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Wetter Januar: Zwischen Frost und Tauwetter - Modelle ringen um den Hochwinter

| M. Hoffmann

Die Schneeprognosen der Vorhersage-Modelle stimmen im Hinblick auf den Schneefall am 24. Dezember überein und mancherorts werden mit dem Wetterumschwung - der bereits voll im Gang ist - weiße Weihnachten möglich sein. Die spannende Frage aber lautet - ist der Hauch von Winter ein kurzweiliges Geplänkel, oder steckt da mehr dahinter? Wie steht es also um den Hochwinter, der für gewöhnlich im Januar einsetzt?

Der Hochwinter im Januar - oder Kippt der Winter doch noch in eine völlig andere Richtung? © Martin Bloch
Der Hochwinter im Januar - oder Kippt der Winter doch noch in eine völlig andere Richtung? © Martin Bloch

Der eine oder andere wird es schon bemerkt haben - der Wind hat auf Ost gedreht und führt frischere Luftmassen nach Deutschland. Der Wind intensiviert sich in den kommenden 36 Stunden und lässt die Temperaturen bis zum 23. Dezember auf -1 bis +4 Grad zurückgehen, wobei über den Ballungsgebieten im Westen und entlang der Küsten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein bis +6 Grad möglich sein können. Niederschlag ist nicht zu erwarten, dafür eine hochnebelartige Bewölkung, welche den Sonnenschein insbesondere südlich einer Linie zwischen Münster und Leipzig häufiger eintrübt. Weiter nach Norden ist mit sonnigem Wetter zu rechnen.

Schneeprognose Weihnachten - hier gibt es Schnee

Der Wind intensiviert sich am 24. Dezember und kann über exponierten Lagen und entlang der Küsten zu stürmischen Windböen führen. Der Wind treibt ein Kaltlufttropfen von Ost nach West, welcher südlich einer Linie zwischen dem Saarland und Sachsen bei starker Bewölkung zeitweiligen Niederschlag bringt, der bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schwankend oberhalb etwa 200 bis 500 Meter als Schnee niedergehen kann. Bis zur Bescherung (18:00 Uhr) sinken die Temperaturen mit -0 bis -5 Grad und über den östlichen Landesteilen mit bis -7 Grad noch weiter ab und die restlichen Schneeflocken rieseln über dem Süden bis auf tiefere Lagen herab. Über die Weihnachtsfeiertage zieht der Kaltlufttropfen nach Westen ab und es stellt sich hochdruckdominiertes Wetter mit viel Sonnenschein ein, der nur regional von Hochnebelfeldern eingetrübt werden kann. Die Temperaturen erreichen nördlich einer Linie zwischen Münster und Dresden +0 bis -6 Grad und an den Küsten bis +5 Grad. Weiter nach Süden sind -2 bis +4 Grad möglich. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Weihnachten.

Regional sind weiße Weihnachten mit Schnee und Frost möglich
Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Regional sind weiße Weihnachten mit Schnee und Frost möglich © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose des europäischen Wettermodells: Der Hochwinter wird abgeblasen

Nach einer ganzen Reihe von tiefwinterlichen Wetterprognosen erfolgt heute eine Kehrtwende, welche bei einer vollständig gestörten Zirkulation durchaus in Betracht gezogen werden muss. Wir haben diese Variante in den vergangenen Tagen als den erhobenen Zeigefinger definiert.

Warum klappt das nicht mit dem Winter bis Januar? Die Antwort darauf ist einfach - das Hoch positioniert sich nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodell vom 26. bis 30. Dezember im Bereich zwischen Island und Frankreich und lässt den Vorstoß polarer Luftmassen zwischen Osteuropa und dem westlichen Russland niedergehen. Deutschland, Österreich und die Schweiz befinden sich zwar in einer Nordwestströmung doch überwiegt die Hochdruckdominanz. Die Temperaturen steigen bis Silvester auf +1 bis +7 Grad an und können in den sonnigen Phasen auch bis +10 Grad möglich machen. Ist Dauernebel im Spiel, bleibt es frostig.

