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Super-El-Niño trifft auf rekordwarme Meere - Was vom Winter 2026/27 zu erwarten ist

| M. Hoffmann

Wie wird der Winter 2026/2027? Der Frühling und der Sommer waren geprägt von einem schwachgradientigen Strömungsmuster, das im Frühjahr und im Juni und Juli insbesondere über dem Süden, Osten und Westen zu einer Dürre führte, welche nach Süden hin außergewöhnlich und regional auch katastrophal verlief. Mit ein Grund waren der zu warme Nordatlantik und das rekordwarme Mittelmeer. Und da beginnt es im Hinblick auf den Winter interessant zu werden. Welche Auswirkungen hat das derzeitige Setup auf das Wetter im Herbst und Winter - und wie stehen die Chancen auf Schnee, Eis und Frost - und sorgen die zu warmen Meere möglicherweise für ein Schneechaos und welchen Einfluss hat der Super-El-Niño auf den Winter in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Wie wird das Wetter im Herbst und Winter 2026/27? © Martin Bloch
Wie wird das Wetter im Herbst und Winter 2026/27? © Martin Bloch

Während über Deutschland die nächste Hitzewelle hinwegrollt, stellen wir die Frage nach dem Winter. Sind wir verrückt? Ein wenig ja, doch hauptsächlich liegt das an der fortgeschrittenen Jahreszeit, da der Sommer Mitte August dann in den Spätsommer übergeht und wir den Herbst mit in der Rubrik des Winters behandeln, wird es höchste Zeit, die Rubrik für den Herbst und Winter zu veröffentlichen.

Auffällig ist, dass die atlantische Frontalzone seit geraumer Zeit keine Rolle mehr spielt. Stattdessen wölben sich imposante Hochdrucksysteme weit nach Norden auf und positionieren sich im Jahr 2026 häufig als Blockadehochs. Entweder über Mitteleuropa oder auf dem Atlantik. So kam es bereits an Pfingsten - im Mai - zur ersten Hitzewelle, welche im Juni eine historische Hitzewelle mit einer Temperatur von +41,8 Grad, einem neuen Allzeitrekord, zur Folge hatte.

Ende Juli und Anfang August intensiviert sich die Hitze wieder und erste Modelle berechnen für den 3. und 5. August teils Temperaturen von bis +40 Grad. Doch gibt es auch Anzeichen einer Umstellung der Großwetterlage über den 7. August hinaus. Das Wetter ist in diesem Jahr von einem meridionalen Einfluss geprägt. Die Hitzephasen wurden durch kühlere Phasen ergänzt, was jedoch ausblieb, war der Niederschlag. Der Februar war seit Oktober der einzig zu nasse Monat, der Rest war teils erheblich zu trocken. Was, wenn sich das bis in den Winter hinein nicht ändert und was ist, wenn sich die Großwetterlage im August doch vollständig umstellen kann. Werden dann Störimpulse mit ihrem quasistationären Verhalten im Winter dann unwetterartigen Dauerschneefall auslösen oder zu extremem Dauerniederschlag mit Hochwasser führen können? Spannende Fragen, die es in den kommenden Wochen und Monaten zu klären gilt.

Wie wird der Winter?

Freunde des Winterwetters warten sehnsüchtig auf einen normalen bis kalten Winter. Andere wiederum fragen sich, was mit dem Winterwetter los ist und da gibt es auch eine Gruppe an Menschen, welche allzu gerne auf den Winter verzichten können. Das Wetter wird es also mal wieder nicht allen recht machen können.

Rückblickend waren die Wintermonate der vergangenen 13 Jahre allesamt zu warm. Zählt man die nur leicht zu warme Wintersaison von 2012/2013 (+0,1 Grad) hinzu, sind es bereits 15 zu warme Winter in Folge. Eine derartige Aneinanderreihung von zu warmen Wintern war in den vergangenen 143 Jahren nicht zu beobachten. Kein Wunder also, dass die durchschnittliche Abweichung der Wintermonate der letzten 20 Jahre bei +1,7 Grad über dem langjährigen Mittel liegt. Und es gibt Jugendliche im Alter von 15 Jahren, die noch keinen einzigen zu kalten Winter erleben durften.

