Winterchaos - Unwetterfront nimmt Kurs auf Deutschland - Regen, Schnee, Eis und Frost
Die Polarluft hat sich über Deutschland durchgesetzt und ruht in den kommenden 48 Stunden, was die Temperaturen auf -5 bis +0 Grad einpendeln lässt. In den Nächten kühlt es auf -10 bis -1 Grad ab und über dem Süden kann bei Aufklaren und über Schnee die Temperatur unter die -15-Grad-Marke absinken. Der Winter hat Deutschland noch voll im Griff. Doch sind Veränderungen der Großwetterlage bereits in Gang gesetzt worden, was in der zweiten Wochenhälfte mit einem Temperatursprung zu chaotischem, stürmischem und turbulentem Wetter führen kann. Der Winter befindet sich auf dem Rückzug, oder doch nicht?
Ruhiges Winterwetter. Verbreitet hat sich über Deutschland eine Schneedecke (Schneehöhen Deutschland) ausbilden können und es gibt nur noch wenige Bereiche ohne Schnee. Die Polarluft ruht jetzt über Deutschland und bringt heute über dem Nordwesten noch ein paar Schneeschauer, welche am Feiertag (6. Januar) über der Mitte und an den Küsten in sich zusammenfallen. Bei wechselnder Bewölkung kommt häufiger die Sonne zum Vorschein. Der Wind kommt schwach aus südwestlichen Richtungen und bei Temperaturen von -5 bis +0 Grad ist verbreitet mit Dauerfrost zu rechnen. Leichte Plusgrade können an den Küsten und über Teilen von Nordrhein-Westfalen möglich sein. In den Nächten kühlt es auf -10 bis -1 Grad ab. Bei Aufklaren und über Schnee können die Tiefstwerte über dem Süden auch unter die -15-Grad-Marke absinken.
Unwetterfront nimmt mit Sturm, Regen, Schnee und Eisregen Kurs auf Deutschland
In der zweiten Wochenhälfte endet das ruhige Winterwetter. Das Blockadehoch auf dem Atlantik zieht sich zurück und lässt ein Tief der Frontalzone passieren, welches sich zum Ende der Woche zwischen Skandinavien und Deutschland positionieren wird. So nimmt die Bewölkung am Mittwoch von Westen her zu und nachmittags setzt über dem Westen und Nordwesten leichter Schneefall ein. Weiter nach Osten bleibt das Wetter zunächst noch verbreitet sonnig und trocken. Das ändert sich am 8. Januar. Der Tiefdruckausläufer erreicht Deutschland, der Himmel trübt sich vollständig ein und nachfolgend setzt zunächst über dem Süden kräftiger Niederschlag ein, der sich am Freitag nach Norden ausdehnt. Der Wind intensiviert sich und kann mit dem Niederschlagfeld für schwere und über höheren Lagen auch zu orkanartigen Winden führen. Geht der Niederschlag anfangs noch als Schnee nieder, so steigen die Temperaturen bis Donnerstagabend über der Westhälfte auf +1 bis +5 Grad und am Freitag südlich einer Linie zwischen Münster und Berlin auf +1 bis +6 Grad an. Die Schneefallgrenze steigt kurzzeitig auf bis 1.000 Meter an, sinkt jedoch mit Durchzug der Störung rückseitig wieder bis auf die tieferen Lagen ab. Mit Wind, kräftigem Regen, gefrierendem Regen, Sturm und orkanartigen Winden und regional unwetterartigem Schneefall ist im Zeitraum von Donnerstag bis Samstag mit erhöhtem Unwetterpotenzial zu rechnen. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Januar.

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Der Winter bekommt eine zweite Chance
Wer die gestrige Wetteranalyse verfolgt hat, der weiß, dass eine durchgängig und nachhaltig agierende Westwetterlage - allein schon durch das Setup der Randfaktoren - wenig wahrscheinlich ist. Vor diesem Hintergrund war auch mit Veränderungen in den Vorhersagen der Wettermodelle zu rechnen. Eine erste Veränderung lässt sich bereits in den obenstehenden Wetterkarten erkennen - die vormals drastische Milderung wurde durch eine südlichere Zugbahn des Tiefdrucksystems abgeschwächt. So berechnet das europäische Wettermodell mit Durchzug der Unwetterfront mit regional unwetterartigen Neuschneemengen am Freitag südlich der Linie zwischen Münster und Dresden zwar einen Temperatursprung auf +0 bis +5 Grad, doch stellt sich am Samstag bei Höchsttemperaturen von -12 bis -2 Grad bereits wieder verbreitet Dauerfrost ein.
