Wetterprognose Januar: So kann es mit dem (Hoch)Winter was werden

| M. Hoffmann
Wie kann der Weg in den Hochwinter im Januar aussehen? © Martin Bloch

Atlantische Tiefdrucksysteme sorgen in den kommenden Tagen für teils turbulentes und ungewöhnlich warmes Wetter. Wie aber kann der Hochwinter im Januar dennoch gelingen?

Man kann die milde Atlantikluft regelrecht riechen. Der Grund hierfür ist die atlantische Frontalzone, die pünktlich zu Weihnachten voll aufdreht und neben der Wind- auch die Niederschlagsaktivität ansteigen lässt.

Vorerst kein Winterwetter

Die Weihnachtsprognose hat sich nicht geändert. Heute leicht wechselhaftes Wetter mit gelegentlichen Schauern und etwas Sonnenschein. Am ersten Weihnachtsfeiertag nördlich von Nordrhein-Westfalen und Sachsen zeitweiliger Niederschlag, der sich am zweiten Weihnachtsfeiertag weiter nach Süden ausdehnt und im Schwerpunkt über Baden-Württemberg und Bayern für gelegentlichen Niederschlag sorgen kann. Die Temperaturen erreichen bei einem böigen und phasenweise stürmischen Wind Werte, die mit +7 bis +12 Grad und örtlich bis +15 Grad dem Frühling deutlich näher als dem Winter sind. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Weihnachten.

Im Zeitraum vom 27. bis 29. Dezember ändert sich nicht wirklich was beim Wetter. Bei starker bis wechselnder Bewölkung ist mit zahlreichen Schauern zu rechnen, die in der Nacht auf Donnerstag nennenswert und regional kräftiger ausfallen können. Der aus südwestlichen Richtungen kommende Wind bleibt ruppig und kann am Donnerstag für stürmische Windböen sorgen. Die Temperaturen gehen mit +4 bis +8 Grad am Mittwoch kurzzeitig zurück, bevor am Donnerstag erneut +7 bis +12 Grad in Aussicht gestellt werden. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Dezember.

Die atlantische Frontalzone dreht nach Weihnachten voll auf
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und deutschen (re.) Vorhersage-Modell: Die atlantische Frontalzone dreht nach Weihnachten voll auf © www.meteociel.fr

Wetter Silvester: Sturm zum Jahreswechsel?

Die beiden obenstehenden Wetterkarten zeigen über Deutschland dicht gedrängte Gradientenlinien, was den Rückschluss auf eine erhöhte Windaktivität zulässt.

Sturm

Die Prognose-Modelle berechnen dieses Sturmtief noch auf unterschiedliche Art und Weise. Geht es nach der Wetterprognose des deutschen Vorhersage-Modells, so gelingt es dem Tief nicht weiter nach Osten voranzukommen und trogt zwischen England und der Nordsee nach Süden aus. Die Gradienten blieben über Deutschland dicht gedrängt und am südlichen Rand lässt sich eine Randtiefentwicklung ausmachen, was am 31. Dezember und in der Nacht auf den 1. Januar über Deutschland das Potential von Starkwindereignissen ansteigen lässt. Über exponierten und höheren Lagen sind orkanartige Winde in der Silvesternacht nicht ausgeschlossen. Hinzu kommt kräftiger Niederschlag und die Temperaturen sind mit +12 bis +17 Grad ungewöhnlich hoch.

Ungewöhnlich warmes - rekordverdächtiges - Wetter

Die Wetterprognose der Amerikaner und der Europäer berechnen den Trogabsatz westlicher, sodass Deutschland in den Einflussbereich einer strammen Südwestwetterlage kommt, bei der mithilfe eines nach Norden aufstrebenden Hochs ungewöhnlich warme Luftmassen aus Afrika über die Mittelmeerregion nach Deutschland gelangen. Rekordverdächtige +14 bis +19 Grad sind an Silvester nicht auszuschließen. Mit stürmischen Windböen aber ist nur über Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu rechnen. Hinzu kommt zeitweiliger Niederschlag, der in der Silvesternacht langsam nach Süden zieht.

