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Wetteraussichten: Eine Entscheidung steht bevor - der Winter kippt in eine Richtung

| M. Hoffmann

Mit klassischem Winterwetter ist in den kommenden Tagen nicht zu rechnen. Eher das Gegenteil wird mit der Zufuhr ungewöhnlich warmer Luftmassen zum Nikolaus (6. Dezember) der Fall sein. Der Grund ist nach wie vor der Polarwirbel, der sich zunächst stabilisiert und zum Wochenende die vergleichbar warme Südwestanströmung einleitet. Doch kurze Zeit später destabilisiert sich der Polarwirbel auch schon wieder. Ist das die Chance für den Winter auf den so viele warten?

Schwächt sich der Polarwirbel ab, bekommt der Winter eine Chance, stabilisiert sich der Wirbel, kann es richtig warm werden
Schwächt sich der Polarwirbel ab, bekommt der Winter eine Chance, stabilisiert sich der Wirbel, kann es richtig warm werden

Sonne, Wolken und dichte Nebel- und Hochnebelfelder wechseln sich heute ab. Dicht bleibt das Gewölk westlich einer Linie zwischen dem Saarland und Hamburg und mit etwas Niederschlag kann dort gerechnet werden (Wolkenradar). Weiter nach Osten lockert sich die Bewölkung zwar auf, doch halten sich dort zähe Nebel- und Hochnebelfelder und trüben den Sonnenschein mancherorts ganztägig ein. Der Wind kommt über dem Nordwesten noch böig aus südlichen Richtungen, während der Wind über dem restlichen Land kaum wahrzunehmen ist. Die Temperaturen erreichen bei Dauernebel kaum die +5-Grad-Marke, sonst sind +5 bis +10 Grad möglich.

Wetterwechsel zum 2. Advent

Kommt der Winter bis zum 2. Advent? Nein - der Grund ist zunächst ein sich stabilisierender Polarwirbel, der zwischen Island und England ein kräftiges Tiefdrucksystem auf dem Atlantik entstehen lässt. Und da sich Tiefdrucksysteme gegen den Uhrzeigersinn drehen, werden vergleichsweise warme Luftmassen aus südwestlichen Richtungen nach Deutschland geführt, was die Temperaturen bis zum 2. Advent auf +8 bis +12 Grad ansteigen lassen kann. Die Wolken und auch die Nebelfelder werden im Wochenverlauf zahlreicher und können zunächst vereinzelte Regentropfen oder etwas Sprühregen bringen, bevor zum 2. Adventswochenende eine Regenfront mit einem böigen Wind Deutschland von West nach Ost überquert. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Dezember.

Der Polarwirbel beginnt an Nikolaus zu schwächeln, schiebt jedoch mit einem Tief auf dem Atlantik ungewöhnlich warme Luftmassen in Richtung Deutschland

Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Der Polarwirbel beginnt an Nikolaus zu schwächeln, schiebt jedoch mit einem Tief auf dem Atlantik ungewöhnlich warme Luftmassen in Richtung Deutschland © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage des europäischen Wettermodells: Die dröhnende Südwestwetterlage

Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells berechnet seit rund 96 Stunden bis zum 15. Dezember durchweg für die Jahreszeit zu warme Varianten. Heute wird noch eines obendrauf gesetzt, was Winterwetter - zunächst einmal - ausschließt. Schaut man genauer hin, erkennt man jedoch strukturelle Schwächen, was dem Winter dann doch noch eine Möglichkeit bietet.

Grönlandhoch wandert und verändert die Struktur des Polarwirbels

Wer bei uns schon eine Weile zu Gast ist, der weiß, dass für Winterwetter eine strukturelle Veränderung innerhalb des Polarwirbels nötig ist. Der Kaltluftzustrom von Sibirien in Richtung Kanada muss unterbunden werden, sonst wird das nichts mit Winterwetter. Schaut man sich die obenstehenden Wetterkarten noch einmal genauer an, so erkennt man das wetteraktive Grönlandhoch.

Nach der aktuellen Vorhersage verlagert sich das Grönlandhoch bis zum 12. Dezember über Kanada und geht bis zum 15. Dezember eine Querverbindung zur Hochdruckzone zwischen Kanada und Sibirien ein. Damit kippt das Strömungsmuster innerhalb des Polarwirbels.

