Wetterprognose: Ein möglicher Polarwirbelsplit setzt den Winter unter Druck
Atlantische Frontensysteme greifen in den kommenden Tagen auf Deutschland über und versuchen in Wellen die Polarluft zurückzudrängen. Das führt vom 8. bis 12. Januar zu chaotischen und großflächig unwetterartigen Wetterereignissen mit einer hohen Gefahrenlage - insbesondere entlang eines breiten Streifens zwischen Niedersachsen, Brandenburg/Sachsen. Darüber hinaus stellt sich die Wetterlage erneut um. Ein Polarwirbelsplit deutet sich an und ob sich dadurch der Winter über Deutschland intensivieren kann oder zum Rückzug gezwungen wird, hängt von der Ausgestaltung der Hochdruckachse ab.
Etwas Sonnenschein ist heute Mittag noch nördlich einer Linie Bremen-Dresden möglich. Weiter nach Süden und Westen verdichtet sich die Bewölkung zügig und über dem Norden und über Teilen von Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen ist leichter Schneefall möglich. Zum Abend intensiviert sich der Niederschlag von Südwesten und zieht in der Nacht auf Freitag nach Nordosten und erreicht zum Berufsverkehr eine Linie südlich Lübeck-Berlin. Für den Niederschlag verantwortlich ist ein Sturmtief, welches aus südwestlichen Richtungen Warmluft advehiert und die Temperaturen südlich einer Linie Münster und Dresden bis Freitagmittag auf +2 bis +4 Grad und über dem Südwesten auf bis +8 Grad ansteigen lassen kann. Der Schnee geht über dem Süden unterhalb etwa 1.000 Meter in Regen über, was in der Übergangsphase auf dem gefrorenen Boden zu erheblicher Glätte führen kann. Weiter nach Norden bleibt es bei Schneefall, was in Kombination mit dem Sturm entlang eines breiten Streifens zwischen Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Berlin und Sachsen zu einem Schneesturm führen kann. Der Wind intensiviert sich auch an den Küsten und dreht auf östliche Richtungen, was eine Sturmflut aus Ost nicht ausschließen lässt. Es empfiehlt sich, die Unwetterwarnungen zur kommenden Gefahrenlage zu lesen und entsprechend zu handeln (Warnlagenbericht || Unwetterwarnung).
Polarluft strömt nach Süden - kräftiger Schneefall
Das Sturmtief verweilt am Samstag über Deutschland und zieht weiter nach Süden. Rückseitig wird die Polarluft aus dem Norden angezapft und lässt die Temperaturen bis Sonntag auf -8 bis -2 Grad absinken. Der Niederschlag verlagert sich am Samstag von der Mitte nach Süden, was südlich einer Linie Köln-Dresden zu länger andauerndem Niederschlag führen kann, der wieder bis auf die tieferen Lagen in Schnee übergehen kann. Im Laufe des Sonntags klingt der Schneefall an den Alpen ab und es stellt sich für einen Moment ruhiges Winterwetter ein - genießen Sie es, denn der nächste Wetterumschwung erfolgt in der Nacht auf Montag, was - passend zum Berufsverkehr - über dem Westen erneut zu kräftigem Schneefall und nachfolgendem Eisregen und Regen mit erheblicher Glätte führen kann. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Januar || Sturmtief trifft auf Polarluft - Hinweis auf drohende Unwetter- und Gefahrenlage.

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Polarwirbelsplit zwingt den Winter zum Rückzug
Seit rund 48 Stunden berechnen beide Vorhersage-Modelle den Ansatz eines Polarwirbelsplits. Der Trigger für den Split liegt in einem Hochdruckkeil, welcher sich im Verlauf der kommenden Woche über Mitteleuropa nach Norden ausdehnt und nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells zum 15. Januar in den Bereich zwischen Skandinavien, dem westlichen Russland und Osteuropa einen autark agierenden Hochdruckkern ausbilden kann.
Ein Split mit Folgen für den Winter über Deutschland
Bis zum 20. Januar dehnt sich das Hoch weiter nach Norden - in den Polarwirbel - hinein aus und teilt den Polarwirbel in zwei Cluster. Der eine Cluster dreht zwischen Kanada und Grönland und der zweite über Sibirien seine Runden.
Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen inmitten der Hochdruckzone, die sich - quer durch den Polarwirbel - bis zu den Aleuten aufbauen kann. Im Verbund mit dem Polarwirbel über Kanada und Grönland stellt sich über Mitteleuropa eine südwestlich orientierte Vorderseitenströmung ein, was vergleichsweise warme Luftmassen aus südwestlichen Richtungen weit nach Norden führen.
Erreichen die Temperaturen am 14. Januar über dem Westen bis +8 Grad, so können die Werte östlich einer Linie Rostock-München noch um den Gefrierpunkt schwanken. Zum 16. Januar steigen die Temperaturen auf +4 bis +8 Grad und über dem Westen örtlich auf bis +10 Grad an. Die Milderung setzt sich bis zum 22. Januar mit +5 Grad über dem Osten und bis +14 Grad über dem Westen weiter fort. Da die Wetterlage über weite Strecken hochdruckdominiert ist, kommt es auch zu dichtem Nebel, was die Temperaturen um den Gefrierpunkt schwanken lassen kann. Mit Sonnenschein aber taut der Schnee zügig ab.

