Schneefall und winterliche Temperaturen Anfang Dezember, oder doch nur tröges Spätherbstwetter? Die Wetterprognosen der Wettermodelle sind sich darüber noch immer nicht einig.

In einem breiten Streifen von Münster bis nach Dresden ist der Wettercharakter heute ab den mittleren Lagen als winterlich zu bezeichnen. In manchen Regionen können bis zum Abend Neuschneemengen von bis zu 10 cm zusammenkommen (Schneeprognose). Dazu bläst ein kräftiger Wind aus östlichen Richtungen, welcher über dem Norden und an den Küsten von Nord- und Ostsee auch stürmisch ausfallen kann. Ein Hauch von Frühwinter. Doch das bleibt nicht so. Das Wetter beruhigt sich bis zum Freitag und mit einem Wechselspiel aus Sonne und Wolken ist zu rechnen. Ab dem Wochenende greifen atlantische Tiefdrucksysteme auf Deutschland über und sorgen für einen erneuten Wetterwechsel. Mehr dazu in der aktuellen Wettervorhersage zum Wetter November 2018.

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Was macht das Grönland- / Islandhoch?

Verantwortlich für den zunehmend unbeständigeren Wettercharakter am Wochenende ist ein Tiefdrucksystem weit draußen auf dem Atlantik, welches sich bis über das östliche Europa ausdehnen kann. Es entsteht somit eine Tiefdruckzone in einem über Deutschland, Österreich und der Schweiz schwachgradientigen Wetterumfeld. Gleichzeitig aber positioniert sich über Island und Grönland ein Hochdrucksystem, welches sich aktuell noch über Skandinavien befindet. Diese Konstellation gehört zu einer gestörten Zirkulation und hat einen deutlich negativen NAO-Index zur Folge.

Bedingt durch die Drehbewegungen der Wettersysteme wird die Tiefdruckrinne sehr weit nach Süden gedrückt. Für das Wetter im Dezember wird entscheidend sein, ob dieses Tiefdrucksystem auf dem Atlantik sich nachhaltig weiter nach Osten verlagern kann, oder ob es von dem Hochdrucksystem blockiert wird. So zeigt sich heute das Entwicklungsspektrum von winterlichen Wetterverhältnissen bis hin zu milden und spätherbstlichen Temperaturen.

Noch ist nicht klar, welche Richtung das Wetter im Dezember 2018 einschlagen wird
Noch ist nicht klar, welche Richtung das Wetter im Dezember 2018 einschlagen wird

Amerikanisches Vorhersage-Modell: Zwischen den Fronten

Das amerikanische Prognose-Modell schwankt in seinen Wettervorhersagen zwischen den Extremen hin und her. Gestern Abend und heute Nacht waren es gemäßigt milde Varianten, heute ist es wieder eine kältere. Auf diese Problematik sind wir aber bereits in der gestrigen Winterprognose etwas näher eingegangen.

Dem Hochdrucksystem über Island gelingt es im Zeitraum vom 26. und 27. November eine Hochdruckbrücke zum Azorenhoch aufzubauen. In Folge daraus wird die atlantische Frontalzone auf dem Atlantik blockiert, während weiter östlich - und damit über Mitteleuropa - kühle Luftmassen aus nördlichen Richtungen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz geführt werden können. Bei Tageswerten von +0 bis +5 Grad wären Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen möglich.

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Eine extreme Wetterentwicklung

Ob es so kommen mag kann in Frage gestellt werden, doch das amerikanische Prognose-Modell berechnet im Zeitraum vom 29. November bis zum 5. Dezember eine extreme Wetterentwicklung. Das Hoch verliert langsam seine blockierende Wirkung und die atlantischen Tiefdrucksysteme steuern auf Mitteleuropa zu. Der Hochdruckkern bleibt aber über dem europäischen Nordmeer bestehen, während zur gleichen Zeit ein Tiefdrucksystem von der Barentssee langsam über da westliche Russland abtropft.

So werden sehr kalte Luftmassen arktischen Ursprungs nach Süden geführt und erreichen mit einer strammen Ostströmung den Osten und Norden von Deutschland. Die Tageswerte werden bspw. am 4. Dezember im Bereich von -8 bis 0 Grad berechnet. Weiter nach Süden machen sich die Tiefdrucksysteme mit milden Luftmassen bemerkbar, was dort die Temperaturen auf +4 bis +8 Grad ansteigen lassen kann.