Der Temperaturanstieg von +1,7 Grad erklärt auch, warum der Flachlandwinter immer seltener geworden ist und selbst mittlere Lagen zwischen 300 und 600 Metern Schnee kaum noch zu Gesicht bekommen und Frost nur selten spüren. Die Frostgrenze schwankte in den letzten Wintern meist zwischen 500 und 800 Metern. Früher lag sie zwischen 300 und 600 Metern. Den einen freut es, den anderen nicht. Winterwetter polarisiert - keine Frage.

Klimaerhitzung macht dem Winter besonders zu schaffen

Wir haben in unseren Daten und Fakten über den Winter eine interessante Aufstellung erarbeitet, die einen kausalen Rückschluss ermöglicht.

Kein Winter mehr? Das Klimamittel von 1991 bis 2020 unterscheidet sich im Vergleich zu 1961 bis 1990 um +1,2 Grad. Das bedeutet: Binnen 30 Jahren sind die Winter deutlich wärmer geworden. Parallel dazu gingen die Schneetage - also Tage mit geschlossener Schneedecke - um durchschnittlich 10 Tage zurück. Anders formuliert: Mit jedem zusätzlichen Grad sinkt die Anzahl der Schneetage um etwa 8,5 Tage.

Ähnliches zeigt sich bei anderen wintertypischen Parametern. Kurzum: Selbst unter optimalen Voraussetzungen reicht es kaum noch aus, um einen Winter als normal zu bezeichnen.

Vergleich: Temperatur (ohne Nachtwerte), Niederschlag, Regentage, Sonnenscheindauer, Schneetage und Wintertage gegenüber dem Klimamittel 1961–1990 (in Klammern: Mittelwert 1991–2020)
Region Temperatur
(°C)
Regen
(l/m²)
Regentage
(>1 l/m²)
Sonne
(h)
Schneetage
(Tage)
Wintertage
(Tage)
Deutschland +9,0
(+10,0)
174,6
(188,9)
32,3
(34,1)
157
(172)
34,9
(23,7)
22,7
(16,3)

Winterprognose nach der Statistik - in 70 Prozent der Fälle zu warm

Berücksichtigt man ausschließlich die statistischen Daten, ergibt sich eine deutlich zu warme Wintersaison 2026/2027. Noch klarer wird dies, wenn man die Monate Dezember bis Februar der letzten 20 Jahre in Relation setzt: Nur 15 Prozent der Winter waren zu kalt, weitere 10 Prozent lagen im Normalbereich und ganze 75 Prozent waren zu warm - teils deutlich zu warm. Darunter auch der Rekordwinter 2007, der mit einer Abweichung von +4,18 Grad vom langjährigen Mittel den Rahmen sprengte.

Schwindender Frost

Auch bei der Anzahl der Frosttage zeigt sich ein eindeutiger Trend. Frosttage gelten als solche, wenn die Temperatur innerhalb von 24 Stunden - auch nur kurzzeitig - unter +0 Grad sinkt. Zwischen 1961 und 1990 lag der Durchschnitt bei 56,7 Tagen, in den letzten 25 Jahren waren es nur noch 49 Tage - ein Rückgang um 7,7 Tage, Tendenz weiter rückläufig.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es braucht keinen Propheten oder Experten. Die Klimaerhitzung begünstigt überproportional zu warme Winter. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent ist das eine klare Aussage. Kurzum - statistisch betrachtet ist ein zu warmer Winter 2026/2027 sehr wahrscheinlich.

Das Wetter hält sich nicht an die Statistik

Aber so einfach ist es dann auch wieder nicht, denn das Wetter folgt keinen Statistiken - wäre auch zu schön. Es gibt immer wieder Ausreißer. Ein genauer Blick auf den Winterverlauf über Deutschland zeigt: Der Winter startet nasskalt, wird in der zweiten Dezember-Dekade vorübergehend kälter und wird um die Weihnachtszeit wieder milder. Der Januar ist typischerweise der Hochwinter. Kommt er, ist auch der Februar häufig betroffen. Bleibt er aus, dominiert weiter nasskaltes Wetter.

Und genau das zeigt sich immer wieder: Die Winter in Deutschland sind selten extrem, meist gemäßigt - häufig nasskalt und maritim geprägt (Westwetterlage). Allerdings trifft das nicht mehr uneingeschränkt zu. In den letzten Jahren verlagerte sich das Strömungsmuster zunehmend in Richtung Südwest- bis Südwetterlagen (Vorderseitenanströmung).

