Wettertrend: Der Umbau des Polarwirbels bestimmt das Wetter im März

Steht im März ein markanter Wetterwechsel bevor?

Der Orkan hat Deutschland verlassen, doch bleibt das Wetter in den kommenden Tagen turbulent und abwechslungsreich. Innerhalb des Polarwirbels lässt sich ein Umbau beobachten, was das Wetter im März beeinflussen und dominieren kann.

Spitzenwindgwschindigkeiten von bis zu 150 km/h werden in den kommenden Tagen nicht mehr zu erwarten sein (Rückblick & Verifikation Orkan Zeynep), doch sorgt die atlantische Frontalzone für einen weiterhin ruppigen Wettercharakter, der über exponierten Lagen und den Küstenregionen zu schweren Sturmböen führen kann. Erst zur Wochenmitte zeigt sich eine deutlich spürbare Wetterberuhigung.

Regen, Wind und örtliche Gewitter

Bis sich aber ein Hoch über Deutschland mit nachlassendem Niederschlag und sonnigem Wetter durchsetzen kann, sorgen am Sonntag und Montag gleich drei Regenfronten für reichlich Niederschlag, die regional schauerartig verstärkt und örtlich mit Gewittern einhergehen können. Der Schwerpunkt der Niederschläge wird westlich einer Linie vom Saarland und Hamburg zu erwarten sein. Bis Montagabend werden Niederschlagssummen von 15 bis 30 l/m² und über Staulagen können bis 50 l/m² und mehr zusammenkommen (Niederschlagsprognose). Regional kann mit Überflutungen gerechnet werden. Die Temperaturen aber, die bleiben mit +5 bis +10 Grad und phasenweise bis +14 Grad für die Jahreszeit erheblich zu warm. Mehr dazu in der Wetterprognose zum Wetter Februar 2022.

Erst windig bis stürmisch und nass, nachfolgend beruhigt sich das Wetter
Wetterprognose europäischen Wettermodells: Erst windig bis stürmisch und nass, nachfolgend beruhigt sich das Wetter © www.meteociel.fr

Wie wird das Wetter im März 2022?

Der Atlantik tobt weiterhin und auf den obenstehenden Wetterkarten ist ersichtlich, wie es an Nachschub an Sturmcluster nicht fehlt. Das Entscheidende aber für das Wetter im März ist das Hoch und dessen Position.

Wetterprognose des europäischen Wettermodells: Hochdruckbollwerk gegen atlantische Frontalzone

Die atlantische Frontalzone versucht sich durchzusetzen und auch das Wetter in der ersten März-Dekade über Deutschland, Österreich und der Schweiz zu dominieren, doch mag das nicht mehr so recht gelingen. Der Polarwirbel verliert sein Zentrum über Kanada und dehnt sich weiter in Richtung der Karasee aus. Das wiederum zerstört die Hochdruckachse von Sibirien in Richtung Kanada und Alaska. Das ist ein wichtiges Merkmal und wird das Wetter im März unter bestimmten Voraussetzungen nachhaltig beeinflussen können.

Die Achse innerhalb des Polarwirbels kippt

Durch die Verlagerung der Aktivitätszentren des Polarwirbels kippt auch das grundlegende Strömungsmuster. Zwar werden nach der Wetterprognose der Europäer über dem östlichen Kanada weiterhin kalte Luftmassen in Richtung Neufundland geführt, was die atlantische Frontalzone mächtig erscheinen lässt, doch schmiegt sich das Hoch der Polarfront an und dehnt sich von den Azoren aus über Deutschland und Skandinavien bis über das westliche Russland aus.

Infolge daraus wird die atlantische Frontalzone kurz vor Mitteleuropa blockiert und läuft voll auf die Hochdruckzone auf. Diese Variante hat sich in den Prognosen der Vorhersage-Modelle in den letzten Tagen häufiger beobachten lassen und gewinnt somit an Relevanz.

Über Deutschland, Österreich und der Schweiz hat das einen ruhigen, sonnigen und mit Temperaturen von +5 bis +10 Grad und örtlich bis +14 Grad milden Start in den März zur Folge. Da die Nächte von Wolken befreit sind und die Luftmassen mit einer östlichen Grundströmung zur Ruhe kommen, ist Anfang März mit Nachtfrost zu rechnen, was die Temperaturbilanz in den normalen Bereich rücken lässt.

Das besondere aber an dieser Hochdruckzone ist dessen Positionierung. Verlagert sich das Hoch weiter nach Norden, so kommt Deutschland in den Genuss einer kalten Ostwetterlage. Verlagert sich das Hoch nach Süden, so werden aus südwestlichen Richtungen milde Luftmassen zugeführt, was den Frühling anklopfen lassen kann.

Der Umbau des Polarwirbels mit einer Hochdruckzone über Europa
Wetterprognose des europäischen Wettermodells: der Umbau des Polarwirbels mit einer Hochdruckzone über Europa © www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Gewaltige Hochdruckblase über Europa

Der Umbau des Polarwirbels wird in der Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells in einer fast identischen Struktur vollziehen können, wie es die Europäer simulieren.

