Bis Ende Oktober simulieren die Wettermodelle den Aufbau von hohem Luftdruck über Mitteleuropa, während die atlantische Frontalzone vergeblich versucht, die Vorherrschaft über das Wetter in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erreichen. In Folge daraus wäre ein ruhiger Wettercharakter bei Jahreszeit-typischen Temperaturwerten zu erwarten. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass die kommende Wetterentwicklung als komplex zu bezeichnen ist und geringfügige Positionsverschiebungen der Wettersysteme zu komplett anderen Wetterverhältnissen führen können. Deutlicher zeigt sich das anhand der Höhentemperaturen (ca. 1.500 Meter Höhe), welche aktuell eine Differenz der Temperaturen von bis zu 17 Grad aufweisen (Details s. Wettervorhersage Winter 2016/17).

So bleibt der große Entwicklungsspielraum für das Wetter November 2016 auch heute erhalten, wir gehen aber der Frage nach, welcher Temperaturtrend Anfang November am wahrscheinlichsten ist - wird es nochmals warm, oder setzt sich nun tristes kühles Novembergrau durch?

Spielt man die Variante mit hohem Luftdruck über Mitteleuropa durch, so könnte Anfang November schon eine typische Inversionswetterlage wetterbestimmend sein, bei der es in der Höhe wärmer als in tieferen Lagen sein kann - zudem ist für die Temperaturentwicklung entscheidend, wie schnell sich der Nebel auflösen kann und ob er sich überhaupt aufzulösen vermag.

Betrachtet man das Temperaturspektrum der Kontrollläufe bspw. für den 1. November (Allerheiligen), so liegen die Werte zwischen +3/+14 Grad bei einem Mittelwert von +8/+10 Grad, was zeigt, wie wenig wahrscheinlich eine zu warme Temperaturentwicklung Anfang November ist. Betrachtet man die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+7) / normal (+8/+14) / zu warm (>+15), so liegen diese am 29. Oktober bei 40/50/10 und am 3. November bei 50/40/10. Varianten, welche deutlich zu kalt sind (nahe der 0 Grad Grenze) haben Anfang November eine Wahrscheinlichkeit von 15 Prozent.

Der aktuelle AO-Index Wert liegt im negativen Bereich und erfährt voraussichtlich im letzten Oktober-Drittel einen neuen Tiefpunkt und steigt Anfang November langsam wieder an. Das könnte als Erklärung dienlich sein, warum die Wetterlage Ende Oktober/Anfang November als komplex bezeichnet werden kann. Warum? Ein negativer AO-Index beschreibt - vereinfacht ausgedrückt - einen instabilen Polarwirbel, welcher entlang seiner sog. Polarfront zu Schwingungen führt. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit für meridionalisierende Zirkulationsmuster, welche anstatt von West nach Ost von Nord nach Süd, bzw. von Süd nach Nord verlaufen können. Anders ausgedrückt wäre eine kühle Trogwetterlage über Deutschland, Österreich und der Schweiz Anfang November nicht gänzlich auszuschließen, hierfür müsste aber das Hochdrucksystem nach Westen in Richtung Grönland/Island ausweichen, anstatt sich über Mitteleuropa zu positionieren.

Aber auch hierfür gibt es einen Wert, den sog. NAO-Index Wert, welcher das Verhältnis zwischen Azorenhoch und Islandtief beschreibt. Ist der NAO-Index negativ, so ist ein Hochdrucksystem über Island und ein Tiefdrucksystem über den Azoren wahrscheinlicher, während der positive NAO-Wert ein Hochdrucksystem über den Azoren und ein Tiefrucksystem über Island beschreibt. Der NAO-Index wird im letzten Oktober-Drittel im neutralen bis leicht positiven Bereich berechnet und sinkt Ende Oktober / Anfang November in den negativen Bereich ab.

Mit anderen Worten ist eine normale bis leicht zu kalte Temperaturprognose Anfang November gar nicht so abwegig und man wird sehen, wie die Simulationen der Wettermodelle in den kommenden Tagen darauf reagieren werden.

Das Langfristmodell berechnet in seiner Wetterprognose November 2016 die Temperaturabweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert mit -0,5/+0,5 Grad im normalen Bereich. Aber auch die Niederschlagserwartung zeigt gegenüber dem Sollwert kaum Auffälligkeiten.

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