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Umstellung der Wetterlage: Winter zu Weihnachten? Eisige Nächte und Schneefall möglich

| M. Hoffmann

Der Winter rückt zu Weihnachten näher an Deutschland heran. In den kommenden Tagen stellt sich die Großwetterlage um und es baut sich noch in der Vorweihnachtszeit eine gestörte Zirkulation auf, welche die bisherige Großwetterlage auf den Kopf stellt. Unter bestimmten Voraussetzungen lassen sich mancherorts weiße Weihnachten nicht ausschließen. Ist das der Beginn vom Durchbruch des Winters, auf den viele so lange gewartet haben? Wir schauen uns das einmal genauer an.

Wie steht es um weiße Weihnachten und den Winter bis Silvester? © Martin Bloch
Wie steht es um weiße Weihnachten und den Winter bis Silvester? © Martin Bloch

Das Wetter dümpelt bis zum 4. Advent weiter vor sich hin. Zwar stellt sich die Großwetterlage zum Ende der Woche um, doch bekommt Deutschland davon zunächst noch wenig mit. So scheint nach Nebelauflösung verbreitet die Sonne und Niederschlag ist bis Freitag nur über dem Nordwesten etwas zu erwarten, sonst bleibt es trocken. Die Temperaturen steigen weiter an und erreichen verbreitet +8 bis +12 Grad und örtlich sogar bis +14 Grad. Erweist sich der Nebel in Gewässernähe als hartnäckig, liegen die Werte unter der +5 Grad-Marke.

Der Wetterwechsel beginnt zum 4. Advent

Ausläufer eines Tiefdrucksystems auf dem Atlantik dehnen sich weiter nach Osten aus und streifen bis zum 22. Dezember Deutschland. So nimmt die Bewölkung über dem Norden und phasenweise auch über dem Süden zu und nördlich einer Linie zwischen dem Saarland und Sachsen ist mit etwas Regen zu rechnen. Viel wird dabei nicht zusammenkommen, doch reicht es für unbeständiges Wetter. Die Temperaturen bleiben bis zum 4. Advent mit +6 bis +12 Grad noch auf einem für die Jahreszeit zu hohen Niveau, sinken zum 22. Dezember auf +3 bis +6 Grad ab. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Weihnachten.

Die Großwetterlage wird auf den Kopf gestellt und ermöglicht in der Vorweihnachtszeit eine Ostwetterlage
Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Die Großwetterlage wird auf den Kopf gestellt und ermöglicht in der Vorweihnachtszeit eine Ostwetterlage © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Gibt es weiße Weihnachten?

Das Wetter kippt noch rechtzeitig vor Weihnachten und mit dem Hoch zwischen Island und Skandinavien stellt sich in der Vorweihnachtszeit eine vollständig gestörte Zirkulation ein. Die Grundströmung dreht von Südwest auf Ost bis Nordost und führt vom Festland kalte Luftmassen in Richtung Mitteleuropa.

Verstärkt wird die Zufuhr vergleichsweise kalter Luftmassen von einem Höhentief bzw. einem Kaltlufttropfen, welcher das Hoch an seinen südlichen Gradienten unterwandert und zugleich verhindert, dass das Hoch eine Achse in Richtung der Mittelmeerregion ausbilden kann.

Schneefall zum Weihnachtsfest ist möglich

Schneeprognosen zu Weihnachten sollte man noch immer mit einem gesunden Maß an Skepsis bewerten. Zu fragil ist das Konstrukt, dem letzten Endes dann doch die Dynamik fehlt. Das läuft erneut auf eine gradientenschwache Wetterentwicklung hinaus, bei der es im Hinblick auf Weiße Weihnachten genau darauf ankommen wird, wo sich die Störung in Form eines Kaltlufttropfens positionieren wird.

Wir haben einmal die Weihnachtsprognose beider Vorhersage-Modelle bis einschließlich dem zweiten Weihnachtsfeiertag gegenübergestellt. Die Prognose des amerikanischen Wettermodells ist die aktuelle von heute Mittag, die der Europäer von heute Morgen.

