Zum Hauptinhalt springen

Wetterprognose: Mild, neblig oder winterlich? Polarwirbel bremst klare Dezembertrends

| M. Hoffmann

Winterwetter ist in den kommenden Tagen nicht zu erwarten, was unter anderem an einem sich stabilisierenden Polarwirbel liegt. Doch ändert sich das Setup und bereits zum 6. Dezember (Nikolaus) lässt sich einer erneute Schwächung des Polarwirbels ausmachen, was das Setup beim Wetter ordentlich durcheinanderwirbeln kann. Ob der Winter bei dieser Umstrukturierung mit Schnee, Eis und Frost über Deutschland Einzug halten kann, oder ob das Wetter in eine völlig andere Richtung umschlägt, haben wir uns heute einmal näher angeschaut.

Die nächste Wetterumstellung steht bevor © Martin Bloch
Die nächste Wetterumstellung steht bevor © Martin Bloch

Mit Sonnenschein startet vielerorts der meteorologische Winter über Deutschland. Doch können regional zähe Nebelfelder den Sonnenschein mindern und mancherorts auch den ganzen Tag über eintrüben (Wolkenradar). Ist das der Fall, erreichen die Temperaturen kaum mehr als +5 Grad. Mit Sonnenschein können +6 bis +10 Grad möglich sein. Der Wind kommt schwach aus südwestlichen Richtungen und kann über dem Nordwesten stark böig und über den Küsten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein auch stürmisch auffrischen. Zum Nachmittag verdichtet sich von Westen die Bewölkung und zum Abend sind über dem nördlichen Niedersachsen, sowie über Schleswig-Holstein ein paar Regentropfen möglich. Sonst bleibt es trocken.

Wenig winterliche, dafür trübe Wetteraussichten

Im Zeitraum bis zum 6. Dezember (Sa.; Nikolaus) gelangt Deutschland in eine gradientenschwache Wetterentwicklung. Der über dem Nordwesten böige bis stürmische Wind schwächt sich ab und wie bereits über dem Rest von Deutschland kommt der Wind kaum wahrnehmbar aus südlichen Richtungen. Die Luftmasse ruht und so mehren sich die dichten Nebel- und Hochnebelfelder. Verbreitet trübt sich der Dezember ein und sonnige Momente sind zum Ende der Woche eher selten. Vereinzelt ist auch etwas Niederschlag möglich. Die Temperaturen gehen bis zum 6. Dezember auf +2 bis +6 Grad zurück. Bei dichtem Dauernebel schwanken die Höchstwerte um den Gefrierpunkt. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Dezember.

Deutschland befindet sich in den kommenden Tagen in einer gradientenschwachen Wetterzone

Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Deutschland befindet sich in den kommenden Tagen in einer gradientenschwachen Wetterzone © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage des europäischen Wettermodells: Blockadehoch über Europa

Die obenstehenden Wetterkarten zeigen zum 6. Dezember die nächste Störung des Polarwirbels. Das ist zugleich auch die Schlüsselszene für die weitere Entwicklung bis Mitte Dezember. Nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells bläht ich das Hoch bis zum 8. Dezember über Europa weiter auf und blockiert die Frontalzone weit draußen auf dem Atlantik.

Das Hoch schwächelt für einen Moment

Im Zeitraum vom 9. bis 12. Dezember schwächelt die Hochdruckzone für einen Moment und lässt ein paar Tiefdrucksysteme passieren, welche in den gradientenschwachen Raum über Deutschland eindringen und etwas Niederschlag bringen können. Der Wind kommt überwiegend aus südwestlichen Richtungen, was die Temperaturen bis zum 9. Dezember auf +5 bis +10 Grad und zum 12. Dezember auf +4 bis +8 Grad ansteigen lassen kann.

Hochdruckaufbau

Die Frontalzone auf dem Atlantik lässt nicht locker und intensiviert sich im Zeitraum vom 12. bis 16. Dezember erneut und drückt dabei den nächsten Hochdruckrücken in Richtung Mitteleuropa, welches sich bis zum 16. Dezember über ganz Europa ausdehnen kann. Es handelt sich hierbei um eine Erhaltungsneigung, was über Deutschland eine erneut gradientenschwache Wetterentwicklung mit viel Nebel, Hochnebel, ein paar Wolken, leichtem Niederschlag, aber auch Sonnenschein zur Folge hat.

Die Temperaturen erreichen mit Sonnenschein bis +10 Grad, während bei dichtem Dauernebel kaum mehr als +0 bis +5 Grad zu erwarten sind.