Was für einen kalten bis normalen Winter 2026/2027 spricht

Gewagte These - doch gibt es Faktoren, die für einen normalen oder kalten Winter sprechen, sind jedoch in der kommenden Saison eher schwach ausgeprägt. Einzig eine meridional getriggerte Grundströmung könnte unter bestimmten Bedingungen einen zu kalten Winter ermöglichen. Man hat diese kühleren Phasen im Sommer gut beobachten können und sollte so ein Trog an der richtigen Stelle in Richtung der Alpen donnern können, zaubert das ein Lächeln in die leidgeplagten Gesichter der Freunde des Winterwetters.

Wer uns kennt, weiß, dass wir kalten Wetterlagen gegenüber einer Hitze den Vorzug geben. Winterwetter fasziniert durch seine Vielfalt und markanten Lagen. Kurzum - bei einem echten Winter mit viel Eis und Schnee geht – zumindest uns – das Herz auf. Einerlei: Das ist nicht jedermanns Sache und wir bemühen uns um Neutralität. Manchmal jedoch geht einem der Gaul durch, wenn sich am 60. Wintertag noch immer keine Wetterkarte mit winterlichen Aussichten zeigt.

Aber gut, wenden wir uns einer Entwicklung der Großwetterlage zu, die einen knackig kalten und schneereichen Winter über Deutschland begünstigen könnte. Solche Wetterlagen gehören zu den meridionalen Strömungen, die seit 2018 häufiger auftreten und die Etablierung einer milden Westwetterlage erschweren.

Was zu einem kalten Winter führen kann: In diesem speziellen Fall stellt sich im Herbst eine meridionale Nord-Süd-Wetterlage ein, die über den Winter hinweg bestehen bleibt. Aus nördlichen Richtungen wird über die warme Nord- und Ostsee feuchte Luft nach Deutschland transportiert. In Verbindung mit Hebungsvorgängen entstehen Stauniederschläge, die überwiegend als Schnee fallen können - nahezu ideale Voraussetzungen. Vergleichbare Muster traten in den kälteren Wintern 2008 bis 2012 und über Norddeutschland auch im Januar 2026 auf.

Wie stehen die Chancen für eine meridionale Wetterlage? Grundsätzlich gut. Seit 2018 sind diese dominierend. Es gibt jedoch aus Sicht der Freunde des Winterwetters einen Haken!

Ein rekordwarmer Winter

Meridional bedeutet eine Nord-Süd- oder Süd-Nord-Strömung. Geht ein Trog bspw. westlich von Deutschland nieder (wie so oft), kommt es zu einer Süd-Nord-Anströmung und ein weiterer Supermildwinter droht.

Wie erwähnt - eine These, die sich am bisherigen Verlauf des Jahres 2026 orientiert. Zum gestörten Zirkulationsmuster in diesem Jahr kommt eine Besonderheit hinzu: die schwachgradientige Luftmasse, die ohne nennenswerte Dynamik umherwabert und die Niederschlagsaktivität auf hohem Niveau halten kann. Vor diesem Hintergrund sind im Winter die meridional getriggerten Grundströmungen aus nördlichen Richtungen mithilfe einer Störung über Skandinavien nicht auszuschließen. Also ja, die Grundvoraussetzungen sind mit potentiellen Trogwetterlagen dieses Mal anders als in den vergangenen Jahren.

Ausgleichsverhalten und Erhaltungsneigung

Um diese zwei Langzeitkorrelationen geht es auch in der kommenden Wintersaison. Was das bedeutet? Stark vereinfacht: Man spricht bei wiederholt auftretenden und stabilen Großwetterlagen von einer Erhaltungsneigung, die sich über Monate mit dem immer gleichen oder ähnlichen Muster zeigen kann. Tritt ein Wechsel ein, spricht man vom Ausgleichsverhalten, das seinerseits nach längerer Dauer erneut in eine Erhaltungsneigung übergehen kann.

Warum sind die Winter so warm geworden?