Milderung nur kurz - Weiterer Schneefall - teils unwetterartig
Bedingt durch die Intensität und die südlichere Zugbahn der Störung zum Ausklang der Woche wird die milde Luft nur innerhalb des Wirbels advehiert und rückseitig gelangt mit Wind aus nördlichen Richtungen die Frostluft wieder an die Alpen. Zwischen dem 12. und 14. Januar schafft ein weiterer Tiefdruckausläufer den Sprung nach Mitteleuropa und lässt die Temperaturen südlich einer Linie zwischen Köln und Dresden erneut auf +0 bis +5 Grad ansteigen, während es weiter nördlich mit -7 bis +1 Grad verbreitet frostig bleibt. Der Niederschlag geht über dem Süden teils als Schnee, teils aber auch als Schneeregen, Regen oder gefrierender Regen nieder. Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells simuliert heute erneut eine Grenzwetterlage, bei der Deutschland, Österreich und die Schweiz zwischen den Fronten liegen.
Wetter kippt erneut
Ist die zweite Welle durch, dehnt sich am 14. Januar ein Keil des Azorenhochs über Spanien und England bis weit über das europäische Nordmeer aus, kippt bis zum 17. Januar nach Osten ab und etabliert mit einem autark agierenden Hochdruckkern über Skandinavien eine vollständig gestörte Zirkulation (Blocking Nordeuropa - s. Clusteranalyse).
Kaltlufttropfen - Eisiges Winterwetter mit Herausforderung für Mensch, Tier und Infrastruktur
Das Hoch schnürt einen Trog über Osteuropa ab, was einen Kaltlufttropfen zur Folge hat. Durch die Drehbewegung des Hochdrucksystems im Uhrzeigersinn wird dieser ab dem 16. Januar nach Mitteleuropa geführt und lässt die Temperaturen vom 15. Januar mit -6 bis -1 Grad bis zum 18. Januar auf Höchstwerte von -22 bis -9 Grad absinken, was erhebliche Auswirkungen auf Mensch, Tier und Infrastruktur haben kann. In den Nächten wären Tiefstwerte von -13 bis -28 Grad möglich. Mit einer Kombination aus einer ungewöhnlichen Schneemenge und extremem Frost wäre diese Wetterentwicklung kein Winterspaß mehr.

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Der Winter auf dem Rückzug - Die Milderung setzt sich durch
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells berechnet heute erneut eine zonal geführte Westwetterlage. Der Frontalzone gelingt mit einer zweiten Welle zum 11. Januar der Durchbruch nach Skandinavien und kann vom 12. bis 18. Januar ein Tief nach dem anderen über Mitteleuropa hinwegziehen lassen.
Starkes Tauwetter, viel Wind und kräftiger Regen
Die zweite Welle lässt nach der Prognose von heute Mittag die Temperaturen bis zum 12. Januar auf +6 bis +12 Grad ansteigen. Der Niederschlag geht anfangs noch als Schnee nieder, doch sorgt ein böiger bis stürmischer Wind aus südwestlichen Richtungen für eine ordentliche Durchmischung, was den Schnee rasch bis auf höhere Lagen in Regen übergehen lassen kann. Die Milderung schwächt sich zwar bis zum 17. Januar etwas ab, doch bleiben die Temperaturen mit +3 bis +6 Grad und örtlich mit bis +8 Grad über dem, was sonst im Januar zu erwarten ist.
Polarwirbelsplit und mögliche Rückkehr des Winters
Während die Frontalzone auf Hochtouren läuft, drängen sich zwei Hochdrucksysteme - einmal von den Aleuten/Alaska und einmal von Russland aus - in den Polarwirbel vor, was im Ansatz einen Polarwirbelsplit zur Folge haben kann. Die Achse des Wirbels zwischen Kanada, Grönland und dem europäischen Nordmeer ist im Verbund mit dem Azorenhoch dann entscheidend, ob der Winter über Deutschland wieder Einzug hält. Nach der Prognose von heute Mittag gelingt das, wobei der Winter sich zunächst den mittleren Lagen wieder annähert.

Auf den Punkt gebracht: Durchgreifende Milderung oder Rückkehr des Winters?