Eine kräftige Südwestströmung kann die Temperaturen an Silvester ansteigen lassen
Wetterprognose nach dem deutschen (li.), amerikanischen (mi.) und europäischen (re.) Wettermodell: Eine kräftige Südwestströmung kann die Temperaturen an Silvester ansteigen lassen © www.meteociel.fr

Der Hochwinter im Januar?

Eine Binsenweisheit: bevor es kalt werden kann, muss es warm werden. Die eine Bedingung wird zweifelsohne erfüllt werden können. Die andere hängt davon ab, wie weit die Frontalzone nach Osten vorankommen wird und wie sich der von Süd nach Nord aufstrebende Hochdruckkeil wird verhalten können.

Aktiver Polarwirbel mit Schwächen

Darauf hat der Freund des Winterwetters gewartet und die Vorhersage-Modelle zeigen, wie der Weg in den Winter oder Hochwinter im Januar vonstattengehen könnte.

Schon gewusst?
Die höchste gemessene Temperatur seit 1881 an einem 24. Dezember wurde mit +18,9 Grad im Jahr 2012 über Freiburg (Baden-Württemberg) registriert. Eisig war der 24. Dezember im Jahre 1962 mit +0,2 Grad über Fehmarn (Schleswig-Holstein) und bis -15,8 Grad über Oberhof (Thüringen) - wohlgemerkt die Höchsttemperaturen.

Die Europäer lassen die Frontalzone bis zum 3. Januar zwischen die Barentssee und dem westlichen Russland weit nach Osten vorankommen. Das gibt den Hochdrucksystemen auf dem Atlantik die Gelegenheit nach Norden aufzukeilen und so die Tiefdruckrinne sabotieren zu können. Da das Kerntief weit über dem Osten liegt, wäre eine ab dem 4. Januar beginnende meridionale Verlaufsbahn der Grundströmung nicht auszuschließen. Der Winter würde in diesem Fall aus nördlichen Richtungen Einzug halten können.

Zunächst ungewöhnlich warm, doch verlagert sich die atlantische Frontalzone weit nach Osten
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Zunächst ungewöhnlich warm, doch verlagert sich die atlantische Frontalzone weit nach Osten © www.meteociel.fr

Die vollständig gestörte Zirkulation

Anders verläuft die Wetterentwicklung nach dem amerikanischen Wettermodell. Die Hochdruckzone über der Mittelmeerregion dehnt sich vom 1. bis 3. Januar nach Skandinavien aus und lässt die atlantische Frontalzone voll auflaufen. Über Deutschland hat das zunächst einen weiteren Warmluftschub zur Folge, was die Temperaturen bis zum 3. Januar mit +7 bis +12 Grad und über dem Westen bis +15 Grad auf einem hohen Niveau hält.

Auf dem Weg in den Hochwinter?

Im Zeitraum vom 3. bis 6. Januar aber kann sich über Skandinavien ein autarker Hochdruckkern ausbilden und so das Zirkulationsmuster vollständig und nachhaltig stören. Die atlantische Frontalzone hat keine Chance mehr, das Wetter über Deutschland zu beeinflussen. Das Hoch beginnt - durch seine Drehrichtung im Uhrzeigersinn - am südlichen Gradienten kalte Luftmassen vom Festland aus nach Deutschland, die Schweiz und Österreich zu transferieren. Die Temperaturen sinken bis zum 7. Januar auf -0 bis -5 Grad ab und können über dem Südwesten noch bis +7 Grad erreichen. Ein eingelagerter Kaltlufttropfen kann zudem für zeitweiligen Schneefall sorgen.

Die vollständig gestörte Zirkulation mit einem hochwinterlichen Ansatz
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Die vollständig gestörte Zirkulation mit einem hochwinterlichen Ansatz © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Vorerst kein Winterwetter

Die Aussage stammt von gestern und dabei bleibt es auch - vorerst! Das, was die Vorhersage-Modelle berechnen, sind Möglichkeiten, die durchaus in die Realität umgesetzt werden können und in den nächsten Tagen weiter beobachtet werden müssen.

