Verschiebung) oder ein Mäandrieren mit nachfolgendem Final-Warming

So reagieren die Vorhersage-Modelle auf das Phänomen
Die Sprunghaftigkeit konnte bereits in den vergangenen 72 Stunden mit frühlingshaften und winterlichen Wetterentwicklungen beobachtet werden. Der Wettertrend selbst aber war stets wenig winterlich - mehr nasskalt mit allenfalls winterlichen Optionen ab den mittleren Lagen.
Analysiert man die Wetterprognose des europäischen Wettermodells, so wird Anfang Februar das Blockadehoch über Skandinavien wieder kräftiger und versucht kalte - kontinental geprägte - Festlandsluft nach Mitteleuropa zu führen, während der Rest der reaktiven Frontalzone versucht, die maritim angewärmten Luftmassen nach Norden zu führen. Die Folge daraus ist der Erhalt der Grenzwetterlage über Deutschland. Der Frost verschärft sich bis zum 2. Februar nördlich der Linie Bremen und Dresden mit -14 bis -2 Grad. Während weiter nach Westen die Temperaturen mit +2 bis +6 Grad und über dem Westen mit bis +9 Grad im positiven Bereich verweilen.
Die absolut gestörte Zirkulation - Kräftige Hochdruckblase über Grönland
Im weiteren Verlauf der ersten Februar-Dekade baut sich vom Nordpol bis über die Azoren reichend eine Hochdruckzone aus, deren Kern über Grönland liegt. Die absolut gestörte Zirkulation blockiert die Frontalzone vollständig, was ein meridional verlaufendes Strömungsmuster zur Folge hat. Heute ist es ein im Hinblick auf den Winter optimaler Verlauf der Hochdruckachse, da nach dieser Konstellation die eisig kalte Polarluft über Sibirien und Skandinavien nach Mitteleuropa geführt werden kann.
Die Höchsttemperaturen sinken bis zum 8. Februar - über ganz Deutschland - auf -14 bis -4 Grad ab - wohlgemerkt die Höchsttemperaturen. Die Tiefstwerte erreichen -17 bis -8 Grad und über Schnee und bei Aufklaren kann ein Absinken der Temperatur unter die -20 Grad-Marke nicht ausgeschlossen werden.

Wetterprognose nach den amerikanischen Wettermodell
Die Wetterprognose ist im Aufbau der des europäischen Wettermodells sehr ähnlich doch verläuft die Achse des Grönlandhochs etwas anders sodass die Details anders priorisiert werden. Die Temperaturen erreichen am 2. Februar über dem Osten Höchstwerte von -10 bis -6 Grad und nach Süden und Westen sind -3 bis +1 Grad möglich. Bis zum 6. Februar kommt die Luftmassengrenze mit +2 bis +6 Grad über dem Süden und Westen zurück während es nördlich einer Linie Münster und Bayerischer Wald mit -4 bis +1 Grad verbreitet frostig bleibt. Bis zum 9. Februar pendeln sich die Werte über dem Süden auf -1 bis +4 Grad und nördlich der Linie Saarland-Sachsen auf -4 bis +1 Grad ein. Leichte Verschiebungen große Auswirkungen.

Zwischenfazit: Der Polarwirbel gibt den Wintertakt vor
Daran hat sich seit rund 18 Tagen nichts geändert. Das Wetterregime findet vom Polarwirbel aus statt und die Frontalzone reagiert nur noch auf die sich verändernden Parameter. Grenzwetterlage ist das was man in den kommenden Tagen zu erwarten hat. Teils mit Tauwetter über dem Westen teils mit frostigen Temperaturen und etwas Schneefall über dem Nordosten - dazwischen die Übergangsphase welche heute und auch am Montag zu teils chaotischen Wetterbedingungen führen kann.
Bewertet man die Wahrscheinlichkeiten so ist vom 26. Januar bis 2. Februar mit Temperaturen in 1.400 Meter Höhe über dem Norden und Osten von -6 bis -4 Grad und über dem Süden und Westen von +5 bis -2 Grad zu rechnen. Die Grenzwetterlage kommt, doch kann auch über dem Norden und Osten bei Tageswerten von +1 bis +4 Grad keine Winterzusage getroffen werden. Abwarten ist angesagt - erst recht was den Zeitraum darüber hinaus angeht.
