Wettertrend: Hochwinter auf Zeit - Polarluft, Schnee und späteres Tauwetter
Polarluft rauscht nach Deutschland. Bemerkbar macht sich das mit einem auflebenden Wind, der in den kommenden 36 Stunden über exponierten Lagen zu stürmischen Winden und entlang der Küsten auch zu schweren Sturmböen führen kann. Die Polarluft erreicht am 2. Januar die Alpen und löst mit einer instabilen Luftmasse kräftige Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer aus, welche regional von Wintergewittern begleitet werden können. Bis zum 4. Januar stellt sich über weite Teile von Deutschland Dauerfrost und eine winterliche Witterung ein. Ob der Hochwinter aber mit viel Schnee und mäßigem bis strengem Frost kommt und sich nachhaltig etablieren kann, hängt von einem Blockadehoch auf dem Atlantik ab.
Der Wind kommt heute stark böig aus westlichen Richtungen und kann über der Nordhälfte über exponierten Lagen auch stürmisch auffrischen. Über den Küsten von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind schwere Sturmböen möglich. Der Wind drückt starke Bewölkung in Richtung der Alpen, sodass sich der anfängliche Sonnenschein über Baden-Württemberg und Bayern zum Nachmittag allmählich eintrübt. Der Niederschlag über dem Norden dehnt sich zum Nachmittag in Richtung der Mittelgebirge aus und erreicht - unter deutlicher Abschwächung - in der Nacht die Alpen. Der Niederschlag geht bei Temperaturen von +1 bis +6 Grad nördlich einer Linie zwischen Köln und Dresden als Regen und oberhalb etwa 200 bis 600 Meter als Schnee nieder. Weiter nach Süden schwanken die Werte mit -2 bis +2 Grad um den Gefrierpunkt, sodass der Niederschlag in der Nacht überwiegend als Schnee niedergehen kann - viel ist jedoch nicht zu erwarten.
Schneeschauer, Wintergewitter und der Lake-Effect
Die Polarluft dehnt sich vom 2. bis 6. Januar weiter nach Süden aus und dominiert das Wetter über Deutschland. Die Temperaturen sinken vom 2. Januar mit +0 bis +5 Grad bis zum 6. Januar auf -6 bis -0 Grad ab (höhere Werte an den Küsten) und verbreitet stellt sich Dauerfrost ein. In den Nächten gehen die Temperaturen über dem Norden auf -6 bis -2 Grad und über dem Süden auf -13 bis -4 Grad zurück. Bei Aufklaren und über Schnee können die Werte auch unter die -15 Grad-Marke absinken. Zeitweilige Schauer sind möglich, welche am 2. Januar kräftiger ausfallen und örtlich von Wintergewittern begleitet werden können. Vom 3. bis 6. Januar konzentriert sich die Schaueraktivität bei wechselnder Bewölkung auf die Nordhälfte und wird ihren Schwerpunkt mit einem sog. Lake Effect über Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben. Nach Süden und Osten geht der Niederschlag überwiegend als Schnee nieder. Nach Norden und Nordwesten ist mit Schnee, Schneeregen oder auch Regen zu rechnen. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Januar.