In den deutlich zu warmen Wintermonaten fielen besonders die Strukturen innerhalb des Polarwirbels auf - gut erkennbar anhand von Wetterkarten. Der Polarwirbel war äußerst instabil, doch das sogenannte Displacement führte mit Hochdruckzentren zwischen dem westlichen Kanada, Alaska und Sibirien zu einem Kaltlufttransport über das östliche Kanada. Diese Grundströmung ließ sich auch in den Winterjahren 2018/19, 2019/20, 2020/21, 2022/23, 2023/24 beobachten.

Setzt sich diese Grundströmung einmal in Bewegung, ist vom mitteleuropäischen Winter nicht viel zu erwarten. Warum? Ständig werden Kaltluftmassen in Richtung Kanada gelenkt und treffen bei Neufundland auf den warmen Atlantik - was die Tiefdruckproduktion ankurbelt und das System zur Erhaltung zwingt. Ein Tief nach dem anderen zieht daraufhin in Richtung Mitteleuropa und sorgt für einen feuchten, milden Winter. Spielt sich dieses System frühzeitig ein, liegen die Nerven der Winterfans ebenso frühzeitig blank.

Kaltluftausbrüche über dem östlichen Kanada sorgen über Mitteleuropa für turbulente Wetterlagen und einen häufig zu milden Winter
Kaltluftausbrüche über dem östlichen Kanada sorgen über Mitteleuropa für turbulente Wetterlagen und einen häufig zu milden Winter © www.meteociel.fr

Die Ausnahme zeigte sich im vergangenen Winter - die Grundvoraussetzungen waren mit einem äußerst schwachen Polarwirbel, einem verfrühten Major-Warming und einem QBO-Ost optimal - auch das Strömungsmuster war über weite Strecken gestört, doch reichte es mit einer Anomalie von +1,45 Grad einfach nicht für einen normalen Winter, wobei der Januar ein normaler Januar war.

Ein weiterer Erklärungsversuch liegt im Rückgang der arktischen Meereisfläche. Wer möchte, kann sich tiefer in das Thema einlesen (Warum die Winter immer wärmer werden). Zusammengefasst verlagert sich die Tiefdruckaktivität weiter nach Norden und der Hochdruckgürtel folgt nach. Mitteleuropa gerät zunehmend unter den Einfluss hohen Luftdrucks, was im Zusammenspiel mit den Tiefdruckgebieten zu einer verstärkt südwestlichen - und damit milden - Grundströmung führt.

Die Sonnenaktivität

Umstritten sind die Auswirkungen der Sonnenaktivität auf das Wetter. Sicher ist, dass sie einen Einfluss besitzt, doch in Zeiten der Klimaerhitzung spielen diese Effekte kaum mehr eine Rolle. Betrachtet man es umgekehrt, kann eine zunehmende Sonnenaktivität den Klimawandel zusätzlich verstärken.

Die Sonnenflecken - welche Rückschlüsse auf die Aktivität der Sonne zulassen - folgen einem festen 11-Jahres-Zyklus. Wie die Grafik zeigt, befindet sich die Sonnenaktivität aktuell in einer absinken Phase.

Je mehr Sonnenflecken vorhanden sind, desto aktiver ist die Sonne; ein Minimum deutet auf eine schwächelnde Sonne hin. Und die Folge? Die Annahme besagt stark vereinfacht:

Wenn sich die Sonnenflecken im Minimum befinden, strahlt die Sonne weniger UV-Strahlung ab. Weniger Strahlung bedeutet eine geringere Erwärmung der Erdatmosphäre, was eine Veränderung in der Zirkulation der beiden untersten Atmosphärenschichten - der Troposphäre und Stratosphäre - auslöst…

American Geophysical Union

Kurzum: Eine schwache Sonnenaktivität begünstigt in der These Turbulenzen innerhalb des Polarwirbels, wodurch die - weiter oben erwähnten - meridionalen Großwetterlagen häufiger auftreten können. Das erhöht die Schwankungen im Wetterverlauf und steigert die Wahrscheinlichkeit für Kaltluftausbrüche über Mitteleuropa mit Frost, Eis und Schnee. Doch auf die Hochdruckposition kommt es an. Die schönste meridionale Grundströmung nützt nichts, wenn sich das Hoch über Europa oder gar dem östlichen Europa befindet. Optimal für einen kalten und schneereichen Winter wäre hingegen eine blockierende Hochdrucklage auf dem Atlantik, die die Tiefdrucksysteme aufhält.