Dem Frühling so nah

Die Folgen daraus sind, dass der Kaltluftzustrom nicht mehr unmittelbar über dem östlichen Kanada, sondern zwischen Grönland und Island stattfindet. Das ist im ersten Moment eine absolut unwinterliche Wetterentwicklung. Warum? Ganz einfach - die Tiefdruckproduktion findet zwischen Island und England statt und da sich vom 7. bis 15. Dezember über Mitteleuropa ein Hochdruckrücken positioniert, intensiviert sich die Anströmung warmer Luftmassen aus südwestlichen Richtungen, was die Temperaturen auf +8 bis +14 Grad und örtlich sogar auf bis +16 Grad ansteigen lassen kann.

Dem Winter nicht fern

Kommen wir zu einer aus dieser Prognose abgeleiteten These. Die Grundströmung innerhalb des Polarwirbels verändert sich, jedoch kippt die Hochdruckachse nicht weit genug ab, was den Tiefdruck zwischen Island und England verstärkt. Verändert sich die Hochdruckposition innerhalb des Polarwirbels jedoch noch etwas, so kann es sein, dass der Kaltluftzustrom über Mitteleuropa und nicht auf dem Atlantik stattfindet. Das wäre dann ein klares Signal für den Winter. Verstärkt werden könnten die Signale noch durch ein Blockadehoch auf dem Atlantik. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um eine These, welche man in den kommenden Stunden weiter verifizieren muss.

Deutlich zu warmes Dezemberwetter, doch kann in der These mit einer entsprechenden Umstrukturierung auch Winterwetter möglich sein

Deutlich zu warmes Dezemberwetter, doch kann in der These mit einer entsprechenden Umstrukturierung auch Winterwetter möglich sein © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Geschwächter Polarwirbel

Es kommt im Moment nicht so sehr auf die Details an. Gewichtiger für die kommende Großwetterlage - auch für die Zeit vor Weihnachten - ist der Zustand des Polarwirbels. Bleibt der Wirbel geschwächt, so sind die Chancen auf weiße Weihnachten erhöht. Stabilisiert sich hingegen der Polarwirbel, wird man es mit einer für die Jahreszeit zu warmen Wetterlage zu tun bekommen.

Zustand des Polarwirbels

Die Schlüsselszene ist der 6. Dezember mit dem wetterwirksamen Grönlandhoch. Nach der Prognose des amerikanischen Wettermodells verlagert sich das Grönlandhoch bis zum 10. Dezember in Richtung Kanada und geht zum 14. Dezember eine Querverbindung zu einem Hoch zwischen den Aleuten und Alaska ein. Die Grundströmung kippt und die Kaltluftzufuhr wird bis zum 18. Dezember über das westliche Kanada umgeleitet. Die polare Luftmasse auf dem Atlantik fehlt, was dem Azorenhoch die Möglichkeit gibt, sich nach Norden auszudehnen. Und ja, das Azorenhoch dehnt sich nicht auf dem Atlantik, sondern über Europa nach Norden aus. Der Polarwirbel aber bleibt geschwächt.

Inversionswetterlage möglich

Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen in den Einfluss der Hochdruckzone, was eine gradientenschwache Wetterentwicklung zur Folge hat. Sonne, Wolken sowie dichte Nebel- und Hochnebelfelder wechseln sich ab. In der Höhe kann es mit bis +10 Grad richtig warm werden. Doch fehlt die Durchmischung, was die Temperaturen über tieferen Lagen auf +4 bis +8 Grad einpendeln lassen kann. Kein Winter - trotz schwachem Polarwirbel.

Schwächung des Polarwirbel hält auch in der Zeit vor Weihnachten an

Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Schwächung des Polarwirbel hält auch in der Zeit vor Weihnachten an © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Das Hop-oder-Top-Prinzip

Auch wenn die Vorhersage-Modelle heute einheitlich eine für die Jahreszeit deutlich zu warme Wetterentwicklung simulieren, bleiben die Unsicherheiten auf einem hohen Niveau, was letztlich mit dem Zustand des Polarwirbels zusammenhängt.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Der Wettertrend ist abseits der Unsicherheiten jedoch eindeutig und festigt sich seit einigen Tagen. Der Mittelwert der Temperaturprognose aller Kontrollläufe liegt im Zeitraum vom 6. bis 17. Dezember in 1.500 Meter Höhe zwischen +3 und +5 Grad. Das ist eine recht deutliche Absage an den Winter. Warum? Für den Flachlandwinter sind Höhenwerte von -5 bis -7 Grad eine Grundvoraussetzung, während für mittlere Lagen -3 bis -5 Grad ausreichend sind. Aber nein, selbst in höheren Lagen wird es ungewöhnlich warm.