Vorsicht mit der Schneeprognose
Der Hinweis auf die unsichere Schneeprognose bleibt heute bestehen. Das deutsche Vorhersage-Modell berechnet bis zum 6. Januar nur geringe bis allenfalls gemäßigte Neuschneemengen. Anders sind die obenstehenden Schneeprognosen des europäischen und amerikanischen Wettermodells. Der Schneefall und die damit verbundene Neuschneemenge sind - insbesondere über dem Norden - stark von den Turbulenzen, der warmen
Nordsee, den Stauprozessen und den Hebungsvorgängen abhängig. Abwarten!
Der Winter mit kräftigem Schneefall und tiefverschneiten Landschaften
Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells berechnet erneut eine Grenzwetterlage, bei der sich die Polarluft bis zum 12. Januar weitgehend erhalten kann, jedoch an ihrem südlichen Gradienten immer wieder feuchte und milde Einschübe möglich macht.
Diese Randtiefentwicklungen sind im Hinblick auf den Hochwinter Risikofaktoren und Schneebringer zugleich. Das ist eine knappe Kiste
, was die Europäer in Sachen Schnee und Winter berechnen. Verschieben sich die Fronten nur etwas nach Norden, wird es mit viel Wind nur Regen geben.
Nach der aktuellen Vorhersage aber passt das Gemisch und es kommt vom 6. bis 12. Januar zu zeitweiligem kräftigen Schneefall bis auf tiefere Lagen herab, welcher regional zu unwetterartigem Schneefall führen kann.
Die Temperaturen zwischen Hochwinter und Winter
Die Polarluft ist über dem Norden stets präsent und lässt die Temperaturen auf -8 bis -2 Grad absinken. Weiter nach Süden mischt sich die milde Luftmasse unter und kann die Werte phasenweise auf -3 bis +3 Grad ansteigen lassen, was über tieferen Lagen kurzzeitig Regen und dann wieder Schneefall bringen kann. Bis zum 12. Januar kann sich vielerorts eine nennenswerte Schneedecke ausbilden.
Polarluft verabschiedet sich - Tauwetter setzt ein
Im Zeitraum vom 13. bis 16. Januar verlagert sich ein weiterer Cluster des Polarwirbels von Kanada und Grönland in Richtung Skandinavien und drückt das Hoch auf dem Atlantik weit nach Süden. Für eine Phase stellt sich eine zonal geführte Wetterlage ein (Westwetterlage), welche neben Starkwindereignissen mit Temperaturen von +6 bis +12 Grad auch einen kräftigen Temperatursprung und Tauwetter bis auf höhere Lagen zur Folge haben kann.

Der Hochwinter wird abgeblasen
Während die Europäer seit einigen Tagen hartnäckig ihren winterlichen bis tiefwinterlichen Kurs bis zum 12. Januar beibehalten, schwindet der Winter nach der Vorhersage des amerikanischen Wettermodells so schnell, wie er kommt. Der Höhepunkt wird am 4. Januar erreicht sein und bis zum 7. Januar mit Schnee und Frost bis auf tiefere Lagen herab den Winter bringen.
Winterwetter mit Dauerfrost und eisigen Nächten
Die Schneemengen sind bis zum 8. Januar moderat und können über tieferen Lagen zwischen 2 und 6 cm betragen. Über dem Norden können mit dem Lake-Effect regional bis 10 cm zusammenkommen. Ab den mittleren Lagen sind 10 bis 30 cm möglich. Die Höchstwerte erreichen am 7. Januar mit -6 bis +1 Grad ihr Minimum und können in den Nächten auf -10 bis -1 Grad absinken. Über Schnee und bei Aufklaren können die Werte auch unter die -15 Grad-Marke absinken.
Hoch kippt ab - Winter schwindet und Tauwetter setzt ein
Das Blockadehoch auf dem Atlantik ist dem Druck des Polarwirbels nicht gewachsen und zieht sich vom 7. bis 9. Januar nach Süden zurück. Frontensysteme setzen sich durch und leiten über Deutschland, Österreich und die Schweiz mit viel Wind und zeitweiligem Niederschlag eine Westwetterlage ein, was die Temperaturen bis zum 9. Januar auf +4 bis +8 Grad ansteigen lassen kann.
Die zonal geführte Grundströmung bleibt bis zum 16. Januar erhalten und in raschen Abständen überqueren Tiefdruckausläufer der atlantischen Frontalzone Deutschland von West nach Ost. Das Potential für Starkwindereignisse steigt bei einer mäßigen bis erhöhten Niederschlagsaktivität an. Die Temperaturen pendeln sich mit +4 bis +8 Grad in den nasskalten Bereich ein. Tauwetter setzt unterhalb 1.000 Meter ein und der Winter zieht sich auf die höheren Lagen zurück.

