Frühherbst oder Spätsommer im September - Die Entscheidung fällt in den kommenden 72 Stunden
Am Dienstag herrscht noch sommerlich geprägtes Wetter vor. Die Temperaturen liegen meist im Bereich von +25 bis +30 Grad, im Südwesten sind Spitzenwerte darüber möglich. Im Tagesverlauf entwickeln sich jedoch erste Gewitter, die Vorboten einer markanten Wetterumstellung sind. Bereits Mitte der Woche setzt aus nördlichen Breiten ein Zustrom deutlich kühlerer Luft ein, der mit den feucht-warmen Luftmassen über Süddeutschland in Konflikt geraten wird. Diese Konstellation begünstigt kräftige Niederschläge und teils unwetterartige Entwicklungen, bevor sich die Polarluft bis an die Alpen durchsetzt. Wie lange hält die kühle Witterung an und was bedeutet der Vorstoß für den Spätsommer im September?

Mit dem Eintreffen der Kaltluft sinken die Temperaturen bis Donnerstag spürbar ab und erreichen verbreitet nur noch +20 bis +24 Grad. Während im Süden bei +16 Grad länger anhaltender, ergiebiger und teils unwetterartiger Regen niedergeht, lockert es nördlich der Mittelgebirge zunehmend auf und sorgt für einen trockenen und sonnigen Witterungscharakter. Zum Wochenende verstärkt ein frischer Nordwestwind den Zustrom kühlerer Luft. Schauer konzentrieren sich auf Küstenregionen, während das Binnenland bei wechselnder Bewölkung überwiegend trocken bleibt. Die Temperaturspanne reduziert sich bis Samstag auf +16 bis +20 Grad. Ab Sonntag setzt sich unter Hochdruckeinfluss zwar wieder mehr Sonnenschein durch, doch die eingeflossene höhenkalte Luft verhindert eine weitere Erwärmung, sodass die Werte meist zwischen +17 und +21 Grad liegen.
Markanter Wetterumschwung
Die vorherrschende Wetterlage markiert mit einem Skandinavientief den Übergang von sommerlichen bis hochsommerlichen Wetter zu einer deutlich kühleren geprägten Phase. Unwettergefahr besteht insbesondere Mitte der Woche über dem Süden, wo die Kombination aus feucht-warmer Luft und einströmender - höhenkalter - Polarluft ergiebige Regenfälle auslöst. Danach dominiert eine böiger Nordwestwind, der mit wechselnder Bewölkung und im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert auch unterdurchschnittlichen Temperaturen die Schaueraktivität abklingen lässt. Wer es genauer wissen möchte: Wetter August.

So wird das Wetter bis September
Die obenstehenden Wetterkarten verdeutlichen bereits, worauf es in der Wetterentwicklung bis September ankommt: auf die Intensität des Tiefdrucksystems über Skandinavien und die Reaktion des Hochdrucksystems. Das amerikanische Wettermodell berechnet das Skandinavientief kräftiger und entzieht dem Hoch Energie, während sich auf dem Atlantik ein weiteres Tief westlich von Island weit nach Süden vorwagt. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wetterentwicklung bis Ende August.
Gestörtes Zirkulationsmuster – Hoch wird unterwandert
Das Tief über Skandinavien bleibt nahezu ortsfest und verlagert sich nach der Vorhersage des amerikanischen Wettermodells bis zum 29. August kaum. Das Hoch verliert weiter Energie an das Tief, behauptet jedoch seinen Hochdruckkern über Island (negativer NAO-Index). Gleichzeitig drängt das Tief auf dem Atlantik weiter nach Süden, beginnt das Islandhoch am südlichen Gradienten zu unterwandern und erreicht so über Umwege Mitteleuropa.
Unbeständiges und nur gemäßigt warmes Wetter
Laut der Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells entwickelt sich bis Anfang September eine gradientenschwache Wetterlage, deren Grundströmung sich von Nord allmählich auf Südwest dreht. Bei wechselnder Bewölkung treten wiederholt kräftige Schauer und örtliche Gewitter auf. Die Temperaturen steigen am 25. August auf +22 bis +26 Grad, örtlich bis +28 Grad an. Bis Anfang September sinkt das Niveau leicht auf +21 bis +25 Grad ab und kann in Schauernähe auch unter die +20-Grad-Marke absinken.
Sommerwetter
Nach der Wettervorhersage des europäischen Wettermodells schwächt sich das Tief über Skandinavien ab, während das Hoch kräftiger berechnet wird. Das anstürmende Tief auf dem Atlantik wird zum 27. August deutlich gebremst, sodass die Unterwanderung des Hochdrucksystems nicht mehr gelingt. Ob das Hoch unterwandert wird oder nicht, ist entscheidend für das Septemberwetter. Der Grund: Durch die fehlende Dynamik verbleibt das Tief auf dem Atlantik und dreht sich südlich von Island sowie westlich von England ein.
Dieser Prozess stützt die Hochdruckzone über Mitteleuropa und verstärkt diese, sodass das Wetter über Deutschland, Österreich und die Schweiz mit Temperaturen von +24 bis +28 Grad bis Anfang September in den sommerlich warmen Bereich ansteigen kann. Schauer und Gewitter sorgen vor allem im Süden zwischen dem 27. und 28. August für Abwechslung, während es im Norden weitgehend trocken bleibt. Das Omegakonstrukt bleibt bestehen, jedoch verschiebt sich die Amplitude weiter in Richtung Mitteleuropa. Unterschiedlicher könnten die Prognosemodelle kaum sein, was die unsichere Wetterentwicklung bis September verdeutlicht, ausgelöst durch den Vorstoß höhenkalter Polarluft zum Ende der Woche.

