Wetteraussichten: Plötzliche Stratosphärenerwärmung im Hochwinter - Polarwirbel unter Druck
Die Polarluft setzt sich in den kommenden Stunden weiter bis auf die tieferen Lagen durch, was bis zum Start in die neue Woche fast über ganz Deutschland Dauerfrost zur Folge hat. Die Höchstwerte liegen am 7. Januar dann nur noch zwischen -7 und +0 Grad und in den Nächten sinken die Temperaturen auf -10 bis -2 Grad ab. Über Schnee können die Werte auf bis -15 Grad absinken. Der Winter hat Deutschland fest im Griff - bleibt das Wetter hochwinterlich kalt oder setzt sich eine rasche Milderung durch? Und während diese Fragen noch zu klären sind, werden in der Stratosphärenhöhe Prozesse in Gang gesetzt, welche den Winter bis März noch beeinflussen können.
Der Wind kommt heute noch böig aus südwestlichen Richtungen und treibt weitere Schauer über Deutschland hinweg, deren Schwerpunkt über den Küsten der Nordsee sowie entlang eines breiten Streifens zwischen Bremen und Berlin liegen kann (Schneeprognose). Weiter nach Süden sind zwar auch Schauer zu erwarten, doch treffen diese erst zum Nachmittag ein und lösen sich zum Abend und in der Nacht allmählich auf. Die Temperaturen schwanken nördlich einer Linie zwischen Köln und Berlin mit -1 bis +2 Grad um den Gefrierpunkt und liegen über dem Süden mit -4 bis +0 Grad im Dauerfrostbereich. Der Niederschlag geht bis auf die tieferen Lagen als Schnee nieder.
Der Lake-Effect kann einiges an Neuschnee bringen
Die Vorhersage-Modelle sind sich in ihrer Schneeprognose uneins, ob der kräftige und länger andauernde Niederschlag über den Küsten der Nordsee in Form von Schnee, als Schneeregen oder Regen niedergehen wird. Simuliert werden bis zum 7. Januar an den Küsten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein Niederschlagsummen von 20 bis 40 l/m². Die Temperaturen aber sind mit -2 bis +3 Grad grenzwertig und so kann es sein, dass sich bis Mitte der kommenden Woche über diesen Regionen mancherorts Regenwetter oder unwetterartige Neuschneemengen und tiefwinterliche Wetterverhältnisse einstellen können. Über dem Rest von Deutschland stellt sich zunächst ruhiges Winterwetter ein, bevor von Süden ein weiteres Schneefallgebiet aufzieht. Die Höchstwerte gehen bis Mitte der Woche auf -10 Grad an den Alpen und +2 Grad an den Küsten zurück. Verbreitet sind Höchstwerte zwischen -6 und -3 Grad zu erwarten. In den Nächten sinken die Werte auf -8 bis -3 Grad und über Schnee und bei Aufklaren auf bis -15 Grad und an den Alpen auf bis -19 Grad ab. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Januar.

Vorsicht mit der Schneeprognose
Der Hinweis auf die unsichere Schneeprognose bleibt auch heute noch bestehen. Die Vorhersage-Modelle erfassen - je nach Auflösung - den Lake-Effect mal mehr, mal weniger gut. Kritisch bleibt auch die Frage, ob der Niederschlag tatsächlich als Schnee niedergehen wird. Die Temperaturen sind dabei grenzwertig: In Küstennähe verweilen sie um den Gefrierpunkt, während sie über dem Landesinneren zügig absinken können. Nowcast
ist angesagt.
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Der Winter zieht sich komplett aus Deutschland zurück
Das europäische Wettermodell - einst ein Verfechter des Hochwinters bis zum 17. Januar - berechnete in den vergangenen 24 Stunden neben winterlichen Wetterlagen auch Varianten, welche zu einer raschen Milderung führen können. Schaut man sich die obenstehenden Wetterkarten an, so erkennt man bereits die deutlichen Unterschiede im Setup und den für Freunde des Winterwetters
so unbeliebten Wetterwechsel.
Starkes Tauwetter bis auf höhere Lagen
Das Hoch wölbt sich im Hinblick auf den Winter an der falschen Stelle und lässt die Tiefdruckdelle weiter auf dem Atlantik entstehen. So wird der Zufluss polarer Luftmassen gestoppt und durch eine Südwestanströmung ersetzt. Die Temperaturen erreichen über dem Westen am 10. Januar bereits bis +5 Grad und zum 12. Januar kommt es über ganz Deutschland mit +6 bis +12 Grad zu einem markanten Temperatursprung. Die für die Jahreszeit zu warme Witterung erhält sich bis zum 16. Januar.
Doch die hohen Temperaturen werden nicht allein für das starke Tauwetter verantwortlich sein. Unterstützt wird das Abtauen des Schnees durch einen kräftigen und phasenweise auch stürmischen Wind und zeitweiligen Regen. Auch die Nächte bleiben frei von Frost.

