Wetteraussichten: Schnee zu Weihnachten und schwacher Polarwirbel? Eine Veränderung zeichnet sich ab!
Die Fragen nach wann kommt der Winter
und gibt es weiße Weihnachten
werden zahlreicher und drängender. Einerseits wohl wegen dem Wintersport in den Weihnachtsferien und andererseits dem Klischee wegen. Und ja, das Wetter hat bis zum 18. Dezember kein Winter oder Schnee zu bieten, dafür ein für die Jahreszeit ungewöhnlich hohes Temperaturniveau und weitgehend ruhiges Wetter. Doch das ändert sich in der Vorweihnachtszeit. Die Großwetterlage stellt sich um und das Entwicklungsspektrum reicht von tiefwinterlichen bis hin zu frühlingshaften Wetterverhältnissen zu den Feiertagen. Was aber ist neben dem Möglichen das Erwartbare?
In den kommenden Tagen ist bis über den 3. Advent hinaus noch nicht einmal mit einem winterlichen Ansatz oder zumindest einer nasskalten Witterung zu rechnen. Stattdessen stellt sich eine hochdruckdominierte Wetterlage ein. Das Wetter im Dezember bleibt zunächst ruhig und weitgehend trocken.
Ruhiges Adventswetter mit Sonne, Wolken, Nebel und leichtem Regen
Die schwache Südanströmung bleibt bis zum 16. Dezember erhalten. Die Luftmassen kommen zur Ruhe und Windbewegungen sind kaum wahrnehmbar. Durch die ruhende Luftmasse können sich regional - und meist in Gewässernähe - zähe Nebelfelder ausbilden, welche auch den Tag überdauern können. Ist das der Fall, bewegen sich die Temperaturen um die +5-Grad-Marke. Löst sich der Nebel auf, ist verbreitet mit Sonnenschein zu rechnen, welcher gelegentlich durch vorüberziehende Wolkenfelder eingetrübt werden kann. Leichter Niederschlag ist am Wochenende über dem Norden möglich, sonst bleibt es bei Temperaturen von +6 bis +10 Grad trocken. Mit einer entsprechenden Sonnenscheindauer können auch bis +14 Grad möglich werden. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Dezember.

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Pattsituation auf dem Atlantik
Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells bestätigt im Grunde heute die gestrige Weihnachtsprognose, jedoch mit einem kleinen, aber durchschlagenden Unterschied.
Trogansatz, Höhentief und eine Pattsituation
Den Trogansatz erkennt man bereits auf den obenstehenden Wetterkarten, welcher bis zum 22. Dezember einen Temperaturrückgang auf +5 bis +8 Grad und örtlich auf bis +3 Grad zur Folge hat. Spielt Nebel eine Rolle, kann lokal Dauerfrost möglich sein. Das für das Weihnachtswetter Entscheidende findet jedoch auf dem Atlantik statt.
Der Polarwirbel wird zwar durch weitere Hochdruckeinschübe im Bereich zwischen Skandinavien und den Aleuten gestört, bleibt mit seinen zwei Clustern zwischen Kanada und Grönland, sowie über Sibirien bestehen. Es wird lediglich der Ansatz eines Polarwirbelsplits zu Weihnachten simuliert, was man in den kommenden Tagen weiter verifizieren muss, für den Moment jedoch eine untergeordnete Rolle spielt.
Für das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz relevant ist der Cluster über Kanada und Grönland, welcher durch seine Wucht ein Aufbäumen des Azorenhochs auf dem Atlantik verhindert. In Folge daraus schiebt die Frontalzone das Azorenhoch vor sich her, sodass sich über die Weihnachtsfeiertage vom 24. bis 26. Dezember eine Hochdruckzone über Mitteleuropa ausdehnen kann. Ob Deutschland dabei in eine Südwest- oder Nordostanströmung gelangt, bleibt im Speziellen noch abzuwarten und hängt von der Ausgestaltung der Hochdruckzone ab.
Die Weihnachtsprognose
Sollte es aber so kommen, wie von den Europäern aktuell berechnet, dann wäre an Weihnachten mit Temperaturen von +3 bis +6 Grad und mit Sonnenschein bis +8 Grad zu rechnen. Großartige Niederschlagssummen sind nicht zu erwarten. Weiße Weihnachten wären demnach nur über den Höhenlagen des Schwarzwaldes, des Bayerischen Waldes und der östlichen Mittelgebirge, sowie dem Alpenvorland und der Alpen möglich.

Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells: Schwächung des Polarwirbels
Aber nicht nur das europäische Wettermodell berechnet eine anhaltende Schwächung des Polarwirbels über Weihnachten, auch die Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells geht in diese Richtung.
Bis es aber soweit ist, schaukelt sich die Südwestwetterlage bis zum 21. Dezember weiter auf und belässt Deutschland, die Schweiz und Österreich bis dahin im Einflussbereich eines Hochdrucksystems. Bei Temperaturen von +5 bis +10 Grad und mit einer längeren Sonnenscheindauer von bis +12 Grad erübrigt sich die Frage nach dem Winter mit Schnee und Frost erst einmal.
Clusterbildung des Polarwirbels - Ein Winterbringer?
Nein, zumindest nicht so, wie es die Prognose des amerikanischen Wettermodells aktuell berechnet. Die Hochdruckzone dehnt sich über Mitteleuropa bis zum 23. Dezember weiter nach Norden aus und nimmt für einen Moment Kontakt zum Aleutenhoch auf. Diese Berechnungen sind rückblickend einigermaßen konsistent und werden immer wieder bestätigt. Kurzum - die Schwäche des Polarwirbels bleibt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit erhalten, hat aber nicht immer Winterwetter zur Folge.
Die Hochdruckzone - quer durch den Wirbel - hat ebenfalls eine Clusterbildung zwischen Kanada und Grönland sowie über Sibirien zur Folge. Insbesondere der Cluster zwischen Kanada und Grönland tritt gegenüber dem Azorenhoch aggressiver auf und wo eine Aktion ist, gibt es auch eine Reaktion. In diesem - speziellen - Fall etabliert sich im Bereich zwischen Spanien, Frankreich und Deutschland ein Hochdruckkern, welches sich von oben herab mit warmen Luftmassen auffüllt.
Die Wettervorhersage Weihnachten
Ein Hoch, das sich im Winter von oben herab mit warmen Luftmassen auffüllt, kann zu einer Inversionswetterlage führen (oben warm, unten frisch). Nach der aktuellen Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells aber setzt sich vergleichsweise warme Luftmasse mit +6 bis +12 Grad bis über die tieferen Lagen durch. Mit nennenswertem Niederschlag ist nicht zu rechnen. Somit sprechen gleich zwei Faktoren gegen weiße Weihnachten - zu hohe Temperaturen und ausbleibender Niederschlag.

Auf den Punkt gebracht: Unschärfe nimmt vor Weihnachten zu
Das ist so und das bleibt auch heute wieder so. Die Vorhersage-Modelle bestätigen den Wettertrend der vergangenen Tage, bei dem sich die für die Jahreszeit viel zu warme Wetterentwicklung bis zum 20. Dezember mit hoher Wahrscheinlichkeit erhalten kann. In der Vorweihnachtszeit wird hingegen der instabile bzw. der schwache Zustand des Polarwirbels bestätigt (man erinnere sich an den positiven AO-Index bis zum 17. Dezember mit anschließend neutralem Zustand).
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Und genau hierin liegt die Herausforderung für die Weihnachtsprognose. Die Unschärfe nimmt zu und das Spektrum an Entwicklungsmöglichkeiten wird größer. Solange nicht klar ist, wie und wo sich die Störungen in den Polarwirbel hinein entwickeln, bleibt die Weihnachtsprognose vage und stützt sich auf die Wahrscheinlichkeiten.
Gut geeignet für die Wahrscheinlichkeiten ist die Temperaturprognose der Kontrollläufe in 1.400 Meter Höhe, welche am 16. Dezember +7 Grad, am 20. Dezember +3 Grad und am 1. Weihnachtsfeiertag -2 Grad berechnet. Das Temperaturniveau geht mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Weihnachten runter, doch hat das über tieferen Lagen gerade einmal Tageswerte von +2 bis +6 Grad zur Folge.
Damit weiße Weihnachten bis auf das Flachland herab möglich sind, müssen die Höhentemperaturen zwischen -5 und -7 Grad betragen, während für mittlere Lagen -3 bis -5 Grad ausreichend sind. Die Wahrscheinlichkeit für Höhenwerte unter -3 Grad liegt nach der Auswertung aller Kontrollläufe aktuell bei rund 37 Prozent. Beeindruckend ist heute der Mittelwert aller Kontrollläufe nach dem amerikanischen Wettermodell, welche eine Vielzahl an Trogvarianten simuliert. Das bleibt also spannend uns schaun mer mal, was sich im Hinblick auf die Stabilität des Polarwirbels bis heute Abend noch so alles ändert.

| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 17. Dezember | +4 bis +12 Grad | +6 bis +8 Grad |
| 21. Dezember | +0 bis +13 Grad | +4 bis +6 Grad |
| 26. Dezember (zweiter Weihnachtsfeiertag) | -4 bis +11 Grad | +3 bis +5 Grad |

Nächste Aktualisierung
- 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle
Update der Wetterprognose von 20:19 Uhr
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells bestätigte heute Nachmittag und heute Abend den unwinterlichen Wetterverlauf vor, über und auch nach Weihnachten. Der Polarwirbel zeigt sich zwar geschwächt und instabil, doch geht die dafür verantwortliche Hochdruckachse von Mitteleuropa aus quer durch den Polarwirbel.
Und so bleibt das Wetter bis zum 26. Dezember überwiegend hochdruckdominiert und schwachgradientig, was dichte Nebelfelder fördert, die auch am Tage das Wetter eintrüben können. Die Temperaturen verändern sich mit +8 bis +12 Grad kaum und liegen bei Dauernebel unter der +5-Grad-Marke.

