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Wetterprognose: Wetterwechsel zum 2. Advent mit gravierenden Folgen für den Winter

| M. Hoffmann

Kommt der Winter vor Weihnachten und wann kommt Schnee? Das sind nach wie vor die häufigsten Fragestellungen an uns. Der Winter macht jetzt erst einmal einen Rückzug und mit einer kräftigen Südwestströmung setzt sich das Tauwetter am 2. Advent bis auf die höheren Lagen durch. Wie aber gestaltet sich das Wetter in der Vorweihnachtszeit - gibt es noch Möglichkeiten, dass das Wetter in Richtung Winter kippt?

Ein Wetterwechsel bahnt sich zum 2. Advent an und kann möglicherweise das Wetter auch in der Zeit vor Weihnachten noch beeinflussen
Ein Wetterwechsel bahnt sich zum 2. Advent an und kann möglicherweise das Wetter auch in der Zeit vor Weihnachten noch beeinflussen

Die Wolkendecke ist vielerorts dicht und zäher Nebel oder Hochnebel trübt das Wetter zusätzlich ein. Über dem Norden und Osten können auch ein paar Regenspritzer vom Himmel fallen, viel ist nicht zu erwarten und verbreitet bleibt es auch trocken (Wolkenradar). Doch in diesem dichten Gewölk gibt es auch immer wieder Lücken, welche die Sonne zum Vorschein bringen. Die Temperaturen sind mit +5 bis +10 Grad und über dem Westen mit bis +12 Grad nicht wintertauglich. Lediglich über den Gebieten mit Dauernebel verweilen die Werte unter der +5-Grad-Marke.

Wetterumschwung zum 2. Advent

Das ruhige und zu Nebel neigende Wetter erhält sich noch bis einschließlich Freitag. Etwas Niederschlag ist möglich, doch sind die Mengen eher gering. Das ändert sich zum Wochenende. Auf dem Atlantik formiert sich eine Tiefdruckfront, auf dessen Vorderseitenanströmung Deutschland gelangt. Die Bewölkung nimmt zu, der Wind frischt stark böig auf und über das Adventswochenende überqueren zwei Niederschlagsfronten Deutschland von West nach Ost. Der Wind führt aus südwestlichen Richtungen ungewöhnlich warme Luftmassen nach Deutschland, was die Temperaturen bis zum 8. Dezember auf +10 bis +15 Grad ansteigen lassen kann. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Dezember.

Ein Wetterwechsel führt zum 2. Advent ungewöhnlich warme Luftmassen nach Deutschland

Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Ein Wetterwechsel führt zum 2. Advent ungewöhnlich warme Luftmassen nach Deutschland © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Da baut sich eine ungewöhnliche Anomalie auf

Beide Vorhersage-Modelle lassen sich heute gut zusammenfassen. Betrachtet man die obenstehenden Wetterkarten, so erkennt man das wetteraktive Hoch über Grönland, dessen Wirkungskreis jedoch stark beschränkt ist. Ob eine Störung des Zirkulationsmusters zwischen Kanada und Sibirien stattfinden kann, bleibt abzuwarten und ist mit den obenstehenden Wetterkarten weniger wahrscheinlich geworden. Die Folgen sind für die Freunde des Winterwetters alles andere als erfreulich.

Polarwirbel stabilisiert sich

Die Störung ist zu schwach und die Hochdruckzone zwischen Kanada und Sibirien kann sich nach beiden Vorhersage-Modellen bis zum 18. Dezember behaupten. Da sich Hochdrucksysteme im Uhrzeigersinn drehen, festigt sich der Kaltluftzustrom über Kanada. Und wer bei uns schon eine Weile zu Gast ist, der weiß, dass das starke Signale für einen sog. Supermildwinter sind. Wir haben das Grundschema eines Supermildwinters hier einmal näher beschrieben: Warum die Winter so warm geworden und woran warme Winter frühzeitig zu erkennen sind.

Betrachtet man die nachfolgenden Wetterkarten bis zum 18. Dezember, so sind das bis zum 20. Dezember nicht zu ignorierende Signale für deutlich bis extrem zu warmes Wetter.

