Nasskalt, mild oder warm - das sind derzeit die wahrscheinlichsten Temperaturentwicklungen für die letzten Januar-Tage. Winterliche Varianten sucht man in den Simulationen der Wettermodelle hingegen vergeblich - allenfalls wären Schneeoptionen mit einer nasskalten Nordwestwetterlage noch für mittlere Lagen gegeben, es spricht jedoch zum aktuellen Stand eine höhere Wahrscheinlichkeit für Tauwetter teils bis in höhere Lagen (Details s. Wetter Winter).

Die Ursache für die Milderung ist über dem östlichen Kanada in Form eines Kaltluftzustromes in Richtung Neufundland zu finden. Dort treffen die kalten auf relativ warme und feuchte Luftmassen des Atlantiks, was dort wiederum die "Wettermaschine" in Gang setzten kann. So entstehen in dieser Region in regelmäßigen Abständen Tiefdrucksysteme, welche langsam aber stetig bis nach Mitteleuropa vorankommen. Zum aktuellen Stand wird das wohl nach dem 25./26. Januar in Form eines Tiefdrucksystems über Skandinavien der Fall sein.

Diese Wetterentwicklung gilt derzeit als wahrscheinlich und hat ein hohes Potential dafür, auch die ersten Februar-Tage noch mit zu beeinflussen. Nun sind es aber bis Februar noch knapp 14 Tage hin und gerade beim Wetter kann da durchaus einiges passieren. Auf jeden Fall ist es zum aktuellen Zeitpunkt viel zu früh, um den Winter möglicherweise als beendet zu erklären.

Warum? Allein der Blick auf die Langfristmodelle zeigt, dass im Februar 2017 noch winterliches Potential "schlummert". So berechnet das CFSv2 Modell eine Temperaturabweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert von -0,5/+0,5 Grad im weitgehend normalen Bereich, wobei der Süden und der Nordosten demnach mit einer Abweichung von +0,5/+1 Grad auch leicht zu mild ausfallen könnte. Das Langfristmodell der NASA berechnet für den Februar mit einer Abweichung von -3/-0,25 Grad eine deutlich zu kalte Abweichung gegenüber den "Sollwerten".

Kommt der Winter also im Februar 2017 zurück - wie stehen die Chancen? Ob das in den ersten Februar-Tagen gelingen mag, wird maßgeblich auch von der "Durchschlagskraft" eines Minor-/Major-Warming Phänomens in der Stratosphärenhöhe abhängen. Die aktuellen Berechnungen zeigen Ende Januar / Anfang Februar ein äußerst kräftiges Minor-Warming mit einer deutlichen Verlangsamung der zonalen Windgeschwindigkeit von aktuell 178 km/h auf etwa 43 km/h. Eine für das Major-Warming notwendige Umkehr der Strömungsverhältnisse von West-Ost auf Ost-West ist in den Berechnungen nicht zu erkennen.

Sollte das Phänomen ausbleiben und es bleibt bei einem kräftigen Minor-Warming, so könnte der Polarwirbel allenfalls geschwächt werden - die Optionen auf einen Polarwirbelsplit wären somit als gering zu bewerten. Anders wäre die Entwicklung eines Major-Warmings, welches seinen Einfluss auch auf die unteren Luftschichten und damit direkt auf den Polarwirbel geltend machen kann. In Folge dessen zeigt sich häufig eine starke Schwächung des Polarwirbels mit nachfolgend hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Polarwirbelsplit. Sollte das eintreten, so ist das noch keineswegs mit winterlichen Verhältnissen über Mitteleuropa gleichzusetzen, denn auch bei einem Polarwirbelsplit gibt es warme Luftströmungen in Richtung Norden und es kommt ganz auf die Lage, bzw. Position an. Aktuell werden für Ende Januar / Anfang Februar Hochdruckeinschübe von Ostsibirien und vom westlichen Russland aus in Richtung Nordpolregion berechnet. Das führt aber wiederum zu Strömungsverhältnissen, welche den Kaltluftzustrom über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland eher begünstigen könnten. Zusammenfassend gibt es zum heutigen Stand eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen milden bis nasskalten, als einen winterlichen Start in den Februar. Die nächste Aktualisierung erfolgt heute Abend gegen 20:45 Uhr in einem kurzen Update der Wetterprognose Winter.

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