Das Weihnachtswetter nach den KI-Modellen
KI-Modelle gibt es sowohl von den Europäern als auch von den Amerikanern. Der Ansatz ist ein anderer als bei den numerischen Modellen, welche mit Anfangsparametern, einem Gittermodell und der Physik in die Zukunft simulieren. Die KI-Modelle nutzen die Anfangsparameter, vergleichen diese mit den Trainingsdaten von 1979 bis 2022 und leiten daraus die kommende Wetterentwicklung ab. Sie sind mit einer entsprechenden Skepsis zu bewerten.
Wir wollen heute Abend einmal die KI-Modelle näher betrachten und nachfolgend verifizieren. Die Europäer berechnen aktuell ein Hoch, das sich bis zum 22. Dezember über Mitteleuropa ausdehnt und das Wetter dominiert.
Kaltlufttropfen und Schnee zu Weihnachten
Im Unterschied zu den konventionellen Modellen dehnt sich das Hoch über Weihnachten weiter nach Norden aus und positioniert sich zwischen Skandinavien, der Barents- und der Karasee. Deutschland, die Schweiz und Österreich liegen am südlichen Hochdruckgradienten, was einen Kaltlufttropfen vom westlichen Russland über Osteuropa nach Deutschland ziehen lässt. Weiße Weihnachten wären bei Dauerfrost über Deutschland möglich.
Geht es nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell, so ist die Basis für das Weihnachtswetter eine ähnliche. Das Hoch dehnt sich über Skandinavien aus und geht über Island eine Querverbindung zum Azorenhoch ein. An seinem südlichen Gradienten wird das Hoch von einem Kaltlufttropfen unterwandert. Der Kaltlufttropfen ist jedoch stationärer Ausprägung, was mit -2 bis +5 Grad verbreitet eine nasskalte Witterung mit winterlichen Optionen ab den mittleren Lagen zur Folge hat.

Fazit: Eine für den Winter knappe Kiste
Bis zum 22. Dezember berechnen die Vorhersage-Modelle, die KI-Modelle und auch die Kontrollläufe eine für die Jahreszeit viel zu warme Wetterentwicklung. Die Temperaturanomalie liegt bis zum 21. Dezember zwischen +4 und +6 Grad über dem, was normal
ist. Erst darüber hinaus bewegen sich die Modelle nach unten.
Die Kontrollläufe stützen einen spürbar kühleren Temperaturtrend bis zum 24. Dezember, bei dem sich die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe auf -3 bis -4 Grad einpendeln können. Für weiße Weihnachten bis auf das Flachland herab sind Höhenwerte von -5 bis -7 Grad eine Grundvoraussetzung, während für die mittleren Lagen -3 bis -5 Grad ausreichend sind. Der nasskalte Wettertrend mit winterlichen Optionen ab mittleren Lagen bestätigt sich heute Abend. Die Wahrscheinlichkeit von Höhenwerten unter -4 Grad liegt heute Abend bei rund 40 Prozent und ist im Vergleich zu den vergangenen Tagen stabil.
Interessant aber sind die Abstürze
von einzelnen Kontrollläufen, deren Auswirkung wir heute Abend einmal zeigen möchten. Das Überraschende daran ist, dass die kältesten Varianten eine hohe Übereinstimmung mit dem Grundmuster der KI-Modelle haben.
Jetzt kurz zur Erklärung. Die Kontrollläufe sind numerische Modelle, welche mit kleinen Veränderungen in den Anfangsparametern gestartet und in die Zukunft gerechnet werden. Die Plausibilität der KI-Modelle ist also durchaus gegeben. In diesem Sinne, Ihnen einen wunderbaren Abend.
P.s. Die abendliche Prognose des europäischen Wettermodells berechnet pünktlich zu Weihnachten einen Wetterwechsel mit etwas Schneefall bis auf die mittleren Lagen herab. Das Muster ähnelt der den nachfolgenden Kontrollläufen, jedoch in deutlich abgeschwächter Form (Skandinavienhoch, Unterwanderung durch Kaltlufttropfen). Die Temperaturen schwanken zwischen +0 und +4 Grad und liegen im nasskalten Bereich - also exakt in dem Bereich, welchen die Kontrollläufe vorgeben.

