Die Milderung in den letzten Januar-Tagen kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit, wobei es über dem Westen generell etwas milder als über dem Osten werden kann. Noch nicht ganz abzuschätzen ist - aufgrund der unklaren Hochdruckposition - die Höhe des Temperaturanstiegs. Einiges deutet darauf hin, als dass der Westen vielfach im milden(+4/+8 Grad), die Mitte im nasskalten (+0/+5 Grad) und der Osten im kalten (-2/+2 Grad) Bereich verbleiben könnte (Details s. Wettervorhersage Winter).

Sollte sich die Milderung zum Ende Januar hin durchsetzen können, so ist auch in den ersten Februar-Tagen noch mit nasskalten/milden Werten zu rechnen. Die Niederschlagsneigung ist bei einer hochdruckdominierten Wetterlage als schwach bis allenfalls mäßig einzustufen. Viel entscheidender für das Wetter Anfang Februar kann aber ein Phänomen Namens Minor-/bzw. Major Warming in Stratosphärenhöhe werden, welches seit Tagen in den Simulationen berechnet und zunehmend auch stärker in seiner Intensität simuliert wird.

Aktiv ist das schwache Minor-Warming bereits heute schon und kann sich zu einem mäßigen Minior-Warming bis zum 24.Januar weiterentwickeln. Bis zum 29. Januar wird mit einer Erwärmung von -68 Grad auf -12 Grad ein kräftiges Minor-Warming berechnet. Dieses schwächt sich zum 30. Januar über seiner bis dahin erreichten Position ab und gewinnt an anderer Stelle zum 31. Januar an Intensität hinzu, so dass binnen 24 Stunden ein Temperatursprung von -68 Grad auf +2/+4 Grad gelingen kann. Das sind ernstzunehmende Ansätze eines Major-Warmings, da zum einen die Fläche, das Verhalten und die Intensität des Warmings für eine Zirkulationsumkehr sprechen. Sollte sich ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe tatsächlich entwickeln können, so werden die Simulationen der Wettermodelle zunehmend sprunghafter, da sich die Veränderungen der darunter liegenden Luftschichten erst nach und nach ergeben und in die Berechnungen mit einfließen können. Erfahrungsgemäß zeigen sich Veränderungen etwa 2-7 Tage zeitversetzt

Was hätte ein Major Warming zur Folge? Der Polarwirbel wird destabilisiert und neigt mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Splitverhalten (Polarwirbelsplit). Kommt dann der Winter erneut nach Deutschland, Österreich und die Schweiz? Das lässt sich hieraus noch nicht schlussfolgern. Zwar steigt die Neigung zu Trogwetterlagen (ähnlich wie aktuell), jedoch ist das noch nicht mit Winterwetter gleichzusetzen, denn bei einem Trog gibt es eine warme Vorder- und Rückseite. Betrachtet man den Indikator des Zustandes des Polarwirbels - den AO Index - so ist dieser aktuell negativ mit positiver Tendenz bis zum 24. Januar mit nachfolgender negativen Trend bis Ende Januar.

Das Langfristmodell berechnet seit Oktober mehr oder minder einen deutlich zu warmen Verlauf des Winter im Dezember, Januar und Februar. Für Dezember traf dies mit Rekordtemperaturen auch zu, für Januar wird das letzte Drittel entscheiden, ob das flächendeckende Temperaturmittel für Deutschland gegenüber dem langjährigen Mittelwert noch normal ausfallen kann (s. aktuelles Temperaturmittel Januar). Aktuell liegt die Abweichung mit +1,4 Grad im zu milden/zu warmen Bereich. Aktuell simuliert das Langfristmodell für Februar 2016 eine Temperaturabweichung gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von +1/+3 Grad im zu warmen Bereich. Die Niederschlagserwartung liegt durchaus im Sollbereich und weist keine sonderlichen Abweichungen auf. Man darf also in den kommenden Tagen durchaus gespannt sein, wie sich das Minor Warming entwickeln mag.

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