Wetterprognose: Eine winterliche Kehrtwende ist vor Weihnachten nicht auszuschließen
Wann kommt der Winter? Ernüchternd waren die Winterprognosen für alle Freunde des Winterwetters
in den vergangenen Tagen. Kein Wunder, erreichen die Temperaturen in der kommenden Woche bereits vorfrühlingshafte Temperaturen und das Setup der Großwetterlage ist alles andere als winterlich. Die Frage steht im Raum - wenn es jetzt so ungewöhnlich warm ist - kippt das Wetter vor Weihnachten? Wir gehen der Frage heute einmal nach.
Die Glättegefahr über dem Süden und Osten schwindet zum Nachmittag und der Niederschlag zieht über Brandenburg und Berlin nach Norden ab. Von Westen lockert die Bewölkung auf und lässt die Sonne für ein paar Momente genießen (Wolkenradar). Über dem Rest von Deutschland bleibt es grau und nach Osten auch trüb. Der Wind kommt schwach aus südwestlichen Richtungen und die Temperaturen erreichen bei trübem Wetter +1 bis +5 Grad und mit Sonnenschein bis +8 Grad.
Tiefdruckausläufer überqueren am 2. Adventswochenende Deutschland
Bereits am Samstag erreicht der Ausläufer eines Tiefdrucksystems auf dem Atlantik Deutschland und führt zahlreiche Schauer von West nach Ost, die zum 2. Advent kurzzeitig nachlassen und sich in der Nacht auf Montag wieder intensivieren. Intensivieren tut sich auch der Wind, der stark böig aus südwestlichen Richtungen auffrischt und die Temperaturen bis Montag auf +10 bis +15 Grad und örtlich auf bis +17 Grad ansteigen lassen kann. Starkes Tauwetter setzt sich bis auf die höheren Lagen durch. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Dezember.

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell - Der Winter klopft an
Bis zum 15. Dezember bleibt die Grundströmung auf südwestliche Richtungen erhalten. Das war auch in den vergangenen Tagen eine sehr wahrscheinliche Wetterentwicklung. In der gestrigen Weihnachtsprognose haben wir darauf hingewiesen, dass über den 15. Dezember hinaus die Signale unschärfer werden und auch wieder winterliche Varianten ins Spiel gebracht werden. Wie das funktionieren kann, zeigt heute die Wetterprognose des europäischen Wettermodells.
Ungewöhnlich warmes Wetter
Wer unsere Prognose der letzten Tage verfolgt hat, der weiß, dass Winterwetter nur dann möglich ist, wenn sich die Achse des Hochdrucksystems innerhalb des Polarwirbels verändert. Im Moment verläuft diese von Sibirien in Richtung Kanada, was die Kaltluftmassen in Richtung Kanada und Grönland schiebt und den Polarwirbel in diesem Bereich festigt. Der Wirbel dreht sich gegen den Uhrzeigersinn und hat in den meisten Fällen über Deutschland entweder eine West- oder Südwestwetterlage zur Folge, was die Temperaturen ordentlich in die Höhe treiben kann.
So werden bis zum 15. Dezember Temperaturen von +6 bis +12 Grad und phasenweise auch bis +15 Grad simuliert. Mit Winterwetter hat das zunächst einmal wenig gemeinsam.
Achsverschiebung innerhalb des Polarwirbels macht den Winter erst möglich
Im Zeitraum vom 15. bis 20. Dezember schiebt sich ein Hoch von den Aleuten in Richtung Nordpol und nimmt für einen Moment Kontakt zum Grönlandhoch auf, was prompt auch strömungsaktiv wird.
Die Achse zwischen Sibirien und Kanada wird gestört und dreht sich um 90 Grad. Zeitgleich findet eine Schwächung des Polarwirbels statt. Zum 17. Dezember greift zudem noch das Azorenhoch ins Wettergeschehen ein und dehnt sich - zunächst noch schwach - nach Norden in Richtung Island aus. Ob daraus eine Blockade auf dem Atlantik entstehen kann, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls triggert das Ereignis eine meridionale Verlaufsstruktur der Grundströmung und lässt einen Schwall polarer Luftmassen arktischen Ursprungs in Richtung der Alpen rauschen.
Nasskalt mit Optionen auf Schneefall
Die polare Luftmasse trifft zum 18. Dezember auf Deutschland - zunächst in der Höhe, später dann auch auf tiefere Lagen. Die Temperaturen sinken auf +2 bis +6 Grad ab und die Schneefallgrenze neigt sich den mittleren Lagen zu (500 bis 900 Meter). Doch hat die Wetterlage Potential für eine winterliche Vorweihnachtszeit bis auf die tieferen Lagen herab. Dazu muss aber die Blockade auf dem Atlantik erfolgreich initialisiert werden.

Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells: Ein Versuch, den Winter möglich zu machen
Die obenstehende Prognose des europäischen Wettermodells ist der Versuch, eine winterliche Wetterlage zu etablieren. Dass das auch in eine völlig andere Richtung kippen kann zeigt die Vorhersage des amerikanischen Vorhersage-Modells. Unter dem Strich aber ist das eine Bestätigung der Unschärfe der Wetterentwicklung nach dem 15. Dezember.
Denn bis Mitte Dezember tut sich auch in der Prognose des amerikanischen Wettermodells nicht viel. Die Frontalzone auf dem Atlantik ist zwar kräftig, wird jedoch durch Hochdruckeinschübe auf dem Atlantik und über Mitteleuropa gestört. Das Hoch über Mitteleuropa lässt die Frontensysteme auflaufen, was die Südwestanströmung mit Temperaturen von +6 bis +12 Grad zunächst einmal erhält.
Polarwirbel zentralisiert sich für den Winter an ungünstiger Stelle
Zum 15. Dezember treibt das Hoch über den Aleuten einen Keil in den Polarwirbel hinein und versucht sich an einer Querverbindung zum Grönlandhoch, die jedoch von einem Wirbel zwischen dem östlichen Sibirien und Alaska im letzten Moment noch unterbunden wird. Das Aleutenhoch kippt in Richtung Alaska ab und verstärkt wieder den Zustrom polarer Luftmassen in Richtung Kanada.
Das hat im Zeitraum vom 15. bis 20. Dezember eine Zentralisierung des Polarwirbels zwischen Kanada und Grönland zur Folge, was Deutschland, Österreich und die Schweiz im Einflussbereich einer Südwestanströmung belässt. Der Versuch einer winterlichen Veränderung, der jedoch kläglich scheitert. Über Deutschland hätte eine solche Wetterentwicklung Tageswerte von +6 bis +12 Grad zur Folge. Dazu ein Wechselspiel aus Sonne, Wolken, dichtem Nebel und gelegentlichem Niederschlag. In Summe unwinterliches Wetter.

Auf den Punkt gebracht: Unschärfe nimmt vor Weihnachten zu
Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells zeigt, wie der Durchbruch des Winters gelingen kann, während die Amerikaner das Scheitern berechnen. Der Ausgangspunkt aber ist jeweils das Hoch über dem Aleuten, welches zum 15. Dezember versucht, die Hochdruckachse innerhalb des Polarwirbels um 90 Grad zu drehen. Da kristallisiert sich die nächste Schlüsselentwicklung ab.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Der Mittelwert aller Kontrollläufe berücksichtigt heute den Vorstoß des Aleutenhochs in Richtung Nordpol, jedoch kippt das Hoch in den meisten Berechnungen in Richtung Alaska ab. Infolge stabilisiert sich der Polarwirbel über Kanada und Grönland und verstärkt so den unwinterlichen Wettertrend über Deutschland - das ist somit das Erwartbare, das andere ist das Mögliche.
Einerlei - die Kontrollläufe stützen zwischen dem 6. und 20. Dezember einen Temperaturverlauf, welcher im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert um +2 bis +3 Grad und phasenweise um bis +5 Grad zu hoch ist. Zwischen dem 9. und 10. Dezember kann die Anomalie sogar bis +10 Grad betragen.
Immerhin stützen die Kontrollläufe einen langsamen, aber steten Temperaturrückgang ab dem 17. Dezember, was die Spekulationen um weiße Weihnachten wieder in die Höhe treiben wird. Schaun mer mal, wie sich das Aleutenhoch in den kommenden Stunden entwickeln wird.

| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 10. Dezember | +6 bis +14 Grad | +10 bis +12 Grad |
| 14. Dezember | +1 bis +12 Grad | +7 bis +9 Grad |
| 19. Dezember | -7 bis +12 Grad | +5 bis +7 Grad |

