Wettertrend: Polarwirbelsplit mit Hochwinter im Februar oder doch die frühlingshaft milden Aussichten?

| M. Hoffmann
Wie macht sich der Winter im Februar 2023?

Aktuell trogt ein Tief über Deutschland aus und führt kalte Luftmassen polaren Ursprungs nach Süden. Kommt jetzt der Winter und hält sich bis Februar?

Der Winter konnte im Dezember zwar kurz aufblitzen und zeigen, wozu er - auch in Zeiten der Klimaerhitzung - noch fähig ist, doch das Muster kippte zum Beginn der letzten Dezember-Dekade und die Temperaturen schossen regelrecht in die Höhe und bescherten letztlich nicht nur ein Rekordjahr 2022, sondern auch ein rekordwarmer Jahreswechsel und eine Rekordwarme erste Januar-Dekade, die Rückblickend wohl auch zu einer rekordwarmer ersten Januar-Hälfte führen sollte. Handelte es sich bei diesen Temperaturen früher um Jahrhundertrekorde, so haben diese mittlerweile nur noch einen Gültigkeitszeitraum von ein paar Jahren. Harte Zeiten stehen mit der Klimaerhitzung Freunden des Winterwetters bevor - gilt das auch für den Februar?

Der Winter senkt sich bis auf die mittleren Lagen ab

In den kommenden Tagen wird es mithilfe eines Troges etwas frischer und die Schneefallgrenze sinkt bis auf die mittleren Lagen ab. Die Niederschlagstätigkeit lässt ab Montag nach und was folgt, ist ein Mix aus Sonne, Wolken und gelegentlichen Schauern, die bis auf tiefere Lagen als Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer niedergehen. Erreichen die Temperaturen am Montag noch +6 bis +0 Grad, so gehen diese bis zum Ende der Woche etwa südlich der Linie von Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern auf +2 bis -2 Grad zurück und pendeln sich weiter nach Norden auf +3 bis +6 Grad ein. Ein Hauch von Winter. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Januar.

Kalte Luftmassen polaren Ursprungs sorgen über Deutschland für einen Hauch von Winter
Wetterprognose nach dem deutschen (li.) und europäischen (re.) Wettermodell: Kalte Luftmassen polaren Ursprungs sorgen über Deutschland für einen Hauch von Winter © www.meteociel.fr

Die Schnee- und Regenprognose

Insbesondere am Sonntag und Montag können die Niederschläge punktuell kräftig und ergiebig ausfallen und weiterhin für regionale Überflutungen und Hochwasser sorgen. Nach und nach schwächt sich der Niederschlag ab und geht bis auf die tieferen Lagen in Schnee oder Schneeregen über. Ab mittleren Lagen oberhalb von etwa 400 bis 600 Meter kann der Schnee auch liegen bleiben und so zu einer winterlichen Landschaft führen. Überwiegend handelt es sich jedoch um einen nasskalten Wettercharakter mit winterlichen Optionen ab den mittleren Lagen.

Kräftiger Niederschlag, der ab Sonntag ab den mittleren Lagen in Schnee übergehen und für winterliche Wetterverhältnisse sorgen kann
Die Schneeprognose: Kräftiger Niederschlag, der ab Sonntag ab den mittleren Lagen in Schnee übergehen und für winterliche Wetterverhältnisse sorgen kann © windy.com

Wie wird das Wetter im Februar?

Rückblickend war keiner der letzten 12 Monate zu kalt und in den letzten 24 Monaten gab es gerade einmal zwei Monate, die zu kalt ausgefallen sind. Betrachtet man die letzten 30 Jahre, so ist der Februar im Schnitt um +1,1 Grad wärmer geworden. Hört sich wenig an, doch steigt die Schneefallgrenze im Schnitt um 150 bis 300 Meter an. Die Anzahl der Schneetage hat sich in den letzten 30 Jahren von 11,2 auf 8,3 Tage verringert. Damit fehlt dem Februar zunehmend das Kälteaggregat in Form von Schnee, was die wärmeren Varianten stets wahrscheinlicher macht. In den letzten 10 Jahren gab es im Vergleich zum Klimamittelwert von 1961 und 1990 in 20 Prozent der Fälle einen zu kalten, in 10 Prozent einen normalen und in 70 Prozent einen zu warmen Februar. Da stellt sich schon die Frage, ob der Februar überhaupt eine Chance hat, zu kalt auszufallen?

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Displacement des Polarwirbels: Hochdruckaufbau bis Februar?