Doch zunächst einmal dominiert die atlantische Frontalzone das Wetter über Deutschland noch bis mindestens dem 5. Januar. Betrachtet man den Mittelwert aller Kontrollläufe, so schwankt dieser in 1.400 Meter Höhe zwischen +6 und +3 Grad und im gleichen Maße gegenüber dem vieljährigen Mittelwert deutlich zu warm. Das Tauwetter setzt sich auch im neuen Jahr bis auf die Hochlagen durch - daran führt kein Weg vorbei.

Major-Warming in Stratosphärenhöhe

Ein Impuls in Richtung Winter könnte ab dem 5. Januar der Polarwirbel in Stratosphärenhöhe geben. Bereits in der gestrigen Wetterprognose zum Winter zeichnete sich in Stratosphärenhöhe ein beginnendes Minor-Warming ab, das ein gewisses Potential für ein Major-Warming aufwies. Heute nun die Bestätigung des Trends - die plötzliche Stratosphärenerwärmung wird zwischen dem 6. und 9. Januar in Aussicht gestellt.

Was ist an einem Major-Warming so besonders? Mit Eintritt des Major-Warmings beginnt sich in Stratosphärenhöhe der Wind von West-Ost auf Ost-West zu drehen (negative Windgeschwindigkeiten). Je nach Stärke des Major-Warmings werden die unteren Luftschichten eingebremst und der Polarwirbel erfährt einen ordentlichen Dämpfer. Das kann rund 4 bis 7 Tage zeitversetzt von einem Polarwirbelsplit über ein Displacement bis hin zu einem vollständigen Zusammenbruch des Polarwirbels führen. In jeder Hinsicht eine spannende Angelegenheit - mal sehen, was in den kommenden Tagen daraus wird.

Links ein Minor-Warming, dass sich rechts zu einem Major-Warming weiterentwickeln kann
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Links ein Minor-Warming, das sich rechts zu einem Major-Warming weiterentwickeln kann © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
30. Dezember +3 bis
+12 Grad
+6 bis
+8 Grad
3. Januar +0 bis
+14 Grad
+7 bis
+9 Grad
8. Januar -3 bis
+14 Grad
+4 bis
+6 Grad
Diagramm Temperaturen Januar 2023
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2023 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

© Bild - Martin Bloch

Frohe Weihnachten!

Wir möchten an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, um Ihnen ein wunderbares Weihnachtsfest zu wünschen. Vielen Dank für all die tollen Zuschriften der letzten Tage und auch wenn das Wetter mehr an den Frühling, als an den Winter erinnern mag - machen Sie das Beste daraus. Ganz gemäß unserem Motto:

Sonnenschein ist köstlich, Regen erfrischend,
Wind fordert heraus, Schnee macht fröhlich;
im Grunde gibt es kein schlechtes Wetter,
nur verschiedene Arten von gutem Wetter.

(John Ruskin, 1819-1900, britischer Schriftsteller)
Ein frohes Fest wünscht Ihnen das Team von Wetterprognose-wettervorhersage.de!

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2022 +6,4 +2,4 +1,6 49,6 l/m² - zu trocken
Dezember 2022 +1,8 +0,98 -0,02 64,8 l/m² - etwas zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,56 +2,3 +1,23 672 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für Januar

Der Januar gilt aus statistischer Sicht als kältester und auch trockenster Wintermonat, bzw. auch Monat im gesamten Jahr.

  • Zwischen dem 13. und 26. Januar Hochwinter
  • Kontinentalhoch sorgt in diesem Zeitraum mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80 Prozent für kalte Temperaturen
  • Bedingt durch die hohe statistische Wahrscheinlichkeit eines Hochwinters ist Schneefall selten
  • Häufiger gibt es im Januar Kahlfrost-Phasen
  • Liegt aber Schnee, so kann dieser über Tage hinweg konserviert werden

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