Nächste Aktualisierung
- 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle
Update der Wetterprognose von 20:16 Uhr
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells hat heute auf verschiedenste Art und Weise auf die Unsicherheiten reagiert. Interessant war die Wetterprognose von heute Nachmittag, welche in vielen Bereichen eine Übereinstimmung mit der fast winterlichen Wetterentwicklung der Europäer hatte.
Das wird vor Weihnachten eine turbulente Wetterlage
Heute Abend eine Mischung aus reaktivem Polarwirbel und einer Störung, welche die Cluster weit nach Süden drückt und Winterwetter möglich macht - weiße Weihnachten wären demnach nicht auszuschließen.
Und ja, das Spektrum der Entwicklungen ist nach dem 15. Dezember groß, im Kern aber lässt sich festhalten, dass das warme Wetter mit einer hohen Wahrscheinlichkeit bis zum 15. Dezember wird anhalten können. Nachfolgend bestätigt sich ein Temperaturrückgang und sollte sich der Kompromiss
von heute Abend einstellen, wäre bei Temperaturen von -3 bis +3 Grad mit typisch deutschem Winterwetter zu rechnen. Der Niederschlag geht über dem Süden und Osten bis auf tiefere Lagen in Schnee über, während über dem Westen und Norden die Schneefallgrenze zwischen 300 und 600 Meter schwanken kann. Eine Momentaufnahme - mehr nicht.

AO- und NAO-Index
Interessant ist die obenstehende abendliche Variante, welche in der Meteorologie einen Sonderfall im Hinblick auf Winterwetter darstellt und durch keinen Randfaktor abgebildet wird. Warum nicht? Sowohl der Polarwirbel, als auch die Frontalzone ist intakt - ein positiver NAO- und AO-Index ist die Folge und trotzdem kann Deutschland kurz vor Weihnachten einwintern. Wie ist das möglich?
Ganz einfach - die Frontalzone dehnt sich derart weit nach Süden aus, dass die polare Luftmasse sich in die Tiefdruckzentren einbetten und mit der entsprechenden Niederschlagsaktivität und einer satten Durchmischung für Schneefall bis auf tiefere Lagen sorgen kann. Ein Sonderfall.
Apropos NAO- und AO-Index. Beide Werte waren in den vergangenen Tagen noch neutraler Ausprägung mit jeweilig positiven und negativen Ausschlägen. Der Mittelwert trügt in diesem Fall, da er den Durchschnitt der Extreme abbildet. Heute Abend sind sowohl der NAO-, als auch der AO-Index positiv berechnet worden. Der NAO-Index spiegelt das Verhältnis von Azorenhoch und Islandtief wider, während der AO-Index zu den Zustand des Polarwirbels widergibt. Sind beide Werte positiv, so sind winterliche Wetterverhältnisse zwar nicht auszuschließen - wie die Amerikaner eindrücklich unter Beweis stellen - doch weniger wahrscheinlich als eine West- oder Südwestwetterlage.
Und wo wir gerade bei den Wahrscheinlichkeiten sind - die Kontrollläufe sind im Tagesverlauf noch einmal ein Stück wärmer geworden und berechnen vom 6. bis 20. Dezember eine Temperaturanomalie von +2 bis +3 Grad und phasenweise von bis +5 Grad. Zwischen dem 9. und 10. Dezember kann die Anomalie auch bis +10 Grad betragen. Die Temperauren in 1.500 Meter Höhe betragen am 16. Dezember +3 Grad.
Zum Vergleich: für den Flachlandwinter sind vor Weihnachten Höhenwerte von -5 bis -7 Grad eine Grundvoraussetzung, während für mittlere Lagen -3 bis -5 Grad ausreichend sind. Also ja, das was die Amerikaner berechnen ist eine Möglichkeit und keine Wahrscheinlichkeit.

Fazit: Ein Trend zeichnet sich ab, Unschärfe bleibt erhalten
An den für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen ändert sich zunächst einmal nichts. Beide Vorhersage-Modelle berechnen auch heute Abend wieder eine deutlich zu warme Wetterentwicklung bis zum 15. Dezember.
Interessant ist heute Abend zu beobachten, dass die Wetterprognose des europäischen Wettermodells im Zeitraum vom 15. bis 20. Dezember in eine ganz ähnliche Richtung wie die Amerikaner umschwenken. Enorme Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik mit einem starken Polarwirbel, dessen Polarfront jedoch sehr weit nach Süden verschoben ist. Eine nasskalte Witterung wird demnach möglich, bei der sich winterliche Wetterereignisse bis auf die mittleren Lagen herab bemerkbar machen können. Das Fazit von gestern, dass sich vom 15. bis 18. Dezember wieder eine Wetterumkehr abzeichnet, lässt sich heute Abend bestätigen - ob dabei Winterwetter herausspringen kann, bleibt abzuwarten.


