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Winterprognose: Spannung vor Weihnachten - erhebliche Differenzen zwischen Modellen und Kontrollläufen

| M. Hoffmann

Vom Winter fehlt nach wie vor jede Spur und auch die aktuellen Temperaturen erinnern mit bis zu +17 Grad mehr an den Frühling als an den Winter. Der Grund ist der aktive Polarwirbel, welcher mit einem Tiefdruckkomplex auf dem Atlantik warme Luftmassen in Richtung Deutschland führt. Die Zufuhr ungewöhnlicher Warmluftmassen gelangt zum 3. Advent unter Hochdruckeinfluss und da bleibt für den Winter bis Weihnachten nicht mehr viel Zeit. Doch seit 48 Stunden berechnen die Vorhersage-Modelle auch winterliche Optionen in der Vorweihnachtszeit - hat sich dieser Wettertrend heute bestätigt?

Welche Richtung schlägt der Winter vor Weihnachten ein? © Martin Bloch
Welche Richtung schlägt der Winter vor Weihnachten ein? © Martin Bloch

Mit Winterwetter ist bis zum 3. Advent nicht zu rechnen. Der Grund ist die andauernde Anströmung ungewöhnlich warmer Luftmassen aus südwestlichen Richtungen, was die Temperaturen heute nochmals auf bis +17 Grad ansteigen und zum Wochenende auf +6 bis +10 Grad einpendeln lassen kann. Mit Sonnenschein können bis +12 Grad und bei Dauernebel bis +4 Grad möglich sein.

Hochdruckeinfluss

Die Südwestströmung kommt durch einen Hochdruckrücken, welcher sich jetzt über Mitteleuropa aufbaut und durch ein Tiefdrucksystem auf dem Atlantik zustande. Deutschland liegt zunächst noch zwischen den Fronten, was bevorzugt über den nördlichen Landesteilen etwas Niederschlag bringt. Der Niederschlagsschwerpunkt liegt nördlich einer Linie zwischen Münster und Berlin. Weiter nach Süden ist zwar auch etwas Niederschlag möglich, doch viel ist nicht zu erwarten. Der Himmel zeigt sich über dem Norden häufiger stark bewölkt, während sich von Süden mit auflockernder Bewölkung der Hochdruckrücken bemerkbar macht. Zum Wochenende kommt es dann über ganz Deutschland zu einem Mix aus Sonne, Wolken und dichtem Nebel. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Dezember.

Kein Winter bis zum 3. Advent
Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Kein Winter bis zum 3. Advent © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Das Zeitfenster für weiße Weihnachten schwindet

Die obenstehenden Wetterkarten deuten etwas Spektakuläres an. Im Ansatz erkennt man die Verschiebung der Hochdruckachse innerhalb des Polarwirbels um 90 Grad, was eine Voraussetzung für winterliche Wetterverhältnisse darstellt. Im Ansatz erkennt man sogar einen Polarwirbelsplit. Jetzt ist es aber so, dass die Hochdruckachse von Mitteleuropa aus in den Polarwirbel hinein vordringt und eine Querverbindung zum Hoch über den Aleuten aufnimmt.

Ein starkes Signal - nur nicht für den Winter über Deutschland

Die Störung des Polarwirbels erhält sich nach der Prognose des europäischen Wettermodells bis zum 21. Dezember. Der Wirbel zwischen Grönland und Kanada läuft heiß und schiebt im Verbund mit der Hochdruckachse weiterhin ungewöhnlich warme Luftmassen in Richtung Deutschland, was die Temperaturen am 20. Dezember auf +8 bis +14 Grad ansteigen lassen kann.

Frontalzone bricht durch - stürmische Weihnachten

Im Zeitraum vom 21. bis 24. Dezember (Heiligabend) löst sich die Hochdruckzone innerhalb des Polarwirbels auf. Der Wirbel stabilisiert sich und der Frontalzone gelingt bis Weihnachten der Durchbruch nach Skandinavien.

