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Wetterprognose: Eisige Polarluft - Winterchaos mit unwetterartigen Neuschneemengen möglich

| M. Hoffmann

Das Wetter kippt in den kommenden 72 Stunden. Das ruhige und vielerorts auch sonnige und trockene Wetter endet. Der Grund ist ein Cluster des Polarwirbels, welcher sich zum Jahreswechsel nach Süden ausdehnt und mit kräftigen Windböen für Turbulenzen sorgen wird. Ob der Winter über ganz Deutschland mit kräftigem Schneefall durchbricht, hängt ganz davon ab, wie die Polarluft nach Süden rauscht. Noch immer sind sich die Vorhersage-Modelle nicht einig und das Spektrum reicht von tiefwinterlichem Wetter mit unwetterartigem Schneefall bis hin zu maritim angehauchten Warmluftmassen, welche den Kaltluftvorstoß nach Osten abgleiten lassen. Mehr Spannung kann das Winterwetter nicht mehr bieten.

Durchbruch des Winters mit unwetterartigem Dauerschneefall nicht mehr auszuschließen © Martin Bloch
Durchbruch des Winters mit unwetterartigem Dauerschneefall nicht mehr auszuschließen © Martin Bloch

Die Bewölkung verdichtet sich heute von Norden weiter und erreicht zum Nachmittag eine Linie nördlich zwischen dem Saarland und Nürnberg (Wolkenradar). Aus dem dichten Gewölk können sich ein paar Schauer lösen - alles nicht nennenswert, doch können diese entlang eines breiten Streifens zwischen Nordrhein-Westfalen und Brandenburg für temporär rutschige Verhältnisse sorgen. Weiter nach Süden ist nach Nebelauflösung ein erneut sonniger und trockener Tag zu erwarten. Die Temperaturen erreichen nördlich der Linie zwischen Münster und Berlin +2 bis +6 Grad und an den Küsten sogar bis +9 Grad. Weiter nach Süden schwanken die Temperaturen um den Gefrierpunkt und können bei Dauernebel zwischen -4 und +0 Grad liegen.

Wetterumschwung zum Jahreswechsel

Die Polarluft rauscht zwischen Silvester und dem 3. Januar nach Süden und trifft dort auf die höhenwarme Luftmasse mit derzeit +5 Grad in 1.400 Meter Höhe. Zudem streicht die kalte Luftmasse über die viel zu warme Nordsee, advehiert die Wärme und Feuchtigkeit und lädt diese über Deutschland ab. Gleichzeitig provoziert der Kaltluftvorstoß auf dem Atlantik vor Portugal ein Tiefdruckwirbel, welcher mit seiner Drehbewegung gegen den Uhrzeigersinn warme und feuchte Luftmassen in Richtung der Alpen drückt. Das ist bis zum 3. Januar ein explosives Gemisch, welches entweder komplett verpufft oder aber über Deutschland zu tiefwinterlichen Wetterverhältnissen führen kann. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Januar.

Der Winter klopft an - Das Wetter stellt sich zum Jahreswechsel um
Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Der Winter klopft an - Das Wetter stellt sich zum Jahreswechsel um © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Polarluft löst Turbulenzen aus - Vorsicht mit der Schneeprognose

Die Polarluft löst auf ihrem Weg nach Süden eine Kettenreaktion aus. Ganz gemäß dem Prinzip Aktion = Reaktion. Es ist im Moment unmöglich, die Details in der Schneeprognose exakt vorherzusagen. Normalerweise dient die Schneeprognose zur Bestimmung von Schwerpunkten, aber selbst hierfür ist sie im Moment nicht dienlich. Zudem besteht bis zum 4. Januar noch die Option einer Luftmassengrenze, was den Niederschlag verstärken und so bis zum 4. Januar zu unwetterartigem Schneefall führen kann. Kurzum - da wird sich in den kommenden Stunden in der Schneeprognose noch einiges ändern.

Extremwinter - Katastrophale Neuschneemengen und chaotische Zustände

Abwarten! Doch das, was das europäische Wettermodell heute berechnet, hätte über Deutschland katastrophale Bedingungen zur Folge. Die Kaltluftmasse dreht sich nach der aktuellen Vorhersage bis zum 13. Januar über Mitteleuropa ein und lässt die Temperaturen zum 5. Januar auf Höchstwerte von -6 bis +1 Grad und zum 12. Januar auf -11 bis -2 Grad absinken - wohlgemerkt die Höchstwerte. In den Nächten sinken die Werte auf -14 bis -4 Grad und bei Aufklaren bis nah an die -20 Grad-Marke ab.