Polarluft lässt sich selten mit einer Welle komplett ausräumen. Mindestens zwei oder drei Wellen sind notwendig, um die Kaltluft so weit zurückzudrängen, dass eine erneute Rückfuhr nicht mehr so ohne Weiteres möglich ist. Ob es dabei zu einer extrem winterlichen Wetterentwicklung kommt, wie es die Europäer im Moment berechnen, sei einmal dahingestellt. Beide Prognosen (Westwetterlage oder Kaltlufttropfen) sind derzeit mit einem gesunden Maß an Skepsis zu bewerten. Sie berechnen Möglichkeiten, keine Wahrscheinlichkeiten.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Noch eine kurze Anmerkung, weil es dann doch interessant ist. Die Prognosen vom 3. Januar waren exakt umgekehrt. Die Amerikaner hatten die klirrende Kälte und die Europäer die durchgreifende Milderung mit starkem Tauwetter im Programm. Das soll an dieser Stelle noch einmal die Unsicherheiten unterstreichen.
Die Kontrollläufe bestätigen vom 8. bis 11. Januar die Grenzwetterlage über Deutschland. Über dem Süden steigen die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe auf bis +1 Grad, während die Milderung über dem Norden nur zu Höhenwerten von -4 Grad führt. Die Durchmischung wird über dem Süden die Schneefallgrenze kurzzeitig bis auf die höheren mittleren Lagen ansteigen lassen können, während es über dem Nordosten winterlich kalt bleiben kann. Zum 11. Januar sinken die Höhenwerte wieder auf -6 bis -8 Grad ab, was auch über dem Süden wieder Schneefall bis auf tiefere Lagen herab möglich machen sollte.
Im Zeitraum vom 12. bis 19. Januar pendeln sich die Höhenwerte auf +1 bis -3 Grad ein, was über tieferen Lagen die Temperaturen mit +2 bis +6 Grad in den nasskalten Bereich ansteigen lassen kann. Der Winter zieht sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bis auf die höheren mittleren Lagen zurück. Und ja, sowohl die Wetterprognose des europäischen wie auch die des amerikanischen Wettermodells ab dem 18. Januar bilden im Vergleich zu den Kontrollläufen die mit Abstand kältesten Varianten ab. Schaun mer mal, was sich im Tagesverlauf noch so alles ändert.

| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 11. Januar | -8 bis +6 Grad | -2 bis +1 Grad |
| 15. Januar | -8 bis +8 Grad | +4 bis +6 Grad |
| 20. Januar 2026 | -7 bis +12 Grad | +3 bis +5 Grad |

Nächste Aktualisierung
- 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle
Update der Wetterprognose von 20:22 Uhr
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells hat sich heute Abend von den deutlich zu milden Wetteraussichten verabschiedet und schwenkt auf eine Variante um, welche typisch für den Winter in Deutschland ist.
Es handelt sich um eine überwiegend nordwestlich dominierte Großwetterlage, welche in Schüben immer wieder Niederschlag nach Deutschland bringt. Mit der jeweiligen Vorderseitenanströmung wird es kurz milder und zieht das Tief nach Osten ab, wird es mit der Rückseitenströmung wieder kälter. Für die Nordalpen, den Schwarzwald, die Mittelgebirge und dem Bayerischen Wald ist eine solche Wetterlage in der Regen ein Schneebringer
.
Für die mittleren und tieferen Lagen wird es hingegen kniffliger. Die advehierte Luftmasse ist nach den abendlichen Berechnungen zu warm
, sodass bei Temperaturen von +0 bis +6 Grad der Niederschlag erst oberhalb etwa 500 bis 800 Meter - zumindest phasenweise - als Schnee niedergehen kann. Doch von Dauer ist das nicht, da mit der Vorderseitenströmung die Temperaturen kurzzeitig auf bis +8 Grad ansteigen und so den Schnee wieder abtauen können. Kurzum - eine nasskalte Wetterentwicklung mit optionalem Winterwetter ab den mittleren Lagen.

Ein Blick auf die Randfaktoren
Der NAO- und auch der AO-Index hatten in der gestrigen Wetteranalyse einen grundsätzlich positiven Entwicklungstrend, blieben jedoch mit ihren Mittelwerten im leicht negativen Bereich. Eine Westwetterlage mit nachhaltig agierender Tiefdruckrinne auf dem Atlantik ist in Frage zu stellen. Da das amerikanische Wettermodell heute Mittag eine Westwetterlage erneut angedeutet - und heute Abend wieder verworfen - hat, sind diese Randfaktoren für die Wahrscheinlichkeiten der kommenden Wetterlage von hoher Relevanz.
