Vieles spricht für einen kalten bis nasskalten Start in den Dezember und wenig für warmes Wetter. Doch unterscheiden sich die Wetterprognosen der Wettermodelle noch erheblich. Von einem massiv gestörten bis hin zu einem sich stabilisierenden Polarwirbel ist alles möglich. Die Auswirkungen auf das Dezemberwetter wären enorm.

Die Prognose-Modelle haben für das Wetter Ende November und Anfang Dezember noch keine klare Linie gefunden. Zu unsicher ist die Wetterentwicklung im Verlauf der kommenden Woche, was in der Winterprognose bereits deutlich hervorgehoben wurde. Die Unsicherheit wurde aber im Tagesverlauf nicht beseitigt und schwankt weiterhin zwischen nasskaltem Herbstwetter und Vollwinter.

Der Vollwinter

Gerne benutzen wir diese Begrifflichkeit, wenn die Großwetterlage passt, die Temperaturen im Dauerfrostbereich sind und Schneefall zu erwarten ist - Vollwinter eben. Solch eine Berechnung lieferte heute Nachmittag das amerikanische Vorhersage-Modell ab. Das Hochdrucksystem positionierte sich vollständig über Island und Grönland und wirkte weit in den Polarwirbel hinein. Das entsprach nicht nur einer gestörten Zirkulation, dass sah schon fast wie eine vollständige Zerpflückung des Polarwirbels aus. Bevor dieser also überhaupt erst in Schwung kommt, bekommt er dermaßen einen Dämpfer verpasst, dass auch das Wetter im Dezember 2018 nachhaltig beeinflusst werden kann.

Der Wetter Dezember 2018 in Eis und Schnee?
Das Wetter Dezember 2018 mit Eis und Schnee?

Parallelen zu 2010 waren wieder deutlich zu erkennen. Kurz zur Erinnerung: 20. November 2010 Kaltlufteinbruch über Deutschland Aufgrund eines Hochdrucksystems über Island/Grönland mit nachfolgend deutlich zu kalten Dezemberwetter und weißen Weihnachten. Mehr zu den Parallelen zum Dezember 2010.

Der Polarwirbel gab Anfang Dezember in der Berechnung von heute Nachmittag  keine gute Figur ab - Tiefstes Winterwetter wäre die Folge daraus

Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell heute Nachmittag: Der Polarwirbel gab Anfang Dezember in der Berechnung von heute Nachmittag keine gute Figur ab - Tiefstes Winterwetter wäre die Folge daraus © www.meteociel.fr

Nasskaltes Erkältungswetter

Der Dezember gilt aus meteorologischer Sicht noch als gemäßigter Wintermonat und er ist mit einer durchschnittlichen Temperatur von +0,8 Grad noch der wärmste der drei Wintermonate. Anders formuliert ist ein nasskalter Wettercharakter im Dezember über Deutschland wahrscheinlicher als kaltes und schneereiches Winterwetter - erst recht um die Weihnachtszeit.

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Und eine für tiefe Lagen nasskalte Variante berechnete das amerikanische Wettermodell in seiner Abend-Prognose. Es lässt sich aber schon erahnen, dass das in der kommende Woche voraussichtlich entstehende Mittelmeertief eine entscheidende - nein, die entscheidende - Rolle für die Wetterentwicklung im Dezember 2018 einnehmen kann. Liegt es zu weit westlich, werden warme Luftmassen nach Norden geführt, liegt es weiter östlich, so werden die kalten Luftmassen arktischen Ursprungs nach Süden geführt. Wenige hundert Kilometer sind also entscheidend.

Jedenfalls wurde das Tief heute Abend westlicher berechnet, was den Kaltluftzustrom kurz vor Mitteleuropa blockiert und mit Tageswerten von +0 bis +5 Grad eher zu einer nasskalten Variante führen kann. Anfang Dezember aber ist und bleibt die Großwetterlage nach den aktuellen Berechnungen gestört. Von einem Westwindwetter mit milden Temperaturen ist in der aktuellen Wettervorhersage nichts zu erkennen und ist somit wenig wahrscheinlich. Das hält die Optionen für einen winterlichen Dezemberstart weiterhin offen und in den nächsten Stunden ist noch mit einigen Veränderungen in den Simulationen der Wettermodelle zu rechnen.

Gestörte Zirkulation Anfang Dezember hält die Optionen auf Winterwetter offen

Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell heute Abend: Gestörte Zirkulation Anfang Dezember hält die Optionen auf Winterwetter offen © www.meteociel.fr

AO- und NAO-Index negativ

Beide Randfaktoren bleiben werden heute weiterhin negativ simuliert, was im Grunde auf ein Hochdrucksystem im Bereich zwischen Grönland und Island hindeutet. Das spricht ganz klar für eine nasskalte Nordwest bis kalte Nordwetterlage - bis in den Dezember hinein.

Wettertrend der Kontrollläufe: Winterliche Wetterverhältnisse Anfang Dezember möglich

Der Temperaturmittelwert der Kontrollläufe wird am 26. November zwischen +0 und +2 Grad über dem Süden, Westen und Norden und bei -1 Grad über dem Osten berechnet. Am 1. Dezember liegt der Mittelwert zwischen -1 bis +1 Grad. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit ist zwischen dem 20. und 23 November erhöht und sinkt darüber hinaus in den leicht erhöhten Bereich ab. Anders formuliert ist nach den Kontrollläufen die Trockenperiode mit dem Beginn der letzten Novemberdekade vorbei.

Diagramm Temperaturen Dezember 2018 vom 15.11.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Dezember 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Die kommenden Stunden und Tage bleiben - auch Sicht der Wetterentwicklung - äußerst spannend und es wird sich zeigen müssen, ob der Polarwirbel gleich zum Start in den Winter einen kräftigen Dämpfer erhält, oder ob das System nun so langsam in Schwung kommt.

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