Luftmassengrenze: Trockener Norden, nasser Süden

Entsprechend unterschiedlich fällt die Niederschlagsprognose aus. Mit dem Hochdruckeinfluss ist weitgehend trockenes Wetter über dem Norden und mit den Tiefdrucksystemen ist ein zu nasses Wetter über dem Süden zu erwarten. Entlang der Luftmassengrenze können die Niederschläge in Schnee übergehen.

Grenzwetterlage Anfang Dezember über Deutschland
Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Grenzwetterlage Anfang Dezember über Deutschland © www.meteociel.fr

Europäisches Vorhersage-Modell: Frostiges Dezemberwetter

Die Wetterprognose des europäischen Vorhersage-Modells bleibt auch heute anders strukturiert. Das Hochdrucksystem verlagert sich zum 26. November weiter nach Westen in Richtung Grönland, während die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik an Dynamik gewinnt. Über der Barentssee liegt ein Tiefdruckwirbel bereit, um nach Süden abzutropfen.

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Ein Hochdrucksystem über Skandinavien

Doch anstatt es der atlantischen Frontalzone gelingt, sich langsam bis nach Mitteleuropa durch zuschlagen, konzentriert sich das Hoch erneut über Skandinavien und blockiert die Tiefdrucksysteme zum 28. November nahezu vollständig auf dem Atlantik. In Folge daraus fließen kältere Luftmassen aus östlichen Richtungen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Blockierende Hochdruckwetterlage mit südlicher Unterwanderung kann für Schneefall sorgen

Der Zeitraum um den 1. Dezember kann sehr entscheidend sein für die weitere Wetterentwicklung in der ersten Dezember-Dekade. Warum? Das Hochdrucksystem bleibt bis Ende November in blockierender Position zwischen Skandinavien und dem westlichen Russland bestehen. Die atlantischen Tiefdrucksystem müssen aber unbedingt weiter nach Osten vorankommen und beginnen das Hoch am südlichen Gradienten zu unterwandern. Daraus entsteht eine über Deutschland dominierende Ostströmung. Gepaart mit einem leicht erhöhten Tiefdruckeinfluss sind zum Start in den Dezember Tagestemperaturen von -2 bis +5 Grad zu erwarten und Schneefälle bis ins Flachland möglich.

Schneefall wäre Anfang Dezember nicht auszuschließen
Berechnung der Großwetterlage nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Schneefall wäre Anfang Dezember nicht auszuschließen © www.meteociel.fr

Zum Dezember deutlich mehr Niederschläge

Geht es nach der Wetterprognose der Kontrollläufe, so zeigt sich ein zunehmend klarer werdender Wettertrend für Anfang Dezember. Ab dem 24. November nimmt die Niederschlagsberechnung zu und bleibt bis zum 6. Dezember erhöht. Über dem Norden, Osten und Westen etwas mehr wie über dem Süden.

Möchte man das interpretieren, so ergibt sich ab dem 24. November eine erhöhte Tiefdruckaktivität über Mitteleuropa, was die Chancen auf einen winterlichen Dezemberbeginn schmälert. Das zeigt sich auch im Temperaturspektrum, welches am 30. November zwischen -6 bis +13 Grad (Mittelwert: +5 Grad über dem Westen und Süden und +1 bis +3 Grad über dem Norden und Osten) und am 5. Dezember zwischen -6 und +11 Grad (Mittelwert: +6 Grad über dem Süden und Westen und +4 bis +5 Grad über dem Norden und Osten) liegt.

Wettermodelle zu kalt

Aus Sicht der Winterfreunde sind die extremen Berechnungen des amerikanischen Vorhersage-Modells sicherlich ein Augenschmaus, doch bestätigt werden diese in den Kontrollläufen nicht. Im Gegenteil: Es handelt sich um einen der kältesten Varianten und so ist in den kommenden Stunden mit Verwerfungen zu rechnen. Aber auch das europäische Vorhersage-Modell gehört zu den kälteren Varianten.

Diagramm Temperaturen Dezember 2018 vom 20.11.2018
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Dezember 2018 von zu kalt, normal, zu warm

Hop oder Top

So möchten wir das Fazit schließen. Zu unklar ist die Konstellation der Wettersysteme, wenngleich es mit einer erhöhten Tiefdruckdynamik eine höhere Wahrscheinlichkeit für mildere Temperaturen gibt. Aber das Hoch überrascht in diesem Jahr nicht zum ersten Mal. Was sich im Tagesverlauf verändert hat, klären wir heute Abend gegen 20:10 Uhr in einer Aktualisierung der Wetterprognose zum Wetter Winter 2018/19.

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