Deutschland, die Schweiz und Österreich liegen am südlichen Gradienten der Frontalzone, was Stark- und auch Extremwindereignisse nicht ausschließen lässt. Die Temperaturen gehen zwar mit +4 bis +8 Grad etwas zurück, bleiben jedoch in einem unwinterlichen Bereich. Erst wenn die Frontalzone durchgezogen ist und sich das Azorenhoch auf dem Atlantik nach Norden aufstellt, ergibt sich eine Chance für weiße Weihnachten. Davon aber ist die aktuelle Prognose des europäischen Wettermodells weit entfernt.

Kein Schnee, kein Winter und keine weiße Weihnachten - stattdessen stürmische Atlantikluft
Kein Schnee, kein Winter und keine weiße Weihnachten - stattdessen stürmische Atlantikluft © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells: Hochdruckblase über Mitteleuropa verhindert den Winter

Auch die Amerikaner berechnen heute den Ansatz eines Polarwirbelsplits, doch bleibt es bei einem Ansatz - vollzogen wird dieser nicht und die Hochdruckachse durch den Polarwirbel zieht sich zum 20. Dezember in zwei Hochdruckzentren über den Aleuten und Mitteleuropa zurück.

Zu warm für Winterwetter

Das Hoch über Mitteleuropa blockiert die Frontalzone und lässt diese vollständig auflaufen. In Folge daraus füllt sich das Hoch von oben herab mit warmen Luftmassen auf und kann in 1.400 Meter Höhe am 24. Dezember (Heiligabend) die Temperaturen auf +8 Grad ansteigen lassen. Tauwetter bis auf die höheren Lagen, da bleibt kein Spielraum mehr für Schneefall und weiße Weihnachten.

Stattdessen kann das Hoch zu einer Inversionswetterlage führen, was die Temperaturen über tieferen Lagen bei einer schwachen Durchmischung der Luftmassen auf +4 bis +8 Grad einpendeln lassen kann. Spielt Dauernebel eine Rolle, so können sich die Werte auch am Gefrierpunkt orientieren.

Das ungewöhnlich warme Wetter setzt sich bis Heiligabend fort
Das ungewöhnlich warme Wetter setzt sich bis Heiligabend fort © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Unschärfe nimmt vor Weihnachten zu

Das ist so und das bleibt auch vorerst so. Die für die Jahreszeit viel zu warme Wetterentwicklung bleibt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit bis zum 17. Dezember erhalten. Die Temperaturanomalie beträgt in diesem Zeitraum zwischen +4 und +6 Grad und phasenweise bis +10 Grad. Bis Weihnachten kann sich so ein Temperaturüberschuss von +3,2 bis +4,0 Grad aufbauen. Also ja, der Dezember wird erheblich bis extrem zu warm ausfallen. Selbst ein markanter Durchbruch des Winters kann nicht mehr verhindern, dass der Dezember 2025 der 52. zu warme Monat in Folge wird.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Im direkten Vergleich zu den Kontrollläufen bilden beide Vorhersage-Modelle die mit Abstand wärmste Variante ab. Die Differenz zum Mittelwert aller Kontrollläufe beträgt bis zu 10 Grad. Das ist enorm und so bilden die Vorhersage-Modelle im Moment eine Möglichkeit, nicht aber das Erwartbare ab.

Der Temperaturmittelwert beträgt in 1.400 Meter Höhe am 16. Dezember +4 Grad und am 24. Dezember -3,5 Grad. Der Winter rückt mehrheitlich näher an Deutschland heran und die Wahrscheinlichkeit von weiße Weihnachten steigt ab den mittleren Lagen oberhalb von 500 bis 800 Metern an.

Es ist also zu erwarten, dass die Vorhersage-Modelle bis heute Abend auch noch andere Varianten präsentieren werden. Schaut man sich die nachfolgenden Wetterkarten vom Mittelwert aller Kontrollläufen bis zum 24. Dezember genauer an, so erkennt man die Unsicherheiten zwischen Trog-, Nordwest- und einer Hochdruckwetterlage. Schaun mer mal.

