Die Tendenz der Temperaturen für die letzten Tage im Januar ist von den Wettermodellen klar vorgegeben: mild, teils auch nasskalt. Was noch nicht klar ist, welches Wettersystem mehr Einfluss auf das Wetter in Deutschland, Österreich und die Schweiz nehmen wird - hoher Luftdruck oder die aktiv-dynamische Westwetterlage. In den aktuellen Simulationen ist eine aktiv-dynamische Westwetterlage wahrscheinlicher, als eine ruhige Hochdruckwetterlage (s. aktuelle Wetterprognose Winter).

Betrachtet man die Simulationen des amerikanischen Wettermodells für die ersten Februar-Tage, so kann sich die teils milde bis nasskalte Westwetterlage weiterhin behaupten. Der Kaltluftzustrom zwischen dem östlichen Kanada und Neufundland bleibt erhalten, welches die Aktivität der atlantischen Frontalzone immer wieder von neuem entfacht. Ein Indiz für die Nachhaltigkeit einer West- bis Südwestwetterlage findet sich im aktuellen NAO-Index Wert, welcher aktuell noch im negativen, jedoch zum 26. Januar im positiven Bereich liegt und im weiteren Verlauf eine leicht positive Entwicklungstendenz aufweist (vereinfacht: höhere Wahrscheinlichkeit für West- bis Südwestwetterlagen). Somit schwinden die Varianten, welches das Zirkulationsmuster stören könnten, insbesondere ein blockierendes Hochdrucksystem mit winterlichen Ambitionen ist in den derzeitigen Simulationen nicht zu erkennen.

Der NAO-Index ist ein Indiz, ein weiterer ist der AO-Index, welcher vereinfacht ausgedrückt den Zustand des Polarwirbels beschreibt - auch dieser hat zum Ende des Januars hin eine positive Tendenz, was für eine Erholung des derzeit instabilen Polarwirbels spricht - Anfang Februar hat der AO-Index jedoch eine negative Entwicklungsrichtung, so dass eine nachhaltige Erholung des Polarwirbels zum heutigen Stand in Frage gestellt werden kann.

Betrachtet man die Entwicklung des Polarwirbels in den ersten Februar-Tagen, so zeigt sich im Bereich zwischen Alaska und Sibirien ein Hochdruckeinschub in Richtung Polregion, was im Ansatz zur Dipolausbildung des Polarwirbels führen kann (zwei unabhängige Wirbel - Ansatz Polarwirbelsplit). Ein ähnlicher Vorgang hat zu dem nun seit knapp einer Woche anhaltendem Winterwetter über Deutschland geführt.

Etwas interessanter ist jedoch das Warming in Stratosphärenhöhe, welches in den Simulationen Anfang Februar stetig und kontinuierlich berechnet wird und weiterhin das Potential zu einem Major Warming hat. Wir wurden gefragt, wann das letzte Major Warming war und wie sich das im Vorfeld angekündigt hat. Es empfiehlt sich kurz die Seite zum Major Warming - dort sind auch Beispiele hinterlegt, wie so ein Major Warming ablaufen kann. Das letzte Major Warming fand im Winter 2012/2013 - genauer gesagt im Januar 2013 - statt (Beginnend || Übergang || Major Warming). Die Auswirkungen waren massiv und nachhaltig: erste Dezember-Hälfte winterlich, zweite mild mit bis +18,5 Grad an Weihnachten. Der Januar begann mild und hatte nach dem Warming 14 Tage Dauerfrost mit einer Gesamtschneemenge von 3,5 Milliarden Tonnen Schnee in Sachen Winter einiges zu bieten und übertrug sich auch noch in den Februar 2013 mit ungewöhnlich viel Schnee. Anders formuliert kann ein Major Warming das Wetter grundsätzlich auf den "Kopf" stellen und es bleibt abzuwarten, wie sich das aktuelle Minor Warming entwickeln kann.

Hat ein Minor Warming selbst auch schon Auswirkungen auf das Wetter? Es kommt auf die Stärke an - auch wenn eine West-Ost, Ost-West Umkehr nicht stattfinden sollte, so kann ein kräftiges Minor Warming die unteren Luftschichten - zumindest kurzfristig - mit beeinflussen, ist jedoch nicht nachhaltig. I.d.R. kommen Minor Warmings im Laufe eines Winters häufiger vor und haben keinen wesentlichen Einfluss auf das Wettergeschehen. Wie oft kommt ein Major Warming vor? Im Schnitt alle 1-3 Jahre. Und El Niño? Passenderdweise war der letzte El Niño im Jahre 2012 aktiv - ob sich allerdings Kausalitäten zwischen einem El Niño Phänomen und einem Major Warming ergeben ist uns nicht bekannt. Die nächste Aktualisierung erfolgt gegen 21:00 Uhr in einer kurzen Aktualisierung der Winterprognose.

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