Bis auf weiteres kein Winterwetter

Bis auf weiteres kein Winterwetter © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Der Winter hat ein Problem

Nein, noch ist nichts in Stein gemeißelt, doch hat der Winter über Mitteleuropa bereits ein Problem im strukturellen Aufbau. Warum das für den Winter so problematisch ist? Hat sich das Kaltluftbecken zwischen Kanada und Grönland erst einmal gefüllt, so verhält sich die schwere Kaltluft äußerst zäh. Anders formuliert bleibt sie dort bestehen und hält den zentralen Polarwirbel an Ort und Stelle. Ohne Störungen bleibt der Polarwirbel gefestigt und da dieser sich gegen den Uhrzeigersinn dreht, werden bei Neufundland kalte Luftmassen auf den Atlantik geführt und lösen eine Reihe von Tiefdrucksystemen aus (atlantische Frontalzone).

Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen für gewöhnlich in eine Vorderseitenanströmung, was Winterwetter bis auf das Flachland zu einem Ding der Unmöglichkeit macht.

Dem Frühling so nah

Sollten die Prognosen exakt so eintreten, wie sie beide Vorhersage-Modelle berechnen, so schwanken die Temperaturen zwischen +5 und +10 Grad und können zum Start in die neue Woche mit sonnigen Momenten zu einem Maximum von bis +15 Grad führen.

Deutlicher zeigt sich das in der Temperaturanomalie. Einmal vom 8. bis 15. Dezember und einmal von 15. bis 22. Dezember. Ganz Europa wird erheblich zu warm simuliert. Problematisch für den Winter ist es deshalb, da die Kältereservoirs in Form von Schnee fehlen. Das macht es einem zukünftig möglichen Kaltluftvorstoß zusätzlich schwer, Deutschland zu erreichen, da entweder über dem Osten oder über dem Norden erst einmal der Überschuss an Wärme ausgeräumt werden muss, was Energie kostet und meist endet das in einem nasskalten Geplänkel, was den Winter ab den mittleren Lagen optional machen kann.

Auch in der Vorweihnachtszeit eine erheblich zu warme Wetterentwicklung

Auch in der Vorweihnachtszeit eine erheblich zu warme Wetterentwicklung © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Keine Chance für den Winter?

Das Hop-oder-Top-Prinzip nähert sich dem Ende und es zeigt sich zunehmend deutlicher, dass die Störung über Grönland zum 6. Dezember (die Schlüsselszene) keinen strukturellen Umbau innerhalb des Wirbels provozieren kann. Damit ist klar, dass die kommenden 7 bis 14 Tage von maritimen Einflüssen geprägt sein werden. Meist in Form einer leicht wechselhaften Südwestwetterlage.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Und hier schließt sich der Kreis. Im Mittelwert der Kontrollläufe ist die Südwestwetterlage bereits seit mehreren Tagen der Favorit der kommenden Wetterentwicklung. Aber Obacht - sowohl das europäische als auch das amerikanische Wettermodell bilden im Vergleich zu den Kontrollläufen die mit Abstand wärmsten Varianten ab. Die Differenz zum Mittelwert beträgt teils bis 8 Grad, sodass die frühlingshaften Temperaturaussichten mit einem hohen Maß an Skepsis zu bewerten sind.

Einerlei - der Mittelwert aller Kontrollläufe berechnet im Zeitraum vom 3. bis 18. Dezember eine Temperaturanomalie von 2 bis 3 Grad und zwischen dem 8. und 12. Dezember von bis zu 5 Grad. Kumuliert man die Temperaturprognose, so wird der Dezember bis zum 19. Dezember einen Temperaturüberschuss von +3,5 bis +4,0 Grad aufbauen können. Ja, der Dezember hat eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, der 52. zu warme Monat in Folge zu werden.

Es handelt sich um einen Trend, der sich allmählich festigt. Doch gibt es noch eine Reihe von Parametern, die noch nicht so recht ins Bild einer nachhaltig extrem zu warmen Wetterentwicklung passen. Welche das sind und welche Folgen daraus entstehen können, sehen wir uns heute Abend genauer an.

Die Südwestwetterlage ist und bleibt der Favorit

Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Die Südwestwetterlage ist und bleibt der Favorit © www.meteociel.fr

Temperaturprognose der Wettermodelle für Dezember
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
9. Dezember +7 bis +15 Grad +9 bis +12 Grad
13. Dezember +0 bis +11 Grad +6 bis +8 Grad
18. Dezember -3 bis +14 Grad +5 bis +7 Grad
Diagramm Temperaturen Dezember 2025

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Dezember 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:16 Uhr

Stabiler Polarwirbel - reaktive Frontalzone. Das sind zwei Entwicklungen, was Freunden des Winterwetters die Haare zu Berge stehen lässt. Und sollte sich zudem noch die Hochdruckzone innerhalb des Polarwirbels so ausbilden, wie es die Vorhersage-Modelle heute Mittag berechnet haben, dann sind die Schneefreunde wohl der Verzweiflung nahe.