Die Temperaturen sinken bis Heiligabend (18:00 Uhr) nach dem europäischen Wettermodell auf -4 bis +2 Grad ab, während die Amerikaner mit +0 bis +6 Grad eine nasskalte Witterung in Aussicht stellen. Bis zum 26. Dezember berechnen die Europäer Höchsttemperaturen von -5 bis +3 Grad, die Amerikaner zwischen +2 bis +6 Grad. Dabei ist die Prognose der Großwetterlage der beiden Vorhersage-Modell sehr ähnlich. Die Unterschiede im Detail sind im Hinblick auf weiße Weihnachten aber doch gravierend.

Weiße Weihnachten mit Winterwetter, Schnee und Frost - die Vorhersage-Modelle sind sich da noch nicht einig
Weiße Weihnachten mit Winterwetter, Schnee und Frost - die Vorhersage-Modelle sind sich da noch nicht einig © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Der Wettertrend - wie steht es um den Winter bis Silvester?

Beide Vorhersage-Modelle hatten in der gestrigen Wetterprognose eine winterliche Wetterentwicklung in der Zeit von Weihnachten bis Silvester berechnet und auch die Kontrollläufe haben diesen Trend zwar nicht ganz, aber zunehmend gestützt. Was ist daraus geworden, können sich die Freunde des Winterwetters so langsam freuen?

Das kann für den Winter noch in eine völlig andere Richtung gehen

Ein entscheidendes Detail haben wir im Hinblick auf den Winter bereits oben erwähnt. Das Hoch bildet vor und über Weihnachten einen autarken Hochdruckkern zwischen Island und Skandinavien aus. Der Kaltlufttropfen verhindert die Achsausbildung nach Süden. Was aber passiert, wenn sich der Störimpuls auflöst?

Dann passiert das, was das europäische Wettermodell heute simuliert. Das autarke Hoch beginnt um Weihnachten damit, eine Achse in Richtung der Mittelmeerregion aufzubauen. Bis Silvester kann so eine gigantische Hochdruckblase entstehen, welche sich über weite Teile von Europa ausdehnt. Kein Niederschlag, kein klassisches Winterwetter, stattdessen ein Wechselspiel aus Sonne, Wolken und dichten Nebelfeldern.

Das riecht nach einer Inversionswetterlage, bei der die tieferen Lagen durch die fehlende Durchmischung der Luftmassen allmählich auskühlen und die Temperaturen auf -4 bis +4 Grad einpendeln lassen, während die höheren Lagen mit +0 bis +6 Grad am Tage frostfrei bleiben können. In den Nächten kühlt es durch das Fehlen einer schützenden Wolkendecke auf -2 bis -8 Grad und über Schnee auf bis -12 Grad ab. Die Luft ist entsprechend trocken, der Taupunkt niedrig, sodass sich die weihnachtliche Schneedecke bis Silvester erhalten kann.

Reaktiver Polarwirbel verhindert Winterwetter

Die Mittagsprognose des amerikanischen Wettermodells ist jetzt komplett und zeigt eine völlig unwinterliche Wetterentwicklung. Der Grund hierfür ist die vollständig gestörte Zirkulation über Weihnachten, welche durch ihre Drehbewegung im Uhrzeigersinn den Polarwirbel dazu anregt, sich von Kanada/Grönland in Richtung Barents- und Karasee zu positionieren.

Das Hoch gerät zwischen Island und Skandinavien in eine gradientenstarke Struktur, was das Hoch zum Rückzug - über Mitteleuropa zwingt. Kurzum - in der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester verlagert sich der Hochdruckkern direkt über Deutschland. Die Inversionswetterlage kann sich nicht in dem Maße aufbauen, wie sie die Europäer berechnen und so liegen die Tageswerte bei einem Mix aus Sonne, Wolken und Nebel zwischen +2 bis +6 Grad und mit einer maximal möglichen Sonnenscheindauer können bis +8 Grad möglich sein. Nein, Winterwetter sieht anders aus.