Ein für die Jahreszeit zu warmes und trockenes Wetter

Ein für die Jahreszeit zu warmes und trockenes Wetter © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Zwischen Frühlings- und Winterwetter

Der Rückschlag der Stabilitätsbemühungen des Polarwirbels kann die Großwetterlage ordentlich durcheinanderwirbeln, wie es die Prognose des amerikanischen Wettermodells in den vergangenen Tagen immer wieder mit winterlich kalten und frühlingshaft warmen Prognosen unter Beweis gestellt hat. So auch heute wieder.

Winterwetter mit viel Schnee

In der Wetterprognose von heute Morgen verlagerte sich die Hochdruckzone über Mitteleuropa bis zum 9. Dezember etwas nach Westen und zum 11. Dezember auf dem Atlantik nach Norden. Bis zum 13. Dezember hat sich auf dem Atlantik eine vollständige Blockade und sogar noch ein wetteraktives Hoch über Grönland etablieren können. Die Grundströmung meridionalisiert, der Polarwirbel schwächt sich ab und aus nördlichen Richtungen konnten kalte Luftmassen polaren Ursprungs bis an die Alpen geführt werden.

Die Temperaturen erreichten am 10. Dezember Höchstwerte von +7 bis +13 Grad, am 13. Dezember -1 bis +6 Grad und am 17. Dezember wurde mit Werten von -3 bis +1 Grad verbreitet der Dauerfrost ins Spiel gebracht. Mit der Nordwetterlage hätte es zudem etwas Neuschnee bis auf tiefere Lagen herab geben können. Der Winter wäre mit solch einer Konstellation in der Zeit vor Weihnachten möglich gewesen.

Modell Kippt - Frühlingshaft statt Winterwetter

Heute Nachmittag die Kehrtwende. Das Blockadehoch kommt auf dem Atlantik nicht zustande. Stattdessen stabilisiert sich der Polarwirbel nach der Schwächung zum 6. Dezember erneut und läuft bis zum 16. Dezember auf Hochtouren. In der Übergangsphase kommt es zu einer Südwestanströmung, welche einen Hochdruckkeil in Richtung Mitteleuropa schiebt und die Temperaturen am 9. Dezember mit +8 bis +14 Grad näher in Richtung Frühling, als dem Winter ansteigen lässt.

Darüber hinaus bricht die Hochdruckzone über Mitteleuropa zusammen und es etabliert sich in der Vorweihnachtszeit eine windige, nasse und mit Temperaturen von +6 bis +12 Grad mäßig warme Westwetterlage.

Unterschiedlicher können die Berechnungen nicht sein

Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Unterschiedlicher können die Berechnungen nicht sein © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Das Hop-oder-Top-Prinzip

Das ist so und das bleibt so. Die Schlüsselszene ist die erneute Schwächung des Polarwirbels zum 6. Dezember. Nachfolgend gibt es zwei mögliche Entwicklungsrichtungen. Entweder zersetzt sich der Polarwirbel und macht über Mitteleuropa eine winterliche Wetterlage möglich, oder der Wirbel stabilisiert sich und führt mit kräftigem Wind die Frontalzone weit in Richtung Deutschland.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Die Kontrollläufe berechneten in den vergangenen Tagen einen positiven Temperaturtrend, welcher von Lauf zu Lauf nach oben korrigiert wurde. Im direkten Vergleich zu den Kontrollläufen, bildeten die Amerikaner - teils mit großem Abstand - die kältesten Varianten ab. Heute hat die Temperaturprognose der Kontrollläufe eine weitere Korrektur nach oben erfahren, was im Zeitraum vom 1. bis 9. Dezember eine Temperaturanomalie von +1 bis +2 Grad und vom 10. bis 17. Dezember von +2 bis +3 Grad zur Folge hat.

Die Temperaturen in 1.500 Meter Höhe erreichen Werte von bis +3 Grad. Mit anderen Worten formuliert, kippt das für Freunde des Winterwetters in eine unerwünschte Richtung. Ist die Niederschlagsaktivität bis zum 7. Dezember noch gering ausgeprägt, so steigen die Niederschlagssignale im bis zum 12. Dezember in den mäßig erhöhten und sinken bis zum 17. Dezember in den leicht erhöhten Bereich ab.

Die Kombination aus einer leicht bis mäßig erhöhten Niederschlagsleistung und einer positiven Temperaturanomalie wird eine Südwestwetterlage - sowie es der Mittelwert aller Kontrollläufe des europäischen Wettermodells favorisiert - zunehmend wahrscheinlicher. Schaun mer mal, ob das in den kommenden Stunden noch einmal kippen wird..