Eine Inversionswetterlage ist zwar prinzipiell möglich, doch schaut man sich die Temperaturentwicklung über tieferen Lagen an, so schwanken die Werte zwischen +6 und +9 Grad. Bei einer Inversion würden die Temperaturen zwischen +0 und +5 Grad schwanken.

Die Südwestwetterlage

Der Favorit der Kontrollläufe war in den vergangenen Tagen stets die Südwestwetterlage. Diese Struktur hat sich heute gefestigt und hat im Zeitraum vom 7. bis 9. Dezember mäßig erhöhte und vom 10. bis 18. Dezember leicht erhöhte Niederschlagssignale zur Folge. Ein Hoch über Mitteleuropa (und damit auch eine Inversionswetterlage) ist mit einem hohen Maß an Skepsis zu bewerten. Ein Hochdruckrücken ist da schon deutlich wahrscheinlicher. Schaun mer mal, was aus unserer These in den kommenden Stunden wird.

Die Südwestwetterlage wird zum Favorit

Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Die Südwestwetterlage wird zum Favorit © www.meteociel.fr

Temperaturprognose der Wettermodelle für Dezember
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
8. Dezember +6 bis +13 Grad +8 bis +10 Grad
12. Dezember +0 bis +14 Grad +7 bis +9 Grad
17. Dezember -2 bis +12 Grad +6 bis +8 Grad
Diagramm Temperaturen Dezember 2025

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Dezember 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Dreht oder festigt sich der Wettertrend und welche Konsequenzen hat das für das Wetter Weihnachten?

Wetter Deutschland – aktuell

Stand: (Darstellung: heutiger Tag von 00:00 bis 23:59 Uhr)


Ø Temp.
3,0 °C

Max. Temp.
8,9 °C
Helgoland (Schleswig-Holstein)

Min. Temp.
-5,7 °C
Kempten (Bayern)

Wind (Ø)
13,7 km/h

Max. Böe
68,4 km/h
Brocken (Sachsen-Anhalt)

Sonne (Ø)
0,0 h

Niederschlag (Ø)
0,02 mm

Max. Niederschlag
0,1 mm
Hohenleimbach (Rheinland-Pfalz)

Luftdruck (Ø)
1.021,0 hPa
Daten: Deutscher Wetterdienst (DWD)

Top-5 Wetterwerte

  • Top 5 Wetterstationen – Maximale Temperatur (Tmax)
    Temperatur (°C) Wetterstation
    8,9 Helgoland (Schleswig-Holstein)
    8,7 Borkum-Flugplatz (Niedersachsen)
    8,4 List auf Sylt (Schleswig-Holstein)
    8,3 Emden (Niedersachsen)
    8,2 Leuchtturm Alte Weser (Niedersachsen)
  • Top 5 Wetterstationen – Minimale Temperatur (Tmin)
    Temperatur (°C) Wetterstation
    -5,7 Kempten (Bayern)
    -5,6 Zwiesel (Bayern)
    -5,2 Meßstetten-Appental (Baden-Württemberg)
    -5,0 Oberstdorf (Bayern)
    -4,7 Attenkam (Bayern)
  • Top 5 Wetterstationen – Höchster Niederschlag
    Niederschlag (mm) Wetterstation
    0,1 Hohenleimbach (Rheinland-Pfalz)
    0,0 Rülzheim (Rheinland-Pfalz)
    0,0 Tholey (Saarland)
    0,0 Römhild-Sülzdorf (Thüringen)
    0,0 Creußen-Bühl (Bayern)
  • Top 5 Wetterstationen – Stärkste Windböen
    Windböe (km/h) Wetterstation
    68,4 Brocken (Sachsen-Anhalt)
    63,7 List auf Sylt (Schleswig-Holstein)
    63,4 Föhr (Schleswig-Holstein)
    58,7 Hallig Hooge (Schleswig-Holstein)
    55,4 Feldberg - Schwarzwald (Baden-Württemberg)
  • Top 5 Wetterstationen – Längste Sonnenscheindauer
    Sonnenscheindauer (h) Wetterstation
    0,0 Großenkneten (Niedersachsen)
    0,0 Arkona (Mecklenburg-Vorpommern)
    0,0 Augsburg (Bayern)
    0,0 Belm (Niedersachsen)
    0,0 Berus (Saarland)

(Daten: Deutscher Wetterdienst)

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)