NAO- und AO-Index: Die Auswirkungen auf das Wetter über Deutschland
Heute Abend sind beide Index-Werte im Trend positiv und erreichen um den 13. Januar mit ihrem Mittelwert einen neutralen Zustand. Die Ausschläge der Einzelläufe in die positive wie negative Richtung sind jedoch unverändert. Da ist noch nichts in Stein gemeißelt
, wie man so schön sagt. Doch einmal angenommen, der Mittelwert - also der neutrale Zustand - setzt sich durch, was wären die Auswirkungen auf das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Ein neutraler AO- und NAO-Index steht für einen atmosphärischen Mittelzustand, in dem keine der beiden großen Zirkulationsformen klar dominiert. Der Druckunterschied zwischen hohen und mittleren Breiten ist weder besonders stark noch besonders schwach, der Jetstream verläuft meist zonal, aber nicht straff gespannt. Genau das macht diese Phase aus meteorologischer Sicht interessant - und zugleich schwer greifbar.
Für Deutschland bedeutet eine neutraler AO- und NAO-Index in der Regel wechselhaftes, wenig extremes Wetter. Atlantische Tiefdruckgebiete können nach Mitteleuropa durchgreifen, werden aber häufiger abgelenkt oder abgeschwächt. Längere Blockings sind ebenso wenig typisch wie ausgeprägte Westwindlagen. Stattdessen pendelt das Wetter zwischen kurzen milden Phasen, vorübergehenden Kaltluftdurchbrüchen und das in raschen Übergängen - also exakt das, was die Wetterprognose der Amerikaner heute Abend simuliert.
Im Winter bedeutet der neutrale Zustand: Schnee und Frost sind möglich, aber meist nur vorübergehend. Nachhaltige Kälteperioden bleiben ebenso selten wie ausgeprägte Mildphasen. Kurz gesagt: Neutrale AO- und NAO-Werte stehen für Variabilität statt Extreme. Das Wetter über Deutschland bleibt dynamisch, aber ohne klare Tendenz in die eine oder andere Richtung. Oder anders formuliert - nasskalt über tieferen Lagen mit optionalem Winterwetter ab den mittleren Lagen.
Fazit: Der Winter zieht sich zurück
Der Wettertrend der vergangenen 48 Stunden setzt sich heute Abend jedoch fort und bestätigt die Milderung, die sich ab dem 8. Januar in mehreren Wellen über Deutschland durchsetzt - über dem Westen schneller als über dem Osten. Die Kontrollläufe sind im Hinblick auf den Winter kompromisslos. Das zeigt sich in den Temperaturen in 1.400 Meter Höhe, welche im Zeitraum vom 12. bis 15. Januar einen Wert von -2 bis +1 Grad annehmen. Zum Vergleich - für den Flachlandwinter sind Höhenwerte von -5 bis -7 Grad eine Grundvoraussetzung, während für mittlere Lagen -3 bis -5 Grad ausreichend sind. Und exakt auf diese Werte sinken die Temperaturen in der Höhe vom 13. bis 19. Januar auch ab und bestätigen die nasskalte Witterung mit dem optionalem Winter ab den mittleren Lagen.
Die aktuelle Wetterprognose des europäischen Wettermodells
Das Extrem von heute Morgen war schon eine Hausnummer, jedoch nur eine Möglichkeit und keine wahrscheinliche Wetterentwicklung - es war anzunehmen, dass diese extreme Variante verworfen wird. Doch dem ist nicht so - Heute Abend wurde das Extrem erneut berechnet und damit sind die Europäer außer Rand und Band
. Entweder vollständig auf dem Holzweg, oder aber ein Trendsetter und an dieser Stelle der nochmalige Hinweis auf die gestrige Wetteranalyse und zwar auf die KI-Prognose des europäischen Wettermodells, welches heute mit der numerischen Variante gut bis sehr gut übereinstimmt. Das als Modellspinnerei
abzutun, ist nicht angebracht. Diese Variante ist auf ihre Art plausibel und muss in den kommenden Tagen weiter verifiziert werden.
Das Tief zieht rasch durch und rückseitig keilt das Azorenhoch nach Norden auf, was bis zum 14. Januar zu teils kräftigen und regional unwetterartigem Schneefall führen kann. Nachfolgend dehnt sich das Hoch weiter in Richtung Skandinavien aus, schnürt den Trog ab und leitet am südlichen Gradienten einen Kaltlufttropfen in Richtung Deutschland.
Erreichen die Temperaturen am 9. Januar verbreitet Höchstwerte von +4 bis +8 Grad, so sind am 11. Januar Temperaturen von -14 Grad über dem Nordosten und -2 Grad über dem Südwesten möglich. Der Dauerfrost erhält sich bis zum 20. Januar und kann die Temperaturen am Tage auf -14 bis -7 Grad absinken lassen. Dazu noch eine dicke Schneedecke, welche das Winterchaos perfektioniert und erneut Mensch, Tier und Infrastruktur vor enorme Herausforderungen stellen würde. Es bleibt spannend. In diesem Sinne Ihnen einen wunderbaren Abend.

