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Wetterprognose: Winterchaos im neuen Jahr - Unwetterartiger Schneefall nicht ausgeschlossen

| M. Hoffmann

Noch herrscht verbreitet ruhiges Wetter vor, doch das ändert sich an Silvester und Neujahr, wenn sich ein Cluster des Polarwirbels nach Süden ausdehnt. Die spannende Frage ist jedoch: Wie weit kommt der Arctic-Outbreak nach Süden voran? Reicht es für Schneefall und Winterwetter bis ins Flachland und wie steht es um den Hochwinter? Die Vorhersage-Modelle schwankten in den vergangenen 48 Stunden - trotz eines klaren Wintertrends - mehrmals in die eine wie auch in die andere Richtung. Ob die Unsicherheiten vier Tage vor Eintreffen des Ereignisses ausgeräumt wurden und ob der Vorstoß des Winters bis auf das Flachland herab nachhaltig ist, schauen wir uns heute einmal genauer an.

Schneechaos zum Jahreswechsel? Die Vorhersagemodelle berechnen teils viel Neuschnee, manche sogar mit chaotischen Folgen © Martin Bloch
Schneechaos zum Jahreswechsel? Die Vorhersagemodelle berechnen teils viel Neuschnee, manche sogar mit chaotischen Folgen © Martin Bloch

Ein Wolkenband (Wolkenradar) zieht im Moment von Nord nach Süd und löst sich auf seinem Weg nach Süden weitgehend auf. Nichtsdestotrotz können aus den Wolken über den östlichen Landesteilen ein paar Schneeflocken rieseln. Sonst bleibt es trocken und der Sonntag verläuft - mit Ausnahme der Nebelgebiete - verbreitet sonnig. Die Temperaturen erreichen mit Sonnenschein bis +7 Grad, sonst sind -1 bis +4 Grad möglich. Der Wind kommt meist schwach aus überwiegend östlichen bis nördlichen Richtungen.

Der Winter kommt zum Jahreswechsel

Die Großwetterlage kippt zum Jahreswechsel. Das im Moment noch über Mitteleuropa positionierte Hoch verlagert sich bis zum 1. Januar raus auf den Atlantik und stellt sich dort im Bereich zwischen den Azoren und Grönland als Blockadehoch auf. Also exakt das, was sich bereits in der Wetteranalyse vom 21. Dezember mit dem Zusammenbruch der Zirkulation abgezeichnet hatte. Das Strömungsmuster meridionalisiert, die Bewölkung nimmt zu und von Norden werden - in der Höhe - polare Luftmassen nach Deutschland geführt. So sind zum Jahreswechsel nennenswerte Niederschläge zu erwarten, welche von Regen allmählich in Schnee übergehen und den Winter an Neujahr nach Deutschland bringen können. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Januar.

Der Winter kommt - Das Wetter kippt an Silvester und Neujahr
Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Der Winter kommt - Das Wetter kippt an Silvester und Neujahr © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Polarluft löst Turbulenzen aus

Die Polarluft rauscht zwischen Silvester und Neujahr nach Süden und trifft dabei auf vergleichsweise warme Luftmassen. Die Temperaturgegensätze nehmen zu und damit auch die Turbulenzen. Die Details bleiben problematisch, da sich die Gradienten über Deutschland verdichten und kurz vor Eintreffen nochmals milde und feuchte Luftmassen advehieren können.

Schneesturm nicht auszuschließen

Das Gemisch aus Polarluft und feuchter Nordsee- und Atlantikluft kann durchaus als explosiv bewertet werden und führt über Deutschland, die Schweiz und Österreich häufiger zu Luftmassengrenzen, welche die arktische Kälte von maritim angewärmter Luft trennen. Und das ist auch die Herausforderung, mit der es die Meteorologen derzeit zu tun haben. Im Detail lassen sich die Turbulenzen - zumindest für den Moment - nicht bestimmen. Was sich zeigt, ist der Vorstoß polarer Luftmassen, welcher die Gradienten über Deutschland verdichtet und mit einer nach Süden voranschreitenden Luftmassengrenze neben Schnee und Regen mit einfließender Höhenkaltluft auch einen Schneesturm nicht ausschließen lässt.

