Das amerikanische Wettermodell machte den Winterfans in den letzten Tagen ein wenig Hoffnung auf einen Wintereinbruch bis auf tiefere Lagen herab, welcher unter günstigen Voraussetzungen auch bis in den Dezember 2017 hinein hätte anhalten können. Aber schon die Kontrollläufe deuteten es an, dass es sich beim amerikanischen Wettermodell entweder um einen frühen Trendsetter oder um einen viel zu kalten Ausreißer handelte. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis diese Simulationen sich anpassen würden, was bereits gestern Abend geschehen ist und heute erneut bestätigt wird.

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Milde Luft in den letzten Herbsttagen

Der Herbst neigt sich seinem Ende entgegen und die Wettermodelle berechnen nun einheitlich Temperaturen, welche im Zeitraum vom 22. bis 27. November im Bereich zwischen +8 bis +15 Grad und örtlich noch darüber liegen können. Man ist also den Frühlingstemperaturen näher als den winterlichen.

Der Grund hierfür ist die atlantische Frontalzone, welche sich zwischen Island und England positionieren und im Verbund mit einem Hochdrucksystem über der Mittelmeerregion die warmen Luftmassen nach Mitteleuropa führt. Bei uns intern führen wir den Spruch "warm gewinnt immer". Warum ist das aber so, warum haben Kaltlufteinbrüche über Deutschland seltener eine Chance? Das liegt daran, dass Deutschland in einer gemäßigten Klimazone liegt. Die durchschnittliche Temperatur über alle Wintermonate hinweg beträgt +0,2 Grad (inkl. der Nächte) und zeigt, dass das mit einem Kaltlufteinbruch gar nicht so einfach ist. In den letzten Jahren lagen die durchschnittlichen Wintertemperaturen bei etwa +1 Grad. Der Klimawandel trägt also dazu bei, dass richtig winterliche Großwetterlagen zunehmend seltener werden.

Typisches Dezemberwetter
Typisches Wetter Anfang Dezember

Wettertrend Dezember 2017

Wie aber könnte das Dezemberwetter ausfallen? Eine Mildphase hält sich zumeist 4 bis 7 Tage, bevor ein neuerlicher Wetterumschwung möglich ist. Häufiger hält sich die Großwetterlage aber noch etwas länger, was einen milden Dezemberstart zum heutigen Stand wahrscheinlicher macht. Das passt auch ganz gut zu den statistischen Beobachtungen der letzten Jahre. Ein Wintereinbruch ist demnach weniger wahrscheinlich als eine Tiefdruckdominanz mit milden Temperaturen. Erst im zweiten Dezemberdrittel zeigt sich häufiger einmal der Winter.

Die Wettermodelle lassen zum heutigen Stand den Spielraum für eine Veränderung der Großwetterlage zum Dezemberbeginn offen. Allen voran das europäische Wettermodell, welches die atlantische Frontalzone bereits zum 27. November wieder über Skandinavien berechnet. So hätte die Milderung lediglich einen Bestand von 4 Tagen. Im Wesentlichen gibt es aber drei wahrscheinliche Wetterentwicklungen.

  1. In der ersten Variante positioniert sich die atlantische Frontalzone über Skandinavien und sorgt für ein wechselhaften, unbeständigen, windigen und gemäßigt kühlen Wettercharakter. Mit anderen Worten wäre eine turbulente Westwetterlage Anfang Dezember die wahrscheinlichste Variante hieraus.
  2. In der zweiten Option positioniert sich ein Tiefdrucksystem über der Barentssee und leitet mit hohem Luftdruck über Grönland und Island den Zustrom kühler, teils auch kalter Luftmassen nach Süden in Richtung Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Ein nasskalter bis winterlicher Dezemberstart wäre nach dieser Variante wahrscheinlicher.
  3. Die dritte Wetterentwicklung zeigt sich in einem altbewährten Muster. Hoher Luftdruck über der Mittelmeerregion bis über das östliche Europa und lässt die atlantische Frontalzone über Mitteleuropa auflaufen. In Folge dessen wäre mit einem milden Dezemberwetter zu rechnen.

Dezember 2017 zu warm?

Wie stehen die Wahrscheinlichkeiten? Die viel zu warmen Luftmassen werden nicht ewig bestand haben, was zum heutigen Stand eine Normalisierung der Temperaturen Anfang Dezember wahrscheinlicher macht. Unterstützt wird dieser Trend von den Kontrollläufen. So liegt das Temperaturspektrum bspw. am 2. Dezember zwischen -4 bis +11 Grad bei einem Mittelwert von +6 Grad, welcher für Anfang Dezember als normal bewertet werden kann. Deutlicher zeigt sich das im nachfolgenden Diagramm.

Diagramm Temperaturen im Dezember 2017 vom 17.11.2017

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe im Dezember 2017 von zu kalt, normal, zu warm.

Das Langfristmodell berechnet das Wetter im Dezember 2017 - zum heutigen Stand - mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad zu warm bis deutlich zu warm. In der Niederschlagsprognose zeigt sich ein leicht zu nasser Westen, sonst wenig Abweichungen gegenüber dem Sollwert. Heute Abend erfolgt ein kurzes Update der Wetterprognose Winter 2017/18 mit der Zusammenfassung des Tages.

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