Polarwirbel dreht auf, Südwestwetterlage droht im Januar

Im Zeitraum vom 1. bis 5. Januar intensiviert sich der Polarwirbel mit zwei aktiven Clustern. Der eine dreht zwischen Kanada und Grönland und der zweite zwischen dem europäischen Nordmeer und der Karasee seine Runden. Das ist ungewöhnlich, jedoch hat das zur Folge, dass das eigentliche Blockadehoch weit nach Süden gedrückt wird und seine Wirkung nicht mehr entfalten kann.

Deutschland liegt zwischen den Fronten der Polarfront und dem Hochdruckrücken, der sich Anfang Januar zwischen Spanien und Osteuropa aufbaut. Mithilfe einer Südwestanströmung der Luftmassen nimmt die Niederschlagstätigkeit etwas zu und die Temperaturen erreichen bei Dauernebel kaum die +5-Grad-Marke, sonst sind +5 bis +10 Grad und über dem Nordwesten örtlich sogar bis +12 Grad möglich.

Die Südwestwetterlage droht - kein Winter im Januar
Die Südwestwetterlage droht - kein Winter im Januar © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Der Hochwinter kommt im Januar

Während die Wetterprognose des europäischen Wettermodells in eine andere Richtung kippt, bleibt die Vorhersage des amerikanischen Wettermodells im Hinblick auf den Hochwinter im Januar auf Kurs.

Zwischen Weihnachten und Silvester liegt Deutschland zwischen den Fronten

Das Hoch, welches die gestörte Zirkulation über Weihnachten bringt, positioniert sich in autarker Formation bis zum 30. Dezember zwischen Island, England und Frankreich. Deutschland liegt am östlichen Hochdruckgradienten in einer nördlichen Anströmung der Luftmassen, was die Temperaturen bis Silvester über dem Norden auf bis +9 Grad und über dem Süden von Baden-Württemberg und Bayern auf +0 bis +4 Grad ansteigen lassen kann.

Der erste Vorstoß polarer Luftmassen wird zunächst über Osteuropa abgelenkt, hat aber zur Folge, dass das Hoch zum 1. Januar weiter nach Westen ausweicht und sich bis zum 2. Januar zwischen dem Atlantik, Grönland und Island neu positioniert.

Polarluft flutet Deutschland im Januar

Durch die Verlagerung des Hochdrucksystems wird die Blockade über Deutschland aufgelöst und die polaren Luftmassen über Skandinavien rauschen nach Süden und setzen sich bis zum 5. Januar über die Mittelmeerregion durch. Über Deutschland, Österreich und die Schweiz hat das im Januar einen markanten Temperaturrückgang zur Folge, was die Temperaturen vom 1. Januar mit +4 bis +8 Grad zum 5. Januar auf -0 bis -7 Grad absinken lassen kann. In den Nächten sind Tiefstwerte zwischen -4 und -10 Grad und bei Aufklaren und über Schnee bis -15 Grad möglich.

Apropos Schnee, der wird bis Silvester weiterhin Mangelware bleiben, bevor dann im Januar Dauerschneefall einsetzt und teils unwetterartige Schneemengen bringen kann.

Der Hochwinter kommt im Januar
Der Hochwinter kommt im Januar © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Der Hochwinter im Januar?

Der erhobene Zeigefinger ist durchaus angebracht und sollte in den kommenden Tagen stets im Hinterkopf behalten werden. Wer schon eine Weile bei uns zu Gast ist, der wird sich vielleicht noch an die Schlüsselszene zum 28. Dezember erinnern. An diesem Tag wird sich entscheiden, ob das Hoch ein Blocking auf dem Atlantik oder aber über Europa aufbaut. Letzteres verhindert den Winter, während die Blockade auf dem Atlantik eine Steilvorlage für den Hochwinter im Januar ist.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Die derzeitigen Prognosen der Vorhersage-Modelle sollten also mit einem gesunden Maß an Skepsis bewertet werden. Das gilt insbesondere für die Schneeprognosen.