Das Comeback der Westwetterlage!?

Seit 2018 werden von den Vorhersage-Modellen immer wieder Westwetterlagen simuliert, teils mit einer funktionierenden Tiefdruckrinne, welche nachfolgend genauso oft verworfen werden. Das kann dieses Mal auch passieren, insbesondere wenn man die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Mittag mit heute Abend vergleicht. Die Variationen bleiben erhalten, sowohl in die zu kalte als auch zu warme Richtung.

Ob sich der Polarwirbel wird stabilisieren können, bleibt in Frage zu stellen
Ob sich der Polarwirbel wird stabilisieren können, bleibt in Frage zu stellen © www.meteociel.fr || wxcharts.com

AO- und NAO-Index

Der AO- und NAO-Index bleiben im Mittel neutral, haben jedoch deutlich positive und negative Ausschläge. Der Mittelwert ist also die Summe der Extreme und keineswegs das zu bewertende Resultat. Es handelt sich noch immer um das Hop-oder-Top-Prinzip, was auf den obenstehenden Wetterkarten schon einmal gut dargestellt wird. Mit anderen Worten formuliert berechnen 50 Prozent einen stabilen Polarwirbel mit reaktiver Frontalzone und 50 Prozent eine andere Variante.

Was sind die 50 Prozent der anderen Varianten? Wir haben diese nachfolgend einmal gegenübergestellt. Kurz zur Definition eines negativen AO- und NAO-Index:
Das Verhältnis von Islandtief zu Azorenhoch ist entweder geschwächt oder umgekehrt, der Jetstream verläuft wellenförmiger und provoziert meridional verlaufende Strömungsmuster, was wiederum den Polarwirbel schwächt oder stört und Blocking-Lagen in hohen Breiten wahrscheinlicher macht (Grönland, Skandinavien).

Was ein negativer NAO- und AO-Index nicht bedeutet ist Schnee über ganz Deutschland, lang anhaltender Dauerfrost, ein bestimmter synoptischer Ablauf oder gar der Zeitpunkt eines Ereignisses. Deshalb sind es auch nur Randfaktoren, welche einen Einblick in das große Ganze geben können.

Negativer AO- und NAO-Index - Die gravierenden Folgen auf den Polarwirbel

Negativer AO- und NAO-Index - Die gravierenden Folgen auf den Polarwirbel © www.meteociel.fr

Fazit: Ein Trend zeichnet sich ab

Und noch etwas wird aus den obenstehenden Wetterkarten ersichtlich. Wenn der Polarwirbel gestört ist, dann hängt das unmittelbar auch mit der Hochdruckzone zwischen Kanada und Sibirien zusammen. Darauf sollten die Freunde des Winterwetters in den kommenden Stunden unbedingt achten.

Bewertet man die Kontrollläufe, so bestätigt sich der Trend der vergangenen Tage. Eine für die Jahreszeit zu warme Wetterentwicklung ist zwischen dem 3. und 18. Dezember sehr wahrscheinlich. Das liegt unter anderem daran, dass mit einem positiven NAO-Index milde bis warme Südwest- bis Westwetterlagen eine hohe Eintreffwahrscheinlichkeit haben und auch ein negativer NAO-Index - wie man auf den obenstehenden Wetterkarten unschwer erkennen kann - ebenfalls ungewöhnlich warme Wetterlagen hervorbringen können.

Um es auf den Punkt zu bringen - noch ist nicht alles in trockenen Tüchern, doch der Trend hin zu einer deutlich zu warmen Wetterentwicklung ist markant. Erst zwischen dem 15. und 18. Dezember zeichnet sich wieder eine Wetterumkehr ab. Spannend bleibt auch, ob sich der Polarwirbel tatsächlich wird stabilisieren können.

Noch ein schneller Blick auf die Vorhersage des europäischen Wettermodells. Bis zum 16. Dezember wird eine deutlich zu warme Wetterentwicklung berechnet. Darüber hinaus wird es kälter, was die Schneefallgrenze bis auf die mittleren Lagen absinken lassen kann. Abwarten ist angesagt.

Der Winter tut sich schwer

Der Winter tut sich schwer © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)