Auf den Punkt gebracht: Der Hochwinter unter Vorbehalt
Der Erfahrung nach kommt das europäische Wettermodell besser mit gestörten Zirkulationen zurecht. Die Stärke der Amerikaner liegt hingegen im Erkennen einer Westwetterlage, berechnet diese gern jedoch zu früh und korrigiert diese im weiteren Verlauf, was seit 2018 in schöner Regelmäßigkeit geschieht. Insofern lassen sich die Prognosen im Hinblick auf den Hochwinter und einer rasch durgreifenden Milderung jeweils mit einem gesunden Maß an Skepsis bewerten.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Deutlicher wird das, wenn man die Prognosen der Vorhersage-Modelle mit dem Mittelwert aller Kontrollläufe vergleicht. Der Wettertrend des amerikanischen Wettermodells bestätigt den Winter bis zum 8. Januar, bildet dann aber den oberen Rand des Mittelwertes ab. Der Mittelwert selbst ist vom 8. bis 17. Januar mit Höhenwerten von -2 bis -4 Grad nicht mehr für den Flachlandwinter geeignet und auch für die mittleren Lagen sieht es mit Winterwetter nicht gut aus.
Das europäische Wettermodell bestätigt Winterwetter bis zum 12. Januar. Erst nachfolgend setzt sich eine Milderung bis auf 1.000 Meter durch. Interessant ist jedoch das Spektrum der Höhenwerte, welches am 14. Januar in 1.400 Meter Höhe zwischen -14 und +10 Grad liegt.
Für einen Flachlandwinter braucht es Höhenwerte von -5 bis -7 Grad, während für das Winterwetter ab den mittleren Lagen -3 bis -5 Grad ausreichend sind. Die Wahrscheinlichkeit für Höhenwerte von unter -3 Grad liegt am 14. Januar bei 65 Prozent, für unter -5 Grad bei 28 Prozent und für unter -7 Grad bei 20 Prozent. Kurzum - die Kontrollläufe bestätigen bis zum 8./9. Januar eine winterliche Wetterentwicklung bis auf tiefere Lagen herab und bis zum 11. Januar ab den mittleren Lagen. Darüber hinaus zieht sich der Winter mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bis auf die höheren Lagen zurück.
Schaut man sich den nachfolgenden Mittelwert aller Kontrollläufe bis zum 15. Januar genauer an, so erkennt man die gravierenden Unterschiede zwischen den Vorhersage-Modellen. Die Amerikaner sind der Erfahrung nach im Hinblick auf eine West- oder Südwestwetterlage zu forsch und muss in den kommenden Stunden weiter verifiziert werden. Schaun mer mal.

| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 7. Januar | -8 bis +2 Grad | -4 bis -2 Grad |
| 11. Januar | -7 bis +7 Grad | +0 bis +3 Grad |
| 16. Januar 2026 | -10 bis +10 Grad | +2 bis +4 Grad |

Nächste Aktualisierung
- 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle
Update der Wetterprognose von 20:23 Uhr
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells bestätigte heute Nachmittag noch die durchgreifende Milderung mit Ansatz einer Westwetterlage. Heute Abend jedoch wurde die zonal geführte Westwetterlage weitgehend einkassiert, was so auch zu erwarten war. Zu heftig und zu schnell wurde der Westdrift berechnet, was mit der schweren Polarluft wenig wahrscheinlich ist. Das dauert seine Zeit, bis diese ausgeräumt ist.
Nichtsdestotrotz flacht das Blockadehoch im Zeitraum vom 7. bis 9. Januar auf dem Atlantik ab und lässt die Frontalzone mit kräftigen Tiefdrucksystemen passieren. Anstatt aus West kommt die Grundströmung nach der abendlichen Vorhersage aus Nordwest. Die Temperaturen erreichen am 8. Januar -7 bis -2 Grad und steigen bis zum 11. Januar auf -2 bis +4 Grad, zum 13. Januar auf nasskalte +2 bis +6 Grad und bis zum 17. Januar auf +2 bis +8 Grad an. Die tieferen Werte sind über dem Süden und die höheren über dem Nordwesten zu erwarten.
Der Winter ist auch nach der abendlichen Prognose klar auf dem Rückzug, doch ist dafür nicht mehr eine Westwetterlage verantwortlich, wie man auf den nachfolgenden Wetterkarten deutlich erkennen kann.