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Schwacher Polarwirbel verhindert den Winter über Deutschland
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells hat einen ähnlichen Aufbau wie die Europäer. Das Hoch dehnt sich im Hinblick auf den Winter oder Hochwinter an einer falschen Stelle nach Norden - in den Polarwirbel hinein - aus.
Eine ungute Konstellation für den Winter über Deutschland
Das Hoch erstreckt sich nach der Prognose von heute Mittag bis zum 15. Januar von der Mittelmeerregion bis über das westliche Russland, was das Kontinentalhoch weiter intensiviert. Das Kontinentalhoch selbst versucht über Sibirien eine Querverbindung zum Aleutenhoch aufzubauen, was wiederum zur Folge hat, dass sich der Polarwirbel im Bereich zwischen Kanada und Grönland verstärken kann.
Südwetterlage und Hochdruckwetter - Tauwetter bis auf höhere Lagen
Die Kombination aus dem Hochdruckrücken über Mitteleuropa und der reaktiven Frontalzone auf dem Atlantik hat über Mitteleuropa eine Südwestanströmung zur Folge, was die Temperaturen am 14. Januar über dem Osten auf +2 bis +5 Grad und über dem Westen auf +4 bis +8 Grad ansteigen lassen kann. Bis zum 17. Januar sind über dem Westen bis +12 Grad und über dem Osten bis +5 Grad möglich. Bei Dauernebel schwanken die Werte nah am Gefrierpunkt. In der Folge stellt sich Tauwetter bis auf höhere Lagen ein, sodass vom Schnee bis zum 20. Januar nicht mehr viel übrig ist.
Der Cluster zwischen Kanada und Grönland wird zum Problem für den Winter
Zumindest, wenn es nach der Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells geht. Denn das Zusammenspiel eines Hochdruckkeils, welcher sich immer wieder über Mitteleuropa nach Norden aufwölbt und die Querverbindung zum Aleutenhoch sucht, beschränkt den Wirkradius des Polarwirbels auf Kanada und Grönland, wo sich die Wetteraktivität verdichtet und mit dem Hoch eine anhaltende Süd- oder Südwestströmung etablieren kann. Fraglich ist im Moment noch, ob sich das Hoch auch komplett über Mitteleuropa ausdehnen kann, dann hätte der Winter in Form einer Inversionswetterlage noch eine Chance. Das bleibt abzuwarten.

Auf den Punkt gebracht: Der Winter auf dem Rückzug?
Abwarten. Im Moment sind lediglich die groben Muster gesetzt. Die Unwetterlage der kommenden Tage geht mit einem nachfolgend nach Norden aufstrebenden Hoch einher. Insbesondere das Sturmtief kann das Setup noch durcheinanderwirbeln, sodass der Splitmechanismus auch an einer anderen Stelle stattfinden kann.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Die Wahrscheinlichkeit eines Polarwirbelsplits oder eines Displacement des Polarwirbels (Verschiebung) bestätigen die Kontrollläufe mehrheitlich. Die Hochdruckachse wird mit einer höheren Wahrscheinlichkeit über Mitteleuropa verlaufen können, doch gibt es innerhalb der Kontrollläufe noch einige Ausreißer, welche eine winterliche Wetterentwicklung auslösen können. Welche das ist, haben wir weiter unten dem Mittelwert der Kontrollläufe gegenübergestellt.
Im Vergleich zu den vergangenen 24 Stunden haben die Kontrollläufe jedoch eine Korrektur nach oben erfahren. Die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe pendeln sich zum 14. Januar auf +4 Grad und zum 22. Januar auf -2 bis -4 Grad ein. Das reicht nicht für klassisches Hochwinterwetter über Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit eines Rückzugs des Winters ist als mäßig hoch einzustufen. Verändern könnte das Setup noch die kommende Unwetterfront. Schauen mer mal, was sich bis heute Abend noch alles ändert oder bestätigt.

| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 14. Januar | -8 bis +9 Grad | -0 bis +5 Grad |
| 18. Januar | -7 bis +6 Grad | +1 bis +3 Grad |
| 23. Januar 2026 | -12 bis +10 Grad | +2 bis +4 Grad |

Nächste Aktualisierung
- 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle
Update der Wetterprognose von 20:22 Uhr
Mit einer gewissen Spannung werden die Prognosen von heute Abend erwartet, da die Details hinsichtlich Schneefall und Extremwetter zum Wochenende konkreter werden.
Nachfolgend einmal die Schneeprogosen der Vorhersage-Modelle bis Montagabend, den 12. Januar. Der Schwerpunkt des Schneefalls wird - und damit auch die erhöhte Unwetter- und Gefahrenlage - entlang eines breiten Streifens zwischen Niedersachsen und Sachsen liegen können.

