Die in den letzten Tagen nicht ganz alltäglichen Simulationen der Wettermodelle für den Zeitraum Ende November, Anfang Dezember bleiben auch heute bestehen. Zwar sind die Auswirkungen auf den ersten Blick auf das Wetter über Deutschland, Österreich und die Schweiz wenig spektakulär (mild, nasskalt, wenig Niederschlag), doch das Entwicklungspotential reicht Anfang Dezember von "Vorfrühling" über nasskalt bis hin zu Winter - entscheidend wird sein, wie sich die Systeme zueinander positionieren werden können.

Auslöser der möglichen Turbulenzen ist ein Hochdrucksystem, welches sich im Verlauf der letzten November-Drittels über das nördliche Europa bis nach Kanada erstrecken kann. In Folge dessen verschiebt sich der "aktive" Kältepol von Grönland in Richtung Sibirien, was die Wetterküche auf dem Atlantik aufgrund fehlender Temperaturgegensätze (kalt und warm) deutlich abschwächen kann. Interessant ist die Simulation des amerikanischen Wettermodells, welches das Hochdrucksystem bis zum 1./2. Dezember über Grönland mit einem Kerndruck von bis zu 1070 hPa berechnet - das kommt so nicht alle Tage vor! Da sich das Hochdrucksystem im Uhrzeigersinn dreht, können auf seinen östlichen Gradienten kalte Luftmassen nach Süden und auf seiner Westseite entsprechend warme Luftmassen nach Norden transportiert werden.

Somit ergibt sich bei einem Eintreten der Simulation für Winterfans eine wichtige Erkenntnis: Die "Tiefdruckpumpe" auf dem Atlantik, welche mit einem nicht enden wollenden Kaltluftstrom vom östlichen Kanada in Richtung Neufundland für die letzten drei zu warmen Winter verantwortlich war, wird wohl mit höherer Wahrscheinlichkeit Ende November, Anfang Dezember außer Kraft gesetzt werden können. Welche Großwetterlage sich daraus entwickeln kann, bleibt zum heutigen Stand noch ungewiss, nicht selten entstehen aber durch solche Konstellationen kühlere Nordwest-, z.T. auch kalte Nordwetterlagen und unter bestimmten Voraussetzungen auch wärmere Südostwetterlagen (wenn die Tiefdruckrinne zu weit nach Süden ausweicht).

Was ist derzeit die wahrscheinlichere Variante für Deutschland? Die Kontrollläufe stützen Anfang Dezember einen nasskalten Temperaturtrend, bei der das Temperaturspektrum mit seinem Mittelwert bspw. am 2. Dezember mit +3/+6 Grad im wenig winterlichen Bereich bewegen kann, aber durchaus Schneeoptionen ab den mittleren Lagen in Aussicht stellt.

Der Polarwirbel selbst wird von den Wettermodellen weiterhin in einer instabilen Verfassung simuliert, was stärkere Wellenbewegungen entlang der sog. Polarfront zur Folge haben kann. Anders ausgedrückt ist das mit unter auch der Grund für eine höhere Wahrscheinlichkeit von möglichen Trogwetterlagen über Mitteleuropa Ende November, Anfang Dezember. Der AO-Index (vereinfacht: Zustand des Polarwirbels) wird seit Tagen für Anfang Dezember konstant in die negative Richtung berechnet, was eine Westwetterlage wiederum weniger wahrscheinlich macht, zumal der NAO-Index (vereinfacht - positiv: Tief Island, Hoch Azoren; negativ: Hoch Island, Tief Azoren) ebenfalls negativ simuliert wird. Gegen 20:45 Uhr erfolgt an dieser Stelle heute Abend eine kurze Aktualisierung des Wettertrend Dezember.
Update Wetter Dezember:
Das amerikanische Wettermodell berechnete heute im Tagesverlauf für Anfang Dezember durchaus auch kältere Varianten, welche bis in tiefere Lagen für Schneefall sorgen könnten. Der Ablauf der Großwetterlage ist dabei immer der gleiche gewesen. Das Hochdrucksystem positioniert sich über Grönland mit einer nach Süden verlaufenden Hochdruckachse, während östlich davon ein Tiefdrucksystem im Verbund mit dem Hoch kalte Luftmassen arktischen Ursprungs nach Süden bis über Deutschland, Österreich und die Schweiz führen kann.

An dieser Stelle sei jedoch angemerkt, dass dies die kälteren Varianten der Kontrollläufe darstellt - die Mehrheit berechnet den Temperaturmittelwert Anfang Dezember im nasskalten Bereich (+2/+6 Grad), was Schneefall allenfalls ab den mittleren Lagen ermöglichen könnte. Die Simulation ist also noch mit einer gewissen Vorsicht zu konsumieren.

Sowohl der AO-, als auch NAO-Index werden bis auf weiteres im negativen Bereich simuliert. Beide Wettermodelle berechnen weiterhin die Störung des Polarwirbel im Bereich zwischen Alaska und Grönland in Form von hohen Luftdruck (bis 1070 hPa) und höhenmilder Temperaturen - der Kältepol liegt zwischen der Karasee und dem östlichen Sibirien (Tageshöchstwerte zwischen -38/-28 Grad und in den Nächten bis -45 Grad). Grundsätzlich sind die Bedingungen für einen kühlen/kalten Start in den Dezember weiterhin als wahrscheinlich zu bewerten.

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