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Winterwetter mit kräftigem Schneefall
Eigentlich war es das amerikanische Wettermodell, welches in den vergangenen Tagen immer wieder eine Südwest- oder Westwetterlage berechnet hatte, doch sind diese Varianten zwischenzeitlich verworfen worden. Aktuell wird - wie gestern bereits - eine Grenzwetterlage favorisiert, was über Deutschland auch unwetterartigen Schneefall zur Folge haben kann.
Grenzwetterlage - Der Winter bleibt mit Dauerfrost und eisigen Nächten erhalten
Das Blockadehoch auf dem Atlantik zieht sich zwar nach Süden zurück, doch positioniert es sich in einer Achse, welche im Verbund mit der Polarfront über Mitteleuropa eine Nordwestwetterlage einleitet. Deutschland, Österreich und die Schweiz verbleiben bis zum 13. Januar im Einflussbereich der Polarluft, sodass bei Tageswerten von -9 bis -3 Grad die hochwinterlichen Temperaturen erhalten bleiben. In den Nächten werden -15 bis -6 Grad berechnet. Bei Aufklaren und über Schnee werden bis -25 Grad simuliert.
Vollständig gestörte Zirkulation konserviert den Hochwinter über Deutschland
Im Zeitraum vom 13. bis 18. Januar stellt sich nach der Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells eine Wetterlage ein, wie sie vor ein paar Tagen schon einmal simuliert wurde. Das Blockadehoch auf dem Atlantik dehnt sich bis zum 15. Januar weiter in Richtung Skandinavien aus. Der Kaltlufttrog über Mitteleuropa wird abgeschnürt und in ein Kaltlufttropfen umgewandelt. Infolge daraus gelingt es dem Hoch nicht, eine Achse in Richtung der Mittelmeerregion aufzubauen. Stattdessen stellt sich zwischen den beiden Wettersystemen eine stramme Ostströmung ein.
Die Tageshöchstwerte bleiben mit -14 bis -3 Grad eisig und können in den Nächten auf -8 bis -16 Grad und über Schnee und bei Aufklaren in Richtung der -25 Grad-Marke absinken. Sollte diese Prognose 1:1 so eintreten, hätte das enorme Auswirkungen auf Mensch, Tier und Infrastruktur.
Apropos Schnee - der ist mit der Grenzwetterlage reichlich und regional auch in unwetterartigen Mengen zu erwarten. Der Großteil wird bis zum 10. Januar niedergehen und nachfolgend vom Hoch konserviert
.

Auf den Punkt gebracht: Wie lange bleibt der Winter?
Ja, die Amerikaner hauen heute wieder einen raus
und zeigen gemeinsam mit den Europäern, welches Potenzial die Polarluft hat bzw. welche Prozesse das Auslösen kann. Noch immer schwanken die Vorhersage-Modelle zwischen den Extremen hin und her. Dabei ist die Polarluft noch nicht vollständig angekommen. Die Realdaten sind somit noch nicht vollständig erfasst und so werden in den kommenden Stunden weitere Korrekturen zu erwarten sein.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Die Kontrollläufe haben in den vergangenen 24 Stunden eine weitere Korrektur nach unten erfahren. Die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe schwanken bis zum 9. Januar um die -10 Grad-Marke. Vom 9. bis 13. Januar steigen die Höhenwerte auf bis zu -5 Grad an und pendeln sich vom 14. bis 18. Januar in einem Bereich von -3 und -6 Grad ein. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich der Winter ab dem 13. Januar allmählich von den tieferen Lagen verabschiedet und sich mehr über die mittleren und höheren Lagen zurückzieht.
Vergleicht man den Hauptlauf des amerikanischen Wettermodells, so liegt dessen Höhenwert am 15. Januar bei -15 Grad und liegt somit um bis zu 10 Grad unter dem Mittelwert aller Kontrollläufe. Möglich ja, wahrscheinlich nein. Gleiches gilt für den ungewöhnlichen Temperatursprung, den die Europäer simulieren.
Und während die Vorhersage-Modelle uneins darüber sind, ob es jetzt milder werden soll oder der Hochwinter auch die zweite Januar-Dekade dominieren wird, tritt in der Stratosphäre etwas das ein, was wir seit November begleiten und immer wieder verifizieren. Der QBO-Ost triggert ein Warming in Stratosphärenhöhe, welches seit gestern Abend zu einem Major-Warming heraufgestuft wurde und in den aktuellen Prognosen bestätigt wurde. Erstmals reagieren auch die Winde in der Stratosphäre auf dieses Phänomen, was den Polarwirbel noch im Januar deutlich schwächen und unter bestimmten Voraussetzungen auch komplett zusammenbrechen lassen kann (mehr dazu heute Abend). Schaun mer mal - in jedem Fall bleibt es im Hinblick auf den Winter spannend wie schon lange nicht mehr.

| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 9. Januar | -8 bis +4 Grad | -3 bis -1 Grad |
| 13. Januar | -8 bis +8 Grad | -1 bis +1 Grad |
| 18. Januar 2026 | -11 bis +8 Grad | +0 bis +2 Grad |

Nächste Aktualisierung
- 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle
Update der Wetterprognose von 20:29 Uhr
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells berechnet heute Abend eine fast identische Wetterentwicklung wie heute Morgen.
Deutschland, die Schweiz und Österreich liegen im Grenzbereich zwischen einer polaren und einer maritim angewärmten Luftmasse. So ziehen in die Kältezonen immer wieder Tiefdruckausläufer rein, führen feuchte und auch mildere Luftmassen mit sich, doch reicht die Milderung nicht aus, um die Temperaturen nachhaltig und verbreitet in den positiven Bereich ansteigen zu lassen. Sie reichen jedoch für kräftiges Tauwetter aus.
Viel Schnee - teils unwetterartige Neuschneemengen
Und so kommt es bei dieser Grenzwetterlage zwischen dem 9. und 19. Januar immer wieder zu teils kräftigem und länger andauerndem Niederschlag. Die Milderung setzt bereits zum 9. Januar ein und erreicht ihren Höhepunkt am 12. und 13. Januar.
Die Temperaturen können südlich einer Linie zwischen Bremen und Dresden auf +6 bis +12 Grad ansteigen, während weiter nördlich der Linie der Dauerfrost erhalten bleibt. Zum 14. Januar sinken auch über dem Süden die Temperaturen wieder in Richtung Null-Grad-Marke ab und der Niederschlag geht durchweg als Schnee nieder.
Bis zum 19. Januar pendeln sich die Höchstwerte über dem Norden auf -14 bis -7 Grad und über dem Süden auf -4 bis +1 Grad ein. Eine durch und durch extreme Wetterprognose.

