Bereits gestern zeigt sich im Zeitraum 26./31. Juli in den Simulationen der Wettermodelle mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Abbau der aktuellen Hochdruckbrücke zwischen der Mittelmeerregion und Skandinavien mit einem darauf folgenden südwestlich orientiertem Zirkulationsmuster. Diese Entwicklung bestätigt heute sowohl das amerikanische, als auch europäische Wettermodell, so dass die Wahrscheinlichkeit einer längeren Hochdruckphase oder gar einer sog. Omegawetterlage sehr gering ausfällt (s. Wettervorhersage Sommer 2016).

Viel wahrscheinlicher ist eben diese Südwestwetterlage. Für welche Wetterentwicklung kann diese Anfang August 2016 verantwortlich sein? Zunächst einmal klassisch "Südwest". Hierbei kann sich eine Tiefdruckrinne zwischen Island, England und Skandinavien ausbilden, während es dem Azorenhoch gelingt, eine Hochdruckbrücke über dem Mittelmeer/Deutschland bis über das östliche Europa zu positionieren. So ist das Wetter bei einer Südwestwetterlage über dem Nordwesten und Norden generell unbeständiger und auch kühler als über dem Südosten.

In der zweiten Variante dehnt sich der Hochdruckkeil des Azorenhochs weiter nach Norden aus, so dass Deutschland, Österreich und die Schweiz überwiegend im Einflussbereich des Hochdrucksystems liegt, die Grundströmung jedoch weiterhin südwestlich geprägt ist, was eine geringere Niederschlagsneigung und höhere Temperaturwerte zur Folge haben kann.

In der dritten Variante verlagert sich die Tiefdruckrinne mehr und mehr über den skandinavischen Raum, was das Zirkulationsmuster auf westliche Richtungen drehen kann. In Folge daraus kommt es mit einem auflebenden Wind aus westlichen Richtungen zu einem unbeständigeren und auch kühleren Wettercharakter.

Ein Abwandlung der dritten Variante stellt die vierte Variante dar. Auch hier positioniert sich die atlantische Frontalzone über dem skandinavischen Raum, greift jedoch mit seinen südlichen Gradienten auf Mitteleuropa über, so dass der Hochdruckkeil des Azorenhochs seinen Einfluss auf Deutschland, Österreich und der Schweiz gänzlich verliert und stattdessen sich im Bereich Azoren/Island nach Norden aufstellt. Das wäre für alle die die Urlaubs-, bzw. Ferienzeit in Deutschland geplant haben das sog. "Worst-Case" Szenario. Warum? Das Zirkulationsmuster meridionalisiert zunehmend (Süd-Nord, Nord-Süd), bei der Deutschland, Österreich und die Schweiz in eine unbeständige und nördlich ausgerichtete Strömung gelangen kann. Kühles Schauerwetter wäre in dieser Variante die wahrscheinlichste Option für Anfang August 2016.

Vier Varianten - welche davon ist am wahrscheinlichsten? Die Kontrollläufe stützen für Anfang August mehrheitlich eine Variante, welche zwischen einer West- und Nordwestwetterlage liegt. Anders formuliert wohl eher kühler und wechselhafter. Deutlicher zeigt sich das anhand der Mittelwerte des Temperaturspektrums, welche vom 1./4. August über dem Norden und Westen bei +20 Grad und über dem Süden und Osten bei +21/+22 Grad liegen können. Zum Vergleich: aktuell liegen die Mittelwerte bei +28/+30 Grad. Gegenüber dem vieljährigen Mittelwert liegen prognostizierten Werte der Kontrollläufe für Anfang August um 1 bis 3 Grad im zu kühlen Bereich. Scheint doch alles klar zu sein? Beim Wetter in grundsätzlich keine Vorhersage "klar" und das zeigt sich auch heute. Denn betrachtet man die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+19) / normal (+20/+25) / zu warm (>+25), so liegen diese am 30. Juli bei 25/50/25 und am 4. August bei 35/35/30 und zeigen ein Wahrscheinlichkeitsverhältnis, welches Anfang August 2016 noch in alle Richtungen gehen kann.

Das Langfristmodell berechnet in seiner heutigen Wetterprognose August 2016 ein gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu trockenen und leicht zu warmen Süden, während über dem Norden "normale" Wetter- und Temperaturverhältnisse erwartet werden können. Das wiederum spricht für ein südwestlich orientiertes Zirkulationsmuster. Geht es nach dem aktuellen Wettertrend des Langfristmodells des Deutschen Wetterdienstes für dem Sommer 2016 (Juni, Juli und August), so zeigt sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent ein zu kühler, mit 49 Prozent ein normaler und mit 26 Prozent ein zu warmer Sommer 2016. Das sah vor ein paar Wochen noch anders aus, als die Wahrscheinlichkeit demnach mit 50 Prozent für einen zu warmen Verlauf des Sommers sprach. In Summe ergibt sich hieraus eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen "normalen" Sommerverlauf, wie wir ihn bereits seit einigen Wochen in Aussicht gestellt haben - aber beim Wetter ist ja grundsätzlich immer alles möglich!

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