In den letzten Tagen berechneten die Vorhersage-Modelle den Einflussbereich des Troges bis zum 22. Januar. Nachfolgend strebt ein Hochdruckkeil des Azorenhochs über Skandinavien in Richtung des Kontinentalhochs. Sollte sich dieser Prozess tatsächlich vollziehen, so wird die atlantische Frontalzone vollständig blockiert (gestörte Zirkulation) und der Trog wird in Form eines Höhentiefs eingekapselt.

Kälte kann vor Ort produziert werden

Die Luftmassen haben mit dem Hochdruckeinfluss kaum mehr Bewegung und da die Nächte länger sind, als die Tage und möglicherweise eine Schneedecke vorhanden ist, kann es in den Nächten ordentlich abkühlen. Dieses Kälteaggregat kann am Tage nicht mehr abgebaut werden und samt eines negativen Taupunktes kann es sein, dass die Tage bis Februar - trotz Sonnenscheins - kälter werden.

Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells berechnet bis zum 24. Januar eine Höchsttemperatur von +0 bis +5 Grad und die Amerikaner stellen mit +2 bis -2 Grad insbesondere über den südlichen Landesteilen Dauerfrost in Aussicht. Bis Anfang Februar werden Tiefstwerte von -2 bis -7 Grad und bei Aufklaren und über Schnee bis -15 Grad simuliert. Die Tageshöchstwerte schwanken über den westlich gelegenen Ballungsgebieten zwischen +4 Grad und über dem Süden von Deutschland zwischen -4 und +0 Grad.

Im Hinblick auf Winter nichts Halbes und nichts Ganzes

Vollwinter sieht anders aus. Zumal sich nach beiden Vorhersage-Modellen eine Hochdruckzone über Mitteleuropa ausdehnt und Niederschlag somit wenig wahrscheinlich macht. Zwar sind gelegentliche Schnee- oder Schneeregenschauer mithilfe des Höhentiefs nicht gänzlich ausgeschlossen, doch wird der Hauptteil des Niederschlages über Österreich, der Schweiz, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und dem südlichen Polen niedergehen können.

In der letzten Januar-Dekade baut sich eine Hochdruckzone über Mitteleuropa auf und könnte eine Schneedecke über der Südhälfte von Deutschland bis in den Februar hinein konservieren
Links die Wetterprognose der Europäer bis zum 25. Januar, in der Mitte die der Amerikaner bis zum 1. Februar und rechts die Schneeprognose der Europäer bis zum 25. Januar: In der letzten Januar-Dekade baut sich eine Hochdruckzone über Mitteleuropa auf und könnte eine Schneedecke über der Südhälfte von Deutschland bis in den Februar hinein konservieren © www.meteociel.fr

Gravierende Verwerfungen des Polarwirbels

Die obenstehenden Wetterkarten deuten zum 25. Januar ein sog. Displacement des Polarwirbels an. Die Struktur des Polarwirbels bleibt intakt, doch wird diese verschoben. Das ist ein mögliches Resultat eines Phänomens, das zum 22. Januar in Stratosphärenhöhe stattfindet und als Major-Warming - die plötzliche Stratosphärenerwärmung - definiert wird.

Zunehmend einheitliche Berechnungen eines beginnenden Majo-Warmings
Zunehmend einheitliche Berechnungen eines beginnenden Major-Warmings in Stratosphärenhöhe © www.meteociel.fr

Major-Warming in Stratosphärenhöhe

Dieses Phänomen hat sich in den letzten 14 Tagen immer wieder einmal gezeigt, doch wurde die Eintreffwahrscheinlichkeit erst in den letzten fünf Tagen deutlich erhöht.

Die Folgen für den Februar

Mit einem Major-Warming kann sich ein Displacement des Polarwirbels weiter verstärken und da sich die Hochdruckzone bereits über Mitteleuropa befindet, wird diese Struktur weiter verstärkt, als geschwächt.

Doch die obenstehende Wetterkarte der Amerikaner deutet schon an, was im Februar im Hinblick auf den Winter möglich sein kann. Der Polarwirbel verschiebt sich in Richtung Barents- und Karasee, während das Hoch über Europa den Rückzug in Richtung Atlantik vollzieht. Da sich Hochdrucksystem im- und Tiefdruckgebiete gegen den Uhrzeigersinn drehen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Arctic Outbreak einstellen kann. Eine zunehmende Anzahl an Kontrollläufen favorisiert diese Entwicklung, welche wir hier einmal gegenüberstellen. Das bedeutet nicht, dass dies auch so eintreffen wird, vielmehr wollen wir damit zeigen, wie die Differenzen durch ein mögliches Major-Warming in Stratosphärenhöhe in den kommenden Tagen die Vorhersage-Modelle sprunghafter werden lassen.