Im Prinzip ist vor Weihnachten noch alles an Wetterentwicklungen möglich
Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Im Prinzip ist vor Weihnachten noch alles an Wetterentwicklungen möglich © www.meteociel.fr
Temperaturprognose der Wettermodelle für Dezember
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
15. Dezember +0 bis +10 Grad +6 bis +8 Grad
19. Dezember -2 bis +10 Grad +4 bis +6 Grad
24. Dezember (Heiligabend) -3 bis +8 Grad +2 bis +4 Grad
Diagramm Temperaturen Dezember 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Dezember 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:05 Uhr

Wir wurden heute Nachmittag häufiger gefragt, was denn das für Prognosen sind, die richtig kalt sind und den Mittelwert der Kontrollläufe so weit nach unten ziehen.

Damit wollen wir heute Abend starten - tiefwinterliche Varianten zu Weihnachten mit Schnee bis auf das Flachland herab und Dauerfrost. Das wäre für Freunde weißer Weihnachten der Idealzustand. Interessanterweise verfolgen die Kontrollläufe keine einheitliche Richtung mehr, sondern berechnen in einer Vielzahl an Varianten den Polarwirbel gestört - was nicht immer winterliche Entwicklungen zur Folge hat.

So geht Winterwetter zu Weihnachten
So geht Winterwetter zu Weihnachten © www.meteociel.fr

Zustand des Polarwirbels

Kommen wir also zu dem Punkt, welcher für einen Durchbruch des Winters von fundamentaler Wichtigkeit sein kann. Läuft für den Polarwirbel alles rund, wird es mit Schnee zu Weihnachten eher nix. Eiert der Polarwirbel hingegen herum, destabilisiert oder zersetzt sich möglicherweise, dann steigen die Chancen auf weiße Weihnachten.

Das kann zu Weihnachten noch chaotisch werden

Und in der Tat sind die Randfaktoren, welche einen Rückschluss auf den Zustand des Polarwirbels geben, heute Abend äußerst interessant. Warum? Kurz vor Weihnachten geht die Spreizung beim AO-Index extrem weit auseinander und erreicht bei einer möglichen maximalen Differenz von 12 einen Wert von 9. Wer mehr über den AO-Index-Wert wissen möchte: Wetteranalyse: So stehen aktuell die Chancen auf Schnee an Weihnachten.

Der NAO-Index (Verhältnis von Islandtief zu Azorenhoch) verhält sich bei einer ebenfalls hohen Spreizung neutral. Mit anderen Worten formuliert, berechnen die Indexwerte heute Varianten, welche in beide Richtungen kippen können. Das erklärt auch, warum die Vorhersagemodelle mal komplett auf warm und dann wieder auf kühl bis kalt umschwenken. Es ist also keine ausgemachte Sache, dass Weihnachten grün wird. Nachfolgend einmal eine Gegenüberstellung der Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Mittag und heute Abend, welche das Schemata gut aufzeigt.

Breites Spektrum an Wetterentwicklungen bis Weihnachten
Breites Spektrum an Wetterentwicklungen bis Weihnachten © www.meteociel.fr

Fazit: Für die Jahreszeit zu warm, die Unschärfe nimmt zu

Bis zum 18. Dezember bleiben die Kontrollläufe auf einem für die Jahreszeit zu hohen Niveau, sinken aber in der Zeit vor Weihnachten ab und die Unschärfe nimmt weiter zu.

In der Höhe von 1.400 Metern liegen die Temperaturen am 24. Dezember zwischen -13 und +4 Grad. Die Differenz beträgt 17 Grad und ist für eine detaillierte Prognose unbrauchbar. Der Mittelwert aber wird von Lauf zu Lauf nach unten korrigiert und befindet sich heute Abend mit -3 bis -4 Grad auf einem Niveau, wo es für die mittleren Lagen im Hinblick auf Winter und Schnee langsam beginnt, interessant zu werden. Zum Vergleich: Für weiße Weihnachten bis auf das Flachland herab sind Höhenwerte von -5 bis -7 Grad eine Grundvoraussetzung, während für die mittleren Lagen -3 bis -5 Grad ausreichend sind.

Bewertet man die Kontrollläufe, die heute Abend unter der -4-Grad-Marke liegen, so haben diese einen Anteil von 50 Prozent. Das wird also noch eine ganz spannende Zeit. In diesem Sinne, Ihnen einen wunderbaren Abend.

Regenradar
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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)