Vergleicht man die Prognosen der Vorhersage-Modelle mit den Kontrollläufen, so fällt auf, dass die Vorhersage des europäischen Wettermodells die mit Abstand wärmste Variante berechnet. Möglich ja, wahrscheinlich nein. Die Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells bildet im Zeitraum vom 26. bis 1. Januar ebenfalls die mit Abstand wärmste Variante ab und liegt Anfang Januar nah am Mittelwert der Kontrollläufe.

Die Kontrollläufe selbst berechnen am 27. Dezember in 1.400 Meter Höhe Temperaturen von bis +3 Grad (Inversionswetterlage), an Silvester von -6 Grad und am 6. Januar von -7 Grad. Damit der Flachlandwinter möglich wird, müssen die Höhenwerte zwischen -5 und -7 Grad liegen, während für die mittleren Lagen -3 bis -5 Grad ausreichend sind.

Die Wahrscheinlichkeit für Höhenwerte unter -3 Grad liegt an Silvester bei 80 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für Höhenwerte unter -5 Grad liegt bei 63 Prozent und für unter -7 Grad bei rund 46 Prozent. Der Winter ist also weiterhin auf einem guten Weg und die Voraussetzungen für den Hochwinter im Januar sind so günstig wie schon lange nicht mehr.

Schaun mer mal, ob die warmen Varianten heute Abend einkassiert werden oder weiter an Substanz gewinnen können. Übrigens: die Mittagsprognose des amerikanischen Wettermodells bestätigt den Hochwinter im Januar und hat den Temperaturanstieg zwischen Weihnachten und Silvester etwas zurückgenommen.

Die Kontrollläufen bleiben im Januar auf einem winterlichen Kurs
Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Die Kontrollläufen bleiben im Januar auf einem winterlichen Kurs © www.meteociel.fr
Temperaturprognose der Wettermodelle für Dezember
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
28. Dezember -4 bis +5 Grad -0 bis +3 Grad
1. Januar -8 bis +8 Grad -1 bis +2 Grad
6. Januar 2026 -9 bis +5 Grad -1 bis +1 Grad
Diagramm Temperaturen Januar 2026
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2026 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Januar an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:22 Uhr

Das aktuelle Hoch, welches über Weihnachten die vollständig gestörte Zirkulation bringt, ist für den Verlauf des Winters und im Januar auch für den Hochwinter richtungsweisend. Die Europäer haben gezeigt, was im Hinblick auf Schnee und Frost noch so alles schief laufen kann.

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Mittag blieb auf einem winterlichen Kurs, bringt heute Abend aber eine Pattsituation ins Spiel, bei der sich das Hoch zwar auf dem Atlantik als Blockadehoch etabliert, jedoch mit seinen östlichen Gradienten das Wetter über Deutschland noch beeinflussen kann. Der Wind dreht zum Jahreswechsel auf Nord und führt in der Höhe kühlere Luftmassen nach Deutschland, die jedoch die Wärme der Nordsee advehiert und mit +4 bis +8 Grad nördlich einer Linie zwischen Köln und Berlin führt. Weiter nach Süden schwanken die Temperaturen weiterhin um den Gefrierpunkt und können über Baden-Württemberg und Bayern auf bis -5 Grad zurückgehen.