QBO-Ost und die Schwächung des Polarwirbels setzen sich weiter fort
Wir werden die Entwicklung des QBO-Ost in den kommenden Tagen weiter verifizieren und begleiten. Dabei handelt es sich um eine 2,2-jährig wiederkehrende Schwingung, welche seit dem Spätsommer aktiv ist und deren Auswirkungen sich im Januar und Februar mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eines Major-Warmings in Stratosphärenhöhe bemerkbar machen werden. Wer mehr darüber wissen möchte: QBO-Ost und die Auswirkungen auf das Wetter.
Aktuell läuft in Stratosphärenhöhe noch alles rund. Auffällig bleibt das Hoch über den Aleuten, was ein Merkmal einer gestörten Zirkulation bei QBO-Ost ist. Kurz zusammengefasst:
Das Aleutenhoch ist ein blockierendes Hochdruckgebiet im Nordpazifik, das vor allem im Winterhalbjahr auftritt. Es steht in engem Zusammenhang mit planetaren Wellen, insbesondere mit der Welle-1-Struktur, der pazifischen Zirkulation und der Kopplung zwischen Troposphäre und Stratosphäre. Ein ausgeprägtes Aleutenhoch ist dabei kein Zufallsprodukt, sondern Ausdruck einer gestörten zonalen Zirkulation.
Im Zusammenhang mit einem QBO-Ost lässt sich folgender Wirkungszusammenhang herstellen: Eine veränderte stratosphärische Grundströmung begünstigt eine effizientere Kopplung und Verstärkung planetarer Rossby-Wellen. Dadurch kann sich die Welle-1-Struktur im Winter verstärken, was die Blocking-Neigung im Nordpazifik erhöht und das Auftreten eines Aleutenhochs wahrscheinlicher macht. Der QBO erzwingt ein solches Muster jedoch nicht, sondern verschiebt lediglich die Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Zusammenhang QBO-Ost und Aleutenhoch
Die Winde drehen sich in Stratosphärenhöhe im Moment entlang des 60. Breitengrades mit +80 km/h von West nach Ost und erreichen zum 8. Januar mit +170 km/h ein vorläufiges Maximum und schwächen sich zum 15. Januar auf rund +100 km/h ab. Damit bleibt der Stratosphärenwirbel geschwächt und kann nicht wie sonst üblich auf Hochtouren laufen (+140 bis +170 km/h). Es ist jedoch keine Windumkehr (negatives Vorzeichen) zu erwarten.
Erst mit einer drastischen Erwärmung (Major-Warming) und nachfolgender Windumkehr wird es für das Wetter richtig interessant (Entkopplung Stratosphäre - Troposphäre). Schaut man sich den aktuellen Zustand des Stratosphärenwirbels an, so bestätigt sich der Ansatz eines kräftigeren Minor-Warmings mit Ansatz eines Major-Warmings in Stratosphärenhöhe. Die vormalige Terminierung des Ereignisses vom November auf Ende Dezember / Mitte Januar passt weitgehend. Jetzt muss es nur noch so kommen.

Fazit: Wie lange bleibt der Winter?
Sowohl das amerikanische als auch das europäische Vorhersage-Modell berechnen einen Erhalt der winterlichen bis hochwinterlichen Wetterentwicklung bis zum 10. Januar. Darüber hinaus mehren sich die Signale einer Umstellung, was den Winter bis auf die höheren mittleren Lagen zurückweichen lassen kann.
Die Kontrollläufe stützen die Milderung ab dem 9. Januar, welche den Winter ab dem 11. Januar über die höheren mittleren Lagen zurückziehen lässt. Schaut man genauer hin, so ist das Spektrum der Temperaturen in 1.400 Meter Höhe zum 16. Januar mit -14 und +5 Grad jedoch breit gestreut. Die Differenz beträgt 19 Grad. Zum Vergleich - für eine halbwegs gesicherte Wettervorhersage ist eine Differenz von 2 bis 4 Grad und für eine brauchbare Wetterprognose von 2 bis 6 Grad wünschenswert. Der Trend zu einer Milderung ist klar gesetzt, doch muss die Polarluft erst einmal kommen und sich mit Schnee und der damit einhergehenden Auskühlung (Albedo Effekt) festigen, dann sieht man weiter.
Schaut man sich die Wetterprognose des europäischen Wettermodells von heute Abend an, so erhält sich die winterliche Wetterlage möglicherweise bis zum 16. Januar. Der Grund ist das Hoch, welches sich nicht nach Süden zurückzieht, sondern im Bereich zwischen dem Atlantik und Skandinavien nach Norden strebt, die Frontalzone blockiert (keine Westwetterlage) und mit einer östlichen Grundströmung vergleichsweise kalte Festlandsluftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz führt.
In Kombination mit den nicht unerheblichen und mancherorts aus nennenswerten Neuschneemengen kann sich so eine längere hochwinterliche Wetterlage einstellen. Es ist und es bleibt spannend. In diesem Sinne Ihnen einen wunderbaren Neujahrsabend.