Sonnenaktivität und Sonnenzyklus 2026
Sonnenaktivität und Sonnenzyklus 2026 © www.meteociel.fr

Warum wir - trotz geringerer Einflüsse die Sonnenaktivität erwähnen? Ein Blick auf die Statistik zeigt: In Jahren mit Sonnenminima folgten den Tiefpunkten vermehrt Winter, die zu kalt oder im Normalbereich lagen. Zuvor hingegen häuften sich milde Winter (Ausnahme: der Zyklus Mitte der 70er-Jahre). Die Sonne hat ihr Maximum 2024/25 erreicht und strebt nun ihrem Minimum entgegen. Ein weiteres Argument für die Annahme eines zu warmen Winters. Auffällig: Nur zwei Winter (1969, 1981) waren nach oder während des Sonnenfleckenmaximums zu kalt.

Sonnenaktivität im Maximum

Temperaturabweichungen der Winter zum Sonnenfleckmaximum (Referenz: Klimamittel 1961–1990)
Winter Temperatur Abweichung
Maximum 14/15 +1,9 Grad +1,7 Grad
13/14 +3,4 Grad +3,2 Grad
Maximum 01/02 +2,0 Grad +1,8 Grad
00/01 +2,1 Grad +1,9 Grad
Maximum 91/92 +1,5 Grad +1,3 Grad
90/91 -0,1 Grad -0,3 Grad
Maximum 80/81 -0,4 Grad -0,6 Grad
79/80 +1,1 Grad +0,9 Grad
Maximum 70/71 +0,3 Grad +0,1 Grad
69/70 -2,8 Grad -3,0 Grad
Maximum 58/59 +0,8 Grad +0,5 Grad
57/58 +0,7 Grad +0,5 Grad
Maximum 1948/49 +1,3 Grad +1,0 Grad
47/48 +1,7 Grad +1,4 Grad

Sonnenaktivität im Minimum

Temperaturabweichungen Winter zum Sonnenfleckminimum
Winter Temperatur Abweichung
83/84 +0,5 Grad +0,25 Grad
84/85 -2,44 Grad -1,69 Grad
85/86 -0,86 Grad -1,11 Grad
86/87 -1,36 Grad -1,61 Grad
93/94 +2 Grad +1,8 Grad
94/95 +2,8 Grad +2,6 Grad
95/96 -2,3 Grad -2,5 Grad
96/97 -0,3 Grad -0,5 Grad
06/07 +4,38 Grad +4,2 Grad
07/08 +3 Grad +2,8 Grad
08/09 -0,2 Grad -0,4 Grad
09/10 -1,3 Grad -1,5 Grad
10/11 -0,6 Grad -0,8 Grad

Ein Einfluss: QBO - Quasi zweijährige Schwingung

Die QBO spielt im Gegensatz zur Sonnenaktivität eine gewichtigere Rolle. Sie beschreibt einen Zyklus, der sich etwa alle 2,2 Jahre wiederholt und die zonalen Winde in rund 20 bis 25 km Höhe von West-Ost auf Ost-West umschwenken lässt. Vereinfacht gesagt führt ein normaler Zustand häufig zu einer warmen West- bis Südwestwetterlage über Deutschland, Österreich und die Schweiz, während bei einer Umkehr auf Ost-West eher eine Nordwest- bis Ostwetterlage vorherrscht.

Bringt der QBO den Winter nach Deutschland?

Der letzte Umschwung war im vergangenen Winter. Der nächste QBO-Ost wird im Winter 2027/28 - dann aber in der Spätphase - erwartet. Und so kommt dessen Einflussnahme auf den Polarwirbel wohl zu spät. Aber einerlei - im Winter 2026/27 ist nicht mit einem QBO-Ost zu rechnen.

Ein QBO-Ost unterstützt eine gestörte Zirkulation, die im Winter oft mit einem Skandinavienhoch - gestützt durch das Kontinentalhoch - oder einem Blockadehoch auf dem Atlantik einhergeht. Mehr zum Thema QBO. Dennoch bleibt sie nur ein stützender und kein in Stein gemeißelter Faktor. Angesichts der Klimaerhitzung bleibt abzuwarten, wie stark der Effekt letztlich überhaupt noch ausfällt. Denn auch ein QBO-Ost führt nicht zwangsläufig zu einem eisig kalten und schneereichen Winter, sondern erhöht lediglich die Wahrscheinlichkeit dafür. Bleibt die Umkehr der Höhenströmung aus, unterstützt das einen zu warmen Winter.

