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Wettertrend: Polarwirbel zeigt schwächen - Wetterumschwung mit Winterwetter?

| M. Hoffmann

Die Großwetterlage stellt sich nach Weihnachten um und der Polarwirbel bekommt zunehmend Probleme mit seiner Stabilität. Ob es im Januar dann für den Winter oder Hochwinter reicht, hängt von einer Hochdruckentwicklung auf dem Atlantik ab. Und da gibt es für die Freunde des Winterwetters ein paar interessante Ansätze.

Der Polarwirbel schwächelt in Januar - Chancen für den Winter?
Der Polarwirbel schwächelt in Januar - Chancen für den Winter?

Der Sturm schwächt sich in den kommenden Stunden zwar ab, doch bleibt der Wind - auch über Weihnachten - ruppig und über exponierten Lagen und den Küstenregionen stürmisch (Windprognose). Während der Wind weniger zu einer Herausforderung wird, tritt der teils ergiebige Niederschlag in den Vordergrund.

Hochwasser zum Fest

Die zu erwartenden Regenmengen können mancherorts unwetterartig ausfallen und nicht mehr rasch genug in den gesättigten Oberboden eindringen. Das Wasser fließt an der Oberfläche direkt in die Bäche und Flüsse ab, was zu Überflutungen und Hochwasser führen kann (Hochwasserwarnungen). Sonnige Momente sind am 1. Weihnachtsfeiertag über dem Süden von Baden-Württemberg und Bayern und am 2. Weihnachtsfeiertag nördlich von Baden-Württemberg und Bayern möglich, sonst zeigt sich der Himmel stark bewölkt. Die Temperaturen erreichen +6 bis +12 Grad und örtlich können bis +14 Grad erreicht werden. Keine weißen Weihnachten. Mehr dazu: Wetter Weihnachten.

Über Weihnachten - Wind, Regen und Hochwasser
Über Weihnachten - Wind, Regen und Hochwasser © LfU + LUBW || wxcharts.com

Umstellung der Großwetterlage bis Silvester

Seit einigen Tagen zeigt sich in den Randfaktoren das Potential einer Umstrukturierung der Großwetterlage und so langsam macht sich das auch in den Wetterprognosen der Vorhersage-Modelle bemerkbar.

Atlantische Frontalzone versucht sich zu regenerieren

Ein wesentliches Merkmal einer Umstrukturierung der Großwetterlage ist, wenn es dem bestehenden Muster nicht mehr gelingt, sich zu regenerieren. Deutlicher zeigt sich das mit dem 28. Dezember. Ein Tief zwischen Grönland und Island formiert sich, doch mag der Fortsatz bis nach Mitteleuropa nicht mehr gelingen. Das Tief kommt ins Stocken.

Hochdruckeinschübe in den Polarwirbel

Der Grund für die Bremswirkung findet sich im Polarwirbel in Form eines Hochdruckkeils, welcher sich von Kanada und Alaska aus in Richtung der Polarregion zwängt. Und da Hochdrucksysteme sich im Uhrzeigersinn drehen, hat das eine negative Beschleunigung auf den Tiefdruckwirbel über Skandinavien zur Folge.

Strömungsmuster kippt - ungewöhnlich warme Luftmassen erreichen Deutschland

Nun lässt sich das Islandtief aber nicht einfach wegzaubern und so intensiviert sich das Tief bis Silvester, schlägt aber eine südlichere Zugbahn ein. Das Tief versucht der Sogwirkung des Hochdrucksystems zu entkommen. Das alles kostet Energie und Zeit, was eine Hochdruckzone über Russland dazu nutzt, sich als Konterpart zur atlantische Frontalzone zu etablieren. Die Tiefdruckdynamik prallt gegen die Hochdruckwand und zwischen den Systemen stellt sich eine Südwestströmung ein.

Bei einem unbeständigen Wettercharakter pendeln sich die Temperaturen über Deutschland von Weihnachten bis Silvester auf +5 bis +10 Grad ein und phasenweise bis +12 Grad möglich sein. Damit sind die Temperaturen zunächst für die Jahreszeit viel zu hoch und eine winterliche Wetterentwicklung ist zwischen Weihnachten und Silvester wenig wahrscheinlich. Darüber stimmen die Wetterprognose beider Vorhersage-Modelle überein.

Die Großwetterlage an Silvester
Die Großwetterlage an Silvester © www.meteociel.fr

Der Winter im neuen Jahr?

Zwar gibt es in den Details noch Unterschiede, doch die Entwicklung der Großwetterlage erfassen beide Vorhersage-Modelle gleichermaßen und haben eine hohe Übereinstimmung.

