Alles, aber auch wirklich alles spricht derzeitig gegen einen Wintereinbruch bis Ende Januar und auch noch bis in den Februar hinein. Der AO- und NAO-Index werden weitgehend im positiven Bereich berechnet, der Kaltluftzustrom über dem östlichen Kanada / Grönland nach Süden in Richtung Neufundland ist als intakt zu bezeichnen und um dem noch eines oben drauf zusetzen korrigiert das Langfristmodell seine Wettervorhersage Februar erneut und passt sich der aktuellen Entwicklung weiter an.

So liegt die Abweichung der Temperaturen gegenüber den langjährigen Mittelwerten nach den Berechnungen des Langfristmodells im Februar zwischen +0,5/+2 Grad im überwiegend deutlich zu warmen Bereich. Hinzu kommt, dass die Niederschlagsentwicklung deutlich negativ (zu trocken) berechnet wird. Möchte man dies interpretieren, so wäre im Februar eine ähnliche Wetterlage wie vom Dezember 2016 durchaus möglich. Der Winter hätte dann kaum mehr Chancen sich durchzusetzen, denn für Dauerfrost bis in tiefere Lagen müssten die Temperaturen in ca. 1.500 Meter Höhe auf -7/-10 Grad absinken.

So und nun? Kann der Winter als beendet erklärt werden?

Auch wenn alles dagegen spricht, so einfach ist das beim Wetter nicht, zumal es Einflussfaktoren gibt, welche die möglich in "Stein gemeißelte" Wetterentwicklung kurzerhand verändern können und aus mild wird entweder noch milder, oder eben Winter. Eines dieser Phänomene und dessen Entwicklung beschreiben wir in den letzten Tagen immer wieder: das Minor-/Major-Warming in Stratosphärenhöhe.

Was ist an einem Major-Warming so besonders und wie soll es das Wetter so schnell verändern können?

Gleich vorweg: bleibt es bei einem sog. Minor-Warming mit positiv zonalen Winden entlang des 65. Breitengrades in Stratosphärenhöhe, so wird sich aller Voraussicht nach wenig verändern. Gelingt jedoch die Weiterentwicklung zu einem Major-Warming mit einer Umkehr der zonalen Wind auf Ost-West, so können die unteren Luftschichten und damit der Polarwirbel massiv in ihrer Entwicklung gestört werden. Zuletzt war das 2009/2010 der Fall. Und wer sich noch erinnern mag - auch damals zeigten die Wettermodelle eine Milderung bis es zu einem Major-Warming kam und sich 2 bis 3 Tage später auch in den Simulationen der Wettermodelle widerspiegelte. Was folgte war ein fast durchgängiger Hochwinter bis Ende Februar. Komplex wird die Wetterprognose aber aus einem ganz anderen Grund. Man weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, welche Auswirkungen bei einem Major-Warming auf den Polarwirbel im Detail möglich sind und geringfügige Veränderungen haben entlang der Längengrade größere Auswirkungen. Ganz ähnlich wie beim Abschlag des Golfballs, wenn man den Winkel am Abschlag nur geringfügig verändert, ergeben sich am Ende der Flugbahn große Veränderungen.

Ist eine Umkehr der zonalen Winde in Stratosphärenhöhe möglich?

In den letzten Tagen zeigte sich lediglich eine Abschwächung der Windgeschwindigkeiten von rund +180 km/h auf +25 km/h. Heute allerdings zeigt sich Ende Januar / Anfang Februar binnen weniger Stunden eine Abschwächung von +215 km/h auf 0 mit einer Umkehr der Windgeschwindigkeiten auf -18 km/h in Ost-West. Die Umkehr ist schwach, wird aber zunehmend wahrscheinlicher und man darf gespannt sein, was die nächsten Simulationen so alles zeigen werden.

Zusammenfassung

Vieles deutet momentan auf eine nachhaltige Milderung - auch im Februar hin, allerdings kann das mit einem möglichen Major-Warming noch in Frage gestellt werden. Der Winter 2016/2017 steht erneut am Scheideweg. Die nächste Aktualisierung erfolgt heute Abend gegen 20:45 Uhr in einer Aktualisierung der Winterprognose.

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