Skip to main content

Wetterprognose: Polarwirbel zeigt Schwächen - Winter im Januar?

| M. Hoffmann

Turbulentes, chaotisches und unwetterträchtiges Wetter ist über Deutschland vor Weihnachten zu erwarten. Nachfolgend bleibt die aktiv-dynamische Westwetterlage bis Silvester noch erhalten, doch werden Prozesse in Gang gesetzt, welche im Januar zu einer grundsätzlich anderen Großwetterlage führen können.

Wetterwechsel im Januar?
Wetterwechsel im Januar?

Die Sturmfront hat Deutschland erreicht und sich mittlerweile bis an die Alpen ausdehnen können. Im Tagesverlauf intensiviert sich der Sturm weiter und kann auch über tieferen Lagen für stürmische Windböen sorgen. Über exponierten Lagen sind schwere Sturmböen und über den Küsten von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, sowie über höheren Lagen sind Winde in voller Orkanstärke zu erwarten. Der Sturm erreicht voraussichtlich zu den Abendstunden seinen Höhepunkt, bleibt aber auch am Freitag noch aggressiv. Da der Wind für längere Zeit stürmische aus nordwestlichen Richtungen kommt, ist eine Sturmflut nicht auszuschließen. Es empfiehlt sich an beiden Tagen die folgenden Hinweise zu beachten: Windprognose || Warnlagenbericht || Unwetterwarnungen

Weiterhin erhöhtes Unwetterpotential

Der Sturm schwächt sich über Weihnachten ab und verliert sein Unwetterpotential, doch ist bis zum 1. Weihnachtsfeiertag mit regional unwetterartigen Regensummen zu rechnen. Zudem wird der Niederschlag etwa oberhalb etwa 1.400 Meter durchweg als Schnee niedergehen können. Neuschneemengen von 40 bis 80 cm und örtlich von bis zu 160 cm sind möglich. Hinzu kommt der orkanartige Wind, was zu Schneeverfrachtungen führen kann. Über den Lagen darunter stellt sich ein höheres Potential von Hochwasser und Überflutungen ein. Beim Wetter ist also einiges los. Mehr dazu: Wetterprognose Weihnachten.

In allen Kategorien wird Unwetterpotential erreicht
In allen Kategorien wird Unwetterpotential erreicht © windy.com || wxcharts.com

Wie wird das Wetter bis Januar?

Aktiv-dynamische Westwetterlagen halten für gewöhnlich zwischen 7 und 14 Tage an. Was gestern begann, kann sich ohne Weiteres noch bis Silvester fortsetzen. Schaut man sich die Wetterprognose der Amerikaner und die der Europäer an, so wird ein Erhalt der Westwetterlage bis Silvester favorisiert.

Ein Tief nach dem anderen

Zu einer aktiven Westwetterlage gehört auch eine funktionierende Tiefdruckrinne, welche über dem östlichen Kanada durch den Abfluss kalter Luftmassen polaren Ursprungs entsteht und immer wieder von Neuem kräftige Tiefdrucksysteme in Richtung Europa sendet.

Es gibt also nur zwei Möglichkeiten, eine Westwetterlage zu beenden. Entweder der Zustrom kalter Luftmassen über dem östlichen Kanada endet, oder aber auf dem Atlantik stellt sich Hoch dem Treiben der Tiefdrucksysteme entgegen - das klassische Blockadehoch.

Abwechslungsreiches Wetter - dem Frühling näher als dem Winter

So schnell wird eine Umstrukturierung nicht möglich sein und so ist bis zum Jahreswechsel mit einem weiterhin abwechslungsreichem Wetter zu rechnen, was phasenweise auch zu einem turbulenten Wettercharakter führen kann. Die Temperaturen pendeln sich auf +7 bis +12 Grad ein und können mancherorts bis +14 Grad ermöglichen - dem Frühling näher als dem Winter.

Die Großwetterlage an Silvester
Die Großwetterlage an Silvester © www.meteociel.fr
|| wxcharts.com

Das Ende der Westwetterlage?

Beide Vorhersage-Modelle favorisieren einen Hochdruckeinschub von Kanada aus in den Polarwirbel. Hochdrucksysteme drehen sich im Uhrzeigersinn und so wird der Kaltlufttransport über das östliche Kanada vorerst nicht unterbunden.