Die atlantische Frontalzone tobt, doch bis zum Start in den März dehnt sich ein Hochdruckkeil weiter nach Norden und Osten aus und dominiert fortan das Wetter über Deutschland, der Schweiz und auch Österreich.

Polarwirbelsplit im Ansatz

Das Hoch kippt aber nicht wie nach den Europäern berechnet nach Osten ab, sondern keilt immer weiter nach Norden auf und geht eine Verbindung zum Hoch über den Aleuten und Alaska ein. So kann sich der Polarwirbel nicht in Richtung der Karasee ausdehnen und läuft zudem noch Gefahr im Zentrum halbiert zu werden. Gelingt dieser Schritt, so kann von einem Polarwirbelsplit ausgegangen werden, die mit dem ausklingenden Winter wahrscheinlicher werden.

Das Problem aus Sicht der Freunde des Winterwetters aber ist, dass sich - trotz der optimalen Bedingungen - nach dem Wettertrend des amerikanischen Wettermodells die Hochdruckzone direkt über Europa befindet. Statt einer spätwinterlichen Wetterlage wird sich im Verlauf der ersten März-Dekade der Frühling über Deutschland, Österreich und der Schweiz bemerkbar machen können. Mit viel Sonnenschein und einem trockenen Wettercharakter können die Temperaturen bis zum 6. März auf +8 bis +12 Grad und örtlich bis +15 Grad ansteigen.

Polarwirbelsplit im Ansatz mit einer gewaltigen Hochdruckblase über Europa
Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Polarwirbelsplit im Ansatz, mit einer gewaltigen Hochdruckblase über Europa © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Der Polarwirbel verändert seine Struktur

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an den Wettertrend Frühling und Sommer 2022 vor ein paar Tagen. Ein Langfristmodell hat den März als deutlich zu trocken bewertet und der Wettertrend des amerikanischen Wettermodells zeigt, wie das mit der Trockenheit funktionieren kann. Das einmal nebenbei bemerkt. Ob es so kommt, bleibt indes abzuwarten.

Unbeständiges und mildes Märzwetter

Die Kontrollläufe simulieren in ihrem Wettertrend eine vom 24. Februar bis 1. März relative trockene Wetterphase, bei der die Temperaturen mit sehr hohen Werten von +9 bis +14 Grad und örtlich bis +16 Grad nah am Frühling dran sind. Das ist im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert um +4 bis +8 Grad zu warm.

Anfang März nimmt die Niederschlagstätigkeit wieder etwas zu, bleibt aber in einem gemäßigten Bereich. Die Temperaturen gehen etwas zurück, bleiben jedoch im Vergleich zum vieljährigen Klimamittelwert mit einer Differenz von +2 bis +4 Grad auf einem jahreszeitlich zu warmen Niveau.

Und der Spätwinter? Die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe erstrecken sich bspw. am 5. März in einem Spektrum von +7 bis -7 Grad und der Mittelwert liegt zwischen +0 bis -2 Grad. Für den Märzwinter bis auf tiefere Lagen herab bedarf es Höhenwerte von -7 bis -10 Grad. Da ist - für den Moment - noch nicht einmal ein Ansatz von einem Märzwinter zu erkennen (Mehr zum Thema Märzwinter und dessen Rolle in Zeiten der Klimaerhitzung).

Die Zonalisierung ist auch im März noch aktiv
Wetterprognose dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Die Zonalisierung ist auch im März noch aktiv © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
25. Februar +0 bis
+9 Grad
+5 bis
+7 Grad
1. März +1 bis
+18 Grad
+9 bis
+11 Grad
6. März +3 bis
+12 Grad
+7 bis
+9 Grad
Diagramm Temperaturen März 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe März 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Kurzer Nachtrag von heute Nachmittag

Die Amerikaner halten weitgehend Kurs und berechnen heute Nachmittag erneut die Hochdruckzone über Europa, was das Wetter im März noch ein Stück weiter in Richtung Frühling rücken lässt.

Die Zonalisierung ist auch im März noch aktiv
Wetterprognose dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Die Zonalisierung ist auch im März noch aktiv © www.meteociel.fr

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,57 +2,6 +1,3 398 l/m² - extrem zu trocken

Statistische Wetterwerte für März

Das Wetter im März befindet sich häufig in der Übergangsphase von kalt zu mild. Entsprechend verhält sich das Wetter - teils auch schon turbulent.

  • Die erste März-Hälfte meist noch kalt mit Neigung zum März-Winter
  • Frühlingshafte Temperaturen meist zwischen dem 17.-25. März
  • Vom 25. März an oftmals erneuter Kaltlufteinbruch mit Schnee- oder Graupelschauer (Ostern im Schnee)
  • Erhöhte Wahrscheinlichkeit zu skandinavischen Hochdruckgebieten zwischen dem 10.-23. März

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