Ansatz eines Polarwirbelsplits

Verfolgt man die Wetterprognose der Amerikaner, so intensiviert sich das Hoch innerhalb des Polarwirbels bis zum 3. Januar und das Kontinentalhoch versucht über die Karasee eine Querverbindung zum Polarhoch aufzubauen. Das festigt die Position des Kontinentalhochs und lässt die Tiefdrucksysteme vom Atlantik kommend auflaufen. Das Hoch innerhalb des Polarwirbels intensiviert sich in der Zwischenzeit weiter und so kommt es zwischen dem 3. und 5. Dezember zu einem Polarwirbelsplit zwischen Kanada / Alaska und dem ostsibirischen Raum.

Kein Winter über Deutschland

Der Split ist jedoch nur ein Ansatz und auch nicht nachhaltig. Zudem befindet sich die Hochdruckzone für die Freunde des Winterwetters an falscher Stelle. Der Frontalzone gelingt es immer wieder Deutschland, Österreich und die Schweiz mit ihren Ausläufern zu beeinflussen. Mal mit mehr Wind, mal mit mehr Regen. Die Temperaturen erreichen am 1. Januar +2 bis +6 Grad und örtlich bis +8 Grad und gehen bis zum 5. Januar auf +0 bis +5 Grad zurück. Ein Durchbruch des Winters bis auf das Flachland herab sieht anders aus. Vielmehr handelt es sich um einen Wetterumschwung in die nasskalte Richtung, bei der winterliche Wetterverhältnisse ab den mittleren Lagen optional werden.

Der Ansatz eines Polarwirbelsplits Anfang Januar
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Der Ansatz eines Polarwirbelsplits Anfang Januar © www.meteociel.fr

Durchbruch des Winters?

Das, was die Amerikaner berechnen, ist aber nur eine Möglichkeit. Die Schwächung des Polarwirbels wird bereits seit einigen Tagen von einem sich bis Januar negativ entwickelndem AO-Index beschrieben. Wie sich die Instabilität des Polarwirbels aber tatsächlich entwickelt, ist im Moment schwer vorherzusagen. Schaut man sich die Kontrollläufe an, so mehren sich die winterlichen und hochwinterlichen Wetterentwicklungen im Januar. Möglich ist vieles und ein Wetterwechsel wird im neuen Jahr zunehmend wahrscheinlicher.

Damit der Winter im Januar eine Chance bekommt, muss sich auf dem Atlantik ein Blockadehoch ausbilden können
Die Wetterprognosenach ausgesuchten Kontrollläufen: Damit der Winter im Januar eine Chance bekommt, muss sich auf dem Atlantik ein Blockadehoch ausbilden können © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Ein Wetterwechsel steht bevor

Die Randfaktoren haben es in den vergangenen Tagen bereits angedeutet und jetzt zeigen sie die Möglichkeiten einer Wetterumstellung auch in den Vorhersage-Modellen. Klar ist, dass die zonal geprägte Wetterlage noch bis Silvester wird anhalten können. Mit Winterwetter ist nicht so schnell zu rechnen, doch damit dieser überhaupt erst möglich wird, muss eine Veränderung der Großwetterlage stattfinden und in diesem Prozess gibt es noch viele Unsicherheiten.

Welches Wetter zu erwarten ist

Konzentriert man sich nicht auf das, was möglich, sondern wahrscheinlich ist, zeigt sich bis Silvester eine Anomalie der Temperaturen von +2 bis +6 Grad und phasenweise von bis zu +8 Grad im deutlich zu hohen Bereich. Damit ist klar, dass das Jahr 2023 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen von 1881 wird - und dann doch deutlicher, als zunächst angenommen. Die bislang wärmsten Jahre waren übrigens 2022, 2018 und 2020. Die Klimaerhitzung lässt grüßen.

Doch auch die Kontrollläufe reagieren auf einen möglichen Wetterwechsel im Januar. Die Temperaturen in 1.500 Meter Höhe liegen am 1. Januar zwischen -2 und -4 Grad und sinken bis zum 6. Januar auf -4 bis -6 Grad ab. Damit der Flachlandwinter möglich wird, sollten sich die Höhenwerte im Bereich von -5 bis -7 Grad bewegen. Für den Durchbruch des Winters bis auf die mittleren Lagen herab reichen -3 bis -5 Grad aus. Das unterstreicht zum einen eine nasskalte Wetterentwicklung im Januar und zum anderen den optionalen Winter ab den mittleren Lagen. Die höhere Wahrscheinlichkeit für einen Wetterwechsel im Januar zeigt sich heute im Mittelwert aller Kontrollläufe deutlicher - Schaun mer mal.

Ein Wetterwechsel wird im Januar zunehmend wahrscheinlicher
Wetterprognose nach dem Mittelewert aller Kontrollläufe: Ein Wetterwechsel wird im Januar zunehmend wahrscheinlicher © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
29. Dezember +2 bis
+9 Grad
+6 bis
+8 Grad
2. Januar -3 bis
+10 Grad
+3 bis
+5 Grad
7. Januar -7 bis
+9 Grad
+0 bis
+3 Grad
Diagramm Temperaturen Januar 2024
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2024 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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