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Wetter September: Zwischen Spätsommer und Frühherbst

| M. Hoffmann

Ein Sommer-Intermezzo mit Temperaturen von örtlich bis zu +30 Grad bleibt nur von kurzer Dauer. Bereits zur Wochenmitte setzt sich kühlere Luft aus dem Norden durch. Während der Süden noch einmal von schwül-warmen Luftmassen mit Schauern und Gewittern erfasst wird, zeigt sich im Norden zunehmend ein trockener und sonniger Wettercharakter. Bis zum Wochenende sorgt die Nordströmung für deutlich frischere Verhältnisse, begleitet von einem Sonne-Wolken-Mix und zeitweise lebhaftem Wind. Ob sich darüber hinaus der Sommer noch einmal berappeln und mit dem September den Spätsommer einleiten kann, hängt von zwei Faktoren ab: Einem Skandinavientief und dem Azorenhoch.

Spätsommer oder Frühherbst - wie entwickelt sich die Großwetterlage bis September?
Spätsommer oder Frühherbst - wie entwickelt sich die Großwetterlage bis September?

Nach einem zunehmend sommerlichen Wochenbeginn steigen die Temperaturen vielerorts erneut auf hochsommerliche Werte, im Südwesten teils über +30 Grad. Ab der Wochenmitte verschiebt sich die Wetterlage: Von Skandinavien strömt kühlere Luft südwärts in Richtung der Alpen und verdrängt die schwül-warme Luft. Im Süden entwickeln sich kräftige Schauer und Gewitter, die lokal unwetterartig ausfallen können, während nördlich davon häufiger die Sonne dominiert. Mit dem Vorstoß der kühlen Luft sinken die Höchstwerte auf +20 bis +25 Grad, an den Küsten sowie in den Regengebieten auch darunter.

Kühle Nordströmung prägt das Wetter

Zum Ende der Woche verstärkt sich der Einfluss der Nordströmung. Über den Alpen hält sich am Donnerstag noch länger andauernder Regen, stellenweise mit unwetterartigem Charakter, während nördlich davon ein wechselnd bewölkter Himmel mit sonnigen Phasen überwiegt. Die Temperaturen pendeln sich verbreitet zwischen +17 und +22 Grad ein, nur bei längerem Sonnenschein sind etwas höhere Werte möglich. Der Wind frischt immer wieder böig auf. Dem Hochsommer und dem Sommer wird ein spürbarer Dämpfer verpasst. Wer es genauer wissen möchte: Wetter August.

Sommerwetter sieht anders aus
Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Sommerwetter sieht anders aus © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wie wird das Wetter im September?

Mit dem September endet der meteorologische Sommer und der Herbst beginnt. Nicht abrupt, sondern allmählich. Betrachtet man die obenstehenden Wetterkarten, so advehiert ein Tief über Skandinavien kalte Luft polaren Ursprungs und lenkt diese weit nach Süden – bis an die Alpen. In der zweiten Wochenhälfte könnte dies den Hochsommer beenden und dem Sommer einen ordentlichen Dämpfer verpassen. Die Frage lautet: Hält mit dem September der Frühherbst Einzug oder kann sich der Spätsommer mit einer stabilen Hochdruckwetterlage behaupten?

Die Entwicklung der Großwetterlage

Schauen wir auf die Prognosen der Vorhersagemodelle der erweiterten Mittelfrist bis zum 27. August. Nach dem europäischen Wettermodell schwächt sich das Tief über Skandinavien zügig ab, sodass die kühle Polarluft nur in der Höhe die Alpen erreicht und sich nicht vollständig über Deutschland durchsetzen kann. Gleichzeitig entsteht bei Island ein Tiefdruckwirbel, der einen Keil des Azorenhochs in Richtung Deutschland schiebt. So wird der Tiefpunkt mit +16 bis +22 Grad im Norden und bis +24 Grad im Süden bereits zum 23. August erreicht.

Anschließend setzt eine Südwestströmung ein, wodurch die Temperaturen bis zum 27. August auf +22 bis +26 Grad und örtlich bis +28 Grad ansteigen können. Die Abkühlung und die Unterbrechung des Sommers sind somit nur von kurzer Dauer. Nennenswerter Niederschlag ist – mit Ausnahme Süddeutschlands und der Alpenregion – nicht zu erwarten.

