Setzt sich Anfang Juli ein stabiles Sommerhoch über Mitteleuropa durch, oder sorgen die atlantischen Tiefdrucksysteme weiterhin für einen unbeständigen Wettercharakter?

Die aktuelle Vorhersage für die kommenden Juni-Tage zeigt anfangs mit Neigung zu Schauern und Gewittern noch einen durchwachsenen Wettercharakter, bevor sich im Verlauf der neuen Woche ein Hochdruckkeil des Azorenhochs bis nach Deutschland durchsetzen kann. Dieser Hochdruckkeil sorgt für auflockernde Bewölkung und bis zum Mittwoch auch für eine nachlassende Niederschlagsaktivität. Ganz allgemein sind die Niederschläge zum Start in die neue Woche als schwach zu bewerten. Die Temperaturen steigen rasch auf sommerliche Werte an und können bis zum Mittwoch auch hochsommerliche Temperaturwerte erreichen. Ab Donnerstag setzt von Norden mit einem unbeständigeren Wettercharakter ein Temperaturrückgang ein, während es über dem Süden noch sommerlich warm bleiben kann.

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Sommerwetter mit Schwächen - auch bis in den Juli hinein?

Gelingt es dem Hochdruckkeil, sich über Mitteleuropa festzusetzen und für stabiles Sommerwetter sorgen, oder setzt sich die atlantische Frontalzone über Skandinavien durch und sorgt für einen unbeständigen und mäßig warmen Wettercharakter im Juli?

Amerikanisches Wettermodell: Sowohl als auch - stabiles Sommerwetter Anfang Juli nicht auszuschließen

Der Hochdruckkeil schwächt sich bereits in der kommenden Woche bis zum Donnerstag ab, während zeitgleich die atlantische Frontalzone sich über Skandinavien durchsetzen und zum 22. Juni sich über der Barentssee positionieren kann.

In Folge daraus bleibt dem Keil des Azorenhochs gar nichts anderes übrig, als sich im Zeitraum vom 21. bis 25. Juni weiter nach Westen zurückzuziehen. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen somit am östlichen Rand des Hochdruckgradienten, was aus nördlichen Richtungen kühlere Luftmassen nach Süden führen kann. Simuliert werden bspw. für den 23. Juni Tageshöchstwerte von +15 bis +20 Grad über dem Norden und +17 bis +23 Grad über dem Süden. Das ist für den ersten Sommermonat etwas zu kühl. Zudem sind immer wieder leichte Schauer möglich.

Ein stabiles Sommerhoch Anfang Juli über Deutschland?
Ein stabiles Sommerhoch Anfang Juli über Deutschland?

Im Zeitraum vom 25. bis 1. Juli löst sich das Tiefdrucksystem über der Barentssee auf und die Tiefdruckaktivität bei Island verstärkt sich wieder. Diese Chance nutzt das Azorenhoch und baut Anfang Juli ein Hochdruckzentrum direkt über Mitteleuropa auf. Damit aber nicht genug, denn in den ersten Julitagen kann sich jeweils westlich und östlich des Hochdrucksystems ein Tiefdruckgebiet ausbilden und somit das Gesamtkonstrukt verstärken, bzw. stabilisieren. Anders formuliert ist ein sommerlicher bis hochsommerlicher Start in den Juli nach dieser Vorhersage nicht auszuschließen.

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach amerikanischen Prognosemodell: hochsommerlicher Wettercharakter zum Start in den Juli 2018? © www.meteociel.fr

Wie wahrscheinlich ist eine solche hochsommerliche Wetterentwicklung Anfang Juli?

Ganz so abwegig ist so eine Wetterentwicklung grundsätzlich nicht und entsteht häufiger mal aus Südwestwetterlagen. Doch das Tiefdrucksystem über Skandinavien und der Barentssee unterbindet kurz vor dem Juli ein solches Hochdrucksystem und so ist im Zeitraum vom 22. bis 25. Juni mit einem durchwachsenen und relativ kühlen Sommerwetter zu rechnen. Wie kühl? Die Kontrollläufe berechnen für den 23. Juni Ein Temperaturspektrum von +13 bis +28 Grad (Mittelwert: +18 Grad über dem Norden und +20 Grad über dem Süden). Also noch alles gemäßigt.

Darüber hinaus steigt das Temperaturspektrum wieder an und liegt am 27. Juni zwischen +14 bis +28 Grad (Mittelwert: +21 Grad) und am 1. Juli zwischen +15 bis +32 Grad (Mittelwert: +23 bis +24 Grad). Der Mittelwert Anfang Juli entspricht in etwa dem langjährigen Durchschnittswert und ist im Trend leicht zu warm einzustufen.

Gegen stabiles Hochdruckwetter sprechen Anfang Juli die Kontrollläufe mit ihrer Niederschlagsprognose, welche zum aktuellen Stand als leicht erhöht zu bewerten ist. Zudem zählt das amerikanische Wettermodell mit seinem Hauptlauf zu den wärmsten Varianten der Kontrollläufe, sodass in den kommenden Stunden noch mit Veränderungen zu rechnen ist.

Diagramm Temperaturen Juni 2018 vom 16.06.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juli 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Die Juliprognose des Langfristmodells

Geht es nach der aktuellen Wetterprognose des Langfristmodells, so soll der Juli 2018 mit einer Abweichung der Temperaturen von -0,5 bis +1 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert normal und im Trend etwas zu warm ausfallen. In der Niederschlagsprognose zeigt sich eine leicht negative (zu trockene) Wetterentwicklung ab.

Betrachtet man die Niederschlagsentwicklung über Europa, so zieht sich ein Streifen von zu trockenem Wetter von England und Skandinavien, über Deutschland bis über das östliche Europa. Über Südeuropa wird eine leicht positive Niederschlagsneigung berechnet. Möchte man das interpretieren, so ist ein osteuropäisches Hochdrucksystem mit Ausdehnung ist Richtung Mitteleuropa eine nicht unwahrscheinliche Entwicklung der Großwetterlage.

Zusammenfassend

  • Das Wetter ist in der letzten Juni-Dekade als durchwachsen und gemäßigt zu bewerten
  • Der Hochdruckkeil kann sich nicht behaupten
  • Von Norden können kühlere Luftmassen nach Deutschland geführt werden, was den Temperaturcharakter auf ein Jahreszeit typisches Niveau absinken lassen kann
  • Anfang Juli berechnet das amerikanische Wettermodell den Aufbau eines Hochdrucksystems über Mitteleuropa - stabiles Sommerwetter wäre möglich
  • Die Kontrollläufe stützen den Aufbau eines Hochdrucksystems nicht
  • Stattdessen gemäßigtes und leicht durchwachsenes Sommerwetter Anfang Juli
  • Langfristmodell berechnet ein normales Wetter im Juli 2018, welches im Trend leicht zu warm und etwas zu trocken ausfallen kann

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