Der September zwischen den Extremen
Beide Vorhersage-Modelle bestätigen im Grunde das noch gemäßigte Mittel zwischen den Extremen. Das europäische Vorhersage-Modell berechnet eine Omegablase, während das Tief nach dem amerikanischen Wettermodell der Wegbereiter für den Frühherbst im September sein kann. Die Extreme sind mit Spitzenwerten von +34 bis +12 Grad klar umrissen – ebenso die Konstellationen, die diese auslösen.
NAO-Index richtungsweisend für das Septemberwetter
Der NAO-Index, welcher vereinfacht ausgedrückt das Verhältnis von Islandtief zu Azorenhoch beschreibt (positiv), wird in den kommenden 24 Stunden deutlich negativ berechnet (Hoch über Island, Störung bei den Azoren). Dies spiegelt den Kaltluftvorstoß von Skandinavien in Richtung Alpen gut wider. Darüber hinaus zeigt der NAO-Index zwar einen positiven Entwicklungstrend, bleibt jedoch mit seinem Mittelwert vorerst im negativen Bereich. Die Druckgegensätze sind somit vertauscht, was Anfang September ein höheres Potential für eine gestörte – und damit meridional verlaufende – Zirkulation erwarten lässt.
Cluster-Analyse schwenkt um
Aus 32 Möglichkeiten ergeben sich aktuell 12 Cluster. Während die Cluster in den vergangenen Tagen noch gleichmäßig zwischen einem positiven NAO-Index und einem blockierenden Hochdrucksystem verteilt waren, hat sich dies in den letzten 24 Stunden mit 75 Prozent zugunsten eines negativen NAO komplett verschoben. Die Diskrepanzen zwischen der Berechnung des NAO-Index und der Clusteranalyse waren in den vergangenen Tagen deutlich ausgeprägt und wurden heute ausgeräumt.
Mögliche Wetterentwicklungen bis September
Das Hoch kann sich bis in den September hinein mit höherer Wahrscheinlichkeit im Bereich zwischen Grönland, Island, dem europäischen Nordmeer und Skandinavien etablieren. Südlich davon ziehen die Tiefdrucksysteme umher. Für den Spätsommer interessant sind die Varianten, die ein Skandinavienhoch favorisieren, während ein Hoch über Island die frühherbstlichen Szenarien begünstigt.

Auf den Punkt gebracht: Der Frühherbst oder der Spätsommer im September
Beide Varianten sind weiterhin möglich. Entscheidend sind Intensität, Dauer und die Positionierung des Skandinavientiefs, sowie die Reaktion des Hochdrucksystems in den kommenden 72 Stunden. Das Ereignis muss erst eintreten, danach sieht man weiter. Betrachtet man die Wetterkarten, zeigt sich ein Muster, das sich bereits in den letzten Tagen als Favorit für den Beginn des Septembers herausgestellt hat.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Im Vergleich zu den Kontrollläufen zählt die Prognose des amerikanischen Wettermodells Anfang September zu den kühleren Varianten. Auffällig ist jedoch auch in den Kontrollläufen die hohe Unsicherheit. So liegt das Temperaturspektrum in 1.500 Meter Höhe am 25. August zwischen +25 und +5 Grad – eine Differenz von 20 Grad. Für eine verlässliche Wettervorhersage wären 2 bis 4 Grad und für eine Prognose bis 6 Grad wünschenswert.
Der Mittelwert aller Kontrollläufe zeigt ein Minimum mit einer Anomalie von -3 bis -5 Grad um den 23. August. Das entspricht Tageswerten von +16 bis +18 Grad und ist für die Jahreszeit zu kalt. Danach verläuft der Temperaturtrend deutlich positiv und erreicht zum 25. August bereits eine positive Anomalie, die sich bis in den September hinein im Bereich von +2 bis +4 Grad über dem Durchschnitt bewegt. Also ja, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Vorstoß polarer Luftmassen nur kurz anhält und sich das Temperaturspektrum anschließend wieder dem sommerlichen Bereich zuwendet.
Die Regenprognose
Die Niederschlagssignale sind über dem Süden um den 21. August deutlich erhöht, sonst nur schwach ausgeprägt. Zwischen dem 23. und 26. August bleibt es vergleichsweise trocken. Danach sind bis September mit abnehmender Tendenz die Signale zunächst leicht, später schwach erhöht. Die warme, aber unbeständige Südwestwetterlage bleibt Favorit, auch wenn die Hochdrucktendenz nach Norden heute stärker ausgeprägt ist als in den letzten Tagen. Fazit: frühherbstliche Entwicklungen sind bis September nicht auszuschließen, jedoch wenig wahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist eine Südwestanströmung, die spätsommerliche Temperaturen und eine erhöhte Schauer- und Gewitterneigung begünstigt. Schaun mer mal.

| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 24. August | +13 bis +25 Grad | +18 bis +20 Grad |
| 28. August | +12 bis +36 Grad | +22 bis +24 Grad |
| 2. September | +14 bis +34 Grad | +21 bis +23 Grad |

Septembertrend nach dem CFSv2-Modell
Die Berechnung der Temperaturabweichung liegt mit +1,0 bis +2,0 Grad über dem langjährigen Mittel und deutet auf einen zu warmen September hin (91/20: +0,5 bis +1,5 Grad). In den vergangenen 48 Stunden hat sich die Tendenz jedoch stärker in Richtung +1,5 bis +2,5 Grad verschoben – das Langfristmodell reagiert damit allmählich auf den zu hohen Temperaturtrend der Kontrollläufe. Beim Niederschlag zeigt sich über dem Norden ein etwas zu trockenes und über dem Südosten ein zu nasses Muster.