Winterprognose mit weiteren Korrekturen

Die Unsicherheiten, welche die arktische Kaltluft mitsamt den damit einhergehenden Turbulenzen auslöst, haben sich in den vergangenen 48 Stunden immer wieder mit milderen Varianten in den Vorhersage-Modellen gezeigt und waren im Hinblick auf den Hochwinter der erhobene Zeigefinger, also ein dezenter Hinweis darauf, dass der Winter zwar wahrscheinlich, der Hochwinter aber vakant bleibt.

Winterchaos - heftiger Schneefall mit Unwetterpotenzial

Geht es nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells, so wurde die mildere Variante von gestern Abend korrigiert und ist aktuell wieder auf einem hochwinterlichen Kurs. Der Arctic-Outbreak erfolgt zum Jahreswechsel und da sich das Hoch westlich von Europa befindet und vehement die Frontalzone blockiert, kommt es über Mitteleuropa zu einer Erhaltungsneigung, bei der bis zum 11. Januar immer wieder polare Luftmassen weit nach Süden transportiert werden können.

Die Temperaturen sinken zum 3. Januar südlich einer Linie zwischen Münster und Dresden auf -4 bis +0 Grad ab und erreichen nach Norden mit -0 bis +4 Grad positive Werte. Am 5. Januar erreichen die Höchstwerte noch -8 bis -2 Grad um bis zum 10. Januar auf -11 bis -4 Grad abzusinken. In den Nächten sinken die Temperaturen auf -6 bis -14 Grad ab und können sich bei Aufklaren und über Schnee der -20 Grad-Marke nähern.

Apropos Schnee. Die Anströmung der Kaltluftmassen erfolgt im Hinblick auf den Hochwinter in einem perfekten Winkel, was immer wieder Niederschlag auslöst, der länger andauernd und ergiebig ausfallen kann. Der Niederschlag geht bis auf tiefere Lagen in Schnee über und kann regional zu unwetterartigen Neuschneemengen mitsamt der damit einhergehenden chaotischen Situationen führen. Würde diese Prognose exakt 1:1 so eintreten, wäre über weite Teile von Deutschland nicht nur eine Einwinterung, sondern ein regelrechtes Winterchaos zu erwarten.

Winterchaos über Deutschland - Schneesturm und unwetterartiger Schneefall bei eisiger Winterluft
Winterchaos über Deutschland - Schneesturm und unwetterartiger Schneefall bei eisiger Winterluft © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Hochwinter mit Schnee und Frost gesichert?

Auch wenn die Prognose des europäischen Wettermodells, welches erfahrungsgemäß mit einer gestörten Zirkulation besser klar kommt, einen für Freunde des Winterwetters nahezu perfekten Winterlauf berechnet, so bleibt auch heute wieder der Zeigefinger erhoben - und erneut ist es die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells, welche den Hochwinter noch über ein paar Hürden springen lassen will.

Winterlich chaotische Wetterphasen

Die Polarluft rauscht zum Jahresbeginn weit nach Süden, trifft auf Deutschland, wird jedoch zum 3. Januar von einer Randtiefentwicklung nach Osten gedrückt. So stellt sich zwischen dem 3. und 5. Januar über dem Westen und Nordwesten (Advehierung maritim angewärmter Luftmassen) mit Temperaturen von +4 bis +8 Grad eine nasskalte Witterung ein.

Die Milderung setzt sich jedoch nur bedingt nach Osten durch, sodass die Temperaturen mit -2 bis +2 Grad östlich einer Linie zwischen dem Saarland und Hamburg um den Gefrierpunkt schwanken können. So geht der zeitweilige und nennenswerte Niederschlag über dem Nordwesten in flüssiger Form und nach Süden und Osten als Schnee nieder, was regional zu chaotischen Straßenverhältnissen führen kann.

Frost über dem Süden, milde Brise über dem Norden

Vom 5. bis 9. Januar reaktiviert sich der Polarwirbel im Bereich zwischen Kanada und Grönland und lässt dem Hoch keinen Spielraum mehr, sich nach Norden zu entwickeln. Das Blockadehoch kippt nach Osten ab und legt sich von England aus quer über Mitteleuropa.

Der Norden von Deutschland gelangt in den maritimen Einfluss, was die Temperaturen auf +6 bis +12 Grad ansteigen lassen kann, während die Hochdruckzone südlich einer Linie zwischen Rheinland-Pfalz und Berlin mit -3 bis +2 Grad kühlere Festlandsluftmassen aus östlichen Richtungen nach Westen führt. Möglicherweise kann mit einer vorhandenen Schneedecke die Kälte auch vor Ort produziert werden (Albedo-Effekt).

Kein Hochwinter

Das was der Wettertrend des amerikanischen Wettermodells heute berechnet, ist im Grunde genommen das für Deutschland typische Winterwetter. Knapp an der Grenze zum Flachlandwinter mit wiederholten Einschüben feuchter Luftmassen, was ab den mittleren Lagen über Süddeutschland für tiefverschneite Landschaften sorgen kann, während die Nordhälfte vom Winter wenig mitbekommt.

Der typisch deutsche Winter - maritimer Norden, winterlicher Süden
Der typisch deutsche Winter - maritimer Norden, winterlicher Süden © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Der Hochwinter unter Vorbehalt

An diesem Resümee ändert sich auch heute nichts. Der Winter kommt, ob er sich aber zum Hochwinter mit Schneefall und winterlichen Wetterverhältnissen auf das Flachland herab wandeln kann, bleibt abzuwarten. Zu diffus sind die nachfolgenden Turbulenzen des Kaltluftvorstoßes und können noch eine regelrechte Kettenreaktion auslösen.

Was als gesichert gilt, ist die Wetterwende mit einem Temperatursturz zum Jahreswechsel. Liegen die Temperaturen am 29. Dezember in 1.400 Meter Höhe noch bei +5 Grad, so stürzen diese binnen 24 Stunden auf bis -10 Grad ab. Im Zeitraum vom 30. bis 5. Januar verbleiben die Höhenwerte nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe mit -6 bis -9 Grad auf einem Niveau, das für Schneefall und winterliche Wetterverhältnisse bis auf das Flachland herab optimal ist.

Im direkten Vergleich zu den Kontrollläufen bilden das amerikanische Vorhersage-Modell die mit Abstand wärmste und das europäische die kälteste Variante ab. Der Mittelwert der Höhenwerte aber liegt im Zeitraum vom 5. bis 11. Januar zwischen -5 und -7 Grad, was Winterwetter zwischen 0 und 300 Meter zur Folge haben kann. Der Wettertrend spricht heute erneut eine klar winterliche Sprache, bei der die erste Januar-Dekade im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 um -1 bis -2 Grad zu kalt ausfallen kann (91/20: -2,4 bis -3,4 Grad).

Trotz der ganzen Unsicherheiten und Turbulenzen dürfen Freunde des Winterwetters weiterhin optimistisch bleiben. Die Spannung bleibt auf einem hohen Niveau. Schaun mer mal, ob die Vorhersage-Modelle bis heute Abend eine einheitliche Linie finden.

Der Winter bricht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zum Jahreswechsel über Deutschland durch
Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Der Winter bricht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zum Jahreswechsel über Deutschland durch © www.meteociel.fr
Temperaturprognose der Wettermodelle für Dezember
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
2. Januar -5 bis +5 Grad -2 bis +0 Grad
6. Januar -11 bis +8 Grad -3 bis -0 Grad
11. Januar 2026 -8 bis +8 Grad -2 bis +2 Grad
Diagramm Temperaturen Januar 2026
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2026 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:22 Uhr

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells ist heute Abend wieder mehr in Richtung Winter gekippt. Die milde Luftmasse bleibt auf dem Atlantik, während von Norden polare Luftmassen nach Süden, in Richtung Deutschland, Österreich und der Schweiz, ausströmen.

Der Winter kommt mit Schnee zum Jahreswechsel

Die Temperaturen erreichen an Silvester über dem Westen und Nordwesten mithilfe von maritim angewärmter Luft +4 bis +8 Grad, sinken aber südlich einer Linie von Köln bis Rostock auf den Gefrierpunkt ab. An dieser überwiegend nasskalten Witterung ändert sich bis zum 3. Januar zunächst nichts.

Dann aber erreicht die Polarluft Mitteleuropa mit voller Wucht und lässt die Temperaturen bis zum 5. Januar auf Höchstwerte von -8 bis -4 Grad und über dem Süden auf bis zu -10 Grad absinken - wohlgemerkt die Höchstwerte. In den Nächten sind Tiefstwerte von -12 bis -4 Grad und bei Aufklaren sowie über Schnee bis -18 Grad möglich.

Apropos Schnee: Der fällt oberhalb von etwa 300 bis 500 Metern reichlich und geht über Teilen von Baden-Württemberg und Bayern auch unwetterartig bis teils auf tiefere Lagen nieder.

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells ist wieder auf einem winterlichen Kurs
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells ist wieder auf einem winterlichen Kurs © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Der Hochwinter rückt weit nach Süden vor

Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells lässt den winterlichen Trog bis zum 2. Januar in Richtung der Alpen vorrücken. Die Temperaturen sinken am Neujahrstag über dem Nordwesten auf +0 bis +5 Grad und über den Rest von Deutschland auf -2 bis +2 Grad ab. Am 4. Januar sind Höchstwerte von -6 bis +1 Grad und am 8. Januar von -4 bis -12 Grad möglich.

Mithilfe der Polarluft nehmen die Turbulenzen zu und machen mit zeitweiligem Schneefall den Durchbruch des Winters bis auf das Flachland herab möglich, sodass sich bis zum 10. Januar eine hochwinterliche Wetterlage einstellen kann.

Der Hochwinter kommt und dominiert die erste Januar-Dekade
Der Hochwinter kommt und dominiert die erste Januar-Dekade © www.meteociel.fr

Fazit: Zwischen Winter, Hochwinter und einem kollabierenden Polarwirbel

Die Vorhersage-Modelle sind wieder, bzw. bleiben, auf einem winterlichen Kurs, welcher von den Kontrollläufen bestätigt wird. Freunde des Winterwetters können also optimistisch bleiben. Mit der zu erwartenden Dynamik und den damit verbundenen Turbulenzen lässt sich Anfang Januar über Süddeutschland ein Schneesturm nicht mehr ausschließen. Dennoch - gerade die Dynamik und die Turbulenzen können im letzten Moment dann - ähnlich wie über dem Norden - dann doch noch die maritimen Luftmassen nach Deutschland einströmen lassen. Aber fassen wir es heute Abend einmal so zusammen: Winterwetter ist bis auf die mittleren Lagen herab sehr wahrscheinlich und bis auf die tieferen Lagen herab möglich. Und ob es zu einer Hochwinterlichen Wetterentwicklung mit strengem Dauerfrost kommt, bleibt abzuwarten.

QBO-Ost greift - Polarwirbel schwächt sich massiv ab - Kollabierung möglich

Wer uns schon längere Zeit folgt, weiß, dass wir in unseren sonntäglichen Wetteranalysen immer wieder über den QBO-Ost berichten (was wir am Sonntag wieder ausführlicher machen werden). Der QBO-Ost ist seit Herbst voll im Gang und wird seine Wirkung zwischen Weihnachten und Mitte Januar voll entfalten können. Erstmals zeigte sich das Phänomen Ende November mit einem extrem schwachen Polarwirbel in Stratosphärenhöhe und einer beinahe Windumkehr. Mittlerweile hat sich der Stratosphärenwirbel wieder etwas berappelt, bleibt aber von schwacher Struktur.

Heute Abend zeigt sich der Ansatz eines Major-Warmings in Stratosphärenhöhe mit nachfolgend möglicher Windumkehr, welche klar dem QBO-Ost zuzuschreiben ist. Ohne an dieser Stelle ein Major-Warming und dessen Folgen ausführlich zu erklären, hier die Kurzfassung: Ein Major-Warming schwächt den Stratosphärenwirbel massiv ab und zwingt die oberen Winde zur Umkehr. Diese drehen anstatt von West-Ost auf Ost-West, was mit einem Zeitversatz von 7 bis 14 Tagen Auswirkungen auf die unteren Schichten des Polarwirbels haben kann. Kurzum: Das Phänomen könnte eine hochwinterliche Wetterentwicklung über Deutschland, Österreich und der Schweiz stützen (kein Muss, ein Kann). Ausführlicher dann morgen in der Wetteranalyse. Bis dahin wünschen wir Ihnen einen wunderbaren Samstagabend.

Der QBO-Ost macht sich allmählich in der Stratosphäre bemerkbar und kann den Hochwinter über Deutschland noch maßgeblich beeinflussen
Der QBO-Ost macht sich allmählich in der Stratosphäre bemerkbar und kann den Hochwinter über Deutschland noch maßgeblich beeinflussen © www.meteociel.fr
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