Was spricht für eine zu warme Winterperiode 2026/27?

Bereits an den Randfaktoren ist erkennbar, dass vieles auf einen milden bis warmen Winter und wenig auf einen normalen bis kalten hinweist. Wie weiter oben erwähnt, spricht die Klimaerhitzung eine klare Sprache und hat einen weitaus stärkeren Einfluss als alle Randfaktoren zusammen. Anders ausgedrückt: Selbst optimale Rahmenbedingungen können einen durchschnittlich um +1,5 Grad zu warmen Winter nicht ausgleichen. Das hebt die Schneefallgrenze um 180 bis 250 Meter an, was einen Flachlandwinter und hochwinterliche Phasen unwahrscheinlich macht.

Die Klimaerhitzung bringt zudem Veränderungen wie die aus dem Tritt geratene Meereisausdehnung in der Arktis mit sich. Die Folgen sind bislang schwer abzuschätzen und können theoretisch sowohl zu kühleren Wintern führen - etwa durch einen geschwächten Polarwirbel mit meridionalen Strömungsmustern - als auch zu wärmeren Wintern, etwa durch ein eingefahrenes Strömungsmuster über dem östlichen Kanada und Neufundland, das milde Großwetterlagen über Europa begünstigt. Und dann ist ja da auch noch der weiter schwächer werdende Golfstrom

Extremer Rückgang der arktischen Meereisfläche

Die Meereisausdehnung ist im Vergleich zum Mittelwert so gering wie selten zuvor und liegt weit unter dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Auch dies stellt ein Problem für den Winter dar, auf das wir in den kommenden Tagen noch näher eingehen werden.

Meereisausdehnung Arktis auf niedrigstem Stand
Meereisausdehnung Arktis auf niedrigstem Stand © National Snow & Ice Data Center

Die Klimaerhitzung hat mit dem Wetter nichts zu tun

Das wird immer wieder gerne durcheinandergebracht. Die Klimaerhitzung und das Wetter haben nichts gemeinsam. Dennoch beeinflusst die Klimaerhitzung das Wetter über lange Zeiträume. Zu kalte Wetterphasen sind weiterhin möglich, doch die warmen Monate nehmen im Verlauf stetig zu. Deutlicher wird das in der folgenden Grafik: Die Mitteltemperatur der Winter im Vergleich zu früheren Jahren steigt in jüngster Zeit deutlich an. Übrigens - und das nur am Rande - wird der Sommer 2026 mit der Klimaerhitzung der 30. zu warme Sommer in Folge sein (Abweichung ≥ +0 Grad).

Die Winter werden immer wärmer
Die Winter werden immer wärmer © Michael Theusner www.mtwetter.de

Immer wärmer

Oft wird fälschlicherweise angenommen, regionale Wetterereignisse stünden im direkten Zusammenhang mit der globalen Klimaerhitzung. Ein Sommer oder Winter kann lokal zu nass oder zu kalt ausfallen - das ändert jedoch nichts daran, dass es global gesehen kontinuierlich wärmer wird.

Global steigen die Temperaturen immer weiter an
Global steigen die Temperaturen immer weiter an © www.ncei.noaa.gov

Viel zu warme Meere

Hier noch drei Grafiken: Seit rund 2023 herrscht im Nordatlantik eine außergewöhnliche Temperaturanomalie, wie sie seit Messbeginn noch nie beobachtet wurde. Zudem liegt die globale Durchschnittstemperatur deutlich über dem Normalwert und sogar weit über dem Maximum der vergangenen Jahre. Rekordwarm war und ist hingegen die Mittelmeerregion. Und ja, zu warmes Wasser ist eine Art von gespeicherter Energie, welche Auswirkungen auf das Wetter haben wird. Da man solche Werte aber bislang nicht kannte, sind die Auswirkungen noch unbekannt. Klar ist, dass zu warme Meere zu vermehrten Niederschlag führen können - wo ist allerdings nicht klar!