Und noch etwas - sowohl die Amerikaner als auch die Europäer bilden im Vergleich zu den Kontrollläufen die mit Abstand kältesten Varianten ab. Möglich ja, wahrscheinlicher aber ist dass bereits in den kommenden Stunden auch wieder wärmere Wetterentwicklungen simuliert werden können. Damit erfüllen die Prognose-Modelle die oben beschriebene Sprunghaftigkeit.
Heute Abend steigen wir tiefer in die Wetteranalyse ein und schauen uns die Cluster-Analyse die Randfaktoren und die aktuellen Prognosen der Vorhersage-Modelle an. Bis dahin wünschen wir Ihnen einen wunderbaren Sonntag.
Nächste Aktualisierung
- 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetteranalyse an dieser Stelle
Update der Wetterprognose von 20:17 Uhr
Der Schneefall hat zwischenzeitlich über dem Süden eingesetzt und wird sich in den kommenden Stunden weiter nach Norden ausdehnen. Die Schneeprognose der Vorhersage-Modelle ist einheitlicher geworden und der Schwerpunkt des Schneefalls lässt sich auf einem breiten Streifen zwischen Hamburg und Ulm ausmachen. Weiter nach Osten und Westen nimmt die Niederschlagsintensität ab und ab Montagnachmittag setzt von Süden her mit ansteigenden Temperaturen über tieferen Lagen Tauwetter ein. Hebungsvorgänge über den südlichen Mittelgebirgen können regional auch unwetterartigen Schneefall auslösen (Warnlagenbericht || Schneeprognose).

Winterwetter im Februar? Die Clusteranalyse
Schauen wir uns heute Abend zuerst einmal die Clusteranalyse an. Die Vorhersage-Modelle berechneten in ihren kältesten Varianten ein Blockadehoch über Grönland, welches sich weit in den Polarwirbel hinein ausdehnt und zudem - je nach Wettermodell - noch eine Querverbindung zum Azorenhoch aufbauen konnte.
Die Clusteranalyse mit klaren Signalen - erneut ein 100 Prozent Ergebnis
Wie bereits in der Wetteranalyse vom vergangenen Sonntag, so gibt es auch in der heutigen Clusteranalyse ein 100 Prozent Ergebnis für einen negativen NAO-Index. Das ist bemerkenswert, da ein Blockadehoch über den nördlichen Breiten über Wochen hinweg Bestand haben kann und die These eines stark geschwächten bis gestörten Polarwirbels zunächst einmal stützt.
Schaut man genauer hin, gelingt es dem Blockadehoch in den allermeisten Fällen jedoch nicht, eine Blockadeachse in Richtung der Azoren aufzubauen. Infolge daraus besteht die Möglichkeit, dass die Frontalzone weit nach Süden - bis über die Azoren gedrückt wird. Die Gefahr im Hinblick auf den Winter besteht somit weiterhin, dass das Blockadehoch an seinen südlichen Gradienten unterwandert wird und über Mitteleuropa entweder zu einer vergleichsweise warmen Südwestanströmung oder einer Grenzwetterlage führen kann. Der Sonderfall ist der, wenn die Frontalzone weiter nach Süden verschoben wird, sodass sich mit dem Blockadehoch und einem Tief über der Mittelmeerregion eine stramme Nordost- oder Ostwetterlage einstellen kann.
In den meisten Fällen ist diese besondere Konstellation jedoch kein klares Signal für Winterwetter über Deutschland.
Zusammenfassung der Cluster-Analyse
- Erneut ein 100 Prozent Ergebnis für einen negativen NAO-Index
- Eine Hochdruckzone zwischen Grönland, Island und Skandinavien ist in der ersten Februar-Dekade sehr wahrscheinlich
- Keine Querverbindung zum Azorenhoch
- Stattdessen eine weit nach Süden verschobene Frontalzone
- Über Deutschland, der Schweiz und Österreich reicht das Spektrum zwischen einer vergleichsweise warmen Südwestanströmung, einer Grenzwetterlage oder einer kalten Nordost- bis Ostwetterlage
- Kein klares Wintersignal

Betrachtung der Randfaktoren
Abseits der Clusteranalyse gibt es noch die Prognose der Kontrollläufe für den NAO-Index - und zwar jeder Lauf für sich genommen. Aktuell ist der NAO-Index negativ, nimmt zum 1. Februar kurzzeitig einen neutralen Zustand an, geht dann aber wieder in den negativen Bereich zurück und bestätigt somit die Clusteranalyse. Bemerkenswert ist jedoch, dass der NAO-Index nur leicht negativer Ausprägung ist. Stark negative - und somit winterliche - Signale fehlen.