QBO-Ost, das Aleutenhoch und ein Major-Warming
Wir wurden heute mehrfach gebeten, den Zusammenhang, welchen wir in den Vergangenen Wochen seit November zwischen dem QBO-Ost, dem Aleutenhoch und einem Major-Warming in Stratosphärenhöhe in unseren Wetteranalysen verifizieren noch einmal für ein besseres Verständnis zusammenzufassen.
Grundlagen: QBO-Ost als Hintergrundzustand
Die Quasi-biennale Oszillation (QBO) ist ein regelmäßiger Wechsel der Windrichtung in der tropischen Stratosphäre. Bei einem QBO-Ost wehen diese Winde aus östlicher Richtung. Wichtig dabei ist zu verstehen, dass der QBO-Ost kein Ereignis, sondern ein langfristiger Hintergrundzustand ist. Er verändert die Strömungsverhältnisse in der Stratosphäre so, dass großräumige planetare Wellen aus der Troposphäre leichter nach oben vordringen können. Damit macht ein QBO-Ost den stratosphärischen Polarwirbel anfälliger für Störungen, löst diese aber nicht selbst aus.
Major-Warming: Die eigentliche Störung
Ein Major Stratospheric Warming (SSW-Major-Warming: Plötzliche Stratosphärenerwärmung) ist ein plötzliches Extremereignis im Winter. Dabei erwärmt sich die polare Stratosphäre innerhalb weniger Tage stark, während sich die Westwinde des Polarwirbels entlang des 60. Breitengrades auf Ost drehen. Der Polarwirbel wird massiv geschwächt, verdrängt (verschoben, Displacement), gesplittet und im Extremfall steht der Polarwirbel mit einem verfrühten Final-Warming vor den vollständigen Zusammenbruch. Erst bei einem solchen Major-Warming kann sich die Stratosphäre deutlich mit der Troposphäre koppeln und die großräumige Zirkulation am Boden nachhaltig beeinflussen. Vorher geht das nicht und aus diesem Grund lässt sich aus dem Zustand des Polarwirbels in Stratosphärenhöhe auch keine Vorhersage erstellen oder ableiten - Auf vielfachen Wunsch: Der Polarwirbel als Wetterorakel - Stratosphärische Strömungen sind keine Wettervorhersage
Rolle des Aleutenhochs
Das Aleutenhoch ist ein blockierendes Hochdruckgebiet im Nordpazifik. Es spielt eine Schlüsselrolle, weil es starke planetare Wellen erzeugen kann. Diese Wellen breiten sich nach oben aus und treffen auf den Polarwirbel. Ist der Hintergrundzustand durch einen QBO-Ost günstig, können diese Wellen den Wirbel besonders effektiv stören und ein Major-Warming begünstigen. Auffällig ist in den vergangenen Wochen das besonders stark ausgeprägte Aleutenhoch.
Auswirkungen auf die Großwetterlage
Nach einem Major-Warming in Stratosphärenhöhe schwächt sich der Polarwirbel mit einem Zeitversatz von rund 7 bis 14 Tagen auch über den tieferen Schichten ab. Häufig folgt eine negative Phase der Arktischen und Nordatlantischen Oszillation. Der Jetstream (Polarfront) wird wellenförmiger, Hochdruckgebiete in hohen Breiten (Grönland, Island, europäisches Nordmeer und Skandinavien) treten häufiger auf, und die Westwindzirkulation kommt fast vollständig zum Erliegen.
Folgen für Deutschland, Österreich und die Schweiz
Für Mitteleuropa bedeutet das eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für meridionale Wetterlagen. Kalte Luft aus Norden oder Osten kann leichter nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz vordringen. Im Winter steigt damit die Wahrscheinlichkeit für Kältephasen, Frost und Schnee, besonders bei Ost- oder Nordlagen. Anmerkung: All das sind Wahrscheinlichkeiten. Ein QBO-Ost und ein Major-Warming begünstigt winterliche Wetterlagen, garantiert sie aber nicht.
Schaut man sich die aktuellen Berechnungen der Stratosphärenhöhe an, so erkennt man das Major-Warming und im Ansatz bereits auch die Windumkehr zwischen dem 14. und 18. Januar. Mit Folgen für das Wetter ist dann zwischen dem 21. und 30. Januar zu rechnen und reichen von einem Displacement (Verschiebung) des Polarwirbels, einem Polarwirbelsplit und einen völligen Zusammenbruch des Polarwirbels (Final-Warming), was Auswirkungen bis in den März hinein haben kann.

Die Winde in Stratosphärenhöhe
Die Winde in Stratosphärenhöhe intensivieren sich bis zum 10. Januar auf bis zu +150 km/h und sacken bis zum 18. Januar im Mittel auf +64 km/h ab. Das ist noch kein Major-Warming, doch schaut man sich die obenstehenden Karten noch einmal genauer an, so wird das wohl nicht mehr lange dauern, bis die Winde ein negatives Vorzeichen bekommen und sich in der Stratosphäre in eine andere Richtung drehen (Ost-West), als die Troposphäre (West-Ost), was die Schwächung des Gesamtsystems Polarwirbel in Gang setzen wird. Im Moment ein noch frühes Stadium - die kommenden Tage werden für Klarheit sorgen. Das untere Drittel der Windberechnungen liegt am 18. Januar bei +7,2 km/h.
Ein Auf und Ab des Winters
Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells bleibt heute Abend bei einer durchgreifenden Milderung, was die Schneedecke bis zum 13. Januar nahezu vollständig abtauen lässt. Die Ausnahme ist der Norden und Nordosten, wo sich die Polarluft länger halten kann. Erst zum 15. Januar kippt die Wetterlage erneut und bringt den Winter - zumindest nördlich einer Linie zwischen Köln und dem Bayerischen Wald - zurück.
Fazit: Wie lange bleibt der Winter?
Es bliebt in vielerlei Hinsicht spannend - von unwetterartigem Schneefall bis hin zu einer durchgreifender Milderung ist alles dabei. Und das der Ansatz eines Major-Warmings in Stratosphärenhöhe wird möglicherweise die Kopplung zwischen der Stratosphärenhöhe und Troposphäre aufheben können, was weitere Unsicherheiten mit sich führt. Es ist schon eine ganze Weile her, dass die für Winterwetter günstigen Parameter alle auf einmal zusammenkommen. Jetzt muss der Winter sich nur noch dran halten. In diesem Sinne Ihnen einen wunderbaren Samstagabend.