Nach dem Dämpfer – Zwischen Sommer und Hochsommer

Das amerikanische Wettermodell berechnet das Tief über Skandinavien weiter südlich, wodurch die kühle Luft am 22. August bis an die Alpen reicht und Temperaturen von +17 bis +22 Grad möglich macht. Mit Regen sind nur +15 Grad möglich, mit Sonnenschein dagegen bis +24 Grad.

Vom 23. bis 27. August bleibt das Skandinavientief zwar bestehen, schwächt sich jedoch ab und verliert seinen Einfluss auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Auch hier kann sich über Island ein Tief entwickeln, welches einen Keil des Azorenhochs in Richtung Mitteleuropa schiebt. Mit einer Südwestwetterlage steigen die Temperaturen am 24. August auf +20 bis +25 Grad und bis zum 27. August auf +25 bis +30 Grad, örtlich sogar darüber hinaus.

Abkühlung nur von kurzer Dauer

Resümiert man die erweiterte Mittelfristprognose, handelt es sich bei dem Vorstoß der polaren Luftmasse um ein zeitlich eng begrenztes Ereignis. Die Prognosemodelle zeigen ein bekanntes Muster: markante Wetterentwicklungen werden kurz vor Eintreffen oftmals korrigiert, abgeschwächt oder zeitlich verschoben. Mitunter werden solche Berechnungen kurz vor Eintreffen sogar komplett über den Haufen geworfen. Dieses Mal wird das zwar nicht so sein, doch die Wirkzeit beschränkt sich nicht mehr auf zehn Tage, wie ursprünglich einmal simuliert, sondern beschränkt sich nur noch auf zwei bis vier Tage. Danach steigen die Temperaturen wieder an. Ein Blick auf die Wetterkarten zeigt jedoch, dass es sich bei diesem Temperatursprung nicht um eine stabile Wetterlage handelt, die bis in den September hinein Bestand haben könnte.

Keine stabile, aber sommerlich bis hochsommerlich warme Wetterentwicklung
Die Wettervorhersage des europäischen und amerikanischen Wettermodells: Keine stabile, aber sommerlich bis hochsommerlich warme Wetterentwicklung © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Betrachtung der Randfaktoren bis September

Beide Vorhersagemodelle berechnen bis Anfang September einen positiven NAO-Index. Dabei bildet sich das Islandtief aus, während das Azorenhoch an seinem angestammten Platz verweilt. Das entspricht der klassischen schwül-warmen Südwestwetterlage, die Schauer und Gewitter begünstigt.

NAO-Index

Die Berechnung des NAO-Index der Kontrollläufe zeigt jedoch ein anderes Bild. Um den 20. August erfolgt zunächst ein Absturz, der eine Nordströmung bestätigt. Anschließend erholt sich der NAO-Index bis September nur langsam und bleibt mit seinem Mittelwert im negativen Bereich. Ein schnelles Kippen der Großwetterlage ist nicht zu erkennen. Vielmehr setzt ein langsamer Abbau der meridional verlaufenden Grundströmung ein. Mit anderen Worten: Temperaturprognosen von +30 Grad und mehr Anfang September sollte man mit einem gesunden Maß an Skepsis betrachten.

Cluster Analyse

Aus 32 Möglichkeiten ergeben sich aktuell 12 Cluster. 41 Prozent entsprechen einem Muster, das einem positiven NAO-Index zugeordnet wird und über Deutschland häufiger eine warme bis heiße Südwestwetterlage mit erhöhter Gewitterneigung begünstigt. Ebenfalls 41 Prozent entfallen auf Wetterlagen, die eine Blockade zur Folge haben. Diese kann entweder auf dem Atlantik oder über Europa auftreten. Liegt sie auf dem Atlantik, ist in Deutschland mit einer zunehmend frühherbstlichen Witterung zu rechnen. Entsteht eine Hochdruckblockade über Mitteleuropa, kann über den Hochsommer spekuliert werden. Die verbleibenden 18 Prozent entfallen auf eine Variante mit negativem NAO-Index. Damit steht die Clusteranalyse weiterhin im Gegensatz zu den Berechnungen des NAO-Index. Mit anderen Worten: In der kommenden Wetterentwicklung herrscht eine hohe Unsicherheit.