Rasante Erwärmung - fast schon frühlingshaft
Mit Spannung wurden auch die Berechnungen im Hinblick auf den Polarwirbelsplit und noch mögliche Veränderungen im Setup der Großwetterlage erwartet. Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Abend lässt an einer Milderung jedoch keine Zweifel mehr aufkommen.
Das Hoch über Mitteleuropa kippt zum 15. Januar nach Osten ab und geht in das Kontinentalhoch über. Von dort aus wird der Versuch gestartet, eine Querverbindung zum Hoch über den Aleuten aufzubauen. Das wiederum zentralisiert den Polarwirbel zwischen Kanada und Grönland, was ein starkes Signal einer durchgreifenden Milderung mit starkem Tauwetter bis auf die höheren Lagen ist.
Zwischen Inversionswetterlage und Frühlingsluft
Der Cluster des Polarwirbels über Kanada und Grönland intensiviert sich immer weiter und nimmt bis zum 20. Januar ein erstaunliches Ausmaß an. Die Frontalzone dehnt sich dabei immer weiter nach Osten aus und bringt über Mitteleuropa eine südwestliche Anströmung der Luftmassen, welche im Zeitraum vom 13. bis 17. Januar noch unter Hochdruckeinfluss zu einer Inversionswetterlage führen kann (oben warm, unten frisch).
Bis zum 24. Januar aber zieht sich der Hochdruckrücken über Mitteleuropa weiter in Richtung der Mittelmeerregion zurück und perfektioniert im Zusammenspiel mit der Frontalzone die Südwestwetterlage, was die Temperaturen vom 19. bis 24. Januar auf +8 bis +14 Grad und über dem Westen auf bis +16 Grad ansteigen lassen kann. Der Winter zieht sich weit nach Skandinavien zurück und vom Schnee bleibt über Deutschland dann nicht mehr viel übrig.

Fazit: Ob Winter oder nicht, entscheidet der Polarwirbel
Das Resümee von gestern bleibt heute Abend bestehen, denn auch die Europäer berechnen im Ansatz einen Polarwirbelsplit, der sich zum 20. Januar dann auch vollziehen kann. Die Hochdruckachse hat jedoch zwischen Osteuropa und den Aleuten im Hinblick auf den Winter eine äußerst ungünstige Position. Ähnlich wie bei den Amerikanern läuft die Frontalzone des Polarwirbelclusters zwischen Kanada und Grönland voll auf die Hochdruckzone auf.
Die Temperaturen erreichen am 15. Januar +3 bis +6 Grad und über dem Westen bis +9 Grad. Bis zum 22. Januar sind Höchstwerte von +5 bis +10 Grad und über dem Westen von bis +12 Grad möglich. Da das Wetter jedoch hochdruckdominiert ist, bleibt der Taupunkt niedriger, was Zweifel an einem starken Tauwetter aufkommen lässt. Einerlei - Winterwetter geht anders.

Ein Blick auf die Randfaktoren
Nach der Wetterprognose beider Vorhersage-Modelle hätte diese Entwicklung - wenn sie denn so käme - einen positiven NAO- und einen negativen AO-Index zur Folge.
Die aktuelle Berechnung des AO-Index Wert ist in der Tat bis weit in die letzte Januar-Dekade hinein deutlich negativ. Einzelne Varianten erreichen sogar das untere Ende der Skala, was einen Polarwirbelsplit durchaus in Betracht ziehen lässt.
Der NAO-Index ist aber keineswegs positiv, sondern pendelt sich mit leicht positiven und negativen Ausschlägen in den neutralen Bereich ein. Ja, neutral hat häufiger eine Südwest- oder Nordwestwetterlage zur Folge und die Südwestvariante wird auch von beiden Vorhersage-Modellen berechnet, jedoch liegt das Tiefdruckzentrum jeweils über Island, während sich das Azorenhoch entweder über den Azoren, oder über Mitteleuropa befindet.
Kurzum - die Randfaktoren passen noch nicht zu dem, was die Prognose-Modelle heute Abend berechnen. Passend dazu die Clusteranalyse. Ganze 50 Prozent berechnen zum 20. Januar eine Blockade über Nordeuropa (auch Splitvarianten). Aber: 33 Prozent berechnen einen negativen NAO-Index und nur 16 Prozent einen positiven NAO-Index. Gut möglich also, dass die Vorhersage-Modelle in den kommenden 24 Stunden wieder andere - auch winterliche - Varianten ins Spiel bringen können. In diesem Sinne Ihnen einen wunderbaren Donnerstagabend.
