Das Wetter im November endet mild, stürmisch und über exponierte Lagen sind zum heutigen Stand auch Extremwindereignisse nicht auszuschließen. Der Grund hierfür ist die Komprimierung zwischen den Gradienten eines Tiefdruckkomplexes über Island/Skandinavien und einem Hochdrucksystem über dem westlichen Mittelmeer. Im Verbund beider Systeme zueinander kommt der Wind aus westlichen Richtungen und führt wärmere Luftmassen nach Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei die Schneefallgrenze auf etwa 1.200 bis 1.500 Meter ansteigen kann.

An dieser stürmischen, milden und unbeständigen Wetterlage wird sich in den ersten beiden Dezember-Tagen nur wenig verändern, bevor zum 3. Dezember sich die atlantische Frontalzone mit "voller Wucht" bis über das östliche Skandinavien durchsetzen kann. Das verhindert im Wesentlichen zunächst eine Aufwölbung des Hochdrucksystems über Mitteleuropa, wie es in den vergangen Tagen noch von den Wettermodellen simuliert wurde. Daraus ergeben sich weitere Möglichkeiten für die weitere Wetterentwicklung bis zum 6. Dezember, bei der sich die Wettermodelle zunehmend differenzieren.

Das amerikanische Wettermodell simuliert im Zeitraum 3./5. Dezember einen recht kräftigen Kaltluftvorstoß über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland, was über dem östlichen Grönland ein kräftiges Tiefdrucksystem initialisieren kann - der berechnete Kerndruck liegt bei knapp 940 hPa, welcher auf dem Atlantik für Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 km/h sorgen kann. Durch dieses Tief kann die Tiefdruckrinne nicht mehr konstant von Südwest nach Nordost verlaufen, sondern dreht sich bei Grönland/Island ein. Gleichzeitig sorgt das über Skandinavien liegende Tiefdrucksystem bis zum 6. Dezember für die Advehierung kühlerer Luftmassen aus nördlichen Richtungen. Beide Tiefdrucksysteme "regen" das Hochdrucksystem dazu an, sich gen Norden aufzuwölben - nach der heutigen Simulation geschieht das in steiler Formation zwischen England und Skandinavien, so dass Deutschland, Österreich und die Schweiz auf der östlichen Gradientenseite des Hochdrucksystems liegen kann - unter diesen Voraussetzungen strömt die kühle Luft aus dem Norden allmählich bis an die Alpen und erreicht zum 6. Dezember die Mittelmeerregion. Sollte diese Simulation eintreten, so wäre zum 6. Dezember bereits Dauerfrost bis in tiefere Lagen möglich. Ein kleinräumiges Tiefdrucksystem über dem östlichen Mittelmeer könnte zudem über dem Süden noch für etwas Niederschlag sorgen, welcher bis in tiefere Lagen in Schnee übergehen kann.

Anders hingegen ist die Simulation des europäischen Wettermodells. Nach dessen Berechnungen verlagert sich das Hochdrucksystem mit der zunehmenden Tiefdruckaktivität bis zum 6. Dezember über das östliche Europa, so dass das Strömungsmuster südwestlich geprägt bleibt. Anders ausgedrückt bleibt es nach dem europäischen Wettermodell bis zum 6. Dezember mild, windig und unbeständig.

Mild oder kalt - was ist wahrscheinlicher? Die Kontrollläufe bestätigen die Simulation des amerikanischen Wettermodells keineswegs - noch nicht einmal Ansatzweise. Insofern sind normale bis zu warme Temperaturverhältnisse im Zeitraum 1./6. Dezember wahrscheinlicher als zu kalte. Das Temperaturspektrum liegt am 1. Dezember bei +4/+12 Grad (Mittelwert: +9/+11 Grad) und am 6. Dezember zwischen -1/+12 Grad (Mittelwert: +5/+6 Grad). Nichtsdestotrotz ist die Simulation des amerikanischen Wettermodells als Signal zu interpretieren auf die unterschiedlichsten Ausprägungsmöglichkeiten des Hochdrucksystems, auf welche wir bereits gestern näher eingegangen sind. Ob sich der Winter tatsächlich noch im ersten Dezember-Drittel durchsetzen könnte, klären wir gegen 17:00 Uhr in einer neuen Winterprognose.

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