Die möglichen Wetterentwicklungen bis September

Fasst man die Berechnungen zusammen, lassen sich drei Varianten herausstellen. Erstens eine warme bis heiße und wechselhafte Südwestwetterlage. Zweitens ein frühherbstlicher Charakter mit kühler Luft aus Nord bis Nordwest. Drittens die Stabilisierung eines Spätsommerhochs Anfang September über Mitteleuropa. Diese Varianten haben wir anhand ausgesuchter Kontrollläufe einmal gegenübergestellt.

Die möglichen Wetterentwicklungen bis September mit einer höheren Eintreffwahrscheinlichkeit
Die Wettervorhersage nach ausgesuchten Kontrollläufen Die möglichen Wetterentwicklungen bis September mit einer höheren Eintreffwahrscheinlichkeit © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Der Frühherbst oder der Spätsommer im September

Beides ist möglich, doch die Tendenz geht mehr in Richtung Spätsommer. Der Favorit ist – wie schon in den vergangenen Tagen – die Südwestwetterlage. Dabei normalisiert sich der NAO-Index bis September, und ein Hochdruckkeil kann warme Luftmassen aus südwestlichen Richtungen nach Norden führen.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe ist die Südwestwetterlage bereits seit einigen Tagen der Favorit für die Wetterentwicklung bis September. Das bestätigt sich auch heute. Die Temperaturanomalie sinkt am 22. September auf -4 bis -2 Grad in den zu kühlen Bereich ab (Tagesmittelwert von +17 bis +20 Grad) und steigt ab dem 24. September zunächst in den neutralen Bereich, danach mit einer Anomalie von +2 bis +4 Grad in den deutlich zu warmen Bereich. Kumulier man diese Temperaturprognosen, kann der August mit einer Abweichung von +1,5 bis +2,4 Grad zu warm enden.

Die Regenprognose

Die Niederschlagssignale sind über dem Süden um den 21. August erhöht, sonst nur schwach ausgeprägt. Darüber hinaus ist nicht mit viel Niederschlag zu rechnen. Allerdings zeigt sich über dem Norden und Nordwesten eine leicht erhöhte Niederschlagsaktivität. Der August hat sein vieljähriges Niederschlagssoll erst zu rund 29 Prozent erreicht und ist damit extrem trocken. Kumuliert man die Niederschlagsprognosen, wird der August nicht nur zu warm, sondern auch außergewöhnlich trocken ausfallen. Im Fazit bestätigt sich bis September die zu warme und zu Schauern und Gewittern neigende Südwestwetterlage. Schaun mer mal.

Eine für September nachhaltig stabile Spätsommerwetterlage sieht anders aus
Eine für September nachhaltig stabile Spätsommerwetterlage sieht anders aus © www.meteociel.fr
Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
23. August +11 bis +23 Grad +18 bis +20 Grad
27. August +15 bis +32 Grad +22 bis +24 Grad
1. September +13 bis +32 Grad +20 bis +21 Grad
Diagramm Temperaturen September 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Septemberprognose der Langfristmodelle

Exakte Vorhersagen zu Temperatur, Niederschlag und Großwetterlagen sind bis Ende September derzeit nicht möglich. Langfristmodelle geben jedoch Hinweise auf Temperaturabweichungen (zu warm oder zu kalt) sowie Niederschlagsentwicklungen (zu nass oder zu trocken).

Wettertrend nach dem CFSv2-Modell

Die aktuelle Temperaturabweichung liegt mit +1,0 bis +2,0 Grad über dem langjährigen Mittel und deutet auf einen zu warmen September hin. Auffällig ist, dass der September im Vergleich zu den Sommermonaten moderater ausfällt (91/20: +0,5 bis +1,5 Grad). Beim Niederschlag zeigt sich über dem Norden ein zu trockenes und über dem Südosten ein leicht zu nasses Muster ab.

Wetterprognose der NASA

Nach diesem Modell wird der September mit einer Abweichung von +0,5 bis +1,5 Grad als normal bis leicht zu warm eingestuft (91/20: +0,0 bis +1,0 Grad). Der Niederschlagstrend weist auf eine tendenziell leicht zu nasse Entwicklung hin.

Wettervorhersage nach dem europäischen Langfristmodell

Das europäische Modell zeigt den September mit einer Abweichung von +1,5 bis +2,5 Grad zu warm (91/20: +1,0 bis +2,0 Grad). Der Niederschlag wird im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert als normal, im Trend aber zu trocken bewertet.

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)