Neben einem Displacement des Polarwirbels ist auch ein Arctic Outbreak ins Spiel zu bringen
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: Neben einem Displacement des Polarwirbels ist auch ein Arctic Outbreak ins Spiel zu bringen © www.meteociel.fr

Polarwirbelsplit und der vollständige Zusammenbruch des Polarwirbels

Wie stark der Polarwirbel letztlich durch ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe beeinflusst werden kann, hängt auch von der Intensität des Warmings ab. Da sich aber in Stratosphärenhöhe mit einem Major-Warming die Luftmassen von Ost nach West und weiter unten von West nach Ost drehen, kommt es zwangsläufig zu Turbulenzen mit nicht abschätzbaren Auswirkungen. Auf der nachfolgenden Seite finden Sie eine Animation eines Major-Warmings aus dem Jahre 2009: Major-Warming.

Im Hinblick auf einen Polarwirbelsplit oder eines Zusammenbruchs des Polarwirbels lassen sich in den Kontrollläufen ein paar interessante Ansätze finden, die - trotz beeindruckender Intensität - nicht zwangsläufig den Winter nach Deutschland führen müssen.

Polarwirbelsplit mit Ansätzen zum vollständigen Zusammenbruch des Polarwirbels
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: Polarwirbelsplit mit Ansätzen zum vollständigen Zusammenbruch des Polarwirbels © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: das Potential für den Winter im Februar

Die Prognosen werden in den kommenden Tagen noch unterschiedliche Varianten bieten, da mit einem Major-Warming die Sprunghaftigkeit zwangsläufig ansteigen wird. Vom Hochwinter bis hin zu frühlingshaften Aussichten wird alles vertreten sein können.

Was wahrscheinlich ist

Der Mittelwert der Kontrollläufe aber bringt es gut auf den Punkt, was vom Wetter bis in den Februar hinein zu erwarten ist.

Die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe sacken im Moment auf -5 bis -7 Grad und über dem Süden auf bis -8 Grad ab. Für den Flachlandwinter werden in der letzten Januar-Dekade Höhenwerte von -5 bis -7 Grad benötigt und das unterstreicht einmal mehr, wie knapp die Grenze zwischen Winter und einer nasskalten Wetterlage verläuft. Bis Februar steigt die Temperaturprognose an und pendelt sich auf -2 bis -4 Grad ein. Gleichzeitig nimmt die Niederschlagstätigkeit ab, was hohen Luftdruck favorisiert. In der Theorie ist somit eine Kälteproduktion vor Ort möglich, doch eine zunehmend nasskalte Witterung, bei der sich der Winter in die höheren mittleren Lagen zurückzieht, ist - für den Moment jedenfalls - die wahrscheinlichste Wetterentwicklung.

Keine einfachen Grundvoraussetzungen für eine winterliche Wetterlage im Februar
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Keine einfachen Grundvoraussetzungen für eine winterliche Wetterlage im Februar © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
21. Januar -3 bis
+5 Grad
-1 bis
+3 Grad
25. Januar -5 bis
+9 Grad
+2 bis
+5 Grad
30. Januar -3 bis
+13 Grad
+3 bis
+5 Grad
Diagramm Temperaturen Februar 2023
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Februar 2023 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2022 +6,4 +2,4 +1,6 49,6 l/m² - zu trocken
Dezember 2022 +1,8 +0,98 -0,02 64,8 l/m² - etwas zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,56 +2,3 +1,23 672 l/m² - zu trocken

Wetterfakten Februar

Das Wetter zeigt sich im letzten Wintermonat abwechslungsreich. Von kräftigen Schneeschauern bis hin zu frühlingshaften Temperaturen ist alles möglich.

  • Je nachdem, ob sich das Winterhoch im Januar noch halten kann, zeigt sich der Februar ebenfalls hochwinterlich mit reichlich Schnee.
  • Troglagen sind relativ häufig anzutreffen (65%)
  • Zwischen dem 15. und 24. Februar zeigt sich in vielen Fällen eine Kälteperiode (70 %)
  • Im Anschluss wird es häufiger wieder milder

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