Dazu kommt es im gesamten Zeitraum zu wiederholtem - ergiebigem - Dauerschneefall, welcher bis auf das Flachland herab für Schneesummen von 10 bis 30 cm führen kann. Ab den mittleren Lagen sind 30 bis 50 cm möglich und sollte nur die Hälfte davon tatsächlich niedergehen, hätte das vielerorts katastrophale und chaotische Auswirkungen auf Mensch, Tier und Infrastruktur.

Katastrophales Winterwetter über Deutschland - Schneesturm, eisige Kälte und unwetterartige Neuschneemengen
Katastrophales Winterwetter über Deutschland - Schneesturm, eisige Kälte und unwetterartige Neuschneemengen © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Kräftiger Schneefall und ein Auf und Ab der Temperaturen

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells berechnet heute eine nur kurze hochwinterliche Phase, doch bleiben die Temperaturen zumeist im winterlichen Bereich - typisch deutsches Winterwetter. Die Polarluft rauscht nach Süden und provoziert zum 4. Januar ein Tief zwischen Portugal und Spanien, welches auf seiner Vorderseite feuchtwarme Luftmassen nach Norden führt und diese über Deutschland auf die Polarluft prallen lässt.

Luftmassengrenze mit chaotischem Winterwetter

Die Warmluftzufuhr lässt die Temperaturen am 4. Januar südlich einer Linie zwischen dem Saarland und Sachsen auf +5 bis +10 Grad ansteigen, was zu temporärem Tauwetter bis auf die höheren Lagen führen kann. Weiter nach Norden herrscht bei Temperaturen von -2 bis +0 Grad Dauerfrost vor. Entlang dieser Luftmassengrenze kann ergiebiger Dauerschneefall möglich sein, der nach Süden in Eisregen und dann in Regen übergeht. In der Schneeprognose werden bis zum 5. Januar entlang eines breiten Streifens zwischen Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern Neuschneemengen von 15 bis 30 cm simuliert, was ebenfalls ein Winterchaos zur Folge haben kann, da diese Schneemengen bis auf tiefere Lagen herab berechnet werden.

Winterwetter mit zeitweiligem Schneefall

Der Zustrom der polaren Luftmasse reißt zwischen dem 7. und 9. Januar kurzzeitig ab und mit einem Hoch beruhigt sich das Wetter für einen Moment. Der Schneefall lässt nach und die Temperaturen steigen über dem Norden auf +0 bis +5 Grad an und verweilen südlich einer Linie zwischen Köln und Berlin im Frostbereich.

Zwischen dem 9. und 13. Januar kommt es mit einem weiteren Vorstoß polarer Luftmassen zu einer sog. Erhaltungsneigung einer winterlichen Wetterlage. Die Temperaturen steigen zum 9. Januar kurzzeitig auf +0 bis +4 Grad an und sinken bis zum 13. Januar auf -4 bis +0 Grad ab. Positiv können die Werte mit +0 bis +4 Grad entlang der Küsten von Nord- und Ostsee bleiben.

Winterwetter mit Höhen und Tiefen und phasenweise unwetterartigem Schneefall
Winterwetter mit Höhen und Tiefen und phasenweise unwetterartigem Schneefall © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Der Hochwinter unter Vorbehalt

An diesem Resümee hat sich seit 120 Stunden nichts geändert. Die Kettenreaktion und die damit zusammenhängenden Turbulenzen, welche die nach Süden rauschende Polarluft nach sich ziehen, können die unterschiedlichsten Wetterlagen entstehen lassen. Schaut man sich die obenstehenden Wetterkarten noch einmal in aller Ruhe an, so erkennt man auch gut, dass die aktuellen Prognosen der Vorhersage-Modelle im Hinblick auf den Winter und den Schnee ein Optimum berechnet. Anders formuliert einen Idealzustand, welcher nur selten auch so eintritt und so bleibt auch heute wieder - trotz der tiefwinterlichen Wetterprognose - der Zeigefinger erhoben.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Was trotz der ganzen Unsicherheiten als gesichert gilt, ist das Blockadehoch auf dem Atlantik, was eine vollständig gestörte Zirkulation und einen meridionalen Strömungsverlauf über Mitteleuropa zur Folge hat, was zugleich auch eine Grundvoraussetzung für den Winter ist. Ebenso gesichert ist der Temperatursturz in der Höhe von aktuell +5 Grad auf -12 Grad an Silvester. Nachfolgend steigt das Temperaturniveau in 1.400 Meter Höhe bis zum 4. Januar auf -3 Grad an, sinkt zum 6. Januar auf -8 Grad ab und pendelt sich darüber hinaus zwischen -5 und -7 Grad ein.