Extreme Anomalien der Wassertemperaturen
Extreme Anomalien der Wassertemperaturen © climatereanalyzer.org || www.socib.es

Super-El-Niño mit Auswirkungen auf den Herbst und Winter

Der Super-El-Niño entwickelt sich derzeit außergewöhnlich stark: Die Meeresoberflächentemperaturen in der Niño-3.4-Region liegen bereits außerhalb des bislang gemessenen Bereichs, also nicht mehr im Rahmen normaler Schwankungen, sondern auf historisch auffälligem Niveau.

Global hat das Gewicht, weil sich damit die großräumige Zirkulation und die Verteilung von Wärme und Niederschlag verschieben. Für Mitteleuropa ist der direkte Einfluss dagegen begrenzt und unsicher. Über Herbst und Winter kann ein starker El Niño den Atlantikjet zwar etwas anfälliger machen und blockierende Lagen oder länger stehende Wettermuster begünstigen, doch ein klarer, durchgreifender Wintereffekt lässt sich daraus nicht abzuleiten.

Die ENSO-Fernwirkung (El Niño–Southern Oscillation) auf Europa gilt insgesamt als relativ schwach und wird von Nordatlantik, NAO und der inneren Variabilität der Atmosphäre stark überlagert. Mit anderen Worten formuliert ist der Super El Niño global ein absolutes Schwergewicht, über Mitteleuropa jedoch eher ein Störfaktor als ein Winterdirigent, wobei Störfaktoren den Winter durchaus in eine bestimmte Richtung schieben könnten...

Die Herbst- & Winterprognose 2026/27 der Langfristmodelle

Wie wird das Wetter im Herbst und Winter 2026/27? Erste Wettertrends der Prognosemodelle liegen vor, sind jedoch noch unvollständig und mit einem gesunden Maß an Skepsis zu interpretieren:

Wettertrend nach dem Langfristmodell der NASA

Die NASA berechnet die Herbstmonate von September bis November über Deutschland mit einer Anomalie von +1 bis +2 Grad deutlich zu warm. Die Niederschlagsprognose fällt gegenüber dem vieljährigen Mittelwert unauffällig aus, sodass sich in dieser Hinsicht keine markanten Besonderheiten abzeichnen.

Betrachtet man Europa als Ganzes, so soll der Herbst über dem gesamten Kontinent mit einer Anomalie von +1 bis +2 Grad ebenfalls deutlich zu warm ausfallen können. In der Niederschlagsprognose zeichnet sich ein etwas zu nasser Nordwesten und Südosten Europas ab, während entlang eines breiten Streifens von Spanien bis Finnland keine sonderlichen Abweichungen gegenüber dem Sollwert festzustellen sind. Interessant ist jedoch, dass weite Teile von Norwegen und Schweden sowie der Nordosten Finnlands zu trocken ausfallen können. Dieses Muster spricht für ein Blockadehoch über Skandinavien.

Winter zu nass und erheblich zu warm

Für die Wintermonate von Dezember 2026 bis Februar 2027 berechnet die NASA eine Temperaturabweichung von +1,5 bis +2,5 Grad, über Teilen von Deutschland sogar bis zu +3 Grad - und somit in einem deutlich bis erheblich zu warmen Bereich. Die Niederschlagsaktivität nimmt zu, sodass über den gesamten Winter hinweg eine positive Abweichung gegenüber dem vieljährigen Sollwert möglich erscheint. Kurzum: Die Prognose zeichnet über Deutschland das Bild eines deutlich zu warmen und leicht zu nassen Winters.

Bewertet man den Winter über Europa, so soll dieser mit Ausnahme von England, Norwegen, Schweden und Finnland verbreitet mit einer Anomalie von +1 bis +3 Grad gegenüber dem langjährigen Mittel zu warm ausfallen. Über Skandinavien und England hingegen wird eine Temperaturabweichung von -0,5 bis -1,0 Grad berechnet, was einem normalen bis leicht zu kühlen Bereich entspricht.

Bemerkenswert ist, dass der gesamte Bereich über dem Atlantik zwischen Grönland, Island, England, dem europäischen Nordmeer bis hin zur Barentssee zu kalt berechnet wird. Interpretiert man dieses Muster, so baut sich dort ein Kaltluftbecken auf. Dieses kann in Verbindung mit einer entsprechend meridional verlaufenden Großwetterlage über Mitteleuropa - zumindest phasenweise - für Winterwetter mit viel Schnee sorgen.