Im Hinblick auf ein Blockadehoch auf dem Atlantik berechnen die Europäer lediglich einen schwachen Ansatz. Zu kräftig ist das Islandtief und blickt man nach Westen, so erkennt man bereits die nächste Tiefdruckentwicklung, was zur Stabilisierung der Tiefdruckrinne führt. Die Wetterprognose der Europäer favorisiert auch in den ersten Januar-Tagen eine turbulente Wetterentwicklung, bei der Sturm und ergiebiger Niederschlag erneut eine Rolle spielen kann. Keine Rolle spielt hingegen der Winter.

Hohe Wellenbewegung entlang der Polarfront

Anders der Wettertrend der Amerikaner. Das Hoch auf dem Atlantik stellt sich quer und kann sich bis nach Island ausdehnen. Die Entwicklung eines weiteren Sturmtiefs bei Island wird zum Jahreswechsel vereitelt. Zugleich sorgt dieser Störimpuls in Kombination mit dem Hoch zwischen Kanada und Alaska für eine höhere Wellenbewegung entlang der Polarfront.

Die Grundlagen für einen nachhaltigen Wetterwechsel werden zum Jahreswechsel gelegt. Das Strömungsmuster meridionalisiert und die Westwindzirkulation endet im Januar. Verfolgt man die Entwicklung weiter, so stabilisiert sich das Blockadehoch auf dem Atlantik. Über dem östlichen Kanada werden weiterhin kalte Luftmassen nach Neufundland geführt, doch drehen sich die Fronten zwischen dem östlichen Kanada, Grönland und Island im Kreis. Auf der anderen Seite des Blockadehochs werden aus nördlichen Richtungen kalte Luftmassen nach Süden geführt, was bis zum 5. Januar über Deutschland zu winterlichen Wetterverhältnissen führen kann.

Viel Niederschlag mit einem winterlichen Ansatz im Januar
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Viel Niederschlag mit einem winterlichen Ansatz im Januar © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Unwetterartige Westwetterlage mit Wetterwechsel im Januar

Das Resümee ist zwischenzeitlich 48 Stunden gealtert, hat aber heute noch Gültigkeit. Das abwechslungsreiche und phasenweise turbulente Wetter bleibt noch bis zum Jahreswechsel mit einer höheren Wahrscheinlichkeit erhalten.

Viel zu warm bis Neujahr

Die Kontrollläufe haben heute eine Korrektur erfahren und bestätigen im Grunde die Zufuhr warmer Luftmassen aus westlichen bis südwestlichen Richtungen. Die Temperaturen in 1.500 Meter Höhe schwanken vom 2. Weihnachtsfeiertag bis Silvester zwischen +6 und -2 Grad. Also ja, das Tauwetter setzt sich bis über die höheren Lagen durch, was sich in Kombination mit Wind und Niederschlag noch verstärkt. Man kann sich schon denken, dass sich über diesen Regionen nach den unwetterartigen Neuschneemengen, dem nachfolgenden Tauwetter und der Schneelast, sowie dem Wind das nächste Unheil anbahnt.

Anzeichen eines Wetterwechsels

Anfang Januar geht der Temperaturtrend in der Höhe in die negative Richtung und pendelt sich bis zum 5. Januar auf -3 und -5 Grad ein. Anfang Januar bedarf es für den Flachlandwinter Höhenwerte von -5 bis -7 Grad. Für die mittleren Lagen reichen -3 bis -5 Grad aus. Ob Winter oder nicht, spielt im Moment auch eine mehr sekundäre Rolle. Entscheidender ist, ob die aktiv-dynamische Westwetterlage im Januar beendet werden kann. Die Ansätze hierfür sind vorhanden - Schaun mer mal.

Ein Wetterwechsel wird im Januar zunehmend wahrscheinlicher
Wetterprognose nach dem Mittelewert aller Kontrollläufe: Ein Wetterwechsel wird im Januar zunehmend wahrscheinlicher © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
27. Dezember +3 bis
+11 Grad
+6 bis
+8 Grad
31. Dezember (Silvester) +0 bis
+11 Grad
+5 bis
+7 Grad
5. Januar -3 bis
+9 Grad
+2 bis
+5 Grad
Diagramm Temperaturen Januar 2024
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2024 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

Aktuelle Wettervorhersagen

Unterstützen
Sie uns!
Ihnen gefallen unsere Wettervorhersagen? Wir freuen uns über einen freiwilligen Geldbetrag in einer von Ihnen gewünschten Höhe.
Betrag wählen

Regenradar

Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)