Und so ist die Schwachstelle im System Winter auch schon ausgemacht. Denn der Flachlandwinter braucht Höhenwerte von -5 bis -7 Grad und das ist grenzwertig und somit ist und bleibt der Schneefall bis auf tiefere Lagen herab vakant, während die Lagen oberhalb zwischen 200 und 500 Meter durchaus einwintern können. Interessant ist auch, dass die Kontrollläufe auch die Luftmassengrenze zwischen dem 3. und 5. Januar berücksichtigen, was über dem Süden kurzzeitig den Schnee unterhalb von 600 bis 900 Metern auch in Regen übergehen lassen kann.

Um das Fazit abzuschließen - der Winter kommt und mit ihm auch die Turbulenzen, was die Details wie Schneefallmenge, Schneehöhen und auch den Schnee bis auf das Flachland herab noch nicht vorhersagbar machen und das Spektrum schwankt derzeit zwischen unwetterartigem Dauerschneefall hin zu mildem Regenwetter. Schaun mer mal, ob die Winterprognosen bis heute Abend einheitlicher werden.

Der Winter hat fast perfekte Voraussetzungen
Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Der Winter hat fast perfekte Voraussetzungen © www.meteociel.fr
Temperaturprognose der Wettermodelle für Dezember
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
4. Januar -10 bis +10 Grad -1 bis +1 Grad
8. Januar -8 bis +8 Grad -1 bis +1 Grad
13. Januar 2026 -11 bis +12 Grad -2 bis +2 Grad
Diagramm Temperaturen Januar 2026
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2026 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:17 Uhr

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells bestätigte heute Nachmittag und auch heute Abend im Zeitraum vom 1. bis 10. Januar eine weitgehend winterliche Wetterentwicklung.

Die Temperaturen gehen bis zum 3. Januar auf -4 bis +1 Grad zurück und lassen den Flachlandwinter weiterhin auf der Kippe stehen. Abseits der Küstenregionen und der westlich gelegenen Ballungsgebieten stellt sich mit Werten von -7 bis +0 Grad verbreitet Dauerfrost ein.

Zeitweiliger Schneefall sorgt für Abwechslung und kann bis zum 4. Januar mit Schwerpunkt über den Alpen zu unwetterartigen Neuschneemengen führen und bis zum 8. Januar kann sich über fast ganz Deutschland eine Schneedecke ausbilden.

Der Winter kommt in der ersten Januar-Dekade teils bis auf das Flachland herab
Der Winter kommt in der ersten Januar-Dekade teils bis auf das Flachland herab © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Der Winter und der erhobene Zeigefinger

Die Europäer hatten heute Morgen den Vollwinter mit katastrophalem Ausmaß berechnet und heute Abend kommt die erwartbare Korrektur. Und diese Korrekturen werden sich in den kommenden Tagen mit den sich anbahnenden Turbulenzen auch weiter fortsetzen.

Stabilität kommt in die Berechnungen erst dann, wenn die Polarluft die südlichen Regionen angekommen ist und Klarheit darüber herrscht, wie das Umfeld auf die arktischen Luftmassen reagiert (Actio=Reactio).

In der abendlichen Wetterprognose des europäischen Wettermodells gelingt es der Polarluft nicht, die Alpen zu überqueren. Stattdessen zieht ein Keil der Kaltluft raus auf den Atlantik und provoziert über England ein Tiefdrucksystem, welches auf seiner Vorderseite vergleichsweise warme Luftmassen nach Deutschland führt.

So können die Temperaturen am 4. Januar auf -5 bis +1 Grad und bis zum 7. Januar auf -7 bis -1 Grad absinken, steigen aber bis zum 9. Januar auf +6 bis +12 Grad an. Das ist ein äußerst markanter Temperatursprung, der so nicht kommen wird. .

Erst Winterwetter, dann eine durchgreifende Milderung
Erst Winterwetter, dann eine durchgreifende Milderung © www.meteociel.fr

Fazit: Zwischen Winter und Hochwinter

Es zeigt aber im Moment sehr deutlich, dass die Vorhersage-Modelle so ihre Probleme mit der Erfassung der kommenden Wetterlage haben. Der Wettertrend ist jedoch klar definiert und geht in Richtung Winter. Die Frage die sich im Moment noch stellt ist, ob der Flachlandwinter und der Hochwinter auch eine Rolle wird spielen können.

Erst muss die Kaltluft kommen, dann sieht man weiter. Geht es nach den Wahrscheinlichkeiten, so bleiben die Kontrollläufe heute Abend für die erste Januar-Dekade auf einem winterlichen Kurs, bei der auch der Flachlandwinter eine Rolle spielen kann. Es bleibt spannend.

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)