Wetterprognose Herbst und Winter nach dem CFSv2 Modell

Die Wetterprognose, genauer die Langfristprognose des CFSV2-Modells, berechnet für den Herbst von September bis November 2026 eine Temperaturabweichung von +1 bis +2 Grad – der Herbst würde also zu warm ausfallen. Die Niederschlagsprognose zeigt über dem Norden einen etwas zu trockenen Trend, ansonsten verläuft der Niederschlag im normalen Bereich. Im Hinblick auf Europa wird ebenfalls verbreitet eine Temperaturanomalie von +1 bis +2 Grad berechnet, wobei über dem Norden Skandinaviens eine Abweichung von bis zu +2,5 Grad möglich ist. In der Niederschlagsbetrachtung bleibt es weitgehend unauffällig, lediglich über Teilen Spaniens, Frankreichs sowie der Mittelmeerregion zeichnet sich im Herbst eine erhöhte Niederschlagsentwicklung ab.

Ein extrem zu warmer Winter 2026/27

Für die Wintermonate von Dezember bis Februar 2027 wird eine Temperaturanomalie von verbreitet +2 bis +3 Grad und regional von bis zu +4 Grad simuliert. Auffällig ist, dass nicht nur Deutschland, Österreich und die Schweiz davon betroffen sind, sondern ganz Europa – über den gesamten Kontinent wird diese teils extreme Temperaturanomalie simuliert.

In der Niederschlagsentwicklung zeichnet sich hingegen verbreitet ein jahreszeittypisches Niveau ab. Über Spanien und Portugal ist eine deutlich positive Abweichung gegenüber dem vieljährigen Mittelwert zu erwarten.

Die Herbstprognose des Deutschen Wetterdienstes

Geht es nach dem Langfristtrend des Deutschen Wetterdienstes, so soll der Herbst von September bis November 2026 mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 90 Prozent zu warm ausfallen. Normale oder kältere Varianten liegen deutlich unter einer Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent. Interessant ist, dass die Prognose des Deutschen Wetterdienstes selbst als sehr wahrscheinlich eingestuft wird.

Im Niederschlagstrend wird eine Wahrscheinlichkeit von knapp 55 Prozent für zu trockenes, 25 Prozent für normales und 20 Prozent für zu nasses Wetter simuliert. Zu trockene Bedingungen sind damit das wahrscheinlichste Szenario. Die Vorhersagegüte hierfür wird vom Deutschen Wetterdienst als gering eingestuft, was bei Niederschlag aufgrund seiner hohen Variabilität und Unsicherheit auch nicht weiter verwundert.

Der Herbst- und Wintertrend des europäischen Wettermodells

Die Herbst- und Winterprognose des europäischen Vorhersagemodells überrascht nicht und lässt die Monate von September, Oktober, November, Dezember und Januar 2027 jeweils mit einer Temperaturanomalie von +1,5 bis +2,5 Grad teils deutlich zu warm ausfallen.

In der Niederschlagsentwicklung zeichnet sich im September ein etwas zu trockener Norden ab, während die restlichen Monate von Oktober bis Januar (der Februar steht in den Berechnungen noch aus) leicht und der November und Januar deutlich zu nass ausfallen können.

Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2026/2027 vom 31.07.2026
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2026/2027 vom 31.07.2026

Auf den Punkt gebracht

Mit gespannter Erwartung blickt man auf die Wintersaison 2026/2027. Wird ein meridionales Strömungsmuster mitsamt Störimpulsen phasenweise einen normalen oder sogar leicht kühleren Winter bringen - oder dominiert die zonale Struktur mit der atlantischen Frontalzone und einer West- bis Südwestwetterlage?

Die Langfristmodelle werden in den kommenden Wochen ihre Prognosen für Herbst und Winter sicher mehrfach anpassen. Dennoch zeichnen sie einen - wenig überraschenden - deutlich zu warmen Wettertrend für den Herbst und Winter. Es gibt also einiges zu berichten, weshalb wir die Wetterprognosen für Herbst und Winter 2026/2027 ab der letzten August-Dekade verstärkt und ab September täglich aktualisieren werden.

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