Anfang Januar intensiviert sich der Polarwirbel im Bereich zwischen Kanada und Grönland und bietet keinen Spielraum mehr für das Hoch, sich in den Polarwirbel hinein zu entwickeln. Stattdessen kippt das Hoch nach Osten ab und setzt sich über Deutschland durch, während ein Cluster des Polarwirbels über die Barentssee zieht und im Zusammenspiel mit dem Hoch eine Nordwestwetterlage einleitet. Die Niederschlagsaktivität nimmt zu und kann über dem Süden und Osten etwas Schneefall bringen, doch mit dem Abkippen wird es von Nordwesten deutlich milder, was die Temperaturen am 3. Januar über dem Nordwesten auf bis +12 Grad und über dem Südosten auf +0 Grad ansteigen lassen kann.

Winterwetter weiterhin möglich, doch wird der Hochwinter heute Abend in Frage gestellt
Winterwetter weiterhin möglich, doch wird der Hochwinter heute Abend in Frage gestellt © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Klarheit bei den Randfaktoren?

In der Wetteranalyse vom 4. Advent zeigte der AO-Index ein breites Entwicklungsspektrum von positiven und auch negativen Ausschlägen, was den Polarwirbel entweder in Schwung bringt oder ihn deutlich abschwächt. Heute Abend bleibt das breite Entwicklungsspektrum erhalten, wobei die negativen Varianten zugenommen haben und den Mittelwert des AO-Index nach Weihnachten bis Anfang Januar leicht negativ werden lässt.

Eine ähnlich breite Streuung zeigt sich im NAO-Index, der mit seinem Mittelwert bis Januar ebenfalls im leicht negativen Bereich verbleibt. Klarheit aber schaffen die beiden Randfaktoren hinsichtlich einer absolut gestörten Zirkulation mit einem Blockadehoch zwischen Island und Grönland nicht, was den erhobenen Zeigefinger im Hinblick auf eine möglich hochwinterliche Wetterentwicklung im Januar bestätigt.

Schaut man sich den Zustand des Stratosphärenwirbels an, so ist auf den ersten Blick alles intakt. Die Winde drehen sich von West nach Ost und erreichen zum 6. Januar Windgeschwindigkeiten von bis zu +160 km/h. Auffällig ist die Störung über Sibirien, was die Winde auf östliche Richtungen kippen lässt und ein schwaches Minor-Warming provoziert. Unter dem Strich aber wird der Stratosphärenwirbel bis zum 10. Januar keinen Einfluss auf das Wetter in den unteren Schichten nehmen können. Wenn der Polarwirbel sich in den unteren Schichten destabilisiert, so hat das andere Ursachen.

Der Zustand des Stratosphärenhöhe - stabiler Zustand, mit Schwächungen an den Rändern
Der Zustand des Stratosphärenhöhe - stabiler Zustand, mit Schwächungen an den Rändern © www.meteociel.fr

Fazit: Winterwetter rückt näher an Deutschland heran

Der Winter kommt, der Hochwinter steht auf der Kippe - so passt die Zusammenfassung heute ganz gut. Der Kurs ist weiterhin winterlich und die Kontrollläufe sind heute Abend mit einem Mittelwert 1.400 Meter Höhe vom 28. Dezember bis 6. Januar mit -4 bis -8 Grad sogar noch einmal ein Stück nach unten korrigiert worden.

Apropos Korrektur - auch das europäische Wettermodell hat erwartungsgemäß heute Abend eine Korrektur vorgenommen und sich von der Südwestwetterlage verabschiedet. Das Hoch bleibt westlich von Deutschland, wölbt sich im Januar mal nach Norden auf und kippt dann aber auch wieder über Mitteleuropa nach Osten ab. Dazwischen mogeln sich Niederschlagsfelder, was über dem Süden und rund um die östlichen Mittelgebirge ab den mittleren Lagen den Winter bringen kann. Schaun mer mal.

Der Januar zwischen Hochwinter, einer nasskalten Nordwest-, oder einer gradientenschwachen Hochdruckwetterlage
Der Januar zwischen Hochwinter, einer nasskalten Nordwest-, oder einer gradientenschwachen Hochdruckwetterlage © www.meteociel.fr || wxcharts.com
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