Im Hinblick auf den Winter bis Silvester eine fragwürdige Wetterentwicklung
Im Hinblick auf den Winter bis Silvester eine fragwürdige Wetterentwicklung © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Der Winter unter Vorbehalt

Die Vorhersage-Modelle berechnen zwar einheitlich eine vollständig gestörte Zirkulation, doch werden die Positionierungen der Wettersysteme unterschiedlich berechnet und das ist im Hinblick auf den Winter der Knackpunkt, welchen man in den kommenden Stunden weiter verifizieren muss.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Die Kontrollläufe stützen einen winterlichen Wettertrend. Die Prognose des amerikanischen Wettermodells ist im Vergleich zum Mittelwert aller Kontrollläufe um bis zu 6 Grad zu hoch und bildet somit eine der wärmsten Varianten ab. Im Vergleich zu den Vortagen nehmen heute die tiefwinterlichen Wetterlagen weiter zu, welche in der Höhe von 1.400 Metern zu Temperaturen von bis -15 Grad führen können. Nein, das ist jetzt nicht mit Winterwetter gleichzusetzen, der Trend aber geht zunehmend in die winterliche Richtung.

Damit der Winter bis auf das Flachland herab möglich ist, müssen die Höhentemperaturen zwischen -5 und -7 Grad betragen, während für mittlere Lagen -3 bis -5 Grad ausreichend sind. Die Wahrscheinlichkeit für Höhenwerte unter -3 Grad liegt nach der Auswertung aller Kontrollläufe aktuell bei rund 59 Prozent. Für Werte unter der -5 Grad-Marke liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 Prozent und für unter -7 Grad bei 43 Prozent. Das wird also noch eine ganz spannende Zeit vor, über und nach Weihnachten. Schaun mer mal, was in den kommenden Stunden noch so berechnet wird.

Winterwetter ist in der Zeit von Weihnachten bis Silvester durchaus bis auf das Flachland herab möglich
Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Winterwetter ist in der Zeit von Weihnachten bis Silvester durchaus bis auf das Flachland herab möglich © www.meteociel.fr
Temperaturprognose der Wettermodelle für Dezember
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
23. Dezember +4 bis +12 Grad +4 bis +6 Grad
27. Dezember -6 bis +6 Grad +0 bis +3 Grad
1. Januar 2026 -8 bis +11 Grad -1 bis +1 Grad
Diagramm Temperaturen Januar 2026
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2026 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:22 Uhr

Die neuesten Wetterkarten trudeln im Moment ein und insbesondere das deutsche Vorhersage-Modell steht weißen Weihnachten im Moment mit regionalem Dauerfrost positiv gegenüber. Denn bereits am 24. Dezember kann sich mit leichtem Schneefall ab den tieferen mittleren Lagen eine Schneedecke ausbilden.

Noch immer aber ist ein gesundes Maß an Skepsis im Hinblick auf Schnee zu den Weihachtsfeiertagen angebracht. Denn berechnen die Amerikaner und auch die Europäer heute Abend zwar einen spürbaren Temperaturrückgang zu den Festtagen doch bleiben die Temperaturen mit +2 bis +6 Grad zu hoch für Schneefall bis auf tiefere Lagen herab. Eine weiße Weihnacht bleibt demnach den höheren mittleren und den höheren Lagen vorbehalten. Um es abzukürzen - es sieht im Hinblick auf Schnee zu Weihnachten ganz gut aus, wobei eine nasskalte Witterung mit Schneeoptionen ab den mittleren Lagen weiterhin die wahrscheinlichste Entwicklung über die Festtage sein wird.

Die Großwetterlage an Heiligabend
Die Großwetterlage an Heiligabend © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Der Durchbruch des Winters bis Silvester

Schaut man sich noch einmal die obenstehenden Wetterkarten an, so erkennt man die vollständig gestörte Zirkulation zu Weihnachten. Das Hoch zwischen Skandinavien und Island blockiert die Frontalzone und macht eine Westwetterlage zu einem Ding der Unmöglichkeit.

Entscheidend für den weiteren Verlauf des Winters wird sein, wie sich das autark agierende Hoch über dem Norden verhalten wird. Denn so wie es da über Weihnachten liegt, blockiert es nicht nur die Frontalzone, sondern auch den direkten Zustrom arktischer Kaltluftmassen.

Damit der direkte Zustrom polarer Luftmassen aber gelingt, muss das Hoch weiter nach Westen - mehr in Richtung Island und Grönland, was wiederum eine absolut gestörte Zirkulation provoziert. Das bedeutet, dass die Frontalzone nicht nur blockiert, sondern erst gar nicht mehr entstehen kann. Ein Indikator hierfür ist der NAO-Index, der in den vergangenen Tagen nach einer positiven Phase zwischen Weihnachten und Silvester neutral bis leicht negativ berechnet wurde.