Der kollabierende Stratosphärenwirbel
Bereits heute Nachmittag haben wir nochmals ausführlicher das Phänomen der plötzlichen Stratosphärenerwärmung und dessen Auswirkungen auf die Gesamtstruktur des Polarwirbels beschrieben.
Auch hierzu gibt es einen Index-Wert - den AO-Index und der ist aktuell stark negativ, erholt sich Anfang Februar leicht und sackt nachfolgend in einen Bereich ab, der das untere Ende der Skala erreicht. Das ist also ein starkes Signal für einen im Februar kollabierenden Polarwirbel - der nötige Trigger hierfür ist die plötzliche Stratosphärenerwärmung.
Ein Major-Warming ist aber erst dann ein Major-Warming, wenn auch die Winde sich entlang des 60. Breitengrades von West-Ost auf Ost-West drehen. Der Mittelwert der Winde liegt im Moment mit +90 km/h etwa in dem Bereich, welcher für die Jahreszeit als normal
gilt. Bis zum 10. Februar schwächen sich die Mittelwinde auf +7,2 km/h ab und geht es nach dem Hauptlauf, so wird die Windumkehr mit -64 km/h bemerkenswert heftig vollzogen.
Randbemerkung: Wir begleiten und analysieren das Phänomen der plötzlichen Stratosphärenerwärmung seit 2009 nun schon eine ganze Weile, doch die aktuell berechneten Strukturen sind außergewöhnlich. Warum das so ist, wird man noch verifizieren müssen. Eine mögliche Erklärung hierfür liegt in der Hintergrundmodulation des QBO-Ost, welcher alle 2,2 Jahre auftritt und dieses Mal in der Wintersaison seinen Höhepunkt erreicht. Da treffen im Hinblick auf einen schwachen bis kollabierenden Polarwirbel mehrere begünstigende Faktoren zusammen.
Zusammenfassung Analyse
- Negativer NAO-Index wird von den Einzelläufen gestützt
- Allerdings ein nur leicht negativer NAO-Index
- AO-Index hingegen stark negativ
- Die Schwäche des Polarwirbels wird im Februar anhalten und ein Kollabieren des Wirbels kann mit einem Major-Warming nicht ausgeschlossen werden
Fazit: Gestörter Polarwirbel - doch keine klaren Signale für den Winter
So kann man die aktuelle Wetteranalyse zusammenfassen. Die Rahmenbedingungen für den Winter sind nahezu optimal. Eine Westwetterlage wird es so schnell nicht geben, die Zirkulation ist gestört, der Polarwirbel schwach und mit dem möglichen Major-Warming steht die nächste Umstrukturierung bevor. Doch sind auch die besten Rahmenbedingungen noch lange kein Garant für Winterwetter - da kann noch eine Menge schief laufen.
Die aktuelle Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Kuriose Wetterlagen
Die Amerikaner setzen die Sprunghaftigkeit fort. Die Prognose von heute Mittag hatte eine ungewöhnlich warme Südwestanströmung zur Folge und vollzog zur Prognose von heute Morgen eine 180-Grad-Wende. Heute Abend wird wieder das Blockadehoch über den nördlichen Breiten aufgegriffen. Negativer NAO-Index ja, doch wird das Blockadehoch an seinem südlichen Gradienten von der Frontalzone unterwandert, was über Deutschland zu einer Grenzwetterlage führt. Winterlicher Norden, milder Süden. In Summe aber auch wieder eine komplett andere Wetterlage.
Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells von heute Abend verabschiedet sich ebenfalls komplett von der Nordost- bis Ostanströmung eisig kalter Luftmassen aus Sibirien. Das Hoch über Grönland wird zwar wetteraktiv, doch bleiben die Auswirkungen auf die Frontalzone gering. Mit einer nach Süden verschobenen Zugbahn stellt sich im Februar über Deutschland, Österreich und der Schweiz eine nasskalte Witterung ein, bei der sich die Temperaturen über der Nordhälfte des Öfteren unter dem Gefrierpunkt orientieren können, doch je nach Zugbahn der Frontensysteme kann sich das Tauwetter mit +1 bis +6 Grad auch über dem Norden und Osten phasenweise durchsetzen. Tendenziell wärmer bleibt es mit +2 bis +6 Grad über der Südhälfte, wobei die Temperaturen phasenweise auf bis +12 Grad ansteigen können.
Die Grenzwetterlage ist nach der Wettervorhersage des europäischen Wettermodells deutlicher herausgearbeitet und kann insbesondere ab den mittleren Lagen, sowie nördlich einer Linie von Münster und dem Bayerischen Wald für winterliche Landschaften sorgen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Der Winter steht mit dem Februar vor einem Scheideweg. Winter-Top oder Winter-Flop - wie wir es vor ein paar Tagen einmal passender beschrieben haben.
Die Kontrollläufe selbst bleiben differenziert und berechnen bspw. für den 7. Februar in 1.400 Meter Höhe über dem Süden Temperaturen von -2 bis +0 Grad und über dem Norden von -3 bis -5 Grad. Für den Flachlandwinter sind in der ersten Februar-Dekade Höhenwerte von -6 bis -8 Grad und für mittlere Lagen von -4 bis -6 Grad eine Voraussetzung. Für den Moment bestätigt sich ein eher nasskalter Wettertrend, der noch in eine Grenzwetterlage kippen kann - das ist im Hinblick auf das bevorstehende Major-Warming jedoch nur eine Momentaufnahme. In diesem Sinne Ihnen einen wunderbaren Sonntagabend.

Wetterdaten Februar 2026
Top-10 Extremwerte Februar 2026
-
Wert Datum Station Bundesland 14,3 07.02.2026 Tönisvorst Nordrhein-Westfalen 14,2 03.02.2026 Kiefersfelden-Gach Bayern 14,2 03.02.2026 Kohlgrub, Bad (Rosshof) Bayern 14,2 07.02.2026 Weilerswist-Lommersum Nordrhein-Westfalen 14,1 07.02.2026 Emmendingen-Mundingen Baden-Württemberg 14,1 07.02.2026 Rheinau-Memprechtshofen Baden-Württemberg 13,7 07.02.2026 Duisburg-Baerl Nordrhein-Westfalen 13,5 07.02.2026 Ohlsbach Baden-Württemberg 13,3 03.02.2026 Garmisch-Partenkirchen Bayern -0,4 08.02.2026 20098 -
Wert Datum Station Bundesland -14,0 02.02.2026 Grambow-Schwennenz Mecklenburg-Vorpommern -13,3 02.02.2026 Grünow Brandenburg -13,3 02.02.2026 Ueckermünde Mecklenburg-Vorpommern -13,2 02.02.2026 Feldberg - Mecklenburg Mecklenburg-Vorpommern -13,2 02.02.2026 Trollenhagen Mecklenburg-Vorpommern -12,8 02.02.2026 Anklam Mecklenburg-Vorpommern -12,6 01.02.2026 Zugspitze Bayern -12,6 02.02.2026 Angermünde Brandenburg -12,2 02.02.2026 Tribsees Mecklenburg-Vorpommern -12,1 02.02.2026 Greifswald Mecklenburg-Vorpommern -
Wert Datum Station Bundesland 40,0 05.02.2026 Wismar Mecklenburg-Vorpommern 21,2 06.02.2026 Vöhrenbach-Urach Baden-Württemberg 17,9 03.02.2026 Homburg, Bad (Filterwerk) Hessen 17,2 07.02.2026 Seegebiet Mansfelder Land-Röblingen Sachsen-Anhalt 16,8 03.02.2026 Ebsdorfergrund-Ebsdorf Hessen 16,3 05.02.2026 Zingst, Ostseeheilbad Mecklenburg-Vorpommern 16,3 06.02.2026 Seebach (Nationalpark Schwarzwald) Baden-Württemberg 16,1 06.02.2026 Schönwald Baden-Württemberg 16,0 05.02.2026 Franzburg Mecklenburg-Vorpommern 15,9 06.02.2026 Bernau-Goldbach Baden-Württemberg -
Wert Station Bundesland 42,4 Wismar Mecklenburg-Vorpommern 31,9 Holzbach Rheinland-Pfalz 29,1 Vöhrenbach-Urach Baden-Württemberg 28,7 Utzenfeld Baden-Württemberg 28,1 Bernau-Goldbach Baden-Württemberg 27,5 Nohfelden-Gonnesweiler Saarland 27,3 Kell am See Rheinland-Pfalz 26,2 Weiskirchen - Saar Saarland 24,8 Schönwald Baden-Württemberg 24,5 Losheim-Niederlosheim Saarland -
Wert Station Bundesland 0,0 Andechs-Erling Bayern 0,0 Augsburg Bayern 0,0 Barßel-Loher Ostmark Niedersachsen 0,0 Boos Bayern 0,0 Buchloe Bayern 0,0 Burgau Bayern 0,0 Eberfing Bayern 0,0 Egling - Isar-Attenham Bayern 0,0 Eppishausen-Haselbach Bayern 0,0 Mistelgau-Hardt Bayern -
Wert Datum Station Bundesland 118,4 04.02.2026 Greifswald Mecklenburg-Vorpommern 101,5 04.02.2026 Spiekeroog (SWN) Niedersachsen 99,4 03.02.2026 Zugspitze Bayern 91,1 03.02.2026 UFS Deutsche Bucht Hamburg 86,4 03.02.2026 Schönhagen (Ostseebad) Schleswig-Holstein 85,7 04.02.2026 Arkona Mecklenburg-Vorpommern 84,6 03.02.2026 Feldberg - Schwarzwald Baden-Württemberg 84,2 03.02.2026 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 83,5 04.02.2026 List auf Sylt Schleswig-Holstein 82,1 03.02.2026 Fichtelberg Sachsen -
Wert Station Bundesland 51,9 Zugspitze Bayern 42,7 Schneefernerhaus Bayern 41,6 Leutkirch-Herlazhofen Baden-Württemberg 39,9 Sigmarszell-Zeisertsweiler Bayern 39,3 Halblech-Bayerniederhofen Bayern 38,2 Mittenwald-Buckelwiesen Bayern 38,1 Oy-Mittelberg-Petersthal Bayern 38,0 Lippstadt-Bökenförde Nordrhein-Westfalen 37,3 Haltern (Wasserwerk) Nordrhein-Westfalen 37,0 Bochum Nordrhein-Westfalen -
Wert Station Bundesland 0,0 Berlin-Buch Berlin 0,0 Berlin-Kaniswall Berlin 0,0 Berlin-Marzahn Berlin 0,0 Braunschweig Niedersachsen 0,0 Bremervörde Niedersachsen 0,0 Celle Niedersachsen 0,0 Dachwig Thüringen 0,0 Seehausen Sachsen-Anhalt 0,0 Soltau Niedersachsen 0,0 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen
Die aktuelle Durchschnittstemperatur im Februar 2026 beträgt -0,1 °C. Die Temperaturanomalie beträgt im Vergleich zum vieljährigen Klimamittelwert von 1961/90 aktuell -0,4 °C (91/20 -1,6 °C). Am 07.02.2026 konnte mit 14,3 °C über Tönisvorst (Nordrhein-Westfalen) die höchste und am 02.02.2026 mit -14,0 °C über Grambow-Schwennenz (Mecklenburg-Vorpommern) die tiefste Temperatur registriert werden. Das wärmste Bundesland ist mit einer durchschnittlichen Temperatur von 3,4 °C Saarland. Frischer ist der Februar 2026 mit einem Durchschnittswert von -4,1 °C bisweilen über Mecklenburg-Vorpommern.
Im Februar 2026 konnte bis zum heutigen Tag eine Niederschlagssumme von 5,8 l/m² registriert werden. Der Sollwert zum Klimamittelwert von 1961/90 wurde zu 11 % erfüllt. Regentage mit mehr als 1 l/m² Regen gab es an 2 Tagen.
Die Sonnenscheindauer konnte mit rund 9,6 Stunden ihren Sollwert von 72,0 Stunden zu 13 % erfüllen. Den meisten Sonnenschein gab es mit 51,9 Stunden über der Zugspitze (Bayern). Vergleichsweise wenig Sonnenschein gab es mit 0,0 Stunden über der Braunschweig (Niedersachsen).