Die Südwestwetterlage wird zum Favorit

Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Die Südwestwetterlage wird zum Favorit © www.meteociel.fr

Temperaturprognose der Wettermodelle für Dezember
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
7. Dezember +2 bis +10 Grad +5 bis +7 Grad
11. Dezember +1 bis +12 Grad +6 bis +8 Grad
16. Dezember -2 bis +14 Grad +4 bis +6 Grad
Diagramm Temperaturen Dezember 2025

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Dezember 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Winterprognose an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:26 Uhr

Die Prognose des amerikanischen Wettermodells von heute Nachmittag wurde heute Abend bestätigt. Der Polarwirbel stabilisiert sich nach der Schwächung zum 6. Dezember relativ zügig. Nachfolgend wird die Frontalzone auf dem Atlantik regeneriert, was nicht nur einen positiven NAO-, sondern auch einen positiven AO-Index zur Folge haben wird.

Das Comeback der Westwetterlage

So sieht's aus, denn wenn das so eintritt, wie berechnet, dann dreht der Polarwirbel vollständig auf und wird ein Tief nach dem anderen von West nach Ost über Deutschland hinwegführen, was im Zeitraum vom 7. bis 17. Dezember windiges, nasses und vergleichsweise warmes Wetter bringen kann. Mit Winter hat das nichts mehr gemeinsam.

Bis Mitte Dezember kein Winterwetter
Bis Mitte Dezember kein Winterwetter © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Neubewertung AO- und NAO-Index

In der Sonntagsanalyse wurden bei Randfaktoren – neutral mit einem zunehmend positiven Trend bewertet. Das hat sich in den vergangenen 24 Stunden geändert. Der NAO- und der AO-Index bleiben bis zum 6. Dezember negativ (Schwächung des Polarwirbels).

Während der NAO-Index nachfolgend einen positiven Verlauf annimmt und bis zum 15. November eine Neutralität erreichen kann, bleibt der AO-Index diffus. Es gibt eine ganze Reihe an negativen, aber auch positiven Ausschlägen. In Summe überwiegen die negativen Entwicklungen, was den Mittelwert im negativen Bereich belässt. Die Trendumkehr mag überraschen, liegt aber in der Natur der Dinge, da die Vorhersage-Modelle selbst erhebliche Schwankungen aufweisen und mit der Schlüsselentwicklung zum 6. Dezember noch nicht klar ist, ob sich der Polarwirbel stabilisieren wird.

Das sind die Folgen

Die Folgen eines stabilen oder instabilen Polarwirbels zeigen sich bereits unmittelbar nach dem 7. Dezember. Die Kontrollläufe gehen in drei unterschiedliche Richtungen. Die eine ist eine Blockade auf dem Atlantik im Zusammenspiel mit einem wetterwirksamen Hoch über Grönland, was über Mitteleuropa eine Nordwetterlage auslöst. Der Winter hat mit dieser Konstellation die besten Chancen, sich mit Schnee, Eis und Frost bis auf das Flachland herab bemerkbar zu machen.

Die zweite Variante ist ein Blocking über Europa, was bei Temperaturen von +2 bis +8 Grad teils sonniges, teils neblig trübes Dezemberwetter zur Folge hat. Auch kann eine Inversion eine Rolle spielen.

Anders sieht es aus, wenn sich der Polarwirbel stabilisiert – dann kommt das dabei heraus, was die Amerikaner heute Mittag und heute Abend und die Europäer bereits seit ein paar Tagen simulieren. Wir haben die instabilen Zustände nochmals gegenübergestellt.

Gegenüberstellung der Folgen eines stabilen oder instabilen Polarwirbels

Gegenüberstellung der Folgen eines stabilen oder instabilen Polarwirbels © www.meteociel.fr

Fazit: Ein Trend zeichnet sich ab

Nach dem 6. Dezember nach wie vor vieles offen. Das bestätigt sich auch in den Kontrollläufen von heute Abend, welche zwar tendenziell noch einen Tick wärmer geworden sind, aber eben auch tiefwinterliche Varianten berücksichtigen.

So liegt das Spektrum der Temperaturen in 1.500 Meter Höhe am 15. Dezember zwischen -8 und +10 Grad. Eine Differenz von 18 Grad. Zum Vergleich: für eine halbwegs brauchbare Wettervorhersage ist eine Differenz von +2 bis +4 Grad und für eine Wetterprognose von bis +6 Grad wünschenswert.

Nichtsdestotrotz - der Trend einer für die Jahreszeit zu warme Wetterentwicklung wird hat sich heute - auch in der Berechnung des europäischen Wettermodells von heute Abend - gefestigt. Schaun mer mal, ob an diesem Trend in den kommenden Stunden festgehalten wird.

Auch nach dem europäischen Wettermodell - Kein Winterwetter

Auch nach dem europäischen Wettermodell - Kein Winterwetter © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)