Leicht negativ bedeutet, dass das Verhältnis zwischen Islandtief und Azorenhoch gestört ist, jedoch nicht in dem Maße, als dass das Strömungsmuster voll auf meridional kippt (Nord-Süd; Süd-Nord). Damit also der Winter von Skandinavien in Form eines Troges nach Süden vordringen kann, muss das Hoch nach Westen und so einen negativen NAO-Index auslösen.

Ein starkes Signal für eine Nordwetterlage mit Schnee und Frost

Nach den aktuellen Berechnungen hat der NAO-Index jetzt seinen Höhepunkt erreicht und wird ab dem 20. Dezember deutlich negativ. Da gibt es keine positiven Ausschläge mehr. Das ist ein sehr starkes Signal für den Winter in der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester.

Die Kontrollläufe reagieren entsprechend darauf und berechnen in 1.400 Meter Höhe am 28. Dezember ein Temperaturspektrum von +5 bis -15 Grad. Die Differenz beträgt bis zu 20 Grad und der Mittelwert pendelt sich zwischen -4 und -5 Grad ein. Die -5 Grad-Marke ist der Schwellenwert für den Flachlandwinter, der sich mit Höhentemperaturen von -5 bis -7 Grad einstellen kann.

Wir haben einmal ausgesuchte Kontrollläufe gegenübergestellt, welche einen negativen NAO-Index, einen meridionalen Strömungsverlauf und einen Ausbruch arktischer Kaltluftmassen bis an die Alpen zur Folge haben und das Schemata eines Durchbruchs des Winters verdeutlichen.

Verlagert sich das Hoch nach Westen, löst es einen negativen NAO-Index aus und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit für tiefwinterliche Wetterlagen über Deutschland
Verlagert sich das Hoch nach Westen, löst es einen negativen NAO-Index aus und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit für tiefwinterliche Wetterlagen über Deutschland © www.meteociel.fr

Fazit: Winterwetter rückt in greifbare Nähe

Natürlich kann aus Sicht der Freunde des Winterwetters noch vieles schieflaufen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sich das Hoch eben nicht nach Westen entwickelt und sich stattdessen über Skandinavien über Deutschland positioniert. Dann werden sämtliche Arten von Wetter blockiert und mit Winterwetter ist dann erst einmal nicht zu rechnen. Das ist sozusagen der erhobene Zeigefinger und sollte in den kommenden Tagen als alternative Entwicklung im Hinterkopf behalten werden.

Schaut man sich die abendlichen Prognosen der Vorhersage-Modelle an, erkennt man zweifelsfrei, woran der Winter scheitern kann. Das Hoch entwickelt sich nach der Prognose des amerikanischen und europäischen Wettermodells exakt so, dass sich ein negativer NAO-Index mit einem nachfolgenden meridionalem Strömungsverlauf ergibt. Das Hoch dehnt sich jedoch zu weit nach Osten aus, was den winterlichen Trog über dem westlichen Russland niedergehen lässt, während Deutschland bei nasskalten Temperaturen von +4 bis +8 Grad in den Einflussbereich einer gemäßigten Nordströmung, oder gar komplett in den Bereich des Hochdrucksystems gelangt.

Kehrt man zu den Wahrscheinlichkeiten zurück, so liegen die Varianten der Kontrollläufe, welche in der Höhe von 1.400 Meter bei -3 Grad liegen und so den Winter ab den mittleren Lagen markieren bei einer Wahrscheinlichkeit bei 63 Prozent (heute Mittag: 59 Prozent). Varianten, die mit -5 Grad an der Schwelle zum Flachlandwinter stehen, haben eine Wahrscheinlichkeit von 53 Prozent (50 Prozent) und Varianten von unter -7 Grad (Winter bis ganz runter) von 33 Prozent (47 Prozent). Das lassen wir jetzt einmal so stehen und wünschen Ihnen einen wunderbaren Abend.

Keine Störung des Stratosphärenwirbels
Keine Störung des Stratosphärenwirbels